ländliche Eitelkeit – Vorgarten’pflege‘

Durch die Windschutzscheibe beobachte ich wie die Menschen aufgrund der ersten Sonnenstrahlen des Frühlings aus ihren Höhl… ich meine Häusern kommen um die Vorgärten zu planieren und für die heurige Ausstellungssaison aufzuputzen.

Nun, ich muss nicht alles verstehen, was so mancheiner hübsch findet. Aber ich frage mich schon, warum die jährlich aufs neue ihr Kreuz ruinieren und Ressourcen in die gänzliche Neuerstellung des der-Straße-zugewandten-Fleckchens-Erde investieren. Abgesehen von Tratsch hat da keiner etwas davon. Die Natur muss wieder kämpfen um sich das Fleckerl wieder gesund zu machen. In Baumärkten ist im Moment die Hölle los, da traut man sich ja eigentlich eh nicht mehr hin. Und die Körperhaltung beim Auslöschen des vorgärtlichen Lebens wirkt auch nicht, als würde es den Ausführenden tatsächlich Freude bereiten.

Ich komme ja aus dem Marchfeld … Niederösterreich … dem Reich der Vorgärten. In der Steiermark hält man traditionell nicht viel davon, sich seinen Garten einzuzäunen. Früher hatte man die Zäune nur um das Vieh beisammen zu halten oder das Wild vom Gemüsegarten fernzuhalten. Vielen steckt das noch im Blut, aber einige werfen ihr Geld bereits den Gartenzaunherstellern in den Rachen. 

Nagut, wenn sie meinen. Eh schön, wenn sie sich endlich aus ihren Höhl… ich meine Häusern bewegen und nicht mehr vor dem Fernseher schlafen. Aber muss es ausgerechnet wieder Kahlschlag an der Natur sein für ein unnötiges kurzfristiges Farbenspiel von Hybridpflanzen, die nicht mal die Saison überstehen, sein? Mischkultur, so wie es die Großeltern noch machten, ist da nicht erwünscht. Mir scheint die Vorgärtenhalter stehen in einem Wettkampf mit Kriterien wie:

  • Ich replatziere jährlich x Kubikmeter Erde.
  • Ich setze jährlich x neue Blumen.
  • Ich hole mir jährlich x Spritzen gegen den Hexenschuss.
  • Und ich mache das um nur x Minuten/Jahr im Vorgarten zu sitzen.

Ja super, ich denke, heuer rechne ich nicht mal das Laub vom letzte  Herbst weg. Damit die Insekten und Pilze etwas zum Spielen und wachsen haben.

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2 Kommentare zu „ländliche Eitelkeit – Vorgarten’pflege‘“

  1. Und 1Monat später dann wird der Rasen mit der Nagelschere gestutzt 😂. Jaaaa, kann man machen, muss man aber nicht. Ich hoffe grad auf die Zusage für ein kleines Häuschen nur für mich mit Garten, in dem ich Ausleben kann, was ich möchte. Und mich ziehts zur Permakultur😍. Mal sehen, ob das alles so sein soll😊
    Ich wünsch Euch dreien einen traumhaft schönen Sonnentag😃

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  2. Ich wunder mich eh oft, wieviele Menschen sagen, dass sie so gerne in der Natur leben wollen und dann alles dafür tun, sie auszumerzen und einen möglichst unnatürlichen Raum rund um das Haus zu schaffen. Rasen und Klinkersteine, alles zugepflastert, beblumt und begartenzwergt – wilde, unberechenbare Natur macht anscheinend große Angst.

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