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Total Breakdown

Vor einigen Wochen hätte eine Zeit der Entspannung, Ruhe und Flucht aus dem Alltag werden sollen. Seit längerem schon verspüre ich eine unterschwellige Unzufriedenheit, denn unser Kind hat kein einfaches Temperament und sowohl ich, als auch toe, kommen gerade viel zu kurz. Eigentlich möchte ich gar nicht viel darüber schreiben, unser Hörnchen in irgendwelche Schubladen stecken oder anderweitig kategorisieren. Jedes Kind ist so wie es ist – und das ist auch gut so. Und wahrscheinlich ist jedes Kind mal mehr und mal weniger anstrengend. Wir hatten jedenfalls keines dieser ‚Anfängerbabys‘ und auch als Kleinkind sehe ich Unterschiede. Und ja, auch das ist normal, aber wenn der Großteil anders ist als unser Kind, sticht es nunmal raus. Ohne zu bewerten ob diese ‚Andersartigkeit‘ nun gut oder schlecht ist, existiert sie dennoch und bringt uns in unserem alltäglichen Leben sehr oft an unsere Grenzen.

So kam es, dass aus der so dringend benötigten Zeit der Entspannung, Ruhe und Flucht eher das Gegenteil wurde. Unser Kind war zwei Tage zuvor nämlich fiebrig und hatte scheinbar auch bei Sonnenschein und Meer innerlich noch stark mit etwas zu kämpfen. Der gemeinsame Urlaub wurde zu einer nicht aufhören wollenden Aneinanderreihung von Unzufriedenheit und Wutanfällen, welche in einer Art Zusammenbruch endete. Das klingt wahrscheinlich verwirrend, denn das war es auch. Wir alle drei haben uns verausgabt, haben uns gehen und alles raus gelassen. Es gab nicht nur Geschrei, es gab auch viele Tränen. Schön war das nicht, dennoch kann ich sagen, dass es auf irgendeine Weise gut getan hat. Ich stand nicht nur an meinen persönlichen Grenzen, nein sie wurden auch überschritten, was mich äußerst verletzlich gemacht hat.

Nach dieser Reise stiegen in mir eine Reihe von Fragen auf. Fragen der eigenen Stärken und Schwächen, Fragen über mein Verhalten und meine Verhaltensmuster, Fragen über meine Werte…

Niemals hätte ich gedacht, dass mich das Zusammenleben und das Begleiten meines Kindes so sehr an meine Grenzen bringt! Und damit meine ich nicht, dass die Versorgung oder der Umgang mit dem Zwergal sich als schwieriger herausstellte, als ich es von anderen kenne und ich es daher auch für unser Kind anders erwartet hatte. Nein, es bringt mich an die Grenzen meiner Selbst. Ich werde täglich mehrmals mit mir selbst konfrontiert, mit meinem inneren Kind, und habe dabei das Gefühl, dass diese Herausforderung eine vielfach größere ist, als ich es in meinem bisherigen Leben anderswo empfunden habe. In meinem Alltag stoße ich auf Fragen, wer ich bin und wer ich überhaupt sein möchte, es überkommen mich (affektive) Gefühle, die mir in dem Ausmaß neu sind, ich lerne und erkenne langsam, wie ich mich verhalte und versuche zu erkennen, warum ich das tue. Es ist ähnlich, wie vor ein paar Jahren, als ich mich täglich mit dem Buddhismus und Meditation beschäftigt habe, nur ist es diesmal konfrontativer und scheint unausweichlich.

Dieses Auseinandersetzen mit mir selbst habe ich in dieser Intensität nicht erwartet!

Jedes Mal, wenn Sie mit Ihrem Kind einen Konflikt haben oder wenn Sie sich verzweifelt und hilflos fühlen, ist das eine Gelegenheit, das für Ihr inneres Kind zu tun, was Ihre Eltern nicht tun konnten.

Jesper Juul, „Leitwölfe sein“, Seite 58.

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Weg zum Leben in Gemeinschaft – Schritt 5

Geduldsprobe oder alles auf Anfang

Lange hat es dazu keinen Beitrag mehr gegeben, obwohl wir bis vor einem halben, dreiviertel Jahr fast all unsere Energie in das Thema Gemeinschaft bzw. gemeinschaftliches Leben gesteckt haben. Wir haben Flyer verteilt, versucht uns zu vernetzen, etliche Wohnungen und Häuser besichtigt, uns mit gemeinschaftsinteressierten Menschen getroffen, andere Gemeinschaften besucht, geplant, geträumt… Um dann auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. Denn einfach mal so eine Gemeinschaft aufzubauen ist keine Sache, die man in ein paar Wochen oder Monaten so nebenbei schafft.

