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Selbstbewusstsein

Wenn ich so zurückdenke, war für mich eine selbstbewusste Person immer so eine, die gerne im Mittelpunkt stand, ohne dabei Gefühle wie Scham, Nervosität, Angst oder Hilflosigkeit zu verspüren. Schon als Kind wurde einem ja quasi eingetrichtert, dass Selbstbewusstsein etwas Gutes ist, das man sich so schnell wie möglich aneignen sollte, falls man nicht von Natur aus eine selbstbewusste Person war. Denn nur wer den Mut hat, sich und seine Fähigkeiten zu zeigen, wird es im späteren Leben mal zu etwas bringen…

Wikipedia sagt dazu:

Allgemein wird Selbstbewusstsein als „das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“ definiert.

Und dieses selbstsichere Auftreten nahm ich immer als ’sehr laut singen obwohl man keinen einzigen Ton trifft‘ oder ‚bei allem lauthals und überzeugt mitdiskutieren auch wenn man keine Ahnung hat‘ bis hin zu ‚enge Hosen tragen auch wenn die Oberschenkenkel sehr dick sind‘ wahr – was allessamt dann mit den Worten „Na die/der hat aber ein Selbstbewusstsein“ kommentiert wurde.

Doch wie so oft lehrte mich mein Kind etwas anderes bzw. ließ mich den Begriff des Selbstbewusstseins, der umgangssprachlich meiner Meinung nach so falsch verwendet wird, neu überdenken. Denn mein Kind ist sich – vermutlich wie die meisten anderen Kinder auch – sich seiner selbst und seiner Fähigkeiten bewusst! Es ist sich bewusst, von welcher Höhe es selber runter hüpfen kann, ob das Balancieren ohne sich anzuhalten möglich ist, wie schnell es bergab laufen kann ohne zu stolpern, wann es sich in einer neuen Umgebung von uns lösen kann, ob es schon bereit ist mit einer fremden Person zu reden, ebenso wieviel es tragen kann bevor es zu schwer wird usw.

Und das, was es (noch) nicht kann, kann es einfach (noch) nicht. Da werden keine theatralischen Szenen vorgespielt, um seine nicht vorhandenen Fähigkeiten stolz heraus zu posaunen. Das Kind weiß genau, wo diesbezüglich seine Grenzen sind. Davon sollten wir Erwachsenen uns auf jeden Fall etwas abschauen!

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Kannst du über deine Schubladen lachen?

Vor einiger Zeit habe ich irgendwie einen englischsprachigen Youtube-Channel entdeckt, der – wie ich finde – einige meiner Schubladen oder Egos ordentlich auf die Schippe nimmt. Einerseits übertreibt er manche Argumentationen so stark, dass ich vor Lachen platzen möchte, andererseits kritisiert er vorallem diejenigen Wichtigtuer, die einem aktuellen Trend oder einer Minderheit nur folgen um sich besser als andere hinstellen zu können.  

Das ergibt eine brisant sarkastische Mischung, welche jeden Aspekt deines Egos oder dessen Rollen anstachelt. Wer seine eigenen Schubladen testen möchte, dem versuche ich hier eine mich ansprechende Auflistung zu bieten.

Das letzte Video hat zwar keinen Bezug zu uns, aber es unterstreicht nochmals die Qualitäten des Youtubers. Denn er beantwortet eine Zuseheranfrage mit psychologischen Laien- oder Fachwissen (was weiß denn ich, wirkt jedefalls kompetent) aber auch mit offenem Herzen. Und daher finde ich das letzte Video wichtig für den Gesamteindruck.

Und an alle, die sich diese Videos angesehen haben:

  1. Hast du dich nass gemacht?
  2. Glaubst du, dass er das alles spielt, oder ist er doch auch ein bisschen so?

Jährlicher Lichterwahn

Ich frage mich, wie ich eines Tages dem Hörnchen erklären soll, warum die Menschen hier Adventbeleuchtung aufstellen. 

