Authentizität im Buddhismus

Ich hatte vor kurzer Zeit das Vergnügen bei der Ausarbeitung eines Textes für den nächsten ÖBR-Newsletter zu helfen. Genauer gesagt habe ich einen ersten Entwurf aus gebrochenem Deutsch grammatikalisch korrigiert. Für uns beide, Cao hat auch mitgemacht, war es eine interessante Herausforderung, den Inhalt, mit dem wir nicht in allen Punkten übereinstimmten, sauber wieder zu geben.

Die Essenz worauf der Autor hinaus wollte war, dass die ‚alten Schulen‘ des Buddhismus, da es sie ja schon sehr lange gibt und daher viel Weisheit angesammelt haben, sich mehr im Westen etablieren sollen. Denn dann sei sichergestellt, dass die Lehre des Buddha weiterhin unverfälscht übertragen werde.

Naja, ja, so könnte/sollte es sein. Ich sehe es dennoch anders. Ich finde, die ‚alten Schulen‘ sind kulturell schwer belastet, logischerweise von dem Ursprungland aus dem es zu uns kam. Wer meine Beiträge seit längerem folgt, der kennt meinen Standpunkt, dass ich das – FÜR MICH – nicht gut finde. Kurz zusammengefasst, weil die Lehre universelle Gültigkeit hat und lediglich im kulturellem Rahmen transportiert wird. Also zB. im ehemaligen Tibet war das logischerweise in tibetischer Sprache, mit tibetischer Symbolik, … blabla, jeder weiß, was ich meine.

Perspektivenwechsel: Ja ich bin mir sicher in Bildungseinrichtungen, wie es buddh. Klöster sein können, ich war ja noch nie dort, wo man seit vielen Jahren die Lehren studiert und weitergibt, wird tiefgreifendes KnowHow vorhanden sein. Das könnte man jetzt etwas in Zweifel ziehen, wenn man sich beispielsweise die aktuellen Berichte von Myanmar anschaut, aber das soll eigentlich nicht das Thema sein, obwohl es ein echt großes Problem ist, das man keinesfalls unter den Teppich kehren darf.

Mir geht es darum, dass der Autor meint, die Authentizität der unverfälschten Lehre sei NUR dadurch sichergestellt, dass ein Lehrer in so einem Kloster studiert hat. Ich möchte den Bogen nicht zu weit spannen, aber Authentizität und was noch so dazu gehört ist in meinem Berufsfeld (Netzwerk und IT-Sicherheit) ein wesentliches Thema. Es geht kurz gesagt darum, dafür zu sorgen, dass eine Information beim Empfänger so ankommt, wie sie der erwartete Sender abgeschickt hat.

Im buddhistischen Kontext sollte man sich immer bewusst sein, dass alle Grundtexte, also der Palikanon und von mir aus auch die anderen noch später entstanden oder offenbarten Texte, nicht vom historischen Buddha selbst niedergeschrieben worden sind. Außerdem waren die Lehren, die in den Texten niedergeschrieben wurden, immer an eine konkrete Zielgruppe gerichtet. Je nachdem mit wem er gesprochen hat, verwendete Buddha eine passende Sprache oder passende Analogien.

Ein offensichtliches Beispiel von heute wäre der Unterschied in der Sprache vor Gericht oder auf einer Baustelle. Das könnte beides Deutsch sein, aber es sind trotzdem unterschiedliche Welten. Das sollte einem auch immer bewusst sein. Und natürlich auch, dass alle unseren weltlichen Sprachen für weltliche Anliegen erschaffen wurden und sich spirituelle Dinge immer nur näherungsweise beschreiben lassen, da es dafür keine 1:1 passende menschliche Sprache gibt.

Jetzt versuche ich wieder zum Thema zurück zu finden. Wenn man jetzt davon ausgeht, das Authentizität gegeben ist, da einer ein Zertifikat von einer altehrwürdigen buddhistischen Einrichtung vorweist, mit Auszeichnung, dann könnte das etwas heißen. Muss es aber nicht.

Meiner Meinung nach zeigt sich Authentizität durch das aktive Verhalten und die laufende Prüfung mit der Quelle. In einer Lehrrede des Buddha, die mich in diesem Punkt unterstützt, geht es darum, dass der Dharma all das ist, was zum Heilsamen führt, unabhängig davon, ob es Buddhas Worte oder die eines anderen sind. Daher ist eine durchgängige Linie zurück zu Buddha, spätestens seit es schriftliche Auslegungen seines Vermächtnisses gibt, nicht mehr von oberster Priorität bzw. hinreichender Notwendigkeit. Die Texte sind weitgehend verständlich formuliert, der Sinn erschließt sich meist unmittelbar.

Das heißt nicht, dass die ‚alten Schulen‘ unnötig sind. Sondern ich meine, dass es wichtiger ist, dass ein Lehrer das lebt oder authentisch darstellt, wovon er oder sie redet und sich das mit den Quellen tatsächlich deckt. Man muss sich nicht als Buddha fühlen um Buddhismus lehren zu dürfen, sondern man sollte lehren, was man verstanden hat und das dann auch abgrenzen. Ganz egal ob diese Erfahrung in einem Kloster, im Retreat, bei der Arbeit auf einer Baustelle oder in der achtsamen Begleitung eines oder mehrerer Kinder oder wo auch immer gesammelt wurde.

Das bedeutet für mich Authentizität im Buddhsimus. Denn die andere Form hält keiner echten Prüfung stand, wenn dann nur, weil die Personen bereits nach dem Prinzip von meinem Verständnis authent praktizieren.

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