Darum entschieden wir uns im Frühjahr letzten Jahres, uns einer bereits bestehenden Gemeinschaft anzuschließen. Dieses Projekt, nämlich das Cohousing Volkersdorf nordöstlich von Graz, ist gerade am Entstehen. Damals wussten wir nur, dass es wirklich gebaut wird und noch ‚Mitglieder‘ gesucht werden. Daher haben wir uns auf die Liste der Interessierten setzen lassen, mit der Information, dass wir bald mehr erfahren würden.

Und wir warteten… Und warteten… Und warteten. Auf Nachfrage wurde uns nochmals versichert, dass das Projekt realisiert wird und weitere Infos folgen würden. Dann, Anfang Dezember, war ein Treffen für alle, die Genaueres wissen wollten. Wir waren natürlich dort, konnten ein paar Leute der Gemeinschaft, das Grundstück mit den bestehenden Gebäuden und die weiteren Bau-, und Projektpläne näher kennenlernen. Beim folgenden Kennelerntreffen, das nur toe besuchte, da es abends in Graz stattfand – was mit einem Kleinkind eher unpraktisch ist – erhielten wir keine relevanten Informationen, außer, dass Familien mit ältern Kindern bevorzugt würden.

Vergangenes Wochenende sollte unser erster Workshop stattfinden. Diese dienen dazu, dass man sich in die Gemeinschaft einbringen kann und sich so auch näher kennen lernt. Das sollte idealerweise im Vorhinein passieren, damit man einfach schaut, ob man auf der ’selben Wellenlänge‘ ist. Um es vorweg zu nehmen, zu diesem Workshop kam es nicht. Zwei Tage zuvor haben wir nämlich erfahren, dass sie sich für eine Familie mit älteren Kindern entschieden haben.

Jetzt kommt mein Ego ins Spiel. Denn obwohl mir bewusst ist, dass es bestimmte Kriterien gibt, anhand derer die Interessenten ausgewählt werden, ärgert es mich. Ich fühle mich unfair behandelt, da weder meine Persönlichkeit, noch meine Interessen oder Fähigkeiten als „unpassend“ beurteilt wurden – zur Erinnerung, wir haben ja noch niemanden aus der bestehenden Gemeinschaft wirklich kennengelernt – sondern lediglich das Alter unseres Kindes. Und für mich ist das einfach kein Kriterium für eine Entscheidung über ein gemeinsames Leben. Ich sehe einfach nicht den Zusammenhang, warum mein Kind ausschlaggebend dafür ist, ob ich mich in eine Gruppe sinnvoll einbringen kann und ob unsere Werte übereinstimmen. Außerdem weiß ich, dass das Leben in Gemeinschaft ein sich ständig verändernder Prozess ist. Klar kann man theoretisch die beste Durchmischung an Menschen planen, aber wer dann langfristig wirklich bleibt und wer noch dazu kommt, kann man zu keinem Zeitpunkt fix sagen. Aus anderen Projekten ist mir bekannt, dass die Fluktuation recht hoch ist. Aber das wollte man toe beim Kennenlerntreffen nicht so recht abnehmen und stattdessen die bestmögliche Ist-Situation herbeiführen.

Naja, wie dem auch sei, blöd für uns. Ich kann nicht genau sagen, ob ich zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereit bin, mich auf diese Gemeinschaft einzulassen, falls sie meinen, sie brauchen jetzt Mitbewohner in dem Alter, das unser Kind dann haben wird. Gewünscht hätte ich mir zumindest ein persönliches Treffen, vielleicht so eine Art kurzes „Vorsprechen“, wo man sich mal ein wenig beschnuppern und seine Einstellungen und Vorstellung, Ideen und Wünsche besprechen kann. Da merkt man eh meist recht schnell, ob die Chemie halbwegs passt. Und ob ich ein oder vier Kinder habe, ob es Babys oder bereits Teenager sind, ob man kurze oder lange Haare hat, alleinerziehend ist oder im Familienverband, alt oder jung, … das sollte dabei, wenn überhaupt, nur eine kleine Nebenrolle spielen.

Selbstbewusstsein

Wenn ich so zurückdenke, war für mich eine selbstbewusste Person immer so eine, die gerne im Mittelpunkt stand, ohne dabei Gefühle wie Scham, Nervosität, Angst oder Hilflosigkeit zu verspüren. Schon als Kind wurde einem ja quasi eingetrichtert, dass Selbstbewusstsein etwas Gutes ist, das man sich so schnell wie möglich aneignen sollte, falls man nicht von Natur aus eine selbstbewusste Person war. Denn nur wer den Mut hat, sich und seine Fähigkeiten zu zeigen, wird es im späteren Leben mal zu etwas bringen…

Wikipedia sagt dazu:

Allgemein wird Selbstbewusstsein als „das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“ definiert.

