Triratna eine Sekte?

Weil immer wieder Suchmaschinenanfragen zu den Schlagwörtern ‚Triratna Sekte‘ auf unserer Seite landen, sehe ich Bedarf diese Thematik konkret zu behandeln.

Gleich vorweg, ich behaupte die buddhistische Gemeinschaft Triratna ist keine Sekte. Weder wenn man den Begriff ‚Sekte‘ mit Organisationen – wie es beispielsweise Scientology ist – gleichsetzt, noch wenn man es als isolierten Teil der buddh. Praktizierenden betrachten würde, beides trifft nicht zu.

Retreat für/von Frauen in Mexiko

Triratna ist zum Beispiel in der EBU vertreten, aber trotzdem ist diese buddh. Schule in Europa sogar unter Buddhisten nicht allgemein bekannt, leider. Ich vermute, weil die historischen Traditionen, welche nicht direkt von Triratnaspenden profitieren, diese neuere Richtung auch nicht kennen, nicht ernst nehmen oder lieber gleich ignorieren. Aber schauen wir uns die Details an.

Was ist eine Sekte, was versteht man unter Sekte?

Die Begriffsgeschichte kann man auf Wikipedia nachlesen, das ist echt zu langatmig. Man meinte aber immer schon Spaltung einer religiösen oder philosophischen Gruppe, oft auch in Verwendung als Synonym für Schisma.

Im deutschen Sprachraum ist der Begriff ‚Sekte‘ sehr negativ besetzt, im englischen angeblich nicht. Ich denke, umgangssprachlich meint man mit ‚Sekte‘, eine pseudo-religiöse Organisation, wo Menschen manipuliert werden um den Anführern der Organisation bedingungslos zu folgen, also finanziell, politisch und womöglich auch sexuell.

In Österreich befasst sich die Webseite www.sekten.at mit der rechtlichen Situation über die Anerkennung von Sekten. Die Regierungen hatten offensichtlich ein sehr negatives Bild von Sekten und brachten besonders vorverurteilende Broschüren heraus. Alles was also nicht als staatlich anerkannte Religion galt, war grundsätzlich böse und wurde als Sekte bezeichnet. Und es gibt auch heute noch keine sachlichen Kriterien nach denen Religionen anerkannt werden. In Deutschland befasst sich die Webseite www.sekteninformation.de mit diesem Thema.

Es stimmen beide Webseiten überein, dass das implizite Vorurteil – eine Sekte, weil (noch) nicht anerkannt, sei böse – sich im allgemeinen nicht bestätigt. Naja, Scientology mag ich trotzdem nicht.

Wie ist das im Buddhismus?

Aus traditioneller Sicht kann man behaupten, dass der Buddhismus sehr sektiererisch ist, da es viele Splittergruppen gibt, die sich lange Zeit nicht gegenseitig akzeptiert haben. Man muss aber auch sagen, dass es den Buddhismus – als einheitliche Organisation, genauso wie das Christentum und vermutlich alle anderen Religionen – nicht gibt! Alle buddh. Ausprägungen berufen sich auf den historische Buddha Sakyamuni bzw. Siddharta Gautama, sind aber mehr oder weniger eigenständig. Aufgrund ihrer Schwerpunkte in der Lehre oder des verwendeten Textkanons werden Gruppen in die bekannten Strömungen eingeteilt.

Mahasukha beim Soulful Singing am Buddhafiel Festval

Ich meine, die Lehren wurden jeweils an die lokale Kultur angepasst oder vermischt und im historischen Kontext immer wieder neu strukturiert und erweitert. Man kann das gut mit unseren Literaturepochen vergleichen – jede neue Epoche war eine Gegenbewegung zur vorigen, da irgendetwas zu lange, zu streng genommen wurde – allerdings fanden die buddh. Entwicklungen zu Zeiten statt, wo der internationale philosophische Austausch nicht so gegeben war wie es heute oder damals zu Zeiten von Goethe & Co war.

Verärgerter Theravada Mönch

Weitere Infos im Beitrag Politik der buddh. Schulen, aus dem hervorgehen sollte, dass sich Triratna nicht in eine einzige der historischen Traditionen einordnen lässt, sondern aus der gesamten buddh. Überlieferung das schöpft was heilsam ist und sich in Einklang bringen lässt. Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven werden als Stärken für die vielfältigen Temperamente der Praktizierenden genutzt. Und da Triratna ‚Sangha‘ als alle Buddhistien – also jeder der die Zuflucht zu den Drei Juwelen genommen hat – definiert, bin ich der Meinung, dass man in diesem Sinne nicht von Sekte sprechen kann.

Jedenfalls, ist es grundsätzlich nicht einheitlich geregelt, dass jede buddhistische Gruppe oder jedes Zentrum einer traditionellen Linie angehören muss.

