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Es ist nicht alles Gold was glänzt…

Vor zwei Jahren sind wir ins Schloss gezogen, haben unser kleines feines Bauernhäuschen beim Wald mit der riesigen Wiese hinter uns gelassen. Wir hatten das gefunden, was wir gesucht hatten: einen kleinen Wohnbereich in der Natur mit anderen Menschen und Famlien und vielen Gemeinschaftsflächen. Von Anfang an haben wir versucht, Gemeinschaft auch zu leben. Wir haben mit anderen Familien zusammen gegessen, regelmäßige Stammtische veranstaltet, einen gemeinsamen Gemüse- und Beerengarten angelegt, gemeinsame Unternehmungen getätigt, eine Werkstatt eingerichtet, uns digital vernetzt und ausgetauscht etc. Zumindest die paar Familien und BewohnerInnen, denen das zugesagt hat. Mittlerweile begrenzt sich das „Gemeinschaftsleben“ meist nur auf die Treffen im Garten, weil die Kinder miteinander spielen. Es gibt zwar noch die Hühnerhaltung, welche uns als Veganern nicht zusagt und wöchentliches Yoga, das abends stattfindet – zu einer Zeit, die es mir als Mama dzt. nicht möglich macht, daran teilzunehmen.

Dafür werden Entscheidungen vermehrt alleine getroffen, wo sie doch alle MieterInnen betreffen würden. Aber das für mich größte Problem ist, dass wir zu verschieden sind. Man könnte jetzt meinen, kein Problem nach dem Motto „Leben und leben lassen“. Doch wie kann mir etwas gleichgültig sein, wenn beispielsweise die Nachbarskinder Tierquälerei lustig finden, absichtlich die Hühner jagen um sie zu streicheln (eines ist danach tatsächlich mal tot umgefallen!) oder kaum andere Beschäftigungen finden als Kämpfen und Gewalt – keine kindliche Gewalt als Folge von Auswegslosigkeit sondern drohende, erzieherische Gewalt wie Hintern versohlen und Ohren lang ziehen und mit Waffen töten, was auch teilweise auf unser Hörnchen abfärbt. Andere lassen das Kleinkind stundenlang schreien, toben und verzweifelt nach Mama rufen, damit es endlich durchschlafen lernt. Oder ein anderes Thema bezüglich Umwelt: selbst der einfachste Müll kann nicht in die richtige Tonne geschmissen werden, weil manche nicht nachdenken oder es ihnen egal ist, ich weiß es nicht.

Ich bin (leider) der Typ Mensch, der solche Unstimmigkeiten als belastend empfindet und nach mehrmaligem Ansprechen/Bereden ohne Änderung schnell resigniert. Hinzu kommt, dass der Vermieter eigentlich ein geldgieriger Sack ist und es nicht der Mühe wert findet, die desolaten Wohnungen seit zwei Jahren auf Vordermann zu bringen. Dafür müssen wir uns mit extrem hohen (Betriebs)Kosten, einem falsch installierten Heizungssystem, undichten Fenstern, einen schimmeligen Keller etc. abfinden. Weder Vermieter noch Hausverwaltung kümmern sich aktiv und durch Auskunft von Stellen wie Arbeiterkammer, Mieterschutz usw. ist es schwer bis unmöglich, dem nachzugehen ohne vor Gericht zu ziehen… Wir haben also resigniert.

Mich zieht es also ganz stark wieder zurück. Nicht direkt zum alten Haus, sondern in ein privates Umfeld, wo wir wieder wir selbst sein und tun und machen können was und wie wir es wollen. Wo wir nach unserer Überzeugung leben können.

Ich bin allerdings sehr sprunghaft, denn ich weiß nicht, wie wir dorthin zurück finden. In besagten zwei Jahren sind wir etwas „vom Weg abgekommen“, haben aus der Erschöpfung heraus oftmals genossen, dass es einfache, bequeme Wege und Möglichkeiten gibt, auch wenn sie uns nicht ganz entsprechen. Einerseits kann ich mir vorstellen, in einem größeren Einfamilienhaus mit Garten zu leben, wo jeder seinen eigenen Bereich hat und die Kinder genug Platz zum Spielen und auch drinnen Herumtoben, mit viel Trubel und Besuch, wie ich es schon mal im Beitrag Großfamilie geschrieben hatte. Dafür bräuchte es allerdings einen Kredit – was kein Problem wäre. Doch toe müsste eventuell mehr arbeiten und gefühlt wären wir wieder tiefer drin in der Spirale ’nur arbeiten um zu leben‘. Andererseits sehne ich mich ganz stark nach Rückzug, nach Reduktion, Natur, Selbstversorugung und Autarkie. Tief im Inneren spüre ich, dass das „einfache Leben“ uns allen gut tun würde! Denn genau das war auch schon unsere Vorstellung, als wir vor über 8 Jahren das kleine Bauernhäuschen gekauft haben. Und ich habe das Bedürfnis nach Gleichgesinnten!