  • Ist es die Angst vor der erstarkenden Dunkelheit, welche versucht wird zu vertreiben?
  • Der Wille durch das Nachtleuchtenden den Sternenhimmel gänzlich zu verschleiern, um sich nicht mehr ins Bewusstsein zu rufen, wie klein man doch im Vergleich zum Universum ist?
  • Das Ego, das versucht durch eine individuelle Beleuchtungsstrategie dem Nachbarn dessen fehlende Kreativität vorzuführen?
  • Das Bedürfnis, seinen Mitmenschen aufzudrücken, wieviel Stromrechnung bezahlt werden kann?
  • Könnte es der Wunsch sein, die Umsatzzahlen des eigenen Stromanbieters zu steigern, um ihn im nationalen Ranking endlich auf Platz 1 von 5 zu sehen?
  • Womöglich doch gedankenloser Herdentrieb, ausgelöst durch den Frühen Vogel und der andauernden Konfrontation mit zielgerichteter Werbung?
  • Ist es Gewohnheit, weil seit Jahren alle Weihnachtsfilme und -serien durch Productplacement den Eindruck erwecken, die Häuser seien im Advent zu beleuchten?
  • Halten sie es gar für Brauchtum? „Ein guter <hier regionales Substantiv denken> hat immer schon im Dezember die Hütte abgefackelt.“
  • Oder is es einfach Unachtsamkeit und die Unfähigkeit gesellschaftliches Verhalten zu hinterfragen?

Wie auch immer. Möge der Konsum während der Feiertage nicht noch mehr Verteilungsungerechtigkeit in dieser Welt schaffen.

P.S.: Tibetische oder selbstgemachte bunte Fahnen schmücken ein Haus, ohne Strom zu verbrauchen.

Bücher für frische Eltern

Warum ‚frisch‘? Naja, weil die aller meisten Eltern, die ich kenne, mit jungen Kindern doch näher um die 30 oder älter sind als um die 20 oder jünger. Daher erschien mir ‚Bücher für junge Eltern‘ irgendwie unpassend.

An sich haben wir schon zwei wertvolle Bücher für Eltern empfohlen. Aktuell lese ich wieder ein Buch, das einfach perfekt zu uns passt, uns erklärt was wir fühlen und bestätigt, dass es richtig ist. Das uns auch sagt, was das Hörnchen fühlt und dass es richtig so ist. 

Und irgendwie ergänzen sich diese 3 Bücher ideal:

  1. Die selbstbestimmte Geburt – sollte man vor oder während der Schwangerschaft lesen (ich habe auf die Schnelle keinen Beitrag von uns über das Buch gefunden, daher ein Link auf das Buch über Thalia)
  2. Beyond the Sling – sollte man spätestens in den ersten Monaten des Nachwuchses lesen
  3. Liebe und Eigenständigkeit von Alfie Kohn sollte man eigentlich schon vor dem ersten Geburtstag des Mini-Menschen gelesen haben

Tja, bei uns, besser spät als nie. Soweit ich gelesen habe, beschreibt das Buch, dass dein Kind ein eigenständiger Mensch ist, dem du mit deiner ganzen Aufmerksamkeit begleitest und respektierst. Je nach Entwicklung benötigt dein Nachwuchs mehr oder weniger Achtsamkeit. Spätestens bei Konflikten sollte man sich in die Perspektive des Kindes begeben damit man versteht, was den Konflikt ausgelöst haben könnte. Aber Auszeiten, Bestrafungen und auch Belohnungen sind keine hilfreichen Erziehungsmethoden. 

Ja, auch Belohnungen helfen nicht, dass ein Kind etwas aus eigenem Antrieb gut findet. Das war eine schwere Lektion für mein Ego, aber es stimmt schon, dass es einfach nur die andere Seite derselben Medaille ist. Dein Kind ist aber kein Hund und möchte auch nicht so trainiert werden. Kinder wollen sich entfalten, sich selbst und ihre Umwelt kennen lernen. Und weil wir ihnen das ermöglichen, können sie auch unsere Hilfe annehmen, um sich in dieser Welt zurecht zu finden. 

Bedingunslose Liebe ist der Schlüssel. Unsere Kinder sollen sich von uns geliebt fühlen, nicht kontrolliert oder bestraft wenn sie etwas falsch gemacht haben. Als Eltern sind wir der sichere Hafen, wo man angenommen wird, wie man ist. Und das bedeutet nicht, dass man mit Geschenken, Ablenkungen oder Belohnungen überhäuft wird. Eher zuhören und beobachten und zualler erst sein eigenes Verhalten – das der Eltern – korrigieren. 

