Zweck der Schule

„Es war etwas in ihm, etwas Wildes, Regelloses, das mußte erst gelöscht und ausgetreten werden. Der Mensch, wie ihn die Natur erschafft, ist etwas Unberechenbares, Undurchsichtiges, Gefährliches. Er ist ein von unbekanntem Berge brechender Strom und ist ein Urwald ohne Weg und Ordnung. Und wie ein Urwald gelichtet und gereinigt und gewaltsam eingeschränkt werden muß, so muß die Schule den natürlichen Menschen zerbrechen, besiegen und gewaltsam einschränken; ihre Aufgabe ist es, ihn nach obrigkeitlicherseits gebilligten Grundsätzen zu einem nützlichen Gliede der Gesellschaft zu machen und die Eigenschaften in ihm zu wecken, deren völlige Ausbildung alsdann die sorgfältige Zucht der Kaserne krönend beendigt.“

Hermann Hesse, Unterm Rad, Frankfurt am Main 1972, 51. Auflage 2012, S. 46ff Suhrkamp Verlag

Im ersten Moment fühlte ich mich sprachlos, als ich die Stelle in Hesse’s Unterm Rad las. Ich bin mir nicht sicher, ob es heute noch Menschen mit solcher Meinung gibt. Für mich zeigt es jedenfalls das Extrem, dem ich keinen kindlichen Geist aussetzen möchte.

Ganz im Gegenteil finde ich, dass durch solcherart Bildung man sich zusätzliche Hindernisse für das Leben und erst recht für den buddhistischen Weg der Befreiung aufbaut. Wenn ich an meine eigene Schulbildung denke, so wurde ich zwar nicht diesem Extrem gemäß unterrichtet, aber ich kann leider auch nicht behaupten, dass meine natürlichen Begabungen groß gefördert oder überhaupt gesucht worden wären.

Müsste ich meine gesamte Schulbildung also selbst zwischen den beiden Extremen einteilen, so würde sie doch näher an Hesses geschildertem Zweck liegen als an einer persönlichen Entfaltung. Das ist aber kein Grund in ein tiefes Loch zu fallen. Man kann sich weiter entwickeln. Glücklicherweise ist die Bildung nicht das Einzige, was einem Menschen im Leben hilft.

Wer sich aber doch Gedanken über alternative Schulen machen möchte, dem empfehle ich folgendes Video der Waldorfschule in Graz.

Kein Vergleich zu meinen Erfahrungen. Ich möchte aber keine Werbung für Rudolf Steiner oder seine fragwürdigen Lehren machen, sondern eher auf die alternative Methodik der Waldorfschulen hinweisen. Da hätten bei der Umsetzung des Bildungsvolksbegehren ruhig einige Maßhnahmen abgeleitet werden können.

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