Vegan sein macht kreativ

In meiner Kindheit und Jugend habe ich mich ziemlich durchschnittlich ernährt. Ich habe so gut wie alles gegessen, der Speiseplan wurde natürlich an meine kindlichen Vorlieben angepasst – wobei ich Fleisch schon als Kind gerne unter den Tisch gespuckt habe, weil es mir einfach nicht geschmeckt hat. Ob das jetzt besonders abwechslungsreich und gesund war, kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern. Ich habe gegessen, was meine Mutter oder Bekannte gekocht haben und nicht weiter darüber nachgedacht. Natürlich waren  die große Auswahl an Süßigkeiten zwischendurch für mich ein Highlight, das mich irgendwie bis heute geprägt hat.

In der Jugend habe ich viel Fast Food gegessen. Nicht nur Burger, Döner, Pizza und Chips standen auf dem Speiseplan, sondern auch viele Fertigprodukte wie überbackene Baquettes, Tiefkühlgemüse, Tiefkühl-Germknödel, Fertig-Mikrowellen-Fraß… und alles, was man sonst noch sehr schnell zubereiten konnte. Das lag vor allem daran, dass ich meist erst gegen halb 3  von der Schule heim kam, ziemlich zeitgleich mit meiner Mutter und dann einfach keine Lust auf Kochen bzw. aufs Warten, bis das Essen fertig ist, hatte.

Jedenfalls habe ich mich sehr an gewisse Speisen gewöhnt, und auch wenn ich heute viel bewusster, abwechslungsreicher und gesünder esse, überkommt mich manchmal der Gusto auf bestimmte Speisen meiner Vergangenheit. Damit meine ich nicht einmal Fleisch oder Käse, sondern eher Süßspeisen wie Germknödel, Mohnnudeln, Striezel, Kaiserschmarrn oder auch Rotkraut, Lasagne, Potato Wedges usw.

Lange stand ich hierbei vor einem Problem. Denn erstens kannte ich diese Speisen nur als Fertiggerichte aus dem Tiefkühlregal und zweitens waren all diese Speisen nicht vegan! Die Süßspeisen sind alle mit Milch/Molkenpulver oder Ei, das Rotkraut mit Schmalz und die Wedges oft mit Milchpulver oder unnötigen Emulgatoren und Zusätzen versetzt.
Doch eines Tages packte mich meine kreative Kochleidenschaft und ich fing an, mir im Internet und Büchern vegane Rezepte zusammen zu suchen. Ganz überrascht war ich vor allem, als ich das erste Mal Germknödel selbst gemacht habe. Es ist so einfach! Der Teig beseteht hauptsächlich aus Mehl, Wasser/Pflanzenmilch und Germ und muss lediglich zusammengerührt und ein paar Stunden warm gestellt werden. Danach können die Knödel mit Powidl gefüllt, geformt und gekocht oder über Dampf gegart werden. Und das Ergebnis ist auch um Welten besser, als die tiefgefrorene Mikrowellenvariante!
Ebenso ging es mir beim Experimentieren mit vielen anderen Gerichten, die ich „selbstgemacht“ nicht kannte und die im Supermarkt gekauft nicht vegan sind. Es braucht ganz einfach ein bisschen Geduld und Kreativität, um manche Speisen zu veganisieren. Dieses Herumprobieren kann sehr viel Spaß machen und man hat nebenbei so allerlei Geschmackserlebnisse.

Diese Erfahrung hat mir wieder ein Stück weit die Augen geöffnet, wie unsselbstständig und verwöhnt die heutige Gesellschaft eigentlich ist. Viele nehmen sich einfach nicht die Zeit, ihr Essen selbst zu zubereiten, auch wenn es noch so einfach wäre. Außerdem fehlt der heutigen Generation auch oft das Wissen, wie man alltägliche Speisen gesund (im Sinne von wenig verarbeitet und ohne Emulgatoren und Zusätze usw.) kochen kann. Ich denke, dass auch die Fähigkeit, den Geschmack von unseren Nahrungsmitteln zu beurteilen, mittlerweile verloren gegangen ist. Als gut wird oft nur empfunden, was meiner Meinung nach sehr stark überwürzt ist und den Geschmack der eigentlichen Speise überdeckt. Und irgendwie ist das von der Industrie ja auch so gewollt –  durch den starken Geschmacksreiz gewöhnen wir uns daran, werden regelrecht süchtig, und kaufen das Produkt immer und immer wieder.

