Wenn du zu gesund bist, bist du ernsthaft krank

Laut einem Sprichtwort gibt es nichts älteres als gestrige Nachrichten. Wie zeitlos müssen wohl Nachrichten sein, die es über sechs Jahre nach ihrer Erstpublikation noch einmal in die Zeitung schaffen?
Ein am 16. Aug. 2009 im britischen Guardian publizierter Artikel schaffte es am 26. Sept. 2015 unter dem Titel Orthorexia: when healthy eating turns against you nochmals in den Guardian.
Worum geht es also?

2009 betitelt Amelia Hill ihren Artikel in der Rubrik ‘mental health’ des Guardian: „Healthy food obsession sparks rise in new eating disorder“ Die Fixierung auf gesundes Essen könne Zeichen einer ernsthaften psychologischen Störung sein. Immer mehr Menschen würden an Orthorexia Nervosa, einer ernsthaften psychologischen Störung, leiden. Symptomatik: die Patienten wollen gesund essen!

Die wird den kritischen Leser nicht überraschen; denn je mehr anerkannte psych. Diagnosen es gibt, desto mehr Arbeit haben Psychologen und Psychotherapeuten.

Hill schreibt, die Ablehnung von Zucker, Salz, Koffein, Alkohol, Weizen, Gluten, Germ, Soja, Getreide und Milchprodukte sei erst der Beginn der Einschränkungen. Auch von Pestiziden und Herbisziden verunreinigte Nahrungsmittel, sowie künstliche Zusatzstoffe würden abgelehnt werden.
Nun, das sieht für mich nicht nach einem Krankheitsbild aus, vielmehr drücktt es das Vorheindensein von Ernährungsbewußtsein aus. Wobei Gluten nur im Falle einer Glutenunverträglichkeit gemieden werden sollte, Weizen unter Getreide fällt, und dieses gewöhnlicherweise nicht schädlich ist.

2015 schreibt Olga Oksman „Orthorexia: when healthy eating turns against you“
Orthorexie sei die Obsession, nur Nahrung zu essen, von der der Leidende glaubt, sie sei gesund. (wtf)

Im Guardian Artikel wird von einem Mädchen berichtet, welches 13-jährig ‘excessives’ Fett, und künstl. Zucker von ihrem Ernährungplan strich. Sie aß mehr Vollkornbrot, Ernußbutter, Früchte und Salat. Auch immer häufigere sportl. Aktivitäten trugen schließlich dazu bei, dass sie Captain des Langlaufteams und für ihren Körper beneidet wurde.
Aber ihre Ernährungsobsession nahm zu; sie wurde vegan. Dieser Ernährungsumstellung wird ein Akneausbruch sowie das Ausbleiben der Menstruation zugeschrieben.
Nun, Akne in dem Alter sind meines Wissens keine Seltenheit und bei zweiterem Problem hab ich als Mann nicht so viel Ahnung, jedoch kann ich sagen, dass sich nach meiner Umstellung zu einem veganen Leben keine Körperfunktionen zum schlechteren wandelten, aber das ist eine andere Geschichte…

Dr. Thomas Dunn, Professor für Psychologie an der Universität Northern Colorado erklärt, warum Orthorexie als eigene Diagnose anerkannt sein sollte (nein, es ist nicht – wie unterstellt werden könnte – die Erweiterung seines Geschäftsfeldes): Menschen mit Anorexia Nervosa (Magersucht) würden ihre Nahrungsbandbreite zugunsten der Gewichtsabnahme reduzieren. Menschen mit Orthorexie würden dies tun, um einer gesunden Ernährungsweise wegen machen.
Lass uns darüber nachdenken: Versuchen, sich gesund zu ernähren wäre eine psychische Störung!

Lange schon ist es Praxis, dass Menschen Dinge erfinden, um sie dann zu verkaufen; nicht anders erfinden Psychologen Diagnosen, um diese Behandeln zu können. Doch welche Konsequenzen hätte es, wenn Orthorexie als anerkannte Diagnose geführt werden würde?
Warum bloß erinnert mich der Gedanke, Menschen, die sich kritisch ernähren wollen zu stigmatisieren, an George Orwells dystopischen Roman 1984?
Wenn du dich mehr um deine Gesundheit sorgst als um die Umsätze von McDonald’s → ab zur Therapie!
Welche Ernährungsweise ist artgerecht für Menschen: Die Konsumation genmanipulierter, industriell verarbeiteter Produkte – oder das Essen vollwertiger Nahrung?

“First vegetarian. Then vegan. Then raw, then they run out of things to eat” wird Dunn zitiert.
‘Selbst eine spärliche Diät ist nur ein Schritt auf dem Weg. Am Ende dieses Weges wird man von Licht allein leben können.’ schreibt der Psychologe Dr. Richard Alpert, Ph.D.

Gewiss neigen manche Zeitgenossen zur Übertreibung, auch was ihre Ernährungsgewohnheiten betrifft. Doch jede Veränderung braucht jene, die mutig vorangehen; dass diese manchmal (meist sogar) irren, ist normal – dies ist das Prinzip der Evolution: Selektin nach Mutation. Wenn alle Mutanten aus dem Prozess entfernt werden, würde evolutionärer Stillstand eintreten.
Wenn alle kritischen Konsumenten als psychisch krank stigmatisiert werden, könnte die Industrie praktischerweise jegliches junk-food ohne diese lästige das-ist-doch-ungesund-Hürde verkaufen.

wanderlust

Laut einem Sprichtwort gibt es nichts älteres als gestrige Nachrichten. Wie zeitlos müssen wohl Nachrichten sein, die es über sechs Jahre nach ihrer Erstpublikation noch einmal in die Zeitung schaffen?
Ein am 16. Aug. 2009 im britischen Guardian publizierter Artikel schaffte es am 26. Sept. 2015 unter dem Titel Orthorexia: when healthy eating turns against you nochmals in den Guardian.
Worum geht es also?

2009 betitelt Amelia Hill ihren Artikel in der Rubrik ‚mental health‘ des Guardian: „Healthy food obsession sparks rise in new eating disorder“ Die Fixierung auf gesundes Essen könne Zeichen einer ernsthaften psychologischen Störung sein. Immer mehr Menschen würden an Orthorexia Nervosa, einer ernsthaften psychologischen Störung, leiden. Symptomatik: die Patienten wollen gesund essen!

Die wird den kritischen Leser nicht überraschen; denn je mehr anerkannte psych. Diagnosen es gibt, desto mehr Arbeit haben Psychologen und Psychotherapeuten.

Hill schreibt, die Ablehnung von Zucker, Salz, Koffein, Alkohol, Weizen, Gluten, Germ…

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