Wir haben bereits die Erfahrung gemacht, mit noch frischeren Eltern als wir es sind, welche versuchen ihr Kind durch einen sehr strengen Ton und einem böse verzogenen Gesicht vor einer vermeindlichen Gefahrenquelle zu schützen. Aus der Sicht des Kindes verhindern dessen Eltern die Neugierde an einem nicht aktiven Schwedenofen, die vermeindliche Gefahrenquelle, zu stillen. Stattdessen scheint es, dass die Eltern jetzt plötzlich auch noch verärgert oder wütend sind. Kein Wunder, dass sich ihr Kind in dieser Situation, vielleicht auch noch in einer fremden und ungewohnten Umgebung, nicht mehr wohl fühlt.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kompliziert ausgedrückt. Jedenfalls gibt es bei dieser Familie nur eine Kochplatte, die noch außerhalb der Erreichbarkeit des Kindes liegt. Unser Hörnchen musste stattdessen bereits mit den ersten unterstützenden Schritten lernen, dass man sich an unserem Tischherd auch an allen Seiten verbrennen kann. Es dem Hörnchen schlichtweg zu verbieten, dem Herd in jeglicher Situation nahe zu kommen, wäre aus unserer Sicht nicht sinnvoll gewesen. Wissenschaftliche Statistiken aus dem Buch legen nahe, dass durch strenge elterliche Kontrolle und Maßregelung die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Kind in unserer Abwesenheit gerade das Verbotene tun wird. 

Das bestärkt uns, dass wir damals gefühlsmäßig richtig gehandelt haben. Wir haben das Hörnchen mit viel Einfühlungsvermögen vor den Gefahren gewarnt, gezeigt wie man die Risiken abschätzt, nicht-lebensbedrohliche Erfahrungen sammeln lassen und wenn es sich erschreckt oder verletzt hat, dann waren wir sofort mit tröstendem Verhalten zur Stelle. Nachdem es sich beruhigt hatte, konnten wir die Situation nochmal reflektieren und die Gefahren verbalisieren. 

Ich vertraue meinem Kind, dass es mittlerweile weiß, wie es sich bei einem Ofen, unabhängig davon ob darin ein Feuer brennt oder nicht, verhalten kann.

Veganes Kind und die erweiterte Familie

Vorab, per Definition isst unser Hörnchen nicht vegan, da menschliche Muttermilch von einem Säugetier stammt und somit nicht rein pflanzlich ist. Ganz egal ob die Mumi von einer sich vegan ernährenden Mutter stammt oder nicht. Es ist das gesündeste für das kleine Menschlein und für uns braucht es hier keinen Platz für das vegane Gütesiegel. 

Aber das heißt nicht, dass wir dem Hörnchen ansonsten etwas nicht Veganes geben wollen. Wenn es das mal kosten möchte, dann soll es das tun, aber wir werden das nicht besonders fördern, wegen den für Veganer bekannten Gründen. 

Ungünstigerweise sind in unserem erweiterten Familienkreis, also alle außer uns drei, die Veganen so spährlich gesäht wie Wassermelonen in der Sahara. Somit sind Verständnis und Rücksichtnahme relativ gering und dadurch unsere Motivation sich dem auszusetzen etwas abgängig.

Wir leben dem Hörnchen vor, dass man sich von Gemüse, Obst und Getreide gesund ernährt. Süßigkeiten gibt es auch, aber weder regelmäßig noch als Belohnung. Das Hörnchen kostet davon ein paar Bissen und für gewöhnlich verfliegt damit auch gleich das Interesse. Mumi ist ja auch viel viel besser.

Was mich dann an familiären Besuchen stört ist – abgesehen von der ewigen Rechtfertigungspflicht – dass die sich nicht-veganes und meist auch ungesundes Zeug kaufen und in unser Nest schleppen. Da liegt es dann achtlos herum und – weil sich das Hörnchen ja für alles interessiert – wird das dann versucht mit süßen Ablenkungen auszuweichen. 

Manchmal kotzt mich die Respektlosigkeit gegenüber unserem Lebensstiel einfach nur an. Wenn sie unser Zeugs essen, finden sie es immer köstlich und dennoch bringen sie ihren ‚Fraß‘ mit und wundern sich dann, das es zu einem Problem wird. Ich finde es weder witzig, wenn das Hörnchen absichtlich verwirrt wird, damit es das Interesse an etwas verliert, noch dass dafür Süßigkeiten als Belohnung eingesetzt werden.