Ich für meinen Teil finde es als ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass ich mittlerweile all meine Speisen selbst, mit frischen biologischen Zutaten und ohne Zusätze, kochen kann.

(Außer Kaiserschmarrn, der gelingt mir in der veganen Variante nicht so gut: entweder er brennt unten an und ist oben noch flüssig oder klebt so stark, dass es nur ein matschiger Haufen wird. Habe schon viele verschieden Rezepte ausprobiert. Habt ihr Ideen dazu?)

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22 Kommentare zu “Vegan sein macht kreativ”

  1. Super, vielen Dank! Ich werde es am Wochenende ausprobieren. Mein Problem beim Kochen ist eher die kleine Anarchistin im Kopf, die sich weigert stur nach Rezept zu kochen und einfach nach Gefühl alles zusammen wirft 😉
    Lg, cyanlotos

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  2. Danke! Ja, ich denke das sind sehr gute Gründe um selbst zu Kochen. Ist doch echt schlimm, was für Zusatzstoffe usw. in den Produkten (oft unnötigerweise) dabei sind… Das Kochen kommt mit der Zeit. Anfangs hab ich hauptsächlich stur nach Rezept und eher einfallslos gekocht, mittlerweile mach ich oft einfach was mir so einfallt 🙂
    Etwas verspätet hab ich auch noch mein Germknödelrezept:

    Zutaten: (für ca. 5-6 Germknödel)
    500g Mehl
    1TL Salz
    3EL Zucker
    20g Hefe frisch
    300ml lauwarme, pflanzliche Milch
    60g vegane Margarine

    Powidl (Pflaumenmus)
    geriebener Mohn, Zucker

    Zubereitung:
    Weiche Margarine von Hand mit Mehl in einer Schüssel mischen, eine Mulde in der Mitte bilden, Hefe hineinbröckeln, Zucker dazugeben und mit etwas lauwarmer Milch übergießen. ca. 10min gehen lassen.
    Salz und restliche Milch beimengen, alles gut vermischen und Kneten bis der Teig schön leicht ist. Schüssel mit feuchtem Tuch abdecken und ca. 1 bis 1,5 Std ruhen lassen.
    Danach teile ich mir den Teig in gleich große Stücke, forme ca. 5mm dicke Quadrate oder Kreise und gebe 2 TL (je nach Bedarf) Powidl in die Mitte. Nun die Teigenden übereinanderschlagen und zwischen den Händen nochmals „Knödel“ formen.
    Ich gebe die Knödel dann für ca. 25min in den Dampfgarer bzw. koche sie in einem Sieb über Dampf. Man kann sie aber auch in einem Topf mit Salzwasser kochen.
    Zum Schluss die Knödel ev. mit zerlasssener Margarine und mit Mohn und Zucker bestreuen. Fertig!

    Lg und gutes Gelingen
    cao

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  3. Sehr schöner Beitrag! Ich bringe mir gerade mühselig selbst das Kochen bei, da ich aus politischen sowie auch gesundheitlichen Gründen die Lebensmittelindustrie nicht mehr unterstützen möchte. Sonderlich geübt bin ich allerdings noch nicht, deinen Germknödeln würde ich aber gerne mal eine Chance geben! Hast du denn ein Rezept für mich?
    Das nächste Mal lese ich den Blog erst nach dem Essen 😉

    Mfg, cyanlotos

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  4. Hallo!

    Echt interessanter Beitrag, finde übrigens deine Einstellung zu veganen Ersatzprodukten gut – mir kommt das Grauen, wenn ich an einen veganen Käse (auch bekannt als ölhaltige Brotauflage) denke. Dann lieber gar nicht oder einen richtigen regionalen Käse vom Bauern.