Und dieses selbstsichere Auftreten nahm ich immer als ’sehr laut singen obwohl man keinen einzigen Ton trifft‘ oder ‚bei allem lauthals und überzeugt mitdiskutieren auch wenn man keine Ahnung hat‘ bis hin zu ‚enge Hosen tragen auch wenn die Oberschenkenkel sehr dick sind‘ wahr – was allessamt dann mit den Worten „Na die/der hat aber ein Selbstbewusstsein“ kommentiert wurde.

Doch wie so oft lehrte mich mein Kind etwas anderes bzw. ließ mich den Begriff des Selbstbewusstseins, der umgangssprachlich meiner Meinung nach so falsch verwendet wird, neu überdenken. Denn mein Kind ist sich – vermutlich wie die meisten anderen Kinder auch – sich seiner selbst und seiner Fähigkeiten bewusst! Es ist sich bewusst, von welcher Höhe es selber runter hüpfen kann, ob das Balancieren ohne sich anzuhalten möglich ist, wie schnell es bergab laufen kann ohne zu stolpern, wann es sich in einer neuen Umgebung von uns lösen kann, ob es schon bereit ist mit einer fremden Person zu reden, ebenso wieviel es tragen kann bevor es zu schwer wird usw.

Und das, was es (noch) nicht kann, kann es einfach (noch) nicht. Da werden keine theatralischen Szenen vorgespielt, um seine nicht vorhandenen Fähigkeiten stolz heraus zu posaunen. Das Kind weiß genau, wo diesbezüglich seine Grenzen sind. Davon sollten wir Erwachsenen uns auf jeden Fall etwas abschauen!

Pferdegnadenhof Edelweiss

Vor gut einem dreiviertel Jahr hörte ich das erste Mal vom Pferdegnadenhof Edelweiss, der nicht allzu weit von uns entfernt in Wildon, südlich von Graz, liegt. Gemeinsam mit Bekannten besuchten wir diesen an einem Wochenende. Wir erhielten auch eine kleine Führung, wo uns die Geschichte und Philosophie von dem Hof erzählt wurden.

Den Gnadenhof gibt es schon seit 2010, in Wildon allerdings erst seit 2016. Hier leben nicht nur Pferde, sondern auch Kühe, Esel, Hühner, Schweine, Hunde und Katzen, welche allesamt aus extrem misslichen Lagen gerettet wurden, sei es vor schlimmer Verwahrlosung, Gewalt oder dem sicheren Tod im Schlachthaus. Hier auf dem großen Grundstück mit Koppeln, offenen Gehegen, Pferdeboxen und Reithalle bzw. Reitplatz können die aufgenommenen Tiere ihr Leben in Ruhe verbringen. 
Um den Gnadenhof am Laufen zu halten, arbeiten hier täglich ehrenamtliche Mitarbeiter, welche sich um die Gebäude und die Pflege der Tiere und Ställe, sowie den Gemüseanbau im Garten kümmern. Auch jüngere Mitarbeiter – also Kinder und Jugendliche – arbeiten freiwillig und engagiert am Hof mit und können sich so um die Tiere kümmern und auch Verantwortung übernehmen.

Außerdem gibt es am Hof ein Cafe, in dem am Wochenende vegane Menüs, Burger, Wraps, Suppen, Salate und Mehlspeisen auf Spendenbasis angeboten werden, ebenfalls durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter zubereitet. Natürlich gibt es auch Kaffee und andere Getränke. Das Cafe Edelweiss wurde von den Mitarbeitern selbst aus Paletten gebaut und lädt zum Verweilen ein.

Um alles finanzieren zu können, veranstaltet der Gnadenhof Edleweiss immer wieder Feste, an denen Menschen den Hof und deren Tiere und Mitarbeiter persönlich kennenlernen und weiters durch Mitgliedschaften, Patenschaften oder Spenden unterstützen können. Zusätzlich gibt es einen Flohmarkt sowie hauseigene Produkte wie Brot, Kräutersalz, Pferdedünger und Jahreskalender, welche käuflich erworben werden können. Das Geld kommt der Verpflegung der Tiere, den Tierarztkosten, der Instandhaltung und dergleichen zugute.

Wir haben bereits ein paar vegane Stammtische dort abgehalten und ich kann den Besuch und die Unterstützung des Hofes nur empfehlen. Hier arbeiten Menschen in ihrer Freizeit ganz selbstlos für die Tiere und es gibt leckere vegane Köstlichkeiten! Das nächste Fest findet übrigens am 24.12.17 statt – es gibt ab 14 Uhr „Bescherung“ für die Tiere und Beisammensein mit (Kinder)punsch und veganen Keksen. 

