Religionenunterricht

Als ich in die Schule ging, war Religionsunterricht ein sehr relatives Unterrichtsfach. Keiner von uns hatte eine Ahnung, dass man sich vielleicht davon hätte abmelden können. So kam es, dass ich während meiner gesamten Schulzeit (13 Jahre bis zur berufsbildenden Matura) immer den Religionsunterricht besuchte.

Man kann mit mehreren Argumenten aufwarten, warum Schüler die Religionsstunden besuchen sollen, wie Verbesserung des Notendurchschnitts, … mehr fällt mir gar nicht ein. Jedenfalls war ich vermutlich einfach zu bequem um mich abmelden zu gehen.

Mein Resümee

In der Volksschule waren es eher mehr Stunden in denen Geschichten erzählt, Lieder gesungen und Gebete gelernt wurden. Das erste Jahr war unser Lehrer noch der örtliche Herr Kaplan, danach kam eine überparfümierte Religionslehrerin mit blauem Liedschatten. Das ist eigentlich auch schon alles was ich noch von ihr weiß.
Notengebung (also Kriterien für die Benotung): jeder 1
In der Hauptschule hatten wir verschiedene Lehrer, ich erinnere mich an einen Typen der Priester werden wollte, ansonsten … keine Ahnung mehr.
Notengebung: sauberes Heft =1, schlampiges Heft = 2, kein Heft = 3

In der Handelsakademie hatten wir dann einen Lehrer, der zwar irgendwie konservativ auf mich wirkte, aber eigentlich sehr offen war. Wir schauten oft Filme und sprachen danach über unsere Meinungen und er brachte auch zusätzliche Perspektiven ein. Er hatte auch so eine Art Programm, irgendwann waren die Weltreligionen an der Reihe und diese Zeit verging leider viel zu schnell. Immerhin hat man davon gehört und eine grobe Abgrenzung erhalten.
Notengebung: anwesend = 1, abwesend = nicht beurteilt

Meine Vorstellung für die Zukunft

Meinem Vorschlag liegen folgende Ideen zugrunde: Menschen dürfen im allgemeinen gefährliche Sachen, wie sich tätowieren lassen oder ein Auto fahren, erst ab einer gewissen Reife – also Alter – bzw. nach Ablegung einer Prüfung. Aber eine so wichtige Entscheidung wie das religiöse Bekenntnis, darf von den Erziehungsberechtigten getroffen werden. Kein Wunder, dass ich ein mir fremdes Glaubensbekenntnis in der Schule lernen musste.

Meiner Meinung nach sollte man sich überlegen, ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre, wenn man im Sinne der Verfassung keinem Menschen zu einem Bekenntnis zwingen dürfte? Also das heißt jetzt nicht, dass Kinder nicht in die Kirche gehen dürfen, wenn sie das wollen. Jedenfalls sollten sie frühestens mit der erforderlichen geistigen Reife und einer umfassenden Kenntnis der Weltreligionen, also nicht nur der großen Fünf, sich auch gesetzlich für eine Entscheiden dürfen.

Ich glaube, das würde sowohl für einen respektvolleren Umgang mit Menschen anderer Religion führen und auch den Religionsgemeinschaften selbst helfen. Denn wenn ich eine Ahnung habe und mich bewusst für etwas entscheide, dann … dann … stell ich mir das irgendwie besser vor, als in ein Sytem getauft zu werden, das vielleicht nicht zu mir passt. Und ich vielleicht schon „Steuer“schulden anhäufe, die man vielleicht einem bestimmten Verein aus ideologischer Sicht nicht zukommen lassen möchte.