Und letztens musste ich sogar ein halbes Burgerlaibchen am Kompost werfen, weil man das ja unbedingt vom Restaurant mitnehmen musste aber aus der Mikrowelle – ja sowas verwenden wir manchmal – schmeckt das natürlich nach altem Arsch und die Restmülltonne war nicht da, weil am nächsten Tag Abholung war. Und die fahren nur für uns nicht den Berg hinauf, deshalb müssen wir die Tonne fast einen Kilometer runter bringen.

Ja, sowas stört mich. Sollen sie Leichenteile essen oder geraubte entnaturalisierte Kuhmilch trinken, wenn es ihnen egal ist. Aber sie sollen uns damit verschonen.

Selbstgenähte kurze Pumphose 

Wir beide tragen gerne weite, lockere Stoffhosen, wie es sie oft auf diversen Festivals oder ‚esoterisch angehauchten‘ Geschäften gibt. Da wir für unser Hörnchen jedoch so gut wie alles an Gewand gebraucht geschenkt bekommen haben, hatte ich kaum die Gelegenheit, diese bunten Hosen in Miniformat zu kaufen und unser Zwergal somit optisch an uns anzupassen. Allerdings beschloss ich, falls mal Hosen nötig wären, diese dann selbst zu nähen. Gesagt, getan. Da ich mich zwar mit der Nähmaschine halbwegs auskenne – ich kann Fäden einfädeln, Stiche einstellen und nähen – allerdings beim Drumherum nur laienhaftes Halbwissen besitze, war ich schon sehr gespannt auf diese Aufgabe. Ich habe mir das Freebook Marina ausgedruckt, da ich für den Sommer eine kurze Pumphose für unser Kind nähen wollte. Im Grunde ist es sehr einfach zu nähen und ein, wie ich finde, sehr lässiger Schnitt.
Zuerst ging es ans Stoffe und Bündchen zuschneiden. Dies erfolgte mittels ausgedruckten Vorlage. Ich habe den grünen Stoff einer alten kaputten Hose und bunt gestreiften Bündchenstoff verwendet.

Danach gings ans Zusammennähen der vier einzelnen Hosenteile – je zwei vordere und zwei hintere – und der Bündchen.

Der nächste Schritt war das Zusammennähen der beiden Hosenbeine.

Zum Schluss kam der für mich persönlich schwierigste Teil, nämlich das Annähen der Bündchen. Hier ist es wichtig, diese unter Zug zu nähen, da es vom Stoff her viel kleiner als der Stoff der Hose ist und so viele (unerwünschte) Falten entstehen können. 

Und tadaaaa, fertig ist die kurze Pumphose!

Gib mir ein Bussi, dann geb‘ ich dir das, sonst nicht.

Wir sind an einem Strandrestaurant bei einer ehemaligen Schottergrube, die jetzt als Badesee genutzt wird. Alles sehr modern und Lifestyle-lastig. Hier trifft sich alles was Rang und Namen in der Südsteiermark hat, zumindest deuten der Flair und die Jaguars und Porsches vor dem Eingang darauf hin.

Ein braun gebrannter Beachboy sitzt mit seiner strohblonden Tochter im angelandeten Baywatch Motorboot und ermahnt sie: „Gib mir ein Bussi, sonst bekommst‘ den Becher nicht!“ Als das kleine Mäderl nach dem begehrten Becher greift, zieht ihn der Vater weg und klärt die kleine über die Konsequenz auf: „Na dann nicht.“ Das Erpresserspiel wiederholt sich, bis der Sunny-Boy die Geduld verliert, dem hilflosen Mädchen einen Kuss aufdrückt und ihr den Becher in die Hand drückt.

Herzlichen Glückwunsch du Arsch. Du lehrst deiner Tochter, dass man – um etwas zu bekommen – einer Authoritätsperson seinen Körper überlassen muss. Wirklich gut durchdacht. 

Der mittlere Weg beim Begleiten des Kindes

Grundsätzlich identifizieren wir unser Verhalten gegenüber dem Hörnchen als Attachment Parenting bzw. bindungsorientierte Erziehung, wobei mir das deutsche Wort Erziehung nicht annähernd so gut gefällt wie das englische Parenting. Im deutschen würde ich bindungsorientierte Begleitung als schönen und passenden Begriff finden.