Swing Kitchen Graz

Als wir noch in Niederösterreich gewohnt und uns zur veganen Lebensweise entschieden haben, hielten wir natürlich immer Ausschau nach Lokalen, die auch vegane Speisen in ihrer Karte anbieten und freuten uns natürlich ganz besonders über rein vegetarische oder sogar rein vegane Lokalitäten. 

Eines davon war der Schillinger in Großmugl, etwa 45 Autominuten von uns entfernt. Dies ist ein altes Gasthaus in einer kleinen Ortschaft, welches schon seit 1793 besteht. Es ist ein traditionelles Gasthaus, welches auch seit jeher traditionelle österreichische Küche anbietet. Seit Charly Schillinger, der jetzige Eigentümer und selbst bekennender Veganer, es von seinen Eltern übernommem hat, bestand die Hausmannskost weiterhin, allerdings in der veganen Alternative. Das heißt, man bekam beispielsweise Suppen, Schnitzel mit Pommes, Zwiebelrostbraten, Cordon Bleu, Kotelett, Gegrilltes, Burger, Nudeln, Auflauf und Gulasch in rein pflanzlicher Form. Und kreative, leckere Nachspeisen sowie selbstgemachte Eistees rundeten diese Gaumenfreude ab. 

Wir besuchten das Gasthaus regelmäßig in zeitlich größeren Abständen, da bei uns Hausmannskost eher selten auf den Tisch kommt und wenn, dann eben nur auswärts. Das gemütliche Dorfwirtshaus war immer gut besucht und wurde auch von ‚Allesessern‘ hoch gelobt, da die Speisen wirklich sehr schmackhaft waren! Umso überraschter waren wir, als wir erfahren haben, dass das Gasthaus Schillinger seit diesem Sommer geschlossen hat. Der Grund dafür ist jedoch nur eine Verlagerung der Prioritäten, denn neben dem Gasthaus hat die Familie Schillinger noch fünf weitere Lokale, die Swing Kitchens.

Und eine dieser Swing Kitchens hat vor kurzem in Graz in der Kaiserfeldgasse eröffnet. Ein rein veganes Fastfood Lokal, das auch auf Nachhaltigkeit schaut. So findet man hier kein Plastik, die Verpackungen wie Becher, Strohhalme, Dipschalen etc. bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen, sind CO2-neutral und werden kompostiert. Zusätzlich wird Wert auf Regionalität und Saisonalität sowie den Verzicht von Gentechnik gelegt, viele Zutaten sind biologisch und/oder fairtrade. Das Essen wird frisch zubereitet und ist cholesterinfrei, ballaststoffreich und enthält viele Vitamine, obwohl es ‚Junkfood‘ ist. Außerdem steht das Unternehmen für Fairpay und bezahlt die Angestellten überdurchschnittlich hoch.

Man kann aus einer Reihe an Burgern, Wraps oder Salaten auswählen, dazu gibt es Pommes, Zwiebelringe oder Nuggets mit verschiedenen Dips. Zum Trinken erhält man sowohl frischgepressten Orangensaft, als auch andere Säfte und Limonaden, unter anderem Swing Cola nach eigener Rezeptur. Nach dem Essen kann man sich einen bio&fairtrade Kaffee gönnen, für Naschkatzen steht eine Vitrine mit süßen Verführungen wie Tiramisu, Cheesecake, Muffins, Kuchen oder Doughnuts bereit. 

Bei unserem Besuch war das Lokal sehr gut besucht, die Angestellten freundlich und die Speisen extrem lecker. Die Wartezeit hält sich auch trotz vieler KundInnen in Grenzen. Der einzige kleine Nachteil sind die hohen Räume, welche den Lärmpegel ansteigen lassen, da es sehr hallt.

Die Swing Kitchen ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und auch wenn es mit dem traditionellen Gasthaus nicht vergleichbar ist und wir Fastfood eher selten essen, sind wir doch froh, den Schillinger jetzt in unserer Nähe zu haben! 

Selbstgenähte kurze Pumphose 

Wir beide tragen gerne weite, lockere Stoffhosen, wie es sie oft auf diversen Festivals oder ‚esoterisch angehauchten‘ Geschäften gibt. Da wir für unser Hörnchen jedoch so gut wie alles an Gewand gebraucht geschenkt bekommen haben, hatte ich kaum die Gelegenheit, diese bunten Hosen in Miniformat zu kaufen und unser Zwergal somit optisch an uns anzupassen. Allerdings beschloss ich, falls mal Hosen nötig wären, diese dann selbst zu nähen. Gesagt, getan. Da ich mich zwar mit der Nähmaschine halbwegs auskenne – ich kann Fäden einfädeln, Stiche einstellen und nähen – allerdings beim Drumherum nur laienhaftes Halbwissen besitze, war ich schon sehr gespannt auf diese Aufgabe. Ich habe mir das Freebook Marina ausgedruckt, da ich für den Sommer eine kurze Pumphose für unser Kind nähen wollte. Im Grunde ist es sehr einfach zu nähen und ein, wie ich finde, sehr lässiger Schnitt.
Zuerst ging es ans Stoffe und Bündchen zuschneiden. Dies erfolgte mittels ausgedruckten Vorlage. Ich habe den grünen Stoff einer alten kaputten Hose und bunt gestreiften Bündchenstoff verwendet.