Also der zukunftige Religionenunterricht sollte die Konzepte der jeweiligen Religionen enhalten, sodass man zumindest nach der Pflichtschule wirklich weiß, wie sie sich geschichtlich entwickelt haben, was sie heute lehren, wie sie zueinander stehen, wo sie sich in der Nähe befinden, … Und nach der Pflichtschule könnte man sich vielleicht schon auf eine Richtung spezialisieren die einen interessiert und in Referaten den anderen seine Eindrücke schildern. Natürlich sollten auch die Gefahren von Religionen bzw. Sekten und Fanatismus ein wichtiges Thema sein. Aber ich denke, dass die so aufgklärten Schüler nicht zu Fanatismus neigen werden, wenn sie die Sichtweisen der anderen Religionen verstehen und auch die Gemeinsamkeiten kennen. Außerdem sind die unterschiedlichen Sparten der Religionen und deren unterschiedlichen Interpretationen interessant.

Ich denke, die Idee eines Ethikunterrichts, wie das immer wieder von Politikern angedacht wird, führt nur noch stärker zu religiös-uninteressierten Menschen. Es ist ja auch absolut OK, wenn jemand nicht religiös ist. Aber womöglich suchen auch solche Menschen irgendwann eine Art der Seelsorge und dann sollten sie sich auch auskennen. Der aktuelle Religionsunterricht liefert bereits jetzt unreligiöse Katholiken. (Zumindest ist das die Erfahrung meiner Kindheit und Jugendzeit, wo ich zur Schule ging. Da waren zeitweise 100% römisch katholische Schüler, aber niemand war religiös.)

Mir kommt es vor, als würde das die unnachhaltige Konsumgesellschaft fördern. Menschen, die sich damit abgefunden haben sich etwas anzueignen, das sie ohnehin nicht interressiert. Wofür?

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10 Kommentare zu „Religionenunterricht“

  1. Ich hatte ganz gute Erfahrungen mit Ethik-Unterricht in Deutschland. Wir hatten auch eine sehr gute Lehrerin, die mit dem Herzen dabei war, das wirklich ethische Verhalten zu „predigen“ und zu leben. Wir hatten zuerst viele verschiedene Philosophen durchgenommen, danach hatten wir einen Workshop über verschiedene Weltreligionen. Ich habe mich zum ersten Mal ernsthaft für Buddhismus interessiert eigentlich nur dank dieses Workshops. Ihr Hauptthema war, dass man die Kinder nicht abtreiben sollte, auch wenn sie eine Behinderung haben. Das war für uns schwer zu verdauen und ich glaube, das ist eine mutige Aussage heutzutage, wo alles technisch möglich ist und davon Gebrauch gemacht wird. Sie hat uns vorgeschlagen tatsächlich das eigene Ego hinten anzustellen. Deswegen gab es viele Diskussionen in der Klasse und sie waren viel interessanter, als die Diskussion darüber, ob es Gott gibt oder nicht, die es bei mir früher immer im Evangelisch-Unterricht gab. Also, einfach mal über ein schwieriges moralisches aktuelles Thema zu reden, ist schon viel Wert. Aber der Lehrer/Lehrerin muss dafür natürlich glaubhaft und authentisch sein und selbst eine starke Persönlichkeit haben.

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  2. Die Haltung zum Konsum ist ein uraltes Thema der Philosophie. Damit haben sich schon die griechischen Philosophen auseinandergesetzt. Aber Philosophie ist unbequemer und anstrengender als Glauben. Im Buddhismus findest Du asketische Lebenshaltung in total aufgetakelter Tempel-Umgebung, in der es in der Regel reichlich goldich glänzt. Taiwanesische buddhistische Sekten schwimmen im Geld. Und nicht nur die!

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  3. Genau deshalb, damit sich keiner mehr ungewollt das Hirn waschen lässt, sollte es ein allgemein fundiertes Verständnis über die Religionen geben. Als Menschen neigen wir, glaube ich, immer dazu uns mit dem zu umgeben womit wir uns begeistern können. Wirklich verstanden zu haben, dass das für jeden zu gegebener Zeit etwas anderes sein kann finde ich hilfreich für unsere Pluralität bzw. für gewaltfreien Individualismus.
    Ich denke nicht, dass mir ein Fachmann in meiner Nähe helfen kann, dass mich der Konsum’zwang‘ ankotzt. Der Dharma allerdings lässt mich verstehen, was in mir vorgeht, vorallem wenn er im europäischen Kontext verpackt ist. Aber das ist wohl von meiner Lebensweise und meinen Erfahrungen abhängig.
    Das schaut bei dir vielleicht im Moment ganz anders aus, als bei meinen Eltern oder bei meiner Frau.
    Vielen Dank für die Ausführungen deiner Erfahrungen.
    MfG toe