Ich hadere besonders in letzter Zeit des öfteren mit mir selbst, denn ich weiß nicht, wie ich zwei gegensätzliche Dinge auf einen Nenner bringen kann. Sowohl was Menschen angeht – ich will ja einerseits tolerant sein und andere tun und machen lassen, andererseits muss ich eingestehen, dass ich manche Dinge nicht einfach akzeptieren kann – als auch unsere Wohn-/ Lebenssituation. Und irgendwie nimmt mir das die Leichtigkeit im Leben…

Wie geht ihr mit solchen Situationen um?

Geburtsbericht Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Schon bei meiner ersten Schwangerschaft war mir und meinem Mann sehr schnell klar, dass wir eine möglichst selbstbestimmte und interverntionsfreie Geburt anstrebten. Die Zeit der Schwangerschaft empfand ich als eine sehr intensive und bewusste Zeit. Ich machte viel Yoga und las das Buch „Die selbstbestimmte Geburt“ von Ina May Gaskin. Spätestens da wurde mir klar, dass ich eine Hausgeburt einer Klinikgeburt in jedem Falle vorzog und ich fand auch schon bald eine liebe und einfühlsame Hebamme, die uns hierbei begleiten wollte.
Leider lag unser Baby ab etwa der 30. Ssw in BEL, welche eine Geburt ohne Beisein eines Arztes gesetzlich ausschloss. Dennoch war ich bis eine Woche vor dem ET sehr entspannt und vertraute darauf, dass sich unser Baby noch drehen würde – was leider nicht geschah. So besuchte ich ein paar Tage vor dem ET ein Krankenhaus, um mit einem Primar, ein Spezialist für spontane BEL Geburten, unsere Geburt zu planen. Das ernüchternde und sehr enttäuschende Ergebnis war, dass er bei einer Erstgebärenden ein Baby aus BEL mit Nabelschnurumschlingung um den Hals nicht spontan entbinden würde. Mir blieb also nur die Zustimmung zu einem Kaiserschnitt oder eine Alleingeburt – welche zu diesem Zeitpunkt unter diesen Umständen für uns kein Thema war. Ich bekam also nach Wehenbeginn und Blasensprung einen Kaiserschnitt, welchen ich trotz geplanter Hausgeburt als recht selbstbestimmt und würdevoll empfand, da ich stets über alle Maßnahmen informiert wurde und auf meine Bedürfnisse und die des Babys weitestgehend Rücksicht genommen wurde.

Kurz bevor unser Kind drei Jahre alt wurde, wurde ich wieder schwanger. Auch diese Schwangerschaft empfand ich wieder als sehr bewusste Zeit und hatte auch das Gefühl, dass meine Körperwahrnehmung sich intensivierte. Die ersten Tritte spürte ich sehr früh und ich konnte eigentlich immer die Lage des Babys ertasten und erfühlen. Ich hatte fast von Anfang an ein positives Gefühl und wusste, dass alles gut sein würde – trotz Schmierblutungen und einem Hämatom in der Gebärmutter in der Frühschwangerschaft. Zusätzlich litt ich in den ersten drei Monaten an Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und starker Lustlosigkeit.

Bereits in der 6. Ssw nahm ich Kontakt zu meiner alten Hebamme auf, welche mir leider mitteilte, dass sie nicht mehr als freiberufliche Hebamme tätig war. So machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Hebamme, die uns bei einer Hausgeburt unterstützen würde. Doch dies stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht. In Österreich gibt es scheinbar nur eine handvoll Hebammen, die uns bei einer Hausgeburt nach Kaiserschnitt begleiten würde – anscheinend ist den anderen, sowie auch diversen Geburtshäusern, das Risiko einer Uterusruptur zu hoch (welches nach vorrangegangener Sectio bei unter 1% liegt). Von dieser handvoll Hebammen waren zwei selbst gerade in Mutterschutz oder Karenz, zwei waren bereits ausgebucht und einer war die Anfahrt zu weit – denn alle fünf Hebammen waren etwa 2 Stunden Autofahrt von unserem Zuhause entfernt!
Also musste ich Anfang des zweiten Trimesters auf Plan B umsteigen: eine ambulante Geburt mit Nachbetreuungshebamme. Diese war schnell gefunden und wir harmonierten ab unserem ersten Treffen in der 18. Ssw.