Danach gings ans Zusammennähen der vier einzelnen Hosenteile – je zwei vordere und zwei hintere – und der Bündchen.

Der nächste Schritt war das Zusammennähen der beiden Hosenbeine.

Zum Schluss kam der für mich persönlich schwierigste Teil, nämlich das Annähen der Bündchen. Hier ist es wichtig, diese unter Zug zu nähen, da es vom Stoff her viel kleiner als der Stoff der Hose ist und so viele (unerwünschte) Falten entstehen können. 

Und tadaaaa, fertig ist die kurze Pumphose!

Reisdrinkbasis von Libuni

Bei unserem Besuch auf der Veganmania in Podersdorf haben wir eine nette Frau bei einem Stand kennengelernt. Sie sprach mich an, ob ich gerne Reismilch trinke, was ich bejahte. Eigentlich verwenden wir nur diese, denn der Eigengeschmack von Sojamilch ist mir zu intensiv und Hafermilch irgendwie zu seicht. Und bei Mandelmilch ist die Konsistenz oft so flockig, zumindest bei den Marken, die ich probiert habe. Jedenfalls hatte die Frau Kostproben dabei. Zuerst dachte ich mir, ich koste halt mal diese neue Marke, denn ich bin immer neugierig auf den Geschmack, obwohl wir mit ‚unserer‘ Reismilch sehr zufrieden sind. Was jedoch hinter dem Produkt von Libuni steht, finde ich weitaus spannender. 

Den Reisdrink gibt es nur im 0,5l Tetrapack, denn, wie die Überschrift schon verrät, ist es eine Basis, mit der man sich die Reismilch selber ‚aufspritzen‘ kann. Der Sinn dahinter ist der, dass das unnötige Abpacken und Verkaufen von Leitungswasser vermieden werden soll. Deshalb gibt es bei Libuni nur die Reisdrinkbasis, welche man sich zu Hause je nach Belieben selbst verdünnen kann. So spart man sich das Schleppen vieler Liter. Das Mischverhältnis, wie bei handelsüblichen anderen Marken, ist 1:3, das heißt ein Teil Reisdrinkbasis auf 3 Teile Wasser. Wer es jedoch intensiver mag kann auch beispielsweise 1:2 mischen oder die Basis pur verwenden.

aus einem Schluck…
… wird ein ganzes Glas

Libuni verwendet nur vier Zutaten, nämlich italienischen Bio-Reis, Bio-Sonnenblumenöl, Wasser und etwas Salz. Außerdem wird die Basis nach der Fermentierung nicht gefiltert, was bei den meisten fertig abgepackten Pflanzendrinks der Fall ist, und enthält dadurch mehr Nährstoffe. 

Kaufen kann man die Reisdrinkbasis derzeit in einigen ausgewählten Reformhäusern und im Internet. Auf der Homepage kann man nur eine Großbestellung machen, die Lieferung ist in Österreich und Deutschland gratis. Hier bekommt man 36 Stück der 0,5l Packungen um 85,90€, also 72 Liter bei einem Mischverhältnis von 1:3. Durchdividiert ergibt das einen Preis von circa 1,19€ pro Liter trinkfertiger Reismilch! Libuni ist es wichtig, dass der Kunde bei direkter Bestellung nicht mehr bezahlt, als der Handelspartner. So soll eine faire und wertschätzende Form der Wirtschaft entstehen. Zudem sollen, wenn das Produkt gut ankommt, weitere Produkte auf den Markt kommen. Detailierte Informationen gibt es auf der Homepage von Libuni.

Alles in allem finde ich die Idee und auch die Umsetzung toll. Der Geschmack ist sehr gut, allerdings hat er mich noch nicht zur Gänze überzeugt, da ich schon jahrelang eine andere Reismilch gewohnt bin. Ich werde daher (noch) nicht ganz umsteigen, aber das ein oder andere Päckchen zwischendurch ist sicher drin, denn so eine Idee gehört auf jeden Fall unterstützt!

Das ist keine bezahlte Werbung und ich habe durch diesen Beitrag keinerlei Vorteile, sondern gebe nur meine persönliche Meinung im eingenem Interesse wieder.

