Belfast – und der Friede

Wer bis jetzt noch mitliest und die emotionale Berg- und Talfahrt überstanden hat, dem darf ich mitteilen, dass das schlimmste schon hinter uns liegt. Ich bin sehr froh an dieser Tour teilgenommen zu haben. Die Erfahrungen, so zehrend ich sie auch empfunden habe, haben mir so unglaublich deutlich gezeigt, wie relativ unsere verblendete Wahrnehmung doch ist.

Mein Ego musste innerhalb kürzester Zeit damit fertig werden, dass ein jahrelang bewahrtes Ideal, plötzlich seine üble Fratze zeigt, dass ein unsympathischer Mensch mit ehrlichem Mitgefühl überschwemmt wird und dass die Ursachen für all die Trauer und Übeltaten noch lange nicht beseitigt, die Wunden nicht verheilt sind sondern noch immer tief sitzen und die Zukunft der charmanten Stadt an einem seidenen Faden hängt.

Die Iren wünschen sich ein Vereinigtes Irland und keine Fremdbestimmung mehr, die Protestanten die geblieben sind wünschen sich Anerkennung ihrer Opfer und Gerechtigkeit gegenüber den Tätern. Und der Brexit könnte das ganze Dilemma wieder zum Hochkochen bringen. Eine EU-Außengrenze quer durch Irland ist definitiv kein Schritt in Richtung Friede für die Menschen Vorort.

Beide Guides, der Ire und der Protestant, stimmten getrennt voneinander überein, dass es keinen Gewinner aus den Geschehnissen gab, außschließlich Verlierer. Man mache zwar manchmal Schritte zurück, dann wieder nach vorn, aber alles sei besser als der bewaffnete Konflikt.

Menschen aus Belfast werden von NGOs immer wieder an die bekannten Hotspots dieser Welt eingeladen um den Nordirischen Friedensprozess zu schildern: Jerusalem, Zypern, …

So tief der Schmerz liegt, so schmerzvoll wissen sie, dass Gewalt nie eine Lösung ist. Merken wir uns das, um Konflikte vorab zu entschärfen. Denn das heutige politische Schauspiel versucht uns wieder zu Sturböcken zu machen. Und dann kann Gewalt leicht als verführerischer Ausweg erscheinen.

Und wenn wir nur eines aus der Vergangenheit lernen würden, dann doch bitte, dass wir im Miteinander mehr erreichen, als durch das Gegeneinander.

Belfast habe ich als schöne irische Stadt erlebt, mit lächerlich vielen und unterschiedlichen Banknoten. Denn es gibt hier gleich mehrere Banken, welche Geldscheine drucken dürfen. Die Stimmung in den Pubs ist toll und als Veganer findet man auch recht schnell etwas Gutes.

Aufgrund der Geschichte und den Murals gibt es an jeder Ecke etwas zu entdecken. Und die Iren sind voll nett!

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