Von Montag auf Dienstag wachte ich nachts auf und hatte ein paar regelmäßige Wehen. Ich schätze es waren nicht mehr als zehn und fühlten sich an, wie stärkere Regelschmerzen. Ich war total müde und erschöpft, hatte Schnupfen und Kopfweh und dachte nur: „Ich bin so müde, ich hab jetzt keine Lust auf eine Geburt, ich mag nur schlafen“ – und schlief auch tatsächlich wieder ein. In der Früh waren die Wehen weg, doch der Schleimpfropf löste sich beim Toilettengang und ich verlor auch kleine Mengen Fruchtwasser. Der Tag verlief ruhig und wehenfrei. Ich konnte mich ausrasten und gut auskurieren.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatte ich wieder leichte Kontraktionen, konnte danach aber weiterschlafen. In der Früh richtete ich mir, im dem Wissen, dass unser Baby wohl heute kommen wollte, im Wohnzimmer auf der Couch eine wasserfeste Unterlage und platzierte die Polster, um bequem liegen zu können. Geschätzt um halb acht musste ich aufs Klo, leichte Wehen begannen und ich verlor weiterhin Fruchtwasser. Auf der Toilette konnte ich mich gut entspannen. Als mein Darm sich geleert hatte wurden die Kontraktionen gefühlt regelmäßig und auch schnell stärker. Ich empfand es als angenehm, am Klo zu sitzen und hatte das Gefühl, gut loslassen zu können. Einerseits war ich voller Vorfreude, andererseits war ich total ruhig, als wäre es ein normaler Tag. Irgendwann hörte ich meinen Mann und unser Kind frühstücken, aber da war ich schon längst ganz mit mir selbst und damit beschäftigt, in verschiedenen Positionen zu tönen. Ich wechselte vom Klo zum Waschbecken, wo ich nach vorne gebeugt das Becken kreiste. Als mein Mann und unser Kind dann mal ins Badezimmer kamen, um nach mir zu sehen, empfand ich es als eher unangenehm. Auch unser Kind fand die Situation etwas befremdlich und daher haben sich die beiden einen schönen Vormittag im Garten gemacht, denn es war ein sehr warmer, sonniger Oktobertag. Mein Mann hatte vollstes Vertrauen in mich – das hat er mich immer spüren lassen, sodass ich seine körperliche Anwesenheit nicht benötigte. Vielleicht wollte ich unterbewusst auch, dass er sich lieber um unser Kind kümmert… Jedenfalls wollte ich alleine sein und schon bald überkam mich eine so intensive Kraft, dass ich in die tiefe Hocke ging, mich am Waschbecken anhing und sehr laut tönte. Es waren keine wirklichen Schmerzen, es war eher ein Druck bzw. etwas unbeschreiblich Kraftvolles, das mich ein wenig überrumpelte. Nach ein paar dieser Wehen war ich an dem Punkt, an dem ich nicht mehr wollte – und während ich kurz überlegte, wie ich in diesem Zustand wohl ins Krankenhaus kommen würde, da wurde mir bewusst, dass ich wohl schon in der Übergangsphase angelangt bin. Kurz darauf spürte ich starken Druck richtung Steißbein und hatte das Bedürfnis mitzuschieben. Am Boden knieend, stützte ich mich mit den Händen ab und ließ meinem Körper freien Lauf – was bedeutete, dass ich bei jeder Wehe sehr laut brüllte. Ich fühlte mich wie eine Löwin. Mein Mann schaute nochmal nach mir, brachte mir Wasser und mein Telefon und verschwand wieder im Garten. Keine Ahnung wie viele Presswehen ich hatte. Ich kann mich erinnern, dass ich mal mit der Hand gegriffen habe und Haare gespürt habe. Kurz hatte ich Bedenken, weil sich der Babykopf so weich und irgendwie schwammig anfühlte. Und ich war mir nicht sicher, ob da nicht der weiche Muttermund noch irgendwie um das Köpfchen herum war… Aber mit der nächsten Wehe spürte ich schon, dass der Kopf sich weiter schob und das Vertauen war wieder vollstens da. Als nächstes spürte ich, wie sich meine Scheide dehnte. Ehrlich gesagt erwartete ich ein Brennen, denn das hatte ich wohl irgendwo gelesen. Doch es schmerzte und brannte nicht und noch mit der selben Wehe wurde der Kopf geboren. Schnell griff ich zum Handy und rief meinen Mann rein. Währenddessen schien die Zeit still zu stehen. Es war ein seltsamer Momenent, so „zwischen den Welten“. Das Baby bewegte sich, ich legte meine Hand auf seinen Kopf und konnte sowohl innerlich als auch äußerlich die Drehung, die es machte, spüren. Zudem meckerte das Baby schon, während sein Körper noch in meinem Körper war. Mit einer letzten Wehe, etwa vier Stunden nach Wehenbeginn, flutschte unser Kleines in meine Hände und in diesem Moment kam auch mein Mann zur Tür herein.
Ich drückte das rosige, weinende Baby an meine Brust und begrüßte es. Mein Mann reichte mir ein Handtuch und wir setzten uns auf die Couch ins Wohnzimmer. Unser älteres Kind war in diesem Moment zur Tür herein gekommen und konnte so ebenfalls unser neues Familienmitglied bestaunen.Das Baby nuckelte schon bald an meiner Brust, während unser älteres Kind ihm zärtlich die Hand streichelte. Ich war total überwätigt von der Erfahrung, auch etwas erschöpft aber auf eine angenehme Weise – vielleicht vergleichbar, wenn man eine große Runde Joggen war. Wir verbrachten einige Stunden auf der Couch, nebenbei machte mein Mann im Badezimmer sauber, kochte und versorgte mich mit Trinken. Außerdem schnitt er die auspulsierte Nabelschnur durch. Er telefonierte mit der Nachsorgehebamme, welche so spontan an diesem Tag keine Zeit mehr hatte und uns bat, zur Nachsorge etwas später ins Krankenhaus zu fahren. Leider war bis am Nachmittag die Plazenta auch noch nicht geboren, weshalb der Krankenhausbesuch für uns ok war. Denn erst dort konnte ich die bereits gelöste Plazenta durch eine kurze Anweisung einer Hebamme problemlos rausdrücken.

