Ein Vorbild der Erleuchtung

Noch immer verschlinge ich die Seiten des Buches: „Neue Stimme einer alten Tradition, Sangharakshitas Darlegung des buddhistischen Weges“ von Subhuti, wie in dem Beitrag Buddhas verlorener Weg erwähnt. Und wieder folge ich meinem Herzen und berichte euch über einen Teil des Inhalts, der mich sehr berührt.

Rückblende: Nach dem Jahreswechsel organisierten wir mit der Dharma Gruppe ein Samatha Retreat. Dabei sprachen wir auch über die tibetischen Gottheiten die für Visualisierungsmeditationen verwendet werden. Diejenigen von uns, deren Erziehung von christlichen Elementen durchzogen ist, stoßen üblicherweise auf ein paar geistige Abneigungen, wenn es um dieses Thema geht. Meinem Gefühl nach dauert es eine Weile bis man auch emotional verstanden hat, dass die tibetischen Gottheiten als Darstellungen bestimmter verwirklichter Eigenschaften dienen. Die Symbolik, die in diesen Bildern steckt, ist sehr ausgefeilt und mag für manche durchaus spannend und inspirierend sein. Ich kann leider nicht allzuviel damit anfangen, vermutlich weil mir die nötigen Assoziationen fehlen.

Lovelock mit einem Buddha auf der Grazer Hauptbrücke.

Sangharakshita empfiehlt mir in dem Buch, diese Vorbilder nicht in meiner Meditationspraxis zu verwenden, sondern stattdessen vorhandene Assoziationen zu nutzen. Je intensiver wir uns mit dem historischen Buddha und seiner Lehre befassen, desto konkreter formt sich ein Bild in unserem Kopf. Das muss nicht unbedingt visueller Natur sein, aber kann sich in allerlei visuellen Darstellungen finden lassen, je nach Geschmack und Erfahrung.

Als ich das gelesen hatte, musste ich sofort an meinen Garten denken. Zum Winkelbauer gehört, für meine Verhältnisse, eine große Fläche Streuobstwiese die zumindest jährlich gemäht werden muss. Und weil wir mit möglichst wenigen Hilfsmittel zu leben versuchen, haben wir uns dafür eine Sense besorgt. Wenn ich ab und zu Zeit in der Wiese verbringe und mit der Sense ein paar Grashalme bearbeite, dann lasse ich instinktiv jeden Farn den ich wahrnehme stehen. Ich kann es mir nicht wirklich erklären, warum ich diese Pflanzen nicht gekürzt sehen möchte, aber es ist mir fast keine Mühe zu groß, um sie möglichst unversehrt stehen zu lassen.

Ich habe keine Ahnung, ob das in irgendeiner Weise nachvollziehbar ist, aber diese Pflanze erwecken einen Schimmer von Erleuchtung bei mir. Eine urtümliche Gestalt wie sie seit über Jahrmillionen unverändert an Orten aufgehen die nicht zu sonnig, aber auch nicht zu dunkel, nicht zu trocken aber auch nicht zu nass sind. Kein weiterer Fortschritt ist erforderlich. Das pflanzliche Äquivalent zum Ziel mittleren Weges.

Wenn ich mal in der Meditation soweit bin, dass ich mit Visualisierungen arbeite, dann denke ich wäre mir diese Assoziation ein guter Anfang.

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