Kernholz des Bodhibaums

Kernholz des Bodhibaums – Suññatā* verstehen und leben von Buddhādasa Bhikkhu, so heißt das Buch, das ich vor Kurzem gelesen habe. Die Essenz aus dem Buch ist kurz gesagt jene, dass das Herz der buddhistischen Lehre die Übung des „Nicht-Anhaftens“ ist, also mit einem Geist, frei von „Ich-“ und „Mein-“ Gefühlen. Das ist laut Buddhadāsa Bhikkhu die essentiellste aller Lehren Buddhas, nämlich jene, die, wenn sie erkannt und erfahren ist, alle Lehren erhellen wird.

*Suññatā: Zustand der Leerheit, des „Freiseins von“, der Begriffe wie Freiheit, Leichtigkeit, Frieden, Offenheit etc. mit in seiner Bedeutung trägt. Alle Dinge ohne Ausnahme sind leer und frei von „Selbst“, „Ich“, „Seele“, „Ego“ oder irgend etwas, das für „Ich“ oder „Mein“ gehalten werden oder einem „Selbst“ gehören könnte. Suññatā ist eine allem, ohne Ausnahme, innewohnende Qualität; auch die „Letzte Wirklichkeit“, „Gott“ und nibbāna sind leer. Auch der Zustand der Leere und Freiheit des Geistes von Verunreinigungen. Nibbāna ist die „höchtste Leere“.

Ich persönlich finde diese Sichtweise sehr interessant, auch wenn es nicht hundertprozentig meinen Ansichten entspricht bzw. in meinen derzeitigen Lebensstil integriert werden könnte.
Daher möchte ich euch heute ein paar Auszüge aus diesem Buch zeigen, um euch eine kleine, grobe Einsicht zu geben, was Buddhadāsa Bhikkhu damit meint. Vielleicht hat ja der ein oder andere von euch ein paar Gedanken dazu.
Zugegeben, es ist keine leichte Kost, vor allem wenn man sich noch nicht intensiv mit dem Buddhismus und seiner Lehre beschäftigt hat. Und um es in seiner Fülle zu verstehen, müsste man wahrscheinlich das ganze Buch lesen.

Spirituelle Krankheit

Wenn wir an einer geistigen Krankheit leiden, gehen wir in ein psychiatrisches Krankenhaus oder eine Nervenheilanstalt. Das ist keine spirituelle Angelegenheit. Das Wort „spirit“ (Geist) hat hier nichts mit einem Geist oder Wesen zu tun, das Menschen besetzt. Hier bezieht es sich auf die subtilen Aspekte des Geistes, der krank ist durch die Kraft der in ihm wirkenden Herzenstrübungen, bersonders durch Ignoranz und falsche Anschauung. Der Geist, der sich aus Unwissenheit oder falscher Ansicht zusammensetzt, leidet an der spirituellen Krankheit; er sieht falsch. Falsches Sehen veranlasst den Geist, falsch zu denken, falsch zu reden und falsch zu handeln. Folglich drückt sich die Krankheit gerade in falschen Gedanken, falscher Rede und falschen Handlungen aus.
Euch wird sofort auffallen, dass jeder ohne Ausnahme die spirituelle Krankheit hat … Die Lehren des Buddha sind die Heilmittel für die spirituelle Krankheit und der Buddha ist der Arzt des „Geist-Herzens“ (spirit).(Seite 25)
Die spirituelle Krankheit ist eine Krankheit, deren Erreger in dem Gefühl von „wir“ und „unser“, von „Ich“ und „Mein“ steckt, das regelmäßig im Geist auftaucht. Daraus wird dann Gier, Hass, Verblendung, indem aufgrund des Einflusses dieser Selbstzentriertheit gehandelt wird. (Seite 27)
Wir müssern das Festhalten erkennen und sehen, dass es zwei Arten davon gibt: Anhaften am „Ich“ und das Anhaften am „Mein“. Das Anhaften am „Ich“ ist das Gefühl, dass dieses „Ich“ eine besondere Person ist, dass Ich so oder so bin, dass Ich der Größte bin oder etwas Ähnliches in der Art. „Mein“ bedeutet, etwas als mir zugehörig zu betrachten, das, was Ich liebe, das, was Ich mag. Ja sogar das, was wir hassen, wird als „Mein Feind“ angesehen. (Seite 28)