Noch am selben Abend lag ich wach im Bett, während meine beiden Kinder und mein Mann neben mir schon schliefen und fühlte dieses unbeschreibliche Glück und diese enorme Freude und Zufriedenheit, die ich zuvor noch nicht in dieser Intensität erlebt hatte!

 

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Lebensweisheiten

Ich habe es mir angewöhnt, fast jeden Tag unter der Woche einmal eine zufällige Seite aus dem Tao Te King für Eltern zu lesen. Dies ist ein kleines Büchlein, welches Weisheiten über die Urteilslosigkeit im Handeln, die Nachahmung natürlicher Prozesse und das Gleichgewicht zwischen Tun und Sein in recht kurzen Versen verpackt.

Als ich vor einigen Tagen wieder in Diskussion mit unserem Kind verstrickt war, las ich folgende passende Zeilen:

 

 

Deine Kinder sind nicht deine Feinde.

Du brauchst sie nicht zu fürchten.

Auseinandersetzungen mit ihnen sind keine Kämpfe, die du gewinnen oder verlieren musst.

Wenn du dich in einen scheinbaren Krieg verstricken lässt, gehen alle Perspektiven verloren.

Es fallen schreckliche und verletzende Worte.

Die ganze Familie leidet und die Wunden heilen langsam.

Gewinnen und verlieren sind Worte, die eine Familie nicht braucht.

 

Du musst deine Autorität nicht erstreiten.

Autorität ist etwas, das du in dir selbst trägst.

Wenn deine Kinder sie nicht wahrnehmen, ist das schade, aber du kannst sie nicht zwingen, sie zu sehen.

Wenn du dir das vor Augen führst, löst sich so mancher Kampf auf.

Es mag immer noch schwierige Zeiten geben, aber du hast es nicht mehr nötig, schwere Geschütze aufzufahren.

 

William Martin – Das Tao Te King für Eltern, 2018, Seite 51

Testament

Gestern hab ich ganz zufällig ein Lied von Sarah Lesch entdeckt, die damit den Protestsongkontest 2016 gewann. Es ist ein Song, der das Leben im derzeitgen System und daher die Zukunft unserer Kinder sehr kritisch betrachtet. Und weil mir das Lied und besonders der Text unter die Haut geht, mag ich es hier gerne verlinken und die Lyrics posten. Am besten kurz Zeit nehmen und selbst reinhören.

 

 

 

Auch du warst mal ein Kind und auch ich war mal klein
Und auch uns ham sie was erzählt
Und dann macht man das alles und versucht so zu sein
Und dann merkt man das einem was fehlt
Und dann verlernt man, sich richtig zu spüren
Oder man flüchtet sich in Kunst oder Konsum
Und während ihr fleißig Pläne macht
Lachen die Götter sich krumm
Lasst eure Kinder mal was dazu sagen
Hört ihnen richtig zu
Die spürn sich noch, die ham Feeling für die Welt
Die sind klüger als ich und du

Und denkt dran bevor ihr antwortet:
Ihr seid auch nur verletzte Kinder
Am Ende gibt’s wieder ganz neue Symptome, und ihr wart die Erfinder
Und dann sagt ihnen wieder, wie es richtig geht
„Werd erwachsen“ und „bist du naiv“
Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben
Die Götter lachen sich schief

Achtet auf Schönschrift und Lehrpläne
Und dass sie die Bleistifte spitzen
Zeigt ihnen Bilder von Eichenblättern
Während sie drinnen an Tischen sitzen
Und dann ackern und büffeln und wieder auskotzen
Und am Nachmittag RTL 2
Am Wochenende geht’s was Schönes kaufen, fertig ist der Einheitsbrei
Und jeder der sich nicht anpasst
Wird zum Problemkind erklärt
Und jede, die zu lebhaft ist
Kriegt ‘ne Pille damit sie nicht stört
Und damit betrügt ihr euch selber denn
Kein Kind ist ein Problem
Und all die Freigeister, all die Schulschwänzer
Nur Symptomträger im System

Doch bedenkt wenn ihr so hart urteilt:
Ihr seid auch nur gefangene Geister
Der Unmut wird immer lauter
Und die Lehrer schreien sich heiser
Empört euch, dass Hänschen nicht ist, was er sein soll
Sondern nur, wer er nunmal ist
Die Götter pullern sich ein vor Lachen
Und ihr denkt, dass ihr was wisst

