Belfast – endlich in Irland

Als ich mich während meiner Schulzeit vom Mainstream lossagte und mich für Revolutionen begeistern ließ und wesentlich mehr Punk hörte als jemals zuvor, stieß ich auf punkige Bands, welche irischen Folk ordentlich auf zu peppen wissen. Und der ist schon wesentlich mitreißender als unsere Volks- oder Volkstümliche Musik.

Die spärlich gesäten aber mit viel Charme betriebenen Irish Pubs in meiner Umgebung taten ihr Übriges um die Grüne Insel so ein bisschen zu Idealisieren. Mir hat Bier nie zu schmecken begonnen, was in allen heimatlichen Ereignissen Grundvoraussetzung war um im Dorfleben integriert zu sein. Klappte demnach nicht. In den Pubs gab es immer Cider – was mir sogar sehr gut schmeckt – und wieder fühlte ich mich ein Stück mehr als verlorener Ire in Österreich.

Dann sah ich den Film Braveheart – da geht es hauptsächlich um Schotten, ich weiß eh, trotzdem – und als mir mehrfach die Tränen kamen, festigte sich auch der allgemeine Antigonist.

Nun war ich endlich Mal in Irland, wenn auch nur Nordirland, und fand mich mitten in einer geteilten Stadt, deren Geschichte ich nicht kannte. Der Begriff ‚IRA‘ schlummerte verschwommen als Kindheitserinnerung von Nachrichtensendungen auf der elterlichen Couch in meinem Hinterkopf herum.

Dank meines Kollegen nahmen wir an der politischen Tour teil. Zunächst erzählte uns ein knorriger Ire – den ich mir gut missgelaunt am Ende eines Regenbogens mit einem versteckten Kübel voll Gold vorstellen könnte – wie sich der Konflikt über die Jahrhunderte zuspitzte. Er selbst mittendrin, statt nur dabei. Er saß 15 von 17 Jahren im Gefängnis, weil er eine Polizeistation sprengte.

Ich konnte ihn, aufgrund seines irischen Dialekts, gerade noch verstehen und nach der ersten halben Stunde wollte ich mich schon mit ihm in ein Pub setzen, heulen, stampfen und Nordirland aus der britischen Tyrannei befreien.

Zum Glück hörte ich weiter zu, denn er – wie eigentlich auch alle anderen Nordiren – sind sehr froh, dass der bewaffnete Konflikt 1998 niedergelegt wurde und man seither einen gemeinsamen diplomatischen Friedensprozess führt.

Es war die Perspektivlosigkeit, welche ihn damals zu seinen Taten führte. Als er Kind von gerade Mal 7 Jahren war, wurde sein bester Freund erschossen, ohne dass sich jemand dazu rechtfertigen hätte müssen. Gute Jobs oder Schulen waren für Iren nicht erreichbar und so staute sich die Wut ins Unermessliche.

Heute arbeitet er für den Frieden und der Kommunikation zwischen den Jugendlichen auf beiden Seiten.

Am Ende der Tour des Iren zeigte er auf eines der massiven Tore, das noch immer zur Wahrung des Friedens an 12h des Tages geschlossen ist. Das sei der BriteProtestant, der uns nun seine Perspektive erzählen wird. So ging ich auf den längsten 50m meines bisherigen Lebens mit der Frage quälend, ob ich mir dessen Perspektive überhaupt anhören möchte.

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