Rückstandsloses Erlöschen

Das Selbst ist einfach nur ein bedingter Zustand der entsteht, sobald Ergreifen und Festhalten im Geist vorhanden sind. Dann sehen wir nichts mehr als leer, sondern alles als Selbst aufgrund unseres Ergreifens und Festhaltens, was wiederum durch Unwissenheit und Begehren bedingt ist. Wir halten fest, ohne es zu wollen. Weil der Geist es nicht besser weiß, steigt das Ergreifen von selbst in ihm auf. Wenn Unwissenheit im Geist enthalten ist, erfährt er unvermeidlich alle Dinge so als ob sie ein Selbst seien oder hätten, ohne dass eine absichtliche Willensregung nötig wäre.
Manche mögen das Staubkorn nicht als ein Selbst ansehen, den Spatzen aber schon. Andere mögen Bäume und Tiere nicht für eigenständige Wesenheiten halten, Menschen aber schon. Beim Betrachten der Menschen als beständige und unabhängige Entitäten, mögen einige sagen, dass der Körper nicht das Selbst ist, der Geist aber schon. Das wird unvollständiges Aufhören genannt, einige Aspekte sind erloschen aber andere bleiben immer noch als Selbst zurück … Diese Art des Verlöschens lässt immer einen Keim zurück.
Deshalb bedeutet der Ausdruck „das rückstandslose Erlöschen des Ego“, das Nicht-Aufsteigen von Ego-Bewusstsein. Aber das muss geübt werden, das heißt, wir müssen das Ego am Aufsteigen hindern. (Seite 82)

Die Bedeutung von Geburt

Was soweit besprochen wurde, dient uns als Grundlage, um den Satz: „die Geburt des Ego“ zu verstehen. „Geburt“ bedeutet hier nicht die Geburt aus dem Mutterleib, sondern bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Geburt, die im Bereich des Geistes, seiner Vorstellungen und Gedanken stattfindet.
Wenn wir fühlen: „Ich bin ich“, wo erleben wir das? Dieses Gefühl steigt im Geist auf, bitte macht euch das bewusst. Geburt geschieht dort.
Wir sollten begreifen, dass die körperliche Geburt, auch wenn der kleine Körper bereits aus dem Mutterleib herausgekommen ist, als völlig bedeutungslos angesehen werden kann, bis es zu einer geistigen Geburt kommt, einer Geburt des Ego-Bewusstseins: „Ich bin ich“. Der Körper ist nichts als ein Haufen Materie, bis es zum Ergreifen und Festhalten an einem Selbst kommt. Erst in diesem Moment ist die Geburt dieses Fleischklumpens vollständig. Das heißt, innerlich ist ein Selbstempfinden vorhanden.
Deshalb ist die wahre Bedeutung von Geburt durch dieses Gefühl, ein Selbst zu sein, definiert. Nachdem ein Kind körperlich geboren wurde, sagt man in dem Moment, da das Selbst-Bewusstsein in ihm aufsteigt, „das Kind ist geboren“. Sobald dieses Gefühl nicht mehr vorhanden ist, „ist das Kind gestorben“ und der Körper wird wieder zu einem Klumpen Fleisch. So lange keine Gefühle vorhanden sind, die die Erzeugung eines Selbst stimulieren könnten, können wir nicht sagen, dass das Kind geboren wurde. Es ist, als ob es tot wäre. Dann plötzlich, in jedem beliebigen Moment, in dem es zu einem Kontakt mit einem Sinnesobjekt kommt, steigt das Selbst-Bewusstsein wieder auf. So wird „das Kind“ wieder geboren und kurz darauf stirbt „das Kind“ wieder. Wir könnten also sagen, dass man an einem einzigen Tag viele Male geboren wird. Wenn man jedoch so lebt, dass das Aufsteigen von Selbst-Bewusstsein verhindert wird, wird man nicht wiedergeboren. Man lebt in suññatā. (Seite 83)