Und wenn Hänschen dann Hans ist
Der eigene Kinder hat, denen er was erzählt
Dann merkt Hans und Kunz, und ihr vielleicht auch
Dass wieder irgendwas fehlt
Ihr habt Wünsche und Träume
Und rennt damit ständig an imaginäre Wände
Und jeder Wunsch den ihr euch erfüllt
Der ist dann halt auch zu Ende
Geht ihr nur malochen für erfundene Zahlen
Und wartet, bis die Burnouts kommen
Schmeißt euer Geld für Plastik raus
Um ein kleines Glück zu bekommen
Das Beste aus Cerealien und Milch
Noch ‘n Carport und noch ‘n Kredit
Und alle finden‘s scheiße aber alle machen sie mit

Ihr klugscheißert und kauft trotzdem
Und die Werbung verkauft euch für dumm
Und dann sitzt ihr vor neuen Flachbildfernsehern
Und meckert auf den Konsum
Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern weltfremd
Die Götter lachen sich krumm

Ihr Traumverkäufer, Symptomdesigner
Merkt ihr noch, was passiert?
Wer hat euch das Land und das Wasser geschenkt
Das ihr jetzt privatisiert
Ihr Heuchler, ihr Lügner, ihr Rattenfänger
Ihr Wertpapierverkäufer
Man hat euch Geist und Gefühl gegeben
Und doch seid ihr nur Mitläufer
Ihr großen, vernarbten, hilflosen Riesen
Ihr wart doch auch mal klein
Und jemand hat euch mit Schweigen gestraft
Und ließ euch darin allein
Und jetzt hört ihr nicht nur die Götter nicht lachen
Ihr hört auch ihr die Kinder nicht weinen
Und sagt ihnen weiter, es würde nicht wehtun
Ohne es so zu meinen
Macht ihr ruhig Pläne, ich steh am Rand
Ich sehe euch und ich bin nicht allein
Hinter mir stehen mehr und mehr Weltfremde
Die passen auch nicht hinein
Und jetzt wartet nicht auf ein versöhnliches Ende
Den Gefallen tu ich euch nicht
Kein Augenzwinkern, keine milde Pointe
Die das Unwohlsein wieder bricht
Irgendwann werden die Götter nicht mehr lachen
Und falls es mich dann nicht mehr gibt
Hinterlass ich ein Kind, das sich selbst gehört
Und dies unhandliche Lied

Der kleine Flohling

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung.

Vor beinahe 1,5 Jahren waren wir in Graz in einem kleinen Spielzeuggeschäft. Eigentlich wollte ich mir nur die Bücher für Kinder anschauen, welche zum Vorlesen geeignet sind. Doch diese „meine erste Vorlesebücher“ Reihen zu verschiedenen Themen sprachen weder uns, noch unser Kind an. Also schlenderten wir einfach herum und begutachteten und probierten diverses Spielzeug, bis mir toe von einem eben gesichteten Buch berichtete, dessen Cover mir bestimmt gefallen würde, da es gut zu uns passte.

Darauf abgebildet ist ein kleiner Wichtel in eigentlich menschlicher Gestalt, welcher im Wald steht und Natur und Tiere um sich hat. Kurzentschlossen kauften wir es und ich las es in den darauffolgenden Tagen zu Ende. Es ist ein 220 Seiten Buch mit einigen bunten Bildern. Es ist wohl für das Volksschulalter gedacht, aber eigentlich habe ich keine Ahnung und will auch nicht kategorisieren. Denn unser damals 2,5 Jahre altes Hörnchen fand ebenso Gefallen an dem Cover wie wir und so begannen wir mit dem Vorlesen, Kapitel für Kapitel. Schon bald wurde es zum wichtigsten Vorlesebuch und wurde etliche Male von vorne bis hinten oder einfach mittendrin durchgelesen.

Die Geschichte handelt von einem kleinen Littel, also eben dem Wichtel auf dem Buchcover, dessen Name Flohling ist. Er wohnt im Litteldorf und liebt den Wald und die Tiere. Er ist glücklich und zufrieden, allerdings der einzige Littel, der kein angeborenes Talent hat. Und um genau dieses zu entdecken, begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise.

Die Littel wohnen in einem kleinen Dorf im Wald, in dessen Mitte es einen Martplatz gibt, wo die Bewohner oft gemeinschaftlich zusammen kommen. Jeder hat wiegesagt ein Talent, es gibt Backlittel, Waschlittel, Kräuterlittel, Schutzlittel, Baulittel etc. und so kann sich jeder in die Gemeinschaft einbringen. Dadurch lebt das Volk autark, umwelt- und ressourcenschonend und in Frieden.

Daher hat nicht nur das Cover, sondern die gesamte Geschichte einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zu gerne würde ich in genau dieser Zusammensetzung in einer Gemeinschaft leben! Denn auch wenn es nur ein Märchen ist – genau so könnte und sollte gemeinschaftliches (Dorf-)leben stattfinden.