Doppelmoral?!

Als ich mich vor 6,5 Jahren entschloss, vegan zu leben, war neben ökologischen und ethischen Gründen auch die Gesundheit ein wichtiger Punkt. Erst nach und nach bemerkte ich, dass es sehr viele VeganerInnen gibt, die sich weiterhin von Junkfood, Süßigkeiten und Limonade ernähren, nur in einer jeweils veganen Version. Ist für mich zwar nicht ganz nachvollziehbar aber in Ordnung, schließlich hat jederR andere Vorlieben und auch andere Gründe, um ein möglichst tierleidfreies Leben zu führen.

Vor einiger Zeit lernte ich allerdings einen Veganer kennen, der mir sehr gesundheitsbewusst erschien. Er ist einer jener Menschen, die einem zu jedem Nahrungsmittel den Nährstoffgehalt erzählen können und auch über einige Dinge mehr Bescheid wissen, über die ich persönlich noch nicht wirklich nachgedacht habe. Er hat schon viele ‚Diäten‘ hinter sich, um zu schauen, wie es ihm damit geht. Unter anderem ernährte er sich eine längere Zeit von Rohkost und empfand dies als sehr wohltuend. Im längeren Gespräch mit ihm schaltete ich dann aber immer mehr ab. Denn manche seiner Weisheiten und Erfahrungen kamen mir persönlich dann doch etwas übertrieben vor, auch wenn er authentisch wirkt und sich anscheinend wirklich extrem gut beim Thema Ernährung auskennt. Eine unter vielen Aussagen war dann, dass Reis sehr ungesund sei, wegen dem Arsengehalt. Daraus resultiert für ihn, dass er maximal ein Mal pro Woche Reis isst. Und Reiswaffeln für Kinder sind seiner Meinung nach fast schon gleichbedeutend mit Gift…

Ich habe das Gespräch, welches er im Monolog weiterführte – es waren mehrere Leute anwesend – nur mehr fragend nebenbei verfolgt. Es fielen auch Punkte wie Soja und Gluten. Soja muss man laut ihm ebenso meiden, nicht mal ein Schluck Sojasauce im Essen wäre gesund, geschweigedenn Sojajoghurt, Sojadrink oder andere Produkte auf Sojabasis. Glutenfrei muss das Essen sowieso sein. Seinem Sohn hat er daher zum Geburtstagsfest auch einen glutenfreien Kuchen gebacken, woraufhin die Freunde des Kindes gespottet haben, da der Kuchen scheinbar nicht besonders schmackhaft war – das hat er auch selbst gesagt. 

Naja, wie auch immer, bei all den Erklärungen zu gesundem und ungesundem Essen, fiel mir allerdings auf, dass besagte Person ein Bier nach dem anderen zwitscherte. Am Ende des recht kurzen Nachmittagtreffens waren es zumindest 4 Flaschen und als wir uns bereits verabschiedet hatten, ich aber nochmal zurück ging um etwas zu holen, war schon eine weitere Bierflasche am Tisch und „Herr Gesundheitsbewusst“ rauchte eine Zigarette. Und die Krönung: bei seiner riesigen veganen Grillfeier – man muss den Anderen ja zeigen, wie gesund und gut man sich als Veganer auch von Gegrilltem ernähren kann – lag er nachmittags um 15 Uhr schlafend in einer Ecke! Das Komasaufen hatte ihn sprichwörtlich in die Knie gezwungen. Wir waren zum Glück selber nicht dort, aber eine Bekannte berichtete, dass es an diesem Nachmittag nichts Gegrilltes mehr dort gab….

Das nenn ich mal Doppelmoral, oder was meint ihr?

Plitscher, Plätscher, Feder, Wasser mag doch jeder…

Diese Titelmelodie meiner gern gemochten Kindersendung Alfred Jodokus Kwak habe ich öfters mal im Ohr. Ich selber liebe das Element Wasser und könnte die heißen Sommertage gerne durchgehend im Meer oder einem schönen See verbringen. Auch unser Zwergal liebt es, wie fast alle Kinder, zu plantschen. Wasser übt einfach eine extrem große Anziehungskraft auf die Kleinen aus, was allerdings nicht bedeutet, dass diese auch gerne mit dem ganzen Körper im Nassen sind.

Da es die letzten Tage zunehmend wärmer wurde, fuhren wir spontan zu einem kleinen Fluss in der Nachbarortschaft. Hier gibt es einen Bereich, wo das Wasser über ein paar größere Steine in ein Becken plätschert und dieses natürliche Becken wurde künstlich vergrößert und auch befestigt, sodass man dort hineinspringen und gut darin schwimmen kann. In der Mitte hat sich eine große Sandbank – oder eher Kies- und Steinbank – aufgeschüttet, die quasi als Strand benutzt werden kann. 

