Doppelmoral?!

Als ich mich vor 6,5 Jahren entschloss, vegan zu leben, war neben ökologischen und ethischen Gründen auch die Gesundheit ein wichtiger Punkt. Erst nach und nach bemerkte ich, dass es sehr viele VeganerInnen gibt, die sich weiterhin von Junkfood, Süßigkeiten und Limonade ernähren, nur in einer jeweils veganen Version. Ist für mich zwar nicht ganz nachvollziehbar aber in Ordnung, schließlich hat jederR andere Vorlieben und auch andere Gründe, um ein möglichst tierleidfreies Leben zu führen.

Vor einiger Zeit lernte ich allerdings einen Veganer kennen, der mir sehr gesundheitsbewusst erschien. Er ist einer jener Menschen, die einem zu jedem Nahrungsmittel den Nährstoffgehalt erzählen können und auch über einige Dinge mehr Bescheid wissen, über die ich persönlich noch nicht wirklich nachgedacht habe. Er hat schon viele ‚Diäten‘ hinter sich, um zu schauen, wie es ihm damit geht. Unter anderem ernährte er sich eine längere Zeit von Rohkost und empfand dies als sehr wohltuend. Im längeren Gespräch mit ihm schaltete ich dann aber immer mehr ab. Denn manche seiner Weisheiten und Erfahrungen kamen mir persönlich dann doch etwas übertrieben vor, auch wenn er authentisch wirkt und sich anscheinend wirklich extrem gut beim Thema Ernährung auskennt. Eine unter vielen Aussagen war dann, dass Reis sehr ungesund sei, wegen dem Arsengehalt. Daraus resultiert für ihn, dass er maximal ein Mal pro Woche Reis isst. Und Reiswaffeln für Kinder sind seiner Meinung nach fast schon gleichbedeutend mit Gift…

Ich habe das Gespräch, welches er im Monolog weiterführte – es waren mehrere Leute anwesend – nur mehr fragend nebenbei verfolgt. Es fielen auch Punkte wie Soja und Gluten. Soja muss man laut ihm ebenso meiden, nicht mal ein Schluck Sojasauce im Essen wäre gesund, geschweigedenn Sojajoghurt, Sojadrink oder andere Produkte auf Sojabasis. Glutenfrei muss das Essen sowieso sein. Seinem Sohn hat er daher zum Geburtstagsfest auch einen glutenfreien Kuchen gebacken, woraufhin die Freunde des Kindes gespottet haben, da der Kuchen scheinbar nicht besonders schmackhaft war – das hat er auch selbst gesagt. 

Naja, wie auch immer, bei all den Erklärungen zu gesundem und ungesundem Essen, fiel mir allerdings auf, dass besagte Person ein Bier nach dem anderen zwitscherte. Am Ende des recht kurzen Nachmittagtreffens waren es zumindest 4 Flaschen und als wir uns bereits verabschiedet hatten, ich aber nochmal zurück ging um etwas zu holen, war schon eine weitere Bierflasche am Tisch und „Herr Gesundheitsbewusst“ rauchte eine Zigarette. Und die Krönung: bei seiner riesigen veganen Grillfeier – man muss den Anderen ja zeigen, wie gesund und gut man sich als Veganer auch von Gegrilltem ernähren kann – lag er nachmittags um 15 Uhr schlafend in einer Ecke! Das Komasaufen hatte ihn sprichwörtlich in die Knie gezwungen. Wir waren zum Glück selber nicht dort, aber eine Bekannte berichtete, dass es an diesem Nachmittag nichts Gegrilltes mehr dort gab….

Das nenn ich mal Doppelmoral, oder was meint ihr?

Advertisements

6 Kommentare zu “Doppelmoral?!”

  1. Ich könnte mich auch Stunden zum Thema Ernährung belesen und mich mit anderen darüber unterhalten. Es gibt jedoch mittlerweile so viele Theorien und Ansätze, dass man gar nicht mehr weiß,was richtig und was falsch ist. Und bekanntlich sollte man auch keiner Studie trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. Ich halte es mittlerweile wie Paracelsus: Die Dosis macht das Gift. Und man sollte auch nicht päpstlicher werden als der Papst. Dein Gesprächspartner – oder besser gesagt Alleinunterhalter – hat sich wohl gern reden gehört und sich mit seinen Taten selbst ins Aus geschossen. Eigentlich traurig…

    Gefällt 1 Person

  2. Oh weh… diese „Vorträge ohne Taten“ sind genauso lästig wie von der Anti-Fraktion… Wenn du direkt gesagt bekommst, wie furchtbar ungesund eigentlich vegane Ernährung ist und diese doch ausschliesslich auf Ersatzprodukte basiert! (?) Und du solltest mal lieber „richtiges“ Essen essen statt auf Chemiekeulen-Ersatzprodukte zu greifen (die ich fast nie im Haus habe, aber macht ja nix) – während die Leute rein verarbeiteres, abgepacktes, überzuckertes „echtes Essen“ futtern 🙂 Auf allen Seiten lässt das Leben und leben lassen und vor allem weniger Belehrung und Besserwisserei zu wünschen übrig – aber vor allem irgendwie Achtsamkeit und Bewusstsein für seine Taten, nicht das was man so losquasselt 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Eigentlich wollte ich schreiben, dass, wenn er glutenfreies Bier getrunken hat, dann passt es ja eh 😉 – aber Google hat mir dann gezeigt, dass das aus Reis hergestellt wird – und den darf man ja auch nicht essen – so ein Pech auch – wie man es dreht und wendet – der gute Mann hat sich selbst widersprochen 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. Ja, solche Vorträge habe ich der veganen Szene schon oft gehört. Eigentlich nur da. Rauchende Menschen stehen im Kreis und der eine will veganer sein als der andere und es werden ungefragt Tipps und Tricks gegeben. Aber Doppelmoral würde ich es nicht nennen. Nur Selbstdarstellung.

    Gefällt 1 Person

  5. Da bin ich ganz deiner Meinung! Ich denke auch, hier macht die Menge das „Gift“!
    Allgemein möchte ich mich schon gesund ernähren, was nicht heißt, dass ich nicht auch mal gerne Junkfood, Süßigkeiten oder Limonade zu mir nehme. Das aber alles in Maßen!
    Es wäre wahrscheinlich auch was anderes gewesen, hätte besagter Mensch einfach informativ und aufklärende gesprochen, als belehrend…

    Gefällt mir

  6. Doppelmoralisch ist das schon.
    Es ist ja nicht falsch auf den gesundheitlichen Aspekt hinzuweisen, wenn man damit richtig liegt spricht nichts dagegen.
    Doch der Hype um Gluten und Soja, auch Reis ist dann doch übertrieben. Soja ist nur dann bedenklich, wenn man Massen davon isst. Bei normalem Konsum jedoch unbedenklich.
    Und Gluten ist nur dann bedenklich, wenn man auch eine Unverträglichkeit hat. Der Rest ist meiner Ansicht nach Negativgehype ohne fundierte Grundlage. Ähnlich wie bei Soja. Viele Theorien und Studien, die sich jeweils gegnseitig widerlegen, aber kein fundamentales Statement nach dem Motto: Das ist so, abgeben. Aber wer es glauben will…
    Für mich ist der gesundheitliche Aspekt sekundär. Wenn ich da mal zu Junkfood greife, dann kann ich dazu auch stehen. Denn ich habe ja nie behauptet dass dür mich persönlich gesunde Ernährung im Fokus stünde.
    Doppelmoralisch ist es aber dann wenn man etwas für sich festlegt, dem dann aber widerspricht.

    Gefällt 1 Person

Wie ist deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s