Matriachat und Familienorganisation

Puh, wie fange ich an? Jeder Schritt ist ein Waagnis. Ich hoffe ich kann ein paar Gedanken treffen ohne einen diskriminierenden Eindruck zu hinterlassen. Immerhin bin ich der Meinung, dass jeder Mensch (und eigentlich auch jedes andere Lebewesen) alles machen dürfen sollte, ohne dabei die ‚Freiheit‘ zumindest jedoch gegen dessen Willen in die körperliche oder geistige (seelisch ist so ein extrem relatives Wort) Unversehrtheit ein zu greifen. Tja, vielleicht meine ich einfach, genieß dein Leben aber verletze niemandem.

Ok, zum Thema, bei meinen Eltern und Großeltern und jetzt auch in meiner Familie ist es grundsätzlich so, dass die weibliche Chefin im Allgemeinen bestimmt was passiert. Also nicht so Tyranei-mäßig wie es us-amerikanische Sitcoms á la Al Bundy („Eine schrecklich nette Familie“) so vorzeigten. Aber wenn es keine Zustimmung zu einem meiner Hirngespinnste gibt, dann kann ich mir das Anliegen fast schon abschminken.
Ja, Hirngespinnste ist ein sehr bewusst gewähltes Wort, denn manchmal sind das wirklich tolle Ideenkonstrukte, deren Umsetzung zwar meine Welt (‚meine Wahrnehmung ist meine Realität‘) verändern würden, aber eigentlich nur Geldverschwendung sind, geputzt werden müssten, teuer zu reparieren sind, noch gar nicht erfunden/entwickelt/produziert wurden, …

Ja, ich behaupte, wenn ich eine meiner Ideen gegenüber Cao nicht argumentieren kann, dann hat die Idee auch keine Existenzberechtigung. Nein, das wäre zu radikal für eine Idee, sie hat dann aber sicher keine Umsetzungsrelevanz. Denn – und jetzt komme ich endlich zur zentralen Message des Beitrages – so über den Daumen gepeilt, denkt Cao wesentlich praktischer als ich. Also ich meine, sie bezieht die aktuelle Realität mit ein, während ich mir oftmals die Umsetzung der Idee in einer fiktionalen Utopie vorstelle. Meine Schlussfolgerung demnach wäre, dass Frauen möglicherweise eher ein Denken haben, das Menschen leben lässt – weil zB. Steinzeitmänner von ihren Frauen abgehalten wurden, ein Mammut mit blanken Händen zu erlegen – und Männer sich vermutlich je nach Anlass auf ein Problem stürzen und solange daran herumkauen, bis es gelöst oder man sein Leben verloren hat – kennt jemand den Film ‚127 Hours‚?

Ich finde aber nicht, dass ich von ihr ausgebremst werde meine Träume zu verwirklichen sondern bewahrt werde Dummheiten zu begehen. Meine Träume kann ich ja argumentieren, sodass meine Frau entweder zustimmt oder sie sinnvoll weiter entwickelt. Ich meine, in einer guten Beziehung spricht man sowohl über Träume, die es verdienen realisiert zu werden, als auch über den Nonsens, vor dem die Menschheit besser verschont bleibt.

Ich finde, eine Partnerschaft kann dahingehend sehr fruchtbar beziehungsweise auch sinnvoll überdenkend sein. Wenn es stimmt, dass sich in der Liebe Gegensätze anziehen, dann wäre es fahrlässig, nicht die Erfahrung und Sichtweisen des Partners (männliche Form, da ich mit deutscher Sprache PreGendering erzogen wurde, nicht weil ich irgendeine Geschlechtskombination ausschließe) in sein Leben und dessen Entscheidungen ein zu binden.

