Selbstbewusstsein

Wenn ich so zurückdenke, war für mich eine selbstbewusste Person immer so eine, die gerne im Mittelpunkt stand, ohne dabei Gefühle wie Scham, Nervosität, Angst oder Hilflosigkeit zu verspüren. Schon als Kind wurde einem ja quasi eingetrichtert, dass Selbstbewusstsein etwas Gutes ist, das man sich so schnell wie möglich aneignen sollte, falls man nicht von Natur aus eine selbstbewusste Person war. Denn nur wer den Mut hat, sich und seine Fähigkeiten zu zeigen, wird es im späteren Leben mal zu etwas bringen…

Wikipedia sagt dazu:

Allgemein wird Selbstbewusstsein als „das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“ definiert.

Und dieses selbstsichere Auftreten nahm ich immer als ’sehr laut singen obwohl man keinen einzigen Ton trifft‘ oder ‚bei allem lauthals und überzeugt mitdiskutieren auch wenn man keine Ahnung hat‘ bis hin zu ‚enge Hosen tragen auch wenn die Oberschenkenkel sehr dick sind‘ wahr – was allessamt dann mit den Worten „Na die/der hat aber ein Selbstbewusstsein“ kommentiert wurde.

Doch wie so oft lehrte mich mein Kind etwas anderes bzw. ließ mich den Begriff des Selbstbewusstseins, der umgangssprachlich meiner Meinung nach so falsch verwendet wird, neu überdenken. Denn mein Kind ist sich – vermutlich wie die meisten anderen Kinder auch – sich seiner selbst und seiner Fähigkeiten bewusst! Es ist sich bewusst, von welcher Höhe es selber runter hüpfen kann, ob das Balancieren ohne sich anzuhalten möglich ist, wie schnell es bergab laufen kann ohne zu stolpern, wann es sich in einer neuen Umgebung von uns lösen kann, ob es schon bereit ist mit einer fremden Person zu reden, ebenso wieviel es tragen kann bevor es zu schwer wird usw.

Und das, was es (noch) nicht kann, kann es einfach (noch) nicht. Da werden keine theatralischen Szenen vorgespielt, um seine nicht vorhandenen Fähigkeiten stolz heraus zu posaunen. Das Kind weiß genau, wo diesbezüglich seine Grenzen sind. Davon sollten wir Erwachsenen uns auf jeden Fall etwas abschauen!

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5 Kommentare zu „Selbstbewusstsein“

  1. Genau die gleichen Gedanken hab ich mir auch schon mal gemacht. Selbstbewusst nennen wir zumeist Menschen mit einem dicken Ego, die also alles andere als sich ihres Selbst bewusst sind.
    Vom kleinen Rinpoche können wir noch eine Menge lernen 🙂

    So ähnlich verhält es sich mit „selbstlos“ – sollte eigentlich „egolos“ heißen. Ob das irgendwann mal mit Absicht so verdreht wurde?

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  2. Danke für deinen Kommentar!
    Ich denke allerdings, dass wohl die meisten gesunden Kleinkinder diese Art von Selbstbewusstsein haben und erst später von der ‚Gesellschaft‘ so „geformt“ werden.

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  3. Ich würde dazu sagen: klasse Eltern! Tolles Vorbild! Kinder orientieren sich ja an ihren Bezugspersonen.
    Für mich auch ein Zugang Selbstbewusstsein zu interpretieren – seine Fähigkeiten zu erkennen und nicht zu überschätzen – gehört absolut dazu ja.

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