Papamonat adé

Ab April habe ich mit meinem Chef wieder mehr Arbeitszeit vereinbart. Ich wollte 25h in 4 Tagen, er fand 4 Tage ok, aber mehr Zeit. Wir einigten uns für die nächsten intensiveren Monate auf 30h in 4 Tagen und danach schauen wir, ob es auch mit weniger geht. Find ich gut.

Während dem März hatten wir vereinbart, dass ich an einem Tag in der Woche soviele Stunden arbeite, dass ich über die Geringfügigkeitsgrenze falle und voll versichert bleibe … seine Idee.

Da ich, neben dem technischen Kerngeschäft, mich generell auch um Prozesse und Dokumentation kümmere, hatte ich in den 5 Arbeitstagen im März – wie lärchelich sich das anhört – endlich Zeit einen Blick auf die lange Bank zu werfen. Dort wo alles hingeschoben wird, was schön zu haben wäre, aber – da nicht dringend – eben auch nicht gemacht wird … find ich auch gut, hat eh schon mal abgewischt gehört.

Aber jetzt, wo mein Geist wieder mit produktiven Arbeitsgedanken gefüllt wird, möchte ich mir die Erfahrungen des letzten Monats nochmals bewusst in Erinnerung rufen.

Die Geburt unseres Hörnchens fand zeitlich gesehen ziemlich planmäßig statt, daher hatte ich 4 volle Wochen um es kennen zu lernen. (Wer sich wundert warum ich ‚es‘ schreibe, kann mal auf der ÜBER UNS Seite nachlesen.)

Ich habe gelernt: das Hörnchen zu halten, zu wickeln, zu tragen, zu trösten, zu beruhigen(hätte nicht gedacht, dass es hier einen Unterschied gibt), um zu ziehen, ins Tragetuch zu packen, zu beobachten wenn es schläft, trinkt, schaut, niest, rülpst, furzt und vermutlich noch viel mehr Unterbewusstes.

Hörnchen im Tragetuch

Ab dem ersten Kuscheln nach der Geburt, wusste ich wie es aussieht. Obwohl jeder meint, es sähe mir ähnlich, finde ich das im Gesicht eher weniger, dafür in den Händen um so mehr, die Ähnlichkeit zu meinen langen Bürofingern. Schon bei der Heimfahrt nach der Geburt um 4 Uhr morgens, konnte ich mir das süße Gesichtlein genau vorstellen. Aus irgendeinem Grund meinte ich zuvor noch, dass alle Babies gleich aussehen würden. Plötzlich kann ich die Feinheiten in den Mini-Faces erkennen. Und eine Verwechslung scheint mir ausgeschlossen.

Ich kenne die unterschiedlichen Laute des Hörnchens: die zufriedenen, die zornigen, die enttäuschten und die erleichterten und den Muttermilch-geimpften Geruch. Auch wenn ich die Milchsucht nicht stillen kann, habe ich trotzdem das Gefühl, es kennengelernt und willkommen geheißen zu haben. Das heißt nicht, dass sich etwas – was ich als Vatergefühl bezeichnen würde – bei mir eingestellt hätte. Aber der Zweck, weswegen ich für sowas wie ein Papamonat gesorgt habe, scheint gefruchtet zu haben.

Die Gewerkschaften versuchen in den Kollektivverhandlungen den Anspruch für Väter auf 4 Wochen Dienstfreistellung für den Anlass der Geburt zu ermöglichen, also bei vollem Gehaltsbezug = echter Papamonat. Ich kann es nur empfehlen. All die neuen Erfahrungen wären für meine Frau allein bestimmt nicht stressfrei gewesen. Und ich kann mir gut vorstellen, wie sich da eine Wochenbettdepression einstellen kann, wenn man als frisch gebackene Mutter fast den ganzen Tag alleine versucht hilflos alles richtig zu machen und abends muss man sich vielleicht noch dafür rechtfertigen.

Ich habe in diesem Monat versucht meiner Frau den Rücken frei zu halten, sodass sie sich ganz mit dem beschäftigen kann, worauf sich ihr Herz konzentriert. Ich finde, das hat toll geklappt.

In den letzten Tagen hat es sich schon seltsam angefühlt, erst dann heim zu kommen, wenn das Hörnchen abends schon zu quengeln begonnen hat und dann bald eingebettet wird. Weit weg scheinen die Zeiten, als die Familie im Haus gearbeitet hat und ständig beisammen war.

