Die 10 ethischen Prinzipien

Viele Menschen in unserer Umgebung, die sich oberflächlich mit Buddhismus befassen, denken, dass sie Meditieren müssen um den Weg zum Erwachen zu beschreiten.

Obwohl die Meditation ausdrücklich als Methode vom historischen Buddha angeführt wurde, darf man nicht vergessen, dass die Phase der Achtsamkeit allzuoft auf die Zeit reduziert wird, in der man es sich auf dem Sitzkissen bequem gemacht hat. In der übrigen Zeit merkt man Ihnen keinen Schimmer des spirituellen Weges an.

Ich möchte die Prinzipien der buddhistischen Ethik in diesem Beitrag vorstellen, die man sich bei der Ordination in den Orden Triratna vornimmt. An sich handelt es sich um eine Übertragung des konkreteren 8-fachen Pfades auf allgemeinere Grundsätze und drückt so die Zufluchtname zu Buddha, Dharma und Sangha aus. Sämtliche Mönchsregeln aus alter Zeit sind davon ableitbar, weshalb die Anwendung dieses Prinzipien in unserer Kultur mehr Sinn macht als die starren Regeln längst vergangener Zeit, an weit entfernten Orten.

Wie immer darf die Lehre stets hinterfragt, kontrolliert und überprüft werden, denn im Gegensatz zu manch theistischen Ideologien wurden diese Lehre von Menschen für Menschen verfasst. Ob das Einhalten der folgenden Prinzipien Sinn macht – also förderlich ist- oder nicht – also hinderlich ist – , kann man durch Nachdenken, durch Probieren oder auch durch Beobachtung an sich selbst und Anderen erfahren.

Luna in der Kiste

Jedenfalls bildet die bewusste Anwendung und Integration dieser Prinzipien die fruchtbare Grundlage, worauf Meditation bis zum Ende der spirituellen Entwicklung führen kann.

Der Grundsatz, sich des Tötens von Lebewesen zu enthalten: Liebe

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, dem Töten von Lebewesen zu entsagen. Mit Taten liebevoller Güte läutere ich meinen Körper.

Der Grundsatz, Nichtgegebens nicht zu nehmen: Großzügigkeit

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, dem Nehmen des Nicht-Gegebenem zu entsagen. Mit Großzügigkeit gebend läutere ich meinen Körper.

Der Grundsatz, sexuelles Fehlverhalten zu meiden: Zufriedenheit

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, sexuellen Fehlverhalten zu entsagen. Mit Stille, Schlichtheit und Genügsamkeit läutere ich meinen Körper.

Der Grundsatz sich falscher Rede zu enthalten: Wahrhaftigkeit

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, dem Sprechen von Unwahrheit zu entsagen. Mit ehrlicher und wahrhaftiger Sprache läutere ich meine Rede.

Der Grundsatz, sich grober Rede zu enthalten: liebevoll sprechen

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, der Benutzung grober Worte zu entsagen. Mit freundlichen, liebevollen Worten läutere ich meine Rede.

Der Grundsatz, nicht leichtfertig zu reden: Bedeutsames sprechen

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, überflüssiger Rede zu entsagen. Mit hilfreichen … Äußerungen läutere ich meine Rede.

Der Grundsatz, nicht verleumderisch zu reden: Eintracht stiften

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, verleumderischer Rede zu entsagen. Mit … friedlich gesinnten Äußerungen läutere ich meine Rede.

Der Grundsatz, sich der Begierde zu enthalten: Stille

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, der Begehrlichkeit zu entsagen. Gier löse ich in Stille auf und läutere so meinen Geist.

Der Grundatz, nicht zu hassen: mitfühlendes Erbarmen

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, dem Hass zu entsagen. Hass kehre ich um in Mitgefühl und läutere so meinen Geist.