Letzten Herbst kam übrigens der zweite Teil raus – Weihnachten im Littelwald – wo es um so viel mehr geht, als nur um ein üppiges Weihnachtsfest.

Kurzes Update

Viel zu lange haben wir uns hier nicht mehr blicken lassen. Viel zu lange sind keine vernünftgen Beiträge mehr entstanden … Wir haben unseren Blog total vernachlässigt, weil wir uns einfach keine Zeit dafür genommen haben.

In den letzten ein bis zwei Jahren ist für uns gefühlt viel passiert. Wir haben viel Zeit und Energie in die Suche nach einer passenden Gemeinschaft bzw. neuen Wohnsituation gesteckt, sind umgezogen, haben unser Haus verkauft, davor sind wir mit unserem Campingbus zwei Monate durch einen Teil Europas gereist, haben alte Bekanntschaften gepflegt, ich erlebte eine weitere Schwangerschaft – in der es mir in den ersten drei Monaten nicht sehr gut ging – und mittlerweile sind wir mit Kind und Baby gut beschäftigt. Außerdem haben wir viel Energie in das Zusammenleben mit unserem Kind gesteckt! Es war wirklich nicht einfach, oft hatte ich das Gefühl, es dreht sich alles nur mehr um unser Kind und dessen extreme Gefühlsausbrüche. Ich war oft verzweifelt, verärgert, ausgelaugt und hatte absolut keinen Kopf dafür, meine Gedanken zu Papier zu bringen.

Außerdem habe ich festgestellt, dass ganz viele Menschen, deren Blogs ich mit Begeisterung verfolgt habe, sich auch immer mehr aus dem Netz zurück gezogen haben, um dem echten Leben mehr Raum zu geben.

Mittlerweile hat sich wiegesagt unsere Situation verändert und ich empfinde das als durchwegs positiv. Der Fokus hat sich verändert und dadurch auch die äußeren Umstände.

Ich empfinde es als sehr schade, dass wir so wenig geschrieben haben in letzter Zeit, doch es kam auch immer weniger Resonanz und ich hatte das Gefühl, wenn man die Beiträge nicht über SocialMedia Kanäle verbreitet, gehen sie schlichtweg unter.

Momentan hätte ich wieder Lust, Beiträge zu veröffentlichen, ich werde aber keineswegs sagen oder gar versprechen, dass wir wieder mehr und regelmäßiger schreiben. Unsere Themen betreffen natürlich großteils aufgrund unserer aktuellen Lebenssituation die Kategorien Elternschaft und kaum mehr Buddhismus oder Yoga. Auch das Thema Veganismus nimmt wenig Raum ein, da es für uns zur absoluten Normalität geworden ist. Außerdem funktionieren die Kommentare scheinbar nicht (obwohl diese in den Einstellungen aktiviert sind) was eine Interaktion mit den LeserInnen leider schwierig macht…

Alleingeburt

Fast drei Monate ist es schon her, dass unser Eulchen geschlüpft ist. Ich habe bereits einen fast fertigen Geburtsbericht, der sehr lang und ausführlich ist aber einfach nicht zum Ende finden will. Daher hier die Kurzfassung.

Schon bei unserem Hörnchen planten wir eine Hausgeburt, was leider in einem geplanten Kaiserschnitt endete, da ich keinen Arzt finden konnte, der mich als Erstgebärende mit einem Kind in BEL und Nabelschnurumschlingung bei einer spontanen Geburt begleiten wollte. Es war ein recht „schöner“ Kaiserschnitt in relativ ruhiger Atmosphäre, mit viel Zeit fürs Bonding und wir wurden immer über die nächsten Schritte aufgeklärt.

Als ich wieder schwanger wurde war uns klar: diesmal Hausgeburt! Allerdings gibt es in Österreich scheinbar nur eine handvoll Hebammen, welche eine Hausgeburt nach Kaiserschnitt begleiten. Ich hatte Kontakt zu fünf, welche mir alle abgesagt haben – entweder bereits ausgebucht, selbst in Karenz oder zu weit entfernt (alle fünf Hebammen hatten eine Anfahrtszeit von etwa zwei Stunden!).

Also blieb mir nur die Möglichkeit einer ambulanten Geburt mit Nachbetreuungshebamme. Doch mit fortschreitender Schwangerschaft wurde die Stimme in mir immer lauter und als ich mit meinem Mann über eine mögliche Alleingeburt redete, hat er es sofort als gute Option gesehen.

Die Geburt ging recht zügig, war sehr kraftvoll und intensiv aber nicht unbedingt schmerzhaft. Ich war alleine im Badezimmer und wusste zu keiner Zeit den Wehenabstand oder die Öffnung des Muttermundes. Mein Körper und unser Baby haben alles in ihrem eigenen Tempo gemacht, ich konnte mich voll auf mich konzentrieren und hatte zu keiner Zeit Bedenken. Es war das kraftvollste und intensivste Erlebnis und gleichzeitig fühlte ich mich, als wäre es das Normalste der Welt!

