Wie in einem Traum

Ich habe vor kurzem einen buddhistischen Roman gelesen. Nach der Lektüre einer Reihe Hebammen-Bücher, brauchte ich etwas Einfaches, ohne aktiver Sorgenbereitung, was alles bei einer Geburt schief gehen kann. Aber bitte nicht falsch verstehen, die Bücher geben immens viel Vertrauen in den weiblichen Körper. Trotzdem werden auch die möglichen Probleme – die herbei geredet oder von selbst entstehen können – thematisiert. Was natürlich auch wieder unangenehme Hintergrundgedanken erzeugt.

Also nach dem dritten oder vierten Buch musste Abwechslung her. Im Buchladen angekommen ließ ich den Blick über die buddh. Ecke wandern und tatsächlich sind hier neben Lehrtexten und Ratgebern auch Romane untergemischt. Ohne lang zu überlegen griff ich zu „Wie in einem Traum“ von Ully Olvedi. Zusammengefasst, meine Erwartungen wurden weit übertroffen.

Die Geschichte dreht sich um ein Mädchen, das irgendwo am Fuße des Himalaya aufgewachsen ist. Als ihre Eltern bei einem Raubüberfall starben und sich der Mann, den sie später heiraten sollte, als ungestümer Arsch entpuppte beschloss sie ins Kloster zu gehen um die Lehren Buddhas zu lernen und zu erfahren wie man glücklich wird.

Ihrer Pilgerreise endet in der Nähe von Kathmandu in einem Arya Tara Nonnenkloster. Ich musste ständig an die Fotos von Nadines Blog: TaraNuns denken. Jedenfalls kommt aus dem Roman sehr deutlich die Situation für die Nonnen der tibetischen Tradition heraus, wie unbefriedigend es ist, als Nonne nicht studieren zu dürfen. Quasi wie im einem Klub der toten Dichter werden diese Themen von der frechen Gruppe um der Protagonistin deutlich angesprochen.

Natürlich fehlt die obligatorische Liebesgeschichte nicht und die Meditationserfahrung sind sehr lebendig formuliert. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, wenn ich auch betonen muss, dass der Buddha nicht nur zu Mönchen und Nonnen sprach. Außerdem findet ja gerade ein Umbruch im tibetischen Buddhismus statt, der endlich den Nonnen die volle Ordination ermöglichen soll. Worüber auch Nadine in ihrem Blog berichtet.

Auf globaler buddhistischer Ebene kümmert sich die Organisation Sakyadhita um den Bewusstseinswandel voran zu treiben. In Deutschland gibt es bereits einen Ausläufer, in Österreich versucht Inge Brenner vom Sakyaling Zentrum in Bad Gams eine Gruppe aufzubauen. In der Triratna Gemeinschaft, die ja erst vor knapp 50 Jahren in England gegründet wurde, gibt es halt keine tradierte Diskriminierung, die erst langwierig ausgemerzt werden müsste.

Zurück zum Buch, es war so toll zu lesen, dass ich mir bereits die Fortsetzung zugelegt habe: „Die Stimme des Zwielichts„.

Advertisements

2 Kommentare zu “Wie in einem Traum”

Wie ist deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s