Wie ist das in Österreich?

Von der ÖBR habe ich erfahren, dass es einen Sangharat gibt. Offizielle buddh. Gruppen, meist an ein Zentrum gebunden, müssen mind. 10 ÖBR-Mitglieder haben, dann kann ein Antrag auf Aufnahme in den Rat gestellt werden. Dieser muss einstimmig angenommen werden, also muss man schon mal ein relativ gutes Image haben. Eine buddh. getarnte Organisation mit zweifelhaften Absichten, würde hier wahrscheinlich enttarnt.

Als Mitglied des Sangharates leistet man je nach Größe eine monatliche Gebühr für die Erhaltung des ÖBR. (Als Buddhist muss man übrigens keinen regelmäßigen Beitrag an den ÖBR zahlen, nur beim Betritt, die offizielle Zufluchtnahme, wird um eine einmalige Spende in der Höhe von mind. € 30,- gebeten … als Umkostenbeitrag.) Und ich denke, dass es dann eine Mitwirkungspflicht bei den regelmäßigen Sangharatstreffen gibt, aber keine vorgeschriebenen Kontrollen der Zentren selbst.

Würde etwas in einem Zentrum schief laufen, kann man die Ombudsleute der ÖBR kontaktieren. Also es gibt keine strikten Kontrollen um Sekten, die sich als buddh. Gruppen ausgeben, auszuforschen, aber es gibt doch ein gewisses Maß an Einblick, sodass Bösewichte ein doppeltes Spiel auf hohem Niveau spielen müssten um nicht aufzufallen.

Wie ist das jetzt mit Triratna?

Nun, in Österreich gibt es noch gar keine Triratna Gruppe. Cao und ich, wir sind übers Internet mit ein paar Leuten von DE und UK in Kontakt, vielleicht auch bald mit HU, aber zu zweit als Jungfamilie brauchen wir kein Zentrum eröffnen, und auch keine eigene Onlinepräsenz schaffen. Bei der ÖBR würde man sich über eine Triratna-Gruppe freuen, aber mit nur zwei Praktizierenden … .

Die Winklbauern am Weg zur Trauung

Nur Geduld kleines Ego, irgendwann wird es sich schon herumgesprochen haben und dann werden die Leute, die mit den historischen Traditionen auch nicht viel anfangen können oder wollen, eine  weitere buddh. Ausprägung finden um sich zeitgemäß und flexibel mit den lange bekannten Weisheiten zu beschäftigen.

Die Gelegenheit den Triratna Way of Dharma kennen zu lernen: Buddhafield Festival

Wenn jemand einen Einblick in die Darstellung des Dharmas von Triratna erlangen möchte, kann ich die Unterlagen zum Mitra-Kurs wärmstens empfehlen. Eine wirklich tolle Einführung, die mir eine ungefähr ein Jahr dauernde Lektüre eines anderen (anstrengenden) buddh. Werkes erspart hätte.

Und wer das ansprechend findet, dem empfehle ich Subuthis Buch „Neue Stimme einer alten Tradition, Sangharakshitas Darlegung des buddhistischen Weges“ worin auch beschrieben wird, warum Sangharakshita die Notwendigkeit sah, eine westliche buddh. Gemeinschaft und dann auch den Orden zu gründen und wie ihm seine Lehrer aus den verschiedenen traditionellen Schulen dazu anspornten.

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Ein Kommentar zu “Triratna eine Sekte?”

  1. Ich habe eine wundervolle Person aus der Triratna Sangha in einem Vipassana Retreat in Sri Lanka kennen gelernt, wo wir zwischendurch mal kurz und verbotenerweise geredet hatten 🙂 Ich war ehrlich gesagt etwas schockiert, als ich auch Mönche hörte, die über „andere“ Buddhistische Mönche aus anderen Traditionen / Sanghas abgelästert haben, dass „die“ ja nicht das Authentische praktizieren, sich nicht Mönche nennen sollten, da sie ja nach 12 Uhr z. B. essen oder so, wie die Zen Mönche das tun. Das war sehr befremdlich für mich… Von daher fand ich was sie mir über Triratna erzählt hat sehr sympathisch, auch das was du hier schreibst. Menschen schreien auf und sind besorgt über die neue „buddhistische Sekte“, aber träumen tief und schweigen angesichts der politischen, weltlichen, menschlichen etc. Situation um sich herum 😉

    Alles was vereint und verbindet finde ich wunderbar – denn es gibt schon genug auf der Welt was trennt, splittert und Grenzen zieht. Wer weiss wer euch so findet im Laufe der Zeit, ich wünsche euch viele „Sektenanhänger“ 😉

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