Ich würde fast soweit gehen zu behaupten, dass ich mir vorstellen kann, Beziehungen – also auch Ehe oder nicht, wie auch immer, zwischen 2 oder mehr Menschen, whatever – wo das nicht üblich ist, also jeder Partner sein eigenes Süppchen kocht, die dann manchmal der andere Partner auslöffeln muss, eher respektlos zu Ende gehen. Das ist allerdings eine Vermutung, die nur das Kernthema unterstreichen soll.

Nämlich, dass ich als Mann, es für normal und vorteilhaft halte in einem Matriachat zu leben. Leider nicht auf gesamtgesellschaflicher Ebene, wobei ich eigentlich schon denke, dass es eigentlich in den meisten Haushalten so ist, nur die älteren Generationen nicht darüber reden konnten oder wollten. In meiner Welt jedenfalls und Wolf-Dieter Storl bestätigt in dem Buch „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“, dass die europäischen Kelten vor der Christianisierung auch so lebten, da Frauen sowohl das Geheimnis der menschlichen als auch der landbaulichen (um nicht land’wirtschaft’lichen zu verwenden) kannten, ist es so.

Eine weitere Abgrenzung – die ich nicht unerwähnt lassen möchte – ist, dass sich scheinbar oft Männer von ihren Frauen bemuttert fühlen – es womöglich auch zutrifft – und sie sich dann in der MidLifeCrisis – wie in der Pubertät – davon befreien versuchen. Ich denke, dass da oft die Liebesbeziehung bereits lange vorher beendet war. Wenn dem so ist, wäre eine respektvolle Trennung wohl das angestrebte Ideal. Wer sich einbildet, die Liebe hält – um der Liebe willen – ewig, der ist entweder frisch verliebt oder hatte noch nie öfter als einmal dieses Vergnügen. Alles ist vergänglich und das ist gut so. Wenn etwas lange hält ist das toll! Wenn nicht ist es eigentlich auch kein Wunder.

Pfuu, wie ist denn Deine Meinung dazu? Ich gebe hier lediglich meine Erfahrung und Gedanken weiter und hege keinen Anspruch an Vollständigkeit oder so.

P.S.: Ich musste den Beitrag nochmal überarbeiten, weil die WordPress-App am Smartphone wirklich keinen tollen job macht. Obwohl man jetzt Beitragsbilder ergänzen kann. Außerdem habe ich viele Fehler aus den unzähligen Rohfassungen nicht entdeckt.

Advertisements

15 Kommentare zu “Matriachat und Familienorganisation”

  1. Hello, ja eh, in der Beziehung sollten die Stärken von jedem betont werden. Wir haben getrennte Konten und teilen unsere Ausgaben so über den Daumen gepeilt, je nach Einkommenshöhe. Also zeitweise 50/50 oder 33/66. Das funktioniert gut für uns, aber wir nehmen es nicht sehr genau. Es fühlt sich auch keiner ungerecht behandelt, weil wir immer wieder darauf schauen und ausgleichen.

    Für uns beide ist es selbstverständlich so wie es ist, wir sind ja auch glwichberechtigt. Wir können es daher nicht wirklich nachvollziehen, wie die Probleme unserer Elterngeneration entstehen. Wo viele Scheidungen und eine Menge Entfremdung herrscht. So wirkt es jedenfalls auf uns.
    MfG toe

    Gefällt 1 Person

  2. Bei meinem Mann und mir hält es sich die Waage. Wenn jemand von uns eine Idee hat, macht die/der andere im ersten Moment automatisch eine(n) auf „advocatus diaboli“. Wobei es immer nur darum geht, die Argumentationsfestigkeit des Gegenübers zu prüfen und niemals prinzipielle Ablenung bedeutet. Ganz im Gegenteil! Wenn der/die IdeenbringerIn, mit seinen/ihren Argumenten überzeugt, dann passt das. Und wenn nicht, hat man die Möglichkeit es selbst einzusehen.

    Respekt ist immer so ein Wort dass auch hier in den Kommentaren fiel. Darüber denke ich gar nicht nach. Mein Mann auch nicht. Wir sind es einfach respektvoll. Da steckt weder Bemühung noch Arbeit dahinter.