Der Grundsatz, sich falscher Ansichten zu enthalten: Weisheit

Ich nehme den Übungsgrundsatz an, falschen Ansichten zu entsagen. Unwissenheit verwandle ich in Weisheit und läutere so meinen Geist.

 vgl. Neue Stimme einer alten Tradition, Sangharakshitas Darlegung des buddhistischen Wegs, Subhuti, Kapitel 6. Der grundlegende ethische Kodex. do evolution 2011
Sangharakshita, Die zehn Pfeiler des Buddhismus. Webfassung 01.2014. Download bei www.triratna-buddhismus.de (Ressourcen) Darin finden sich auch die historischen Quellen.

Auch empfehlen kann ich den Audiovortrag von Jnanacandra, den ich schon mehrfach gehört habe.

Solange man sich auf dem spirituellen Weg befindet, sollte man bei der Anwendung den mittleren Weg in seiner ursprünglichen Bedeutung berücksichtigen.

Um die Wahrheit zu finden müssen zwei ethische Extreme vermieden werden: das Extrem der Zügellosigkeit und das der Selbstquälerei.

vgl. Dhammacakkappavatana-Sutra des Palikanons

Zuerst hatte ich vor, zu den einzelnen Grundsätzen eine kurze Abgrenzung zu ergänzen. Aber es fällt mir noch schwer den jeweiligen umfassenden Aspekt, der sich in der positiven Formulierung ausdrückt, in eine kurze Beschreibung zu packen. Deswegen habe ich es letzendlich weggelassen. Wer mehr erfahren möchte, sollte sich die verlinkten Quellen ansehen und bewusst zu praktizieren beginnen, vorallem außerhalb der Meditation.

Oder mich in den Kommentaren auffordern, in weiteren Beiträgen darüber zu schreiben. 😉

Advertisements

9 Kommentare zu „Die 10 ethischen Prinzipien“

  1. So ein Zufall, während der Abendlektüre habe ich etwas zu deinen Fragen gelesen: „Wir mögen durchaus annehmen, was wir von einem anderen Menschen benötigen – ob es sich um etwas Materielles, Psychologisches oder Spirituelles handelt. Doch sollen wir es wie eine Biene nehmen, ohne die Blume zu verletzen, d.h. ohne den, der gibt, zu schädigen. Anders gesagt: Wir sollen nehmen, ohne auszubeuten.“ [Sangharakshita in ‚Buddhistische Praxis, Ethik, Meditation, Weisheit‘, S.39] Dem ist wohl nichts mehr hinzu zu fügen.
    MfG toe

    Gefällt mir

  2. Hallo, zunächst geht es in diesem Grundsatz meinem Verständnis nach um das aktive Nehmen bzw. Geben, nicht um das passive Bekommen. In der negativen Bedeutung soll jedwede Art von Ausbeutung, Unterschlagung, … als Ausdruck von Gier und selbstsüchtigem Verhalten vermieden werden. Meiner Einschätzung nach fällt auch Neid gegenüber den Verdienst anderer hierein.
    In der positiven Bedeutung soll man mit Großzügigkeit geben, ohne dem Gegebenem nach zu trauern. Und somit auch jedem sein materielles und iimmaterielles Glück zu gönnen.
    Zu deiner Ausführung, drängt sich mir der Gedanke an das Verhalten der Mönche beim Almosengang auf. Mönche sollen dabei jede Speise annehmen, wenn dadurch nicht extra für den Mönch Leid entstanden ist. Die Idee dahinter ist, sich von Anhaftung (an die Lieblingsspeise von der einen netten Familie) und von Abneigung (vom fleischigen Fraß der reichen Familie) zu befreien.
    Ich denke also nicht, dass es zur Großzügigkeit gehört auch das zu Nehmen, was man nicht braucht oder nicht will. Außer vielleicht, wenn man jemandem etwas nicht abnimmt, weil man weiß, dass sich der Geber dadurch kränkt. Aber auch dann würde ich das gefühlsmäßig dem 1. Vorsatz zuschreiben, nicht zu verletzen.
    Ich hoffe ich konnte meinen Gedankengang nachvollziehbar darlegen.
    MfG toe

    Gefällt mir

  3. Ich tue mich gerade schwer, den Grundsatz: „Nichtgegebens nicht zu nehmen“ zu verstehen. Magst du dazu was sagen? Bezieht sich das, auf das Bewusstsein, in dem mir jemand gibt. Oder muss man die Negation rausnehmen und hat dann gegebens zu nehmen? Dh. dass zur Großzügigkeit auch das Nehmen gehört. Das wäre ein interessanten Aspekt.