    Und übrigens noch zum Kaiserschmarrn, falls es noch nicht geklappt hat:
    Ca . 1 Becher Mehl, 1 Becher Soja-/Hafer-/Reismilch, 1 Banane – mehr so nach Gefühl, musst die Konsistenz ansehen. Ist zwar nicht mehr gerade so original Kaiserschmarrn aber eine leckere vegane Alternative 🙂

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  5. Ja, ich denke du sitzt auf dem Schlauch. Denn vegane Ernährung bedeudet einfach nur eine rein pflanzliche Ernährung, das hat im Prinzip rein gar nichts mit Ersatzprodukten wie von dir beschrieben zu tun, auch wenn es in den Supermärkten immer mehr davon gibt. Ich ernähre mich hauptsächlich von Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, … Vegane Ersatzprodukte wie Tofu kommen bei uns selten auf den Tisch. Und ja da hast du Recht, veganer Käse, Wurst usw. sind einfach nur künstlich und schmecken meiner Meinung nach auch danach!
    Und dass biologisches Gemüse, das direkt frisch aus dem Garten geerntet wurde (was bei uns zum Glück der Fall ist), gesünder und nährstoffreicher ist als ein Stück Fleisch, wo das Tier wochenlang in dunklen, engen Ställen gehalten und mit Antibiotika und weiteren Medikamenten behandelt wurde, sogenanntes Kraftfutter mit Zusätzen gefüttert bekommen und bei der Schlachtung die Stresshormone ins Blut übergehen, brauche ich glaub ich nicht zu erwähnen. Paradox finde ich eher, dass für die Fütterung der sogenannten Nutztiere der Großteil der Getreideernte verbraucht wird! Der Großteil der Sojafelder in den Regenwaldgebieten ist nur für die Fütterung der Tiere da!! Wobei umgerechnet aus 7 pflanzlichen Kalorien nur 1 tierische Kalorie „gewonnen“ werden kann, das heißt das Tier alleine verbraucht 6 Kalorien. Ergo benötigt man für eine Ernährung mit Fleisch 7 mal so viel Getreide als für eine pflanzlich Ernährung!!! Und nebenbei sterben jedes Jahr ca. 13 Millionen Kinder an Hunger!
    Abgesehen davon, dass ich keine Sojamilch trinke, von wo beziehst du denn dein Getreide? Wenn du es nicht selbst anbaust, ist es mit Sicherheit auch aus einer Monokultur.
    Mir ist klar, dass es zu diesem Thema viele Ansichten und Meinungen gibt. Ich bin sicher niemand, der missioniert. Aber ich gebe gerne Wissen weiter, vor allem wenn das Allgemeinwissen hauptsächlich aus Propaganda aus Werbung und von den großen Industrien besteht! Leider ist es nicht so, dass die Tiere am Bauernhof auf der Weide glücklich leben und von Küchenabfällen genährt werden. Mittlerweile gibt es viele Berichte, Studien, Informationsseiten usw. wo sich Interessierte, die nicht blind der Werbung glauben möchten, informieren können.

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  6. Also ich sitz hier vielleicht auf dem Schlauch, aber: all diese Ersatzprodukte, Veganer Käse, Sojamilch, vegan Wurst und so weiter, die sind ja soviel künstlicher als die natürlichen Produkte. Ich kann ja verstehen, dass man den Tieren zuliebe darauf verzichten will – aber nun die vegan Diät als gesunder zu bezeichnen finde ich irgendwie paradox. Oder sehe ich das falsch? Und wie ist das mit all den Sojaprodukten? Soja als Monokultur zerstört ja soviel mehr als schlichtes Weizenmehl essen.

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  7. Hallo!

    Hier der ultimative Tipp für Kaiserschmarren.

    Du brauchst eine Pfanne mit Deckel. Den Schmarrenteig rein, mittlere Hitze, Deckel drauf.

    Die Hitze fängt sich durch den Deckel und dadurch stockt es auch oben.