    Ich kann natürlich auch nur hoffen dass unsere Beziehung bestand hat – es gibt bisher einen Grund vom Gegenteil auszugehen 🙂 und „hatte schon mal das vergnügen“, gehöre aber trotzdem zur naiven-Kategorie „frisch verliebt“ .. sind auch erst 6 Jahre 😉 Ich freu mich auf die nächsten

    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass manche Menschen, wenn sie hören, dass zum Beispiel die Finanzen unseres Haushaltes, von mir allein geregelt werden, meinen, wir würden im Matriachat leben. Dabei finden wir beide es einfach nicht sinnvoll dass wir – etwa durch getrennte Kontoführung – beide unsere Kapazitäten mit diesem Thema verschwenden. Ich bin eine Listen-Schreiberin – mein Mann nicht -, ich erstelle und programmiere spaßhalber Excel-Tabellen – er nicht -, ich sitze tatsächlich freiwillig hinter meinem Rechner und recherchiere die – durch die jüngste Reform bedingten – Veränderungen im Steuerrecht, weil es mich interessiert – ihn nicht -, es war deshalb nur logisch dass ich die Finanzen übernehme. Andere dinge macht dafür er besser als ich, die fallen dann auch ihm zu.

    alles Liebe

    Gefällt 1 Person

  3. Umdenken, sich öffnen ist wohl das was vielen Menschen am schwierigsten fällt… Siehe Basisrechte wie wählen, Auto fahren für Frauen, Rassismus… Es ist alles gar nicht so lange her und schon lange nicht beendet.

    Aber das schöne daran ist, dass es auch unglaublich viele Menschen gibt, die eben das tun, sich verändern, sich öffnen und somit auch eventuell Veränderungen bei seinen Mitmenschen bewirken… Wir übersehen oft, das passiert mir auch wenn ich dann eher „die dunkle Seite“ betrachte… 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. Naja, wir haben oft die Erfahrung gemacht, dass wir bei zu geringer Achtsamkeit immer tiefer in eine Situation hineinrutschen. Meist wegen Missverständnissen oder impliziter Erwartungshaltung. Und wenn das öfter hintereinander passiert, dann zerbricht man oder startet endlich mal das Hirn im Vorfeld und trainiert sich fruchtbarere Verhaltensweisen an. Damit sich die Egos nicht mehr sinnlos gegenseitig aufschaukeln, sondern sich klar formulieren und mit Mitgefühl agieren. Also dass unterm Strich jeder auf seine Art Recht hatte, war uns früh klar. Aber die Situationen genießen können wir erst, seit wir sie Konstruktiv nutzen können.
    Ich weiß nicht so recht, was du mit Gequirle meinst. Also sowas wie Streitigkeiten haben wir jetzt eigentlich nicht mehr, da wir die Meinungsverschiedenheiten recht früh aufdecken und mit Interesse hinterfragen. Ergebnisse werden dann erst gefällt, wenn wir beide Positionen und Kritiken verstanden haben. Das hört sich vielleicht diplomitsch an, aber wir sind wohl durch soviele unnötigen Streitereien gegangen, dass wir uns beide dahingehend trainiert haben.
    MfG toe

    Gefällt 2 Personen

  5. Da stimme ich Dir zu, vergleichen kann und sollte man nicht. Kindisch sind viele Streitgründe, glaube da ist niemand gefeit vor. Das passiert, die Frage ist, wie man damit umgeht. Ob man heraus finden will, was der echte Grund ist und was man andern kann. Aber auch das hat wieder was mit gegenseitigem Respekt zu tun.