Gestern waren wir vorerst die Einzigen dort, denn das Wasser ist sehr kalt und wird auch im Hochsommer nicht nennenswert warm, denn der kleine Fluss ist ja immer in Bewegung. Wir haben uns also in unsere Badesachen geschmissen und haben das vom Wasser faszinierte Hörnchen an einem Stück des Ufers abgestellt. Sofort wurde ins seichte Wasser gestampft, Steine hineingeschmissen und Gatsch herumgegraben. Auch wir Eltern sind abwechselnd in das kühle Nass gehüpft, um uns zu erfrischen. Dann gab es wieder allerhand mit dem Kind gemeinsam zu entdecken. Wir hatten es echt gemütlich, richtig idyllisch dort in der Natur.

Nach einer Weile hörten wir zuerst eine Autotür und darauffolgend Stimmen und uns war klar, dass wir Gesellsschaft bekommen würden. Ich sah eine Familie, zwei junge Eltern geschätzt Mitte Zwanzig mit einem 2-3 Jahre alten Buben und einem größeren Hund. Schon beim Betreten dieses wunderschönen Platzes wurde es laut, denn um auf die ‚Insel‘ zu kommen, muss man den an dieser Stelle knietiefen Fluss etwa zwei Meter durchqueren. Der Bub, fest an seine Mutter geklammert, fing an zu schreien, als er das Wasser sah. Es war kein richtiges Weinen, sondern eher ein ängstliches Eingeständnis, dass er mit dieser Situation gerade nicht einverstanden war. Der Vater stapfte als erster in das kalte Wasser um den Sohn zur Insel hinüber zu tragen. Da wurde das Schreien energischer, was von der Frau nur mit den Worten „Sei nicht so wasserscheu“ abgetan wurde. Da sie auch bei uns vorbeigingen, sagte toe zu dem weinenden Buben:“Musst ja nicht hinein gehen, ist eh viel zu kalt.“ Als alle vier auf der Sand/Kiesbank waren, beruhigte sich der Bub wieder. Allerding nur kurz. Denn danach folgte etwas, was wir als Eltern einfach nicht nachvollziehen können. Das Kind wurde gegen seinen Willen mit den Füßen ins kalte, seichte Wasser gestellt, was es erneut aufschreien ließ. Immer und immer wieder nahm der Vater seinen weinenden Sohn und stellte ihn ein paar Zentimeter weiter hinein, bis der Bub knietief drin stand. Von der Mutter kam eine gelegentliche Rüge, dass sich das Kind nicht so anstellen sollte…

Mittlerweile waren wir mit unserem Hörnchen ein Stück weiter spaziert und ich konnte nur mehr aus der Ferne, aber ganz ‚gespannt‘ vor Verwunderung beobachten, wie der Kleine ausgezogen und in eine Badehose gesteckt wurde, natürlich immer noch unter Protest. Der Vater startete seinen Versuch erneut und hob das Kind immer weiter ins tiefere Wasser, welches mittlerweile nicht nur schrie und weinte, sondern erstarrt vor Angst aus vollem Halse plärrte!! Dazu sagte der Vater noch etwas in einer anderen Sprache, ich konnte es zwar nicht verstehen, aber es klang nicht freundlich. An diesem Punkt sagte ich zu toe, der das Geschehen nur beiläufig mitbekam, wie leid mir der Bub täte und dass ich ihn gerne zu mir holen würde! Es tat mir wirklich im Herzen weh, was da passierte. Ich starrte nochmals rüber zu der Familie, da schaute mich die Mutter an und meinte zum Mann:“Schatzi es reicht, das Wasser ist zu kalt!“ woraufhin dieser nach einiger Zeit endlich aufhörte, das Kind in den Fluss befördern zu wollen.

Die Situation entspannte sich also wieder, denn der Bub durfte am Ufer in Ruhe mit den Steinen spielen. Er sagte kein Wort. Unser Zwergal war noch immer gut gelaunt, sammelte abgeschliffene Ziegelsteine und spielte mit zwei gefundenen Flaschen. Gemeinsam holten wir die größten Steine, die wir fanden und warfen sie ins Wasser, dass es nur so spritzte. Unser Spiel wurde abermals durch laute, befehlende Töne unterbrochen. Als ich wieder zu der Familie hinüberschaute, war es diesmal der Hund, der im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. Auch bei ihm versuchten die beiden Erwachsenen alles, um ihn in die Fluten zu bewegen. Hauptsächlich mit Körpereinsatz, aber auch mit Aufforderungen und Geschimpfe. Sie gaben erst Ruhe, als der Hund mal kurz mit dem gesamten Körper im Wasser war und danach natürlich das Weite suchte. Nebenbei gesagt, weder Mutter noch Vater haben den Fluss weiter betreten als bis zu den Knien!