    Gefällt 1 Person

  4. Ich kann mir vorstellen, wenn manche konkrete Lehren zu wörtlich genommen werden, dass man sich das unhöflich richten kann. Ich denke an die Lehren an Hausväter, in denen es um die Beziehung zw. Männer und Frauen geht. In der Auflistung gibt es nunmal kein Bespiel für gleichgeschlechtliche Beziehungen.
    Deswegen verstehe ich das allerdings nicht als implizites Verbot von Homosexualität, sondern als Antwort auf eine Frage von heterosexuellen Männern.
    Ich habe zwar noch lange nicht alle zig-Tausenden Sutras gelesen, aber für mich ist es soweit klar, dass homosexuelles Verhalten im spirituellen Sinn keinen Unterschied zu heterosexuellem aufweist. Außer, dass daraus kein Baby entstehen kann, mit denselben Konsequenzen für das Paar, wie für heterosexuelle, die physisch keine Kinder bekommen können.
    Dharma im 21. Jahrhundert.

    Gefällt 1 Person

  5. Hallo,
    ja, deshalb bin ich erst darauf gekommen. Ich hatte gelesen, dass in einem „buddhistischen Land“ (ich glaube Thailand) diese homophobe Auslegung üblich ist.
    Gruß
    Grace

    Gefällt mir

  6. Das freut mich. Meiner Einschätzung nach ist die Homophobie immer ein gesellschaftliches Problem durch fehlendem Respekt. Und gerade im Dharma sollte es selbstverständlich respektiert werden. Leider ist das wohl mal nur meine Meinung. Wie das in den Ländern gesehen wird, in denen der Buddhismus zur ethnischen Religion degradierr wurde, weiß ich nicht. Befürchte aber Schlimmes.
    MfG toe

    Gefällt mir

  7. Hallo,
    meiner Interpretation nach, geht es darum, niemandem seinen Willen aufzuzwingen, auch nicht zB. einem Ehepartner. Ein Fehlverhalten ist es zudem, wenn eine dritte Person dadurch emotional verletzt wird, zB. durch Vertrauensbruch.
    Im weiteren Kontext der positiven Formulierung geht es um die Überwindung der Zügellosigkeit, einfach mal Zufrieden sein mit dem was man hat. Und in den Triratna Texten wird auch beschrieben, dass es darum ginge, die Rollenbilder von Mann und Frau nicht zu ernst zu nehmen oder für endgültig zu halten. Für Homophobie gäbe es keinerlei Grund, in der Meditation sei man bereits in einem gewissen Sinn so geschlechtslos wie ein Engel. Ich denke, bevor man erwacht, hat jeder von uns Anhaftungen, Gewohnheiten und Neigungen. Diese gilt es zu transzendieren, sicher nicht sie zu unterdrücken oder gar zu verfolgen. Das ist unglücklicherweise der Spielraum den sich die weltlichen Gesellschaften einvernehmen.

    Gefällt mir

  8. Hallo,
    was ich mich bei diesen Grundsätzen schon länger frage: Was gilt als „sexuelles Fehlverhalten“? Buddah hat sich da ja (wie öfters) nicht sehr konkret zu geäußert. Manche nutzen diesen Satz um zu behauptet, der Buddhismus sei gegen Homosexuelle. Das ist für mich schwer zu glauben. Wisst ihr etwas Genaueres darüber?
    Gruß
    Grace

    Gefällt mir

Wie ist deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s