    Gefällt 2 Personen

  6. Vielen Dank, ich würde mir wünschen, dass das in meiner und den folgenden Generationen grunsätzlich so auch kommuniziert werden kann. Aber mir kommt es vor, dass ebenso wie das Umdenken auch das Stur-bleiben immer stärker wird. Seltsam.
    Vermutlich habe ich diesen Gesichtspunkt im Beitrag zu wenig betont, ich finde die Kombination aus den unterschiedlichen Denkweisen, ‚bei korrekter/liebevoller Anwendung‘ eigentlich unbeschreiblich toll.
    Was denkst du, wie fruchtbar die Politik eines Landes wäre, wenn dort Koalitionspartner sich zum Besseren kombinieren würden?
    MfG toe

    Gefällt 2 Personen

  7. Dem kann ich auch zustimmen. Zu diesem Aspekt, finde ich auch, dass man „Beziehungen“ von verschiedenen Menschen nicht ernsthaft vergleichen kann. Abgesehen davon, dass man nur seine eigene Beziehungen wirklich kennt, sind zB. 2 Jahre zwischen diesen Persönlichkeiten ganz anders als vielleicht zwischen jenen Persönlichkeiten. Ich habe das Gefühl, dass nach knapp 10 Jahren mit Cao, unsere Beziehung eine äußerst reife Qualität besitzt, trotzdem wir offiziell erst seit über einem Jahr verheiratet sind. Wenn ich dann Details von Paare erfahre – obwohl ich versuche Tratsch zu umgehen – dann wundere ich mich, über welche Kleinigkeiten und wie respektlos/kindisch sie streiten.
    Also ich stimme dir sicher zu, dass sich jede Beziehung über die Zeit ändert, schön wenn das zum positiven aus der Perspektive von beiden passiert.
    MfG toe

    Gefällt 3 Personen

  8. Das freut mich, ja ich denke, das ist das Um und Auf. Aber meiner Erfahrung nach, vorallem bei den älteren und noch älteren Semester kommt das nicht mehr oft vor. Wenn doch, wirkt die Beziehung dafür umso schöner!!! Da kenne ich zum Glück auch positive Beispiele.
    MfG toe

    Gefällt 1 Person

  9. Keine Anung, wer wo Recht hat, jedoch bin ich im Lauf der Zeit immer mehr auf den Trichter gekommen, dass die Situationen an sich wichtiger sind als Rechthaben.
    Und das Gequirle bei euch macht einen richtig gemütlichen Eindruck, dazu solltet ihr einfach Vertrauen haben.

    Gefällt 1 Person

  10. Schön, wenn Mann das auch „zugeben“ und öffentlich sagen kann 🙂 Ich glaube dass die meisten Männer das auch wissen, und wie du sagst, nicht darüber reden können, und daher versuchen die Frauen unterzubuttern – bewusst oder unbewusst, auf welche kleinste Art auch immer. Allerdings finde ich männliche Meinungen auch sehr hilfreich, da eben manchmal einfach nur ein Problem gelöst werden muss, sozusagen mit kühlem Kopf ohne viel Gedanken, abwegen etc., einfach nur machen und den Mammut erlegen ohne viel schnickschnack

    Gefällt 2 Personen

  11. Witzig, wir hatten das Thema grad selbst. Also, dass Frauen von Natur aus eher Führungspersönlichkeiten sind, gleichzeitig aber recht fragile Charakterzüge haben, weswegen sie sich in der modernen Welt durch Oberflächlichkeiten unterbuttern lassen. Respekt vor der Meinung des anderen ist ultimativ wichtig. In einer guten Beziehung muss man Träume und Wünsche diskutieren können. Und zur Liebe, vor ein paar Jahren hatten wir die Diskussion in der Arbeit: ich (damals noch knapp u30, aber schon mit meinen Mann zusammen, meine 15j.ältere Kollegin und die studentische Aushilfe knapp über 20. Es ging darum, dass Liebe sich eben verändert mit der Zeit, „erwachsener“ wird als das Verliebtsein, dass Liebe und Beziehung Arbeit bedeutet. Und dass man nach 20 J.seinen Partner nicht mehr genauso liebt, wie am ersten Tag.

    Gefällt 2 Personen

Wie ist deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s