Wenn aus Unachtsamkeit Spontanität wird …

Wieder einmal stand ein Dharma Vortrag vor der Tür. Wir standen wie immer recht früh auf, machten in gewohnter Weise unsere Morgenpraxis und begannen dann, das Haus für den bevorstehenden Besuch vorzubereiten. Außerdem bauten wir auf der Terasse ein Sonnensegel auf, damit wir den Vortrag an diesem wunderschönen, sonnigen Tag im Freien genießen konnten. IMG_20150614_095609 Als es kurz vor 10 Uhr war wunderte ich mich ein wenig, dass noch niemand da war. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl. Als gerade der erste Gast vor unserem Haus parkte, ging ich entschlossen zum Terminkalender und musste mit Entsetzen feststellen: heute war gar kein Dharma-Vortrag bei uns! Dieses Wochenende war eine Meditation bei Sungrab Woeser, aber nicht der Vortrag bei uns. Wir mussten unserem Gast (den wir am Vortag extra noch an das Treffen bei uns erinnert hatten) daher erklären, dass wir uns im Datum vertan hatten. Irgendwie ärgerte ich mich über diese Unachtsamkeit und dass ich vorher nicht noch einmal das Datum geprüft hatte. Da unser Gast aber gleichzeitig ein Freund von uns ist, entschlossen wir kurzerhand, den Vormittag gemeinsam zu verbringen. Ohne groß darüber nachzudenken, stellte ich mir ein nettes Plauscherl bei Kaffee vor, dabei die Sonne und die leichte Brise genießend. [toe] schlug jedoch spontan vor, noch eine kurze Meditation mit Tönen zu praktizieren. Unser Gast, der Erfahrung in Zen-Meditation hat, hatte daraufhin den Vorschlag, 4 Einheiten zu meditieren und dazwischen Pausen einzulegen, in denen wir uns bewegten und durch den Garten wanderten. Alles sollte in Stille passieren und nur das Notwendigste geredet werden. So verbrachten wir ca. 2,5 Stunden mit meditieren und viel Stille. Danach bereiteten wir gemeinsam das Mittagessen zu und speisten. Das war keine Zeit der Stille mehr, jedoch redeten wir nicht nur über belanglosen „Klatsch und Tratsch“, sondern viel über den Buddhismus, Spiritualität und unsere eigenen Praktiken und Fortschritte. Anschließend wollten wir noch einen kurzen Verdauungsspaziergang machen, welcher als kleine Wanderung zu einem schönen Aussichtsplatzerl endete. Am späten Nachmittag kamen wir müde zurück und unser Gast verabschiedete sich von uns. Ich fühlte mich sehr zufrieden, mit dem Gefühl, den Tag genutzt und sinnvoll mit lieben Menschen verbracht zu haben. Was mit Unachtsamkeit und ein wenig Ärger über mich selbst anfing, entwickelte sich zu einem spontanten, wundervollen, gemeinsamen Erleben. Mir wurde wieder bewusst, wie wichtig regelmäßge Praxis mit einer Sangha ist und das dafür nicht notwendigerweise ein ‚Lehrer‘ oder jemand, der spiriutell mehr Erfahrung hat als man selbst, nötig ist. Es tut einfacht gut, zusammen mit Menschen, die auf dem selben Weg sind, Zeit zu verbringen, zusammen zu meditieren und alltägliche Dinge wie Kochen zu verrichten. Bei der Wanderung entschlossen wir uns daher, Treffen dieser Art, wo wir gemeinsam meditieren, tönen, Yogaübungen praktizieren, spazieren gehen usw. , regelmäßig einzuführen. Im Nachhinein bin ich natürlich froh darüber, dass wir uns im Datum geirrt haben, sonst hätten wir diesen Tag nicht in dieser Weise erleben können.

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