Hochzeitsmala

Die Herstellung einer buddhistischen Gebetskette „Mala“ anlässlich useres  Hochzeitsrituals. In einer Zeit des materiellen Überflusses ist es ein Prioritätswechsel von „Teuer und Fremdgemacht“ zu „Achtsam und Selbstgemacht“.

Cao und ich werden nächstes Jahr im April heiraten. Traditionell werden in Österreich bei der Trauung Ringe ausgetauscht. Bei der standesamtlichen ist das allerdings nicht gesetzlich notwendig. Für uns bot das den Freiraum, uns einen passenderen Gegenstand für den zeremoniellen Austausch zu suchen. Ich trage keine Ringe. Nicht nur aus dem Grund, dass ich herkömmliche Schmuckstücke nicht besonders ansprechend finde, sondern auch weil ich Ringe als störend und unangenehm empfinde. Cao hat bereits einen Ring von mir – den zum Verlobungsring beförderten, mit bunten Kreisen verzierten Holzring – und hat auch kein Bedürfnis danach sich einen weiteren Ring zu zulegen.

Also überlegten wir ein paar Tage, was ein passender Gegenstand für uns sein könnte. Eine Idee war zum Beispiel, weiße Schale auszutauschen. Das ist in Tibet  eine glückbringende Geste. Ich trage zwar gerne einen Schal, vorallem in den windigeren Jahreszeiten. Allerdings wird ein weißer Schal wahrscheinlich nicht ein Leben lang  schön sein. Ein andere Idee war eine gemeinsame Tätowierung. Wir kennen ein Paar, die das anlässlich ihrer Hochzeit gemacht haben. Allerdings haben wir schon einen nahezu gleichen Körperschmuck und meine dünnen Finger mit einer Nadel zu quälen, stelle ich mir nicht sehr romantisch vor.

Letztendlich haben wir die Idee geboren Malas auszutauschen. Die buddhistische Gebetskette mit 108 Perlen und einem Endstück gefällt mir vom optischen her, kann als Hochzeitsschmuck getragen werden und ist als einfaches Zählwerk ein praktisches Werkzeug für die meditative Praxis. Nachdem wir von einem befreundeten Paar erfahren haben, dass sie bei ihrer Trauung gar nichts ausgetauscht hatten, wurde es für uns noch klarer, dass wir keine Ringe brauchen und uns auf das spirituelle Werkzeug konzentrieren werden.

Für die konkrete Umsetzung haben wir uns vorgenommen, dass jeder die Kette des anderen, nach dessen optischen Vorlieben, herstellt und bis zur Trauung quasi positiv aufladet. Die Malas, die ich bereits gesehen habe, sind meist aus Pflanzensamen oder Schmucksteinen hergestellt. Wir haben uns lackierte Holzkugeln besorgt und einen rohen Hanfgarn hatten wir noch zuhause. Damit die Kette nicht nur um den Hals sondern auch geschmeidig ums Handgelenk getragen werden kann, wird zwischen jeder Kugel ein Knoten gemacht. Ansonsten spannt es wenn die Mala sechsmal um den Unterarm gewickelt wird.  Um der Kette eine gewisse Bedeutung zu verleihen, haben wir uns vorgenommen jede Perle mit einem Mantra auf den Faden zu stecken. Und für den Knoten wurde ein zweites Mantra ausgewählt. Heute morgen war dann die Zeit reif für die Herstellung.

Ungefähr zwei mal zweieinhalb Meter lange Hanfschnüre wurden zugeschnitten. Die Enden mit Klebeband stabilisiert, denn sonst würden sich die Spitzen schnell auftrennen, wenn die Schnur durch die rauen Holzlöcher gefädelt wird. Die Holzperlen wurden bereit gelegt. Die Zahl 108 lässt sich durch 3 teilen. Somit kann man mancherlei mathematische Spielerein anwenden. Die Mala für Cao ist in 9 Segmente zu je 12 Perlen eingeteilt, die für mich hingegen in 12 Segmente mit je 9 Perlen. Für die jeweils letzte Perle des Segments haben wir dickere Kugeln verwendet, meine großteils in schwarz, die von Cao in den 7 Chackrafarben, sowie 2 schwarze. Nach dieser Einteilung ging es auch schon los.

Knoten – Mantra – Perle – Mantra – Knoten …

Das bewusste Vorsagen der Mantren half ablenkende Gedanken fern zu halten. Nach einer Weile bemerkte ich, dass der Hanfgarn langsam rauer wurde. Also legte ich noch mehr Achtsamkeit darauf die Kugeln mit dem geringsten Widerstand über die Schnur zu fädeln. Zunächst hatte ich bei jedem Knoten die bereits aufgesteckten Perlen durch den Knoten geführt. Ab der Hälfte ungefähr hat es allerdings nicht mehr funktioniert. Ich hatte es mehrfach versucht wieder wie zuvor zu knoten aber eigenartigerweise war es mir beim Legen des Knotens nicht mehr möglich. Ich musste die bisherige Praxis ändern, wobei nur mehr der mittlerweile kürzere Faden durch den Knoten geführt wurde. Das könnte man irgendwie als Metapher zum „Leben im Jetzt“ oder „Loslassen von allem Vergangenen“ auffassen.

Zum Abschluss haben wir eine längliche Holzperle verwendet, die wir noch aus Zeiten haben, als wir eine Wohnung in Leopoldsdorf im Marchfeld bewohnten. Und nach dem letzten Knoten sind unsere zukünftigen Hochzeitsgeschenke fertig.

Mit zuversichtlichen Grüßen
[toe]

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