Es dauerte nicht mehr allzu lange, ehe die vier den Badeort wieder verließen. Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf meine eigene Familie, dennoch konnte ich von der Mutter den Anfang eines Satzes an ihren kleinen Sohn hören, welcher lautete:“Schau, das Kind (also unser Hörnchen) ist noch viel kleiner aber….“

Ich bin keine dieser Personen, die sich gerne und leicht in den Mittelpunkt stellen. Auf der einen Seite bin ich dazu zu schüchtern, auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass ich mich nicht in Sachen einmischen sollte, die mich im Grunde nichts angehen. Abends haben toe und ich dieses Szenario vom Fluss nocheinmal revue passieren lassen und darüber gesprochen. Das Kind war ja nicht in akuter Gefahr, auch wenn es durch Machtmissbrauch und psychische Gewalt wahrscheinlich irgendwelche Folgen davontragen könnte. Dennoch habe ich nicht das Recht, die Erziehung anderer Menschen in Frage zu stellen und nur unseren Weg als den einzig Richtigen für alle hinzustellen. Klar, in meinen Augen war es von den Eltern nicht richtig, aber ebenso machen wir in den Augen Anderer einiges falsch. Es existieren hier wahrscheinlich so viele Meinungen, wie es Eltern gibt. Und das zu akzeptieren und gegenseitig zu respektieren finde ich wichtig, auch wenn ich am liebsten eingegriffen hätte! Doch wir können nicht die ganze Welt verändern, aber wir können bei uns selbst anfangen!

Habt ihr schon mal Ähnliches miterlebt? Wenn ja, wie seid ihr mit der Situation umgegangen?

Der Weg des geringsten Widerstandes

In unserem Privatleben gibt es derzeit ein paar Ungereimtheiten. Es geht um Themen, die für uns eigentlich selbstverständlich sind und wir daher auch angenommen haben, dass sie das für Andere ebenso sind, zumal es sich um Menschen handelt, die uns und unsere Einstellung eigentlich gut kennen.

Jedenfalls habe ich heute mit toe ein wenig über ein paar Situationen gesprochen und wir haben unsere Standpunkte abgeglichen und geklärt. Irgendwann kam dann mal der Satz:“Es wäre der Weg des geringsten Widerstandes“, allerdings mit der Bemerkung, dass dies kein Argument dafür sei!

Über diese Aussage musste ich erstmal nachdenken. Darüber, warum man diesen Weg nur allzu oft geht, obwohl es einem deutlich gegen den Strich geht? Darüber, warum man an manchen Dingen festhält oder sie macht, obwohl sie einem absolut nicht wichtig sind, es aber von der Gesellschaft so erwartet wird? Warum man nicht authentisch in jeder Situation reagiert, so wie man es in seinem tiefsten Inneren für richtig hält? Und wieso man am liebsten auf keinerlei Widerstände in seinem Leben stoßen möchte, ungeachtet dessen, dass man daran wachsen kann und sich dadurch möglicherweise weiterentwickelt.

Ganz ehrlich, ich habe keine befriedigende Antwort gefunden! Natürlich ist mir bewusst, dass sehr viel an unserem Ego liegt, dass sich quasi in den Vordergrund drängt, alles auf sich bezieht und so die objektive Sichtweise in den Hintergrund stellt. Außerdem spielt der Verstand eine große Rolle, der ständig und unaufhörlich abwiegen muss, ob und warum bestimmte Dinge gut oder schlecht sind, was passieren würde wenn … und blablabla … 

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der Großteil der Menschen aus einer tiefen, evolutionsbedingten Angst heraus, am Ende alleine zu sein, so handelt oder ob es einfach der Zeitgeist ist?

Wir gehen eigentlich schon lange unseren eigenen Weg, egal, was andere denken oder sagen. Vieles machen wir anders, als es heutzutage in unserer Gesellschaft üblich ist und wir geraten immer wieder auf Widerstand. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die wir eigentlich nur tun, um den besagten Weg des geringsten Widerstands zu gehen, weil es einfacher ist, weil man sich mit etwas bestimmten nicht auseinandersetzen muss oder man die Gefühle Anderer nicht verletzen will.

Was meint ihr dazu? Sollte man immer seinen Weg gehen und seinen Prinzipien folgen, auch wenn das bedeutet, dass man in manchen Bereichen nicht mehr Teil der Gesellschaft ist oder damit Andere eventuell verärgern bzw. verletzen könnte? Kann man überhaupt für die Gefühle Anderer verantwortlich sein?