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9 Kommentare zu “Papamonat adé”

  1. Einer Bekannten ist das damals, als ihr erstes Kind kam, passiert. Kam aus der Elternzeit, der Papa war zu der Zeit arbeitslos und somit ohnehin daheim, sie hat trotzdem direkt die Kündigung erhalten. Frau hat zwar nach der Elternzeit einen etwas besseren Kündigungsschutz, aber wer jemanden loswerden will, findet immer einen Weg. Da müsste einiges nachgebessert werden. Ebenso was Mutterschutz, Kinderbetreuung, Kranktage (10 pro Elternteil, das mal nix, grad im ersten KiTa Jahr) betrifft.

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  2. Mein Mann hat seinen kompletten Jahresurlaub genommen, als die Madam kam. Leider ist Elternzeit auch immer eine finanzielle Sache, anders als der von Dir beschriebene Papamonat. Durch den Urlaub war es im Prinzip das gleiche. Wir hatten in der Zeit auch unsere Trageberatung und ebenso wie Du hat er mir soweit es ging den Rücken frei gehalten. Und tut dies immer noch, obwohl er Vollzeit arbeitet. Hat sich extra eine neue Stelle gesucht, um früher daheim zu sein.
    Und auch, wenn Du jetzt oft erst heim kommst, wenn das Hörnchen schon fast im Bett ist, nicht mehr lange und es ist länger munter und die Bettzeit verschiebt sich. Dann hast Du auch wieder mehr von Eurem Baby. Ich denke übrigens nicht, dass es soqas wie typische Vatergefühle (oder auch Muttergefühle) gibt. Es ist einfach Liebe, die braucht keine feste Definition.

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  3. Ihr Beiden, wow! ❤ Ein echtes Dreamteam!

    Es ist schön zu sehen, dass es Arbeitgeber gibt, die sich da so toll mit den Angestellten absprechen. Ich habe mittlerweile von vielen Fällen gehört, in denen die Elternzeit dazu benutzt wurde, den Arbeitnehmer auf die lange Bank zu schieben und direkt danach zu kündigen, was mich echt schockiert hat. Da wird schon eine solche Möglichkeit angeboten und die Mamas und Papas durch die ekelhaften Methoden ihrer Arbeitgeber abgeschreckt.

    Knutscht das Hörnchen von mir! Habe gerade fett Pipi in den Augen, weil mich das so an meine Nichte, unser damaliges Kotzvögelchen, erinnert. Das war so schön. Jetzt ist sie 12 und pubertiert und es ist nur noch schön, wenn man sie zu einer Dusche überredet hat. So ist das wohl eben. 🙂

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  4. Hey, nach dem Mutterschutz (normal bis 4 Wochen nach Geburt, Kaiserschnitt 8 Wochen) kann Elternkarenz in Anspruch genommen werden. Da gibt es verschiedene Modelle, wobei die Eltern eigentlich nur abwechselnd zuhause bleiben können/müssen(für die volle Inanspruchnahme), außer 1 Monat wenn ein Wechsel stattfindet. Also während der Mutterschutzzeit hätte ich meinen Jahresurlaub verbrauchen müssen, wenn ich zuhause bleiben wollte.
    MfG toe

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  5. Gibt es bei euch eigentlich keine Elternzeit? 😦
    Kann ich aber auch nur jedem Papa empfehlen. Mein Mann hat sich bei unserem Großen 3 Monate geleistet, bei unserem Kleinen direkt nach der Geburt auch 3 und im Sommer kommen noch 2 weitere Monate dazu. Das hilft nicht nur mir, sondern auch den beiden. Obwohl es traurig ist, wie schnell sich das Kind dann wieder umorientiert. Während der Elternzeit gab es praktisch keinen Unterschied (bis auf das Stillen, aber selbst das Füttern mit Muttermilch in der Flasche war kein Problem) wer die Betreuung übernimmt. Kaum ist die Elternzeit vorbei, stellt sich eine gewisse Mama-Affinität ein.
    Ich fände ja folgendes Modell am Familienfreundlichsten: 3 Monate für Papa UND Mama, danach teilen sich beide die nächsten 2 Jahre Teilzeit (ca. 15h pro Woche) die Betreuung.

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