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  4. Also ich habe Ethik-Unterricht als Schüler nie erlebt, sondern nur religiöse Propaganda in seiner miesesten Form. Aber ich weiß, wie verantwortungsvoll und tolerant Ethik-Unterricht am deutschen Gymnasium geboten wird. Was ist denn die Aufgabe von Schule? Märchen zu verbreiten, ist Energie- und Zeit-Verschwendung. Es geht vielmehr um Rationalität und Wissen, mit dem junge Menschen fähig gemacht werden sollen, ihr Leben zu meistern. Deshalb sollte man sie nicht mit unsinnigen Phantasien verwirren. Die institutionalisierten Religionen machen sich doch nur deshalb in den Schulen breit, weil deren Vertreter wissen, daß man orientierungslosen jungen Menschen so früh wie möglich das Gehirn waschen muß, um das eigene Unternehmen am Blühen zu halten.
    Und dann müßte man sich erstmal darüber verständigen, was für Hilfe benötigt wird. Ärztliche? Oder Ehe-Beratung durch einen katholischen Priester? Kriegerische Unterstützung durch einen Militär-Pfarrer? Mir fällt wirklich kein Beispiel ein, für das sich nicht ein nicht-religiöser Fachmann finden ließe. Alles andere ist Scharlatanerie und Selbstbetrug. Die Position eines radikalen Katholiken zur Sterbehilfe wäre von vornherein bekannt. Nur ein toleranter Fachmann könnte eine ausgewogene Erörterung liefern.

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  5. Verdammte WordPressApp. … unter Seelsorge meine ich die Fürsorge wie bei der Suche nach Trost oder Ratschlägen, bei verschiedenwn Problemen. Familie kann da nur sehr eingeachränkt helfen. Und man salber kann man nur helfen, wenn das Fachwissen vorhanden ist. Und das fliegt einem ja nicht zu. Danach besitzt man meist die Weisheit zu helfen, aber manchmal ist Selbsthilfe erst nach persönlicher Anleitung möglich.
    Findest du nicht?
    MfG toe

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  6. Ethik-Unterricht enthält die Auseinandersetzung mit Religionen, aber Religions-Unterricht war immer eine frühe Trennung und Aufspaltung der Schüler in gegensätzliche Gruppen. Schon deshalb sollte man ihn abschaffen. Was ist denn Seelsorge anderes als die Fähigkeit zu denken, über die Welt genug zu wissen und daraus richtiges Handeln ableiten zu können. Mit solchen Voraussetzungen kann jeder für seine „Seele“ selbst sorgen. Ist das nicht gerade ein wichtiges Element des Buddhismus?

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  7. Religionsunterricht sollte – neben einem verpflichtenden Ethik-Unterricht – etwas Freiwilliges sein, und zwar erst ab dem Alter und Wissensstand, ab dem ein Mensch in der Lage ist, eigenständig zu entscheiden, ob und zu welcher Religion er sich bekennen möchte. Religion scheint ja für viele Menschen etwas Schönes und Wichtiges zu sein, und denen soll es vergönnt sein, sich freiwillig damit zu beschäftigen. Aber eben erst ab einer gewissen geistigen und moralischen Reife. Religion in Bezug auf junge oder ungebildete Menschen ist ein hochgefährliches Manipulationsinstrument, wie uns die Geschichte und Gegenwart immer wieder gezeigt haben und zeigen, und hat deshalb als ‚Wischi-Waschi-Fach zum Notendurchschnitt-Anheben‘ in der Schule nichts verloren.

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