    Den Teig vierteln, umdrehen. Deckel drauf!

    Zerstechen + umrühren – genießen!

    lg
    Maria

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  8. ja genau so ist es! beneide dich direkt darum, dass dir das ganze tiefkühlzeugs net so geläufig ist!
    gibts aber überall, bei jedem lebensmittelgeschäft mit tiefkühltruhe, sogar im tiefsten hinterland. ich glaub, mittlerweile gibt es eh schon ALLES in vorgefertigter form :/

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  9. Tiefkühlwedges – sowas gibt’s? also gefrohrene, vorgekochte Erdäpfel?
    und gewürzt sind die dann auch schon, oder wie?
    ich glaub, das gibt’s in salzburg nicht. hab ich zumindest noch nie gesehen

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  10. und vorkochen tu ich die kartoffeln nie, schmeiß sie einfach 1 std in den ofen. davon abgesehen, dass wir wedges so gut wie nie essen…

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  11. ich glaub jetz reden wir aneinander vorbei 😉 ich red von fertigprodukten fast food, also konkret bei wedges tiefkühlfraß. das geht recht schnell, ist aber mit jeder menge zusätzen usw. versehen. genau aus dem grund koch ichs lieber selbst! bei wedges auch nur ölmischung mit pfeffer und paprikapulver

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  12. also ich würze meine Wedges nur mit (Stein)Salz & Pfeffer.
    Gibt es denn spezielle Potato-Wedges-Gewürzmischungen?
    mit einer Kochzeit von ca. 10-15min. dauert das ganze dann doch deutlich >1/2h – was für mich nicht besonders kurz ist.

    Wenn’s schnell gehen soll: Bananen+Datteln+Blender

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  13. das ganze zeug ist nicht in den kartoffeln selbst enthalten, sondern in der gewürzmischung, die die wedges den typischen geschmack verleiht. kann man mit paprikachips vergleichen: da sind leider auch nicht nur salz und paprikapulver enthalten, sondern oftmals milchpulver, knoblauchpulver, zucker, mehl, hefeextrakt, zitronensäure, aromen sowie weitere geschmacksverstärker usw.

    ja, schnell ist relativ, 25 min in den ofen aber man muss sonst nix machen 🙂

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  14. hi cao.
    wie du weisst, kann ich nicht besonders gut kochen. von den genannten speisen kenn ich nur Potato Wedges – die gehen aber nicht sehr schnell.
    was ich dabei nicht verstehe: wie kommen Milchpulver, Emulgatoren und Zusätzen in die Kartoffel?

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  15. Danke für die lieben Worte.
    Es ist einfach so schade, dass die Menschen immer mehr vom Ursprünglichen, Natürlichen abkommen. Und die Werbung und Industrie unterstützen das noch fleißig 😦
    Mir geht es auch darum, nicht strikt und dogmatisch alle Fertigprodukte von Grund auf abzulehnen, aber man sollte sich dennoch wieder mehr darauf besinnen, was man seinem Körper zuführt. Wenn man das ein wenig reflektiert, spürt man selbst eh, was einem gut tut und was nicht.

    Greets cao

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  16. Ein sehr guter Beitrag, der genau auf den Punkt trifft und meine eigenen Beobachtungen und Gedanken zu diesem Thema bestätigt. Ich habe auch oft das Gefühl, dass viele Menschen sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, was sie tagtäglich so in sich hineinschaufeln (leider gibt es in vielen Fällen keine andere Bezeichnung für das unreflektierte Essverhalten).

    Ich habe eine ähnliche Odyssee durch die Ernährungswelt hinter mir und bin ebenfalls sehr froh darüber, aktuell bei dem Status angekommen zu sein, (fast) alles selbst herzustellen und mich von Geschmacksverstärkern, Industriezucker, Weißmehl und so weiter abgenabelt zu haben.
    Ich hoffe, Blogs wie unsere tragen dazu bei, dass noch mehr Menschen sich für diesen Weg entscheiden.
    Vor allem, da es ja wirklich einfach ist – wie dein Germknödel-Beispiel beweist. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

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