Gleich danach konnten wir uns als Familie kennenlernen und das Baby willkommen heißen und begutachten. Einige Stunden später sind wir noch zur Nachkontrolle ins Krankenhaus gefahren um uns danach zu Hause zu viert ins Bett zu kuscheln.

Obwohl mein Mann physisch nicht anwesend war – er ist mit unserem Kind in den Garten gegangen, da dieses nicht dabei sein wollte und ich mich ehrlichgesagt auch gestört fühlte – war er stets eine große Stütze! Er hat mich immer unterstützt und mir vollstes Vertrauen geschenkt, sodass ich auch selbst wirklich überzeugt war es alleine zu schaffen.

Allerdings finde ich es auch sehr schade, dass ich diesen Weg gehen „musste“. Vielen Frauen bleibt so ein wundervolles Geburtserlebnis verwehrt, da es zu wenig Unterstützung von Ärzten gibt und die Situation für Hebammen rechtlich recht kompliziert und schwierig ist. Und nicht jede Frau traut sich eine Alleingeburt zu.

Ein High-Need Baby…

Toe und ich mögen es nicht, Menschen in Schubladen zu stecken. Denn das Problem dabei ist, sobald man jemanden in eine Schublade gesteckt hat, ist es sehr schwer, ihn da wieder raus zu bekommen. Gerade bei Babys und Kindern, die sich ja irgendwie ständig weiterentwickeln und verändern, sind solche Einteilungen kritisch zu betrachten.
Dennoch möchte ich heute über unsere Erfahrungen mit unserem mittlerweile zweieinhalbjährigen Kind schreiben. Es war ein langer Prozess, bis wir den Entschluss gefasst haben, auch öffentlich von unserem Kind als ‚high-need Kind‘ zu sprechen. Heutzutage, so empfinde ich es, hat fast jeder ein besonders besonderes Kind, das entweder hochsensibel, high-need, hochbegabt oder hyperaktiv etc. ist. Oft sogar mehreres davon gleichzeitig. Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, falls dies wirklich der Fall sein sollte! Und natürlich ist für alle Eltern der eigene Nachwuchs was ganz Besonderes. Worauf ich hinaus möchte ist lediglich die ständige Überbewertung des Kindes: Ist es am Nachmittag laut, rennt wild herum und möchte nicht still beim Esstisch sitzen, wird es als hyperaktiv bezeichnet. Wenn ein Baby sich in fremder Umgebung mit vielen Leuten unwohl fühlt und weint, muss es natürlich hochsensibel sein.

Oft wirkt es auch so, als wären wir Eltern nicht sehr stressresistent und normale kindliche Verhaltensweisen bringen uns schnell auf die Palme. Hierfür eine Art Ausrede zu haben, nach dem Motto:“ich bin so gestresst, mein Kind ist ja auch besonders schwierig“ ist wohl ein Weg, selber besser damit klar zu kommen.

Ich denke, ein Baby oder Kleinkind zu haben, ist auf alle Fälle stressig! Egal, welches Temperament es hat, es wird immer fordernde Situationen geben. Außerdem haben wir Eltern ja ganz unterschiedliche Stressresistenzen. Was für den einen eine Lapalie ist, kann für einen anderen ein Weltuntergang sein.

Ich hatte jedenfalls eine sehr entspannte und beschwerdefreie Schwangerschaft und eine recht stressfreie Geburt. Wir waren von Anfang an sehr gelassen, ich hatte keine Zweifel oder Ängste und wir haben uns naiverweise vorgestellt, dass man auch mit Baby sein altes Leben großteils weiterführen kann. Wir wollten die lässigen Eltern sein, die ihr Kind zur Meditation und zum Yoga mitnehmen würden, abends Freunde besuchen würden, während das Baby etwas abseits schläft und bei alltäglichen Situationen wie Einkaufen, Haushalt, Besuchen, Essen gehen usw. einfach dabei war. Schließlich kannte ich es auch nicht anders: die Kinder aus meiner Verwandtschaft waren recht ‚pflegeleicht‘ – haben fast immer und überall einfach geschlafen, wenn sie müde waren, ließen sich von den meisten Erwachsenen herumtragen und unterhalten oder lagen friedlich in ihrem Stubenwagen oder spielend auf der Spieldecke.

Jedenfalls waren Toe und ich von Anfang an sehr gefordert mit unserem Baby…

Hier hatte ich bereits einen langen Absatz geschrieben, warum unser Kind ein high-need Baby war und ist. Etliche Beispiele sind mir eingefallen, warum sich unser Zwergal beim Stillen der Bedürfnisse von den anderen, die wir kennen, unterscheidet. Doch das war keinesfalls, worauf ich hinaus wollte.

