Mut zur Veränderung

Es ist herrlich frühlingshaftes Wetter. Die Natur verändert sich von einer kahlen, tristen, beinahe leblos wirkenden zu einer fröhlichen, bunten und vielfältigen Umwelt. Gerade als ich, umgeben von einer Prise fruchtigem Veilchenduft, das Gesicht in Richtung der wärmenden Sonnenstrahlen neigte und mich die Lebensfreude überkam, fiel mir ein, dass [toe] und ich vor unserem Umzug in die Südsteiermark mindestens einen Sommer lang eine Auszeit nehmen wollten.
Eine Auszeit deshalb, um dem alltäglichen Trott aus Arbeit, damals noch Studium und den gelegentlichen gesellschaftlichen Treffen zu entfliehen und für eine Zeit lang einfach nur wir selbst sein zu dürfen, ohne die Anforderungen des Alltags bewerkstelligen zu müssen. Wir hatten viel darüber nachgedacht und geplant, es jedoch nie durchgezogen. Einen sicheren Job einfach so aufzugeben, wo man gerade erst ein Haus gekauft hat, ist eben nicht so einfach.

Auch bei meiner letzten Arbeit, die mich sehr unglücklich machte und aus dessen Zwängen ich mich einfach nur befreien wollte, bin ich erst nach einem Jahr „raus“ gekommen. Erst dann habe ich den Mut gefasst und gekündigt.
Und auch jetzt stehe ich wieder vor einer Situation, wo Veränderung notwendig wäre bzw. ich mich nach Veränderung sehne. Dennoch habe ich nicht die Motivation oder den Mut, diese Veränderung durchzuführen.

Natürlich gab es in unserem Leben schon viele kleine und auch große Veränderungen, vor denen wir nicht zurück schreckten, sondern ihnen mit Freude entgegen blickten und teilweise auch absichtlich herbeiriefen.

Aber dennoch habe ich das Gefühl, dass für Veränderungen im Leben viel Mut und Anstrengung notwendig sind. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, haben unsere selbstgebastelten Vorstellungen, Regeln und Riutale. Und diese, manchmal schon Jahrzehnte durchgeführten Ritualen, zu ändern oder sich gar davon zu trennen, fällt den meisten nicht leicht. Es ist meist ein schwieriger Umlernprozess und braucht größte Achtsamkeit, die neu gelernten Verhaltensmuster auch tatsächlich beizubehalten.

Immer öfter frage ich mich, was uns vor Veränderung zurückhält. Ist es Angst, Unsicherheit, Faulheit, Unwissen oder einfach ein angelerntes Verhalten, sich in die Gesellschaft zu fügen und ja nicht aufzufallen?
Eine eindeutige Antwort kann ich in meinem Fall nicht finden. Ich für meinen Teil habe jedenfalls entschieden, mir meiner Verhaltensmuster noch bewusster zu werden und aktiv zu versuchen, sie zu ändern. Dabei geht es gar nicht um große Dinge, sondern um Kleinigkeiten wie: zum Frühstück etwas anderes zu essen als gewohnt, mit der linken Hand Zähne zu putzen, zum Einkaufen auf das Auto zu verzichten (auch wenn das Geschäft in der entfernten Nachbarortschaft liegt), den gewohnten Tagesablauf komplett auf den Kopf zu stellen, neue Gerichte zu kochen und seltsam erscheinende Geschmacksvariationen kennen zu lernen, Sachen zu tun, auf die man eigentlich grad gar keine Lust hat, neue Wege zu gehen, usw. …

Wie sehr wir auch in unsere Gewohnheiten verstrickt sind, es gibt immer die Möglichkeit der Veränderung!

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5 Kommentare zu “Mut zur Veränderung”

  1. Ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Ich konnte meinen Job erst kündigen als ich starke psychische Probleme bekommen habe. Mein Körper hat mich quasi zur Kündigung gezwungen. Es ist schon erschreckend was wir uns manchmal selbst antun…
    Mich hielt die Angst ab. Es war für mich nicht vorstellbar einen sicheren Job zu kündigen – egal wie unglücklich ich war. „Das macht man doch nicht“… Verrückt… ich war sehr angepasst und festgefahren in diesem „System“… wenn man bedenkt dass angeblich jeder zweite Deutsche innerlich schon gekündigt hat, scheint die Angst allgegenwärtig zu sein… wo wird das enden?
    Alles liebe!

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  2. Spannendes Thema! Ich habe mir vor einigen Jahren gerne „Wochenaufgaben“ gestellt und mich eben sieben Tage auf EINE Gewohnheit (bzw. sie zu brechen) konzentriert. Angeblich braucht es ja 21 Tage, bis sich eine neue etabliert hat … Also, einige sind auf jeden Fall geblieben 🙂

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  3. Hallo,
    ein wichtiges Thema. Ich bin auch eher jemand, der vor Veränderungen zurück schreckt. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass ich mich am besten mit Veränderungen arrangieren kann, wenn sie allmählich geschehen. Ganz wie du es beschreibst, Stück für Stück alte Verhaltensweisen verändern.
    Gruß
    Grace

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