Um suññatā, also die Leerheit aller Dinge zu erkennen, gibt es besonders eine Übung, die für Laien geeignet ist. Mit dieser Methode versucht man herauszufinden, ob es etwas gibt, das es wert ist zu haben oder zu sein. Was gibt es, das es wert wäre, es zu erlangen? Was könnte man haben, das für seinen Besitzer kein Leid verursachen würde? Was gibt es, das man sein könnte, das nicht dukkha (Leiden) wäre?

Bedingte Zusammenentstehung

Das Zusammentreffen von Bewusstsein mit einer Form, einem Geräusch, einem Geruch, einem Geschmack oder einem anderen Sinnesobjekt an einem der Sinnestore wird Kontakt genannt. Dieser Kontakt bedingt Gefühl. Gefühl bedingt Begehren. Begehren bedingt Festhalten. Festhalten bedingt Werden. Werden bedingt Geburt und daraus resultieren Alter, Krankheit und Tod, die dukkha sind.
Bedingte Zusammenentstehung ist der Prozess, bei dem verschiedene Dinge, die in Abhängigkeit von anderen Dingen bestehen, aufgrund des Einflusses von Nichtwissen die Vorraussetzung für das Aufsteigen von neuen Dingen bilden, die wiederrum die Bedingung für die Entwicklung weiterer Dinge schaffen uns so weiter und so fort. (Seite 101)

Tun ohne Tuenden

Wenn wir die Wahrheit entdecken, dass es absolut nichts gibt, das es wert wäre, ihm gegenüber die Empfindung des Habens oder Seins zu entwickeln, dann stehen wir allen Dingen mit einem ausgeglichenen Geist gegenüber. Wir tun einfach, was getan werden muss, gleich welche Handlung wir ausführen, sei es anordnen, besitzen, sammeln, benützen oder was es auch immer sein mag. Also erlaubt dem Geist nicht zu haben oder zu werden!

Die Handlung geschieht, aber kein Handelnder ist zu finden. Der Weg wurde bis zu seinem Ende gegangen, aber es gibt auf ihm keinen Gehenden.

Das Prinzip des tuerlosen Tuns muss aufgegriffen und in unserem täglichen Leben Anwendung finden. Ganz gleich, ob wir essen, sitzen, liegen, stehen, gehen, verbrauchen, benützen, suchen oder sonst etwas. Wir sollten genügend Weisheit besitzen, um das Gefühl „Ich bin der Handelnde, der Gehende, der Sitzende, der Schlafende, der Benutzende“ zu verhindern. Das hält den Geist durchweg leer von Ego, so dass suññatā zu einem natürlichen Zustand für uns wird und wir mit der Bewusstheit leben, dass es nichts gibt, das es wert wäre zu haben oder zu sein. (Seite 126-127)

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4 Kommentare zu “Kernholz des Bodhibaums”

  1. Es ist ja nunmal so, dass wir in einer Seifenblase leben (oh, guter Titel für einen Blog post) angeführt von Verdrängung und der Illusion das unser jetziger „Besitz“, unsere Lebenspartner, unsere Familien immer da sein werden bzw. uns immer begleiten werden.

    Erst wenn wir das Ende kommen sehen merken wir, dass nichts beständig ist, dass wir nichts mitnehmen außer unseren Taten.

    Eigentlich ergibt nichts was wir so machen einen Sinn. Genau das ist ja das Samsara 🙂

    Ich danke dir für diesen Text, es hat gut getan es mir mal wieder vor Augen zu halten.

    Gefällt 1 Person

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