Denn das größte Problem, das ich dabei empfinde, ist die Tatsache, dass wir kaum Verständnis für unsere Situation erhalten! Selbst von Verwandten und Bekannten sowie Freunden kamen oftmals nur Sprüche oder Ratschläge, die uns – wenn auch nicht absichtlich und böswillig gemeint – das Gefühl gegeben haben, dass wir mit unserem Kind falsch umgehen. Dass wir es falsch ‚erziehen‘, verwöhnen, verhätscheln, nicht loslassen können. Ich habe in den zweieinhalb Jahren mit unserem Zwergal nicht einmal unterstützende Worte erhalten. Allerhöchstens mal abgedroschene Phrasen wie:“das geht auch irgendwann vorbei“. Aber keiner interessiert sich, warum wir es so machen, wie wir es machen. Warum unsere Art vielleicht eine andere ist oder warum wir – wie in vielen anderen Lebensbereichen auch – nicht den „konventionellen“ Weg gehen. Denn auch wenn man es nicht glauben mag, die schwarze Pädagogik, oder zumindest Teile davon, sind auch in der heutigen Zeit leider noch Gang und Gebe…

Mir fehlt es sehr, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Mir fehlt es, nicht bei jedem Gespräch auf diese Widerstände zu treffen. Und ich meine nicht online, sondern im wahren Leben. Zusätzlich zu unserem Kind raubt mir das wirklich wahnsinnig viel an Energie!

So, das musste nun endlich mal raus. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich ausdrücken konnte, was mich bedrückt…

Großfamilie

Schon seit ich ein kleines Kind war, wünschte ich mir eine große Familie. Ich selbst bin bei meiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, gemeinsam mit meiner zehn Jahre älteren Schwester. Es gab nur uns drei „Mäderl“, wie wir von Bekannten liebevoll genannt wurden, und obwohl wir gemeinsam eine schöne Zeit hatten, war da immer der Wunsch nach weiteren Geschwistern. Meine große Schwester hat zwar wirklich viel mit mir unternommen, sich um mich gekümmert und mich in ihren Alltag eingebunden. Dennoch ist sie mir eher als Erwachsene anstatt als Geschwisterkind in Erinnerung.

Auch die Familie meiner Mutter war sehr zerrüttelt. Meine Großeltern genossen Alkohol und Zigaretten, anstatt sich mit ihren eigenen Kindern, geschweigedenn Elkelkindern, zu beschäftigen. Die Geschwister meiner Mutter spielten sich gegeneinander aus, stahlen, logen und waren von Neid besessen, was meine Mama dazu brachte, sich von ihrer Familie fern zu halten. Daher hatte ich nie wirklichen Kontakt zu meinen Onkeln und Tanten oder Großeltern. Es war von ihrer Seite her einfach nicht erwünscht und als kleines Kind ist man noch nicht in der Lage, eine solche Beziehung zu knüpfen oder sie zu erhalten.

Nach der Scheidung zwischen meinen Eltern, ich war etwa 6 Jahre alt, zog sich auch die Familie väterlicherseits zurück. Man wollte scheinbar nicht zwischen den Fronten stehen und auch hier war die Beziehung bis dato nicht sehr innig gewesen.

Es gab also nur uns drei. In einem großen Haus. In unserer Straße wohnte mein damaliger bester Kindergarten- und Schulfreund. Er war der älteste von drei Brüdern. Einige Jahre später kam noch ein vierter dazu. Ich erinnere mich gerne an die Besuche bei ihm. In ihrem Haus war immer irgendwie was los. Es war meist jemand zu Besuch dort, entweder Freunde der Kinder, jemand aus der Verwandschaft oder Bekannte der Eltern. Oft auch mehrere gleichzeitig. Mit den naiven Augen eines Kindes sah ich, wie schön es war, dass man so viel Austausch zwischen Alt und Jung, Verwandten und Freunden hatte. Wir Kinder spielten gemeinsam, die Erwachsenen verbrachten gemeinsame Zeit und man fühlte sich immer als Teil der Familie. Und genau damals wusste ich, dass ich das auch mal so haben möchte. Ein offenes Haus, wo immer was los ist und man sich niemals einsam fühlt!

Meine Mutter arbeitete zu der Zeit bei der Gendarmerie ein paar Straßen weiter. Es war ein kleiner ‚Posten‘ und schnell fühlten sich die Angestellten dort nicht nur als Kollegen, sondern auch als Freunde. Durch die Nähe und unser großes Haus kam es nicht selten vor, dass wer von ihnen zum Essen vorbei kam, sich nach dem Nachtdienst ein wenig auf der Couch ausrastete oder im Sommer mit mir im Garten spielte. Das war die Zeit, in der ich meine kleine „Großfamilie“ hatte. Es war oft was los bei uns zu Hause und ich genoss das sehr. Das hielt natürlich nicht ewig, viele der Gendarmen wurden versetzt und schlussendlich wurde der Gendarmerieposten ganz geschlossen. Und irgendwie wars dann vorbei mit dem Trubel…

Und heute stehe ich hier, mit meinem Mann und unserem Kind. Mit meiner Mama und meiner Schwester (mit ihrer Familie), welche nicht in unserer unmittelbarem Umgebung wohnen. Oft denke ich wehmütig an den Wunsch meiner Kindheit zurück. Und daran, dass er vielleicht nie in Erfüllung gehen wird…