Jungvater

Ok, mit 30 bin ich für einen Vater nicht besonders jung, aber das Baby ist noch keine Woche aus dem Bauch raus, also ist meine Rolle als Vater noch ziemlich ungewohnt für mich.

Ein Kollege hat mich letztens gefragt, wie ich mich so als Papa fühle. Nun, mit einem Begriff kann ich es noch nicht ausdrücken und obwohl wir die letzten Tage ziemlich ruhig empfunden haben, so hatte ich doch noch nicht wirklich Gelegenheit zum Einfühlen in die neue Situation.

Rückblende:

Ich hatte Ende Februar eine Woche Urlaub und für März konnte ich mit meinem Dienstgeber eine Arbeitszeitreduktion auf 7h/Woche – also ein Arbeitstag in der Woche – vereinbaren. Zweck der Aktion ist zum einen, die Gedanken von der Arbeit schon vor der Geburt aus meinem Kopf zu bringen und zum anderer, danach viel Zeit zu haben um meiner Liebsten das Wochenbett zu erleichtern und das Putzerl ordentlich kennenzulernen. Wir hatten uns auf eine Hausgeburt vorbereitet, aber seit dem Thermenbesuch in Bad Blumau im Wellenbad hat das Baby sich gedreht und lag nun mit dem Hintern voran.

Da sich das bis kurz vor dem errechneten Geburtstermin nicht von selbst geändert hat, haben wir uns einen Plan B zurecht gelegt. Im LKH Feldbach – das ist ca. 1h von uns entfernt – gibt es einen Arzt, der spontane Vaginalgeburten bei Beckenendlage macht, zumindest wenn er das Risiko abschätzen kann. Das war ein Hoffnungsschimmer, denn andernfalls würde man in den meisten anderen Spitälern das Baby schon 2 Wochen vor dem errechneten Termin holen. Und da bleiben eine Menge an Hormonumstellungen im Körper der Mutter aus. Und für das Baby wird es bestimmt auch nicht witzig seine, so ganz grün hinter den Ohren geholt zu werden.

Also, als wir endlich beim richtigen Arzt zur rechten Zeit einen Termin hatten, erfuhren wir, dass sich zusätzlich zur Beckenendlage auch noch die Nabelschnur um den Hals geschlungen hat und es sich deshalb wahrscheinlich nicht zurückdrehen konnte. Damit wurde Plan Z aktiv: Kaiserschnitt. Allerdings durften wir bis zu den Wehen warten. Das haben wir gemacht und als wir mitten in der Nacht in den Kreißsaal kamen, erlebten wir nach kurzer Zeit auch noch den Blasensprung und dann ging es erst ab in den OP.

Für die Hausgeburt hatte ich mich über längere Zeit mental auf die Rolle des Geburtshelfers eingestellt, falls die Geburt sehr schnell ablaufen würde – was in Caos Familie üblich ist – und wir vielleicht eingeschneit wären – was im März bei den südsteirischen Schneeschiebern nicht unwahrscheinlich wäre.

Soweit kam es nun nicht, aber wir hatten ein paar Tage bereits die Gewissheit, wie es denn in etwa ablaufen würde und da wir mitten in der Nacht in den Kreißsaal kamen, hatten wir das große Glück, dass fast nichts los war und es sogar fast familiär wurde.

Ich war dann bei der Geburt im OP dabei, hab die Nabelschnur gekürzt und bekam dann das nackte Baby auf meinen nackten Oberkörper, bis Cao wieder aus dem OP gerollt wurde. Dann durfte ich meinen Bruder rein holen und wir betrachteten das frische Familienmitglied in aller Ruhe.

Die nächsten Tage habe ich entweder gekocht, geschlafen oder bin ins Spital gefahren. Da wir ja eine eigene Hebamme haben und Cao es sehr schnell wieder gut ging, haben wir die Station bereits 2,5 Tage nach der Geburt verlassen können.

Seit dem kümmere ich mich um den Haushalt und helfe meiner Liebsten bei der Babypflege. Ich finde, dass ich mich nicht so schlecht mit dem Putzerl anstelle, aber die Milchsucht kann ich natürlich nicht befriedigen. Es scheint die natürliche Rolle des Vaters zu sein, entweder man steht blöd in der Gegend herum, oder man macht sich nützlich, wie immer halt. Und so fühlt sich für mich die Vaterschaft im Moment an, wie immer halt stürzt eine Situation auf uns ein, wir sprechen darüber und gehen es so gut als möglich an.

Damit bin ich sehr zufrieden, wie es sich verändern wird, weiß ich nicht, aber ich werde es weiterhin nehmen wie es kommt und daraus wachsen.

Aber für meinen Kollegen war die Antwort kürzer.

Advertisements

13 Kommentare zu „Jungvater“

  1. Alles Gute euch und euerem Nachwuchs!
    Interessanter Blogbeitrag der mich zum schmunzeln gebracht hat, da ich mich teilweise auch wieder gefunden habe (sind im November auch Eltern geworden). Vor allem der Teil mit der Milchsucht 🙂 – Klassiker eben! 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Das glaube ich. Tragen ist was so schönes. Die Madam hat anfangs fast im Sling gewohnt, jetzt lässt sie sich gnädigerweise herab im Mei Tai mit uns spazieren zu gehen (robbt seit einiger Zeit, das ist natürlich interessanter als getragen zu werden).

    Gefällt 2 Personen

  3. dankeschön! wir waren gestern schon mit dem tragetuch unterwegs 😉 also nur ein paar schritte den waldweg rauf, schließlich muss ich mich mit meiner ks-wunde noch ein bissal schonen. aber papa und baby fanden es ganz toll!
    greets cao

    Gefällt 2 Personen

  4. Herzlichen Glückwunsch! Ich wünsche Euch eine schöne Kennenlern-Zeit. Nehmt das mit dem Wochenbett wörtlich, die ersten Wochen sind nicht ohne. Falls ihr es noch nicht gemacht habt, kann ich Euch eine Trageberatung empfehlen. Dann steht man als Frischpapa auch nicht mehr so doof daneben 😉 Mein Mann fands erst merkwürdig, mittlerweile trägt er unheimlich gern. Es heisst nicht umsonst „Tragen ist das Stillen des Mannes“. Ich wünsche Euch ein spannendes Abenteuer (denn das ist es letztendlich). Und natürlich, dass die KS-Wunde schnell und gut verheilt.

    Gefällt 1 Person

Wie ist deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s