Man findet da ein paar Bücher und Webseiten sowie viele tolle und authentische Blogs. Es gibt nicht wirklich starre Regeln, sondern genauso wie im Buddhismus, Konsequenzen und Richtlinien, an die man sich halten kann. Oder man befasst sich mit dem Hintergrund und versteht die Sinnhaftigkeit und dann verhält man sich einfach mit dem Wissen im Hinterkopf entsprechend. 

Viele Menschen unserer Generation und derer Eltern sind ja leider mit vielen Ratschlägen, Regeln und Ablenkungen erzogen worden, damit die lieben Eltern recht bald wieder zur Arbeit erscheinen konnten. Da war nicht immer das Ziel, das Beste für das einzelne Kind zu erreichen. Auch wenn man sich Ausreden hat einfallen lassen, die das suggerieren könnten. (Der Klassiker: „Lass sie schreien, davon bekommen sie starke Lungen.“)

Ich sehe eine Menge Gemeinsamkeiten zwischen westlichem Buddhismus und Attachment Parenting:

  • harte Werte
  • weiche Werte und 
  • ganz viel Einfühlungsvermögen.

Ich möchte das Wort Liebe nicht verwenden, da auch Menschen die ihre Kinder schlagen oft mit Liebe argumentieren. Also versuche ich über dieses schwammig definierte Wort hinaus zu denken.

Ich habe in meinem Leben irgendwann begonnen, Werte zu finden, die mir wichtig sind. Unter anderem sind da die Menschenrechte sehr wichtig. Unter deren Einfluss ist einer meiner harten Werte, den ich von meinen Eltern übernommen habe, das man Kinder nicht schlägt, auch keine ‚Gsunde Watschn‚. Da kann man jetzt sehr viele Begründungen anführen, aber ich halte das mal für selbstverständlich und für mich ist das einfach keine Option. Das ist also ein harter Wert.

Ein weicher Wert ist zum Beispiel rechter Konsum. Ich bemühe mich, wo es möglich ist, bio zu kaufen. Und falls es mal doch zu einer seltenen Ausnahme kommt, weil es auf der Raststätte oder so kein Bio-Brot gibt, dann ist das auch ok. Bei unserem Hörnchen haben wir das erste Jahr noch viel Energie aufgebracht, damit es von Süßigkeiten und dergleichen verschont blieb. Mittlerweile ist es einem weichem Wert gewichen. Wenn wir etwas Süßes essen, kann das Hörnchen auch gerne mitessen. Dadurch kostet es meist nur und ist dann wieder etwas Besseres/Gesünderes.

Wir sind der Meinung, dass man auch mit gutem Beispiel voran gehen muss. Da unsere Kinder uns im Normalfall nachzueifern versuchen, bringt man sie am leichtesten dazu sich gesund zu ernähren, indem man sich selbst gesund ernährt. Uupsi, „…ich bringe mein Kind dazu…“ jetzt sind wir doch schon erziehend. Musste ja so kommen.

Und dann gibt es noch unzählige situationsbezogene Ausnahmen, wenn es das Einfühlungsvermögen gebietet. Nicht immer heißt das, dass man nachgeben muss. Aber wenn unser Hörnchen emotional wird, dann soll das nicht verdrängt oder unterdrückt werden. Je nachdem hilft kuscheln oder die angedachte Entscheidung überdenken, Erklärungen oder vielleicht auch mal Ablenkungen.

Aber die eigene Bequemlichkeit darf nicht der Grund für eine Blockadehaltung werden. Aktuell sind wir mit unserem Miniwohnwagen an steirischen Seen unterwegs und ich kann es nicht glauben, was da manche Eltern ihren Kindern verbieten, mit an den Haaren – oder am Ego – herbeigezogenen Ausreden. Ich betone nochmal, man muss nicht alles mitmachen. Aber unsere Kinder wollen die Welt kennenlernen und sie können sich nur weiterenteickeln wenn sie auch was erleben dürfen.

Plitscher, Plätscher, Feder, Wasser mag doch jeder…

Diese Titelmelodie meiner gern gemochten Kindersendung Alfred Jodokus Kwak habe ich öfters mal im Ohr. Ich selber liebe das Element Wasser und könnte die heißen Sommertage gerne durchgehend im Meer oder einem schönen See verbringen. Auch unser Zwergal liebt es, wie fast alle Kinder, zu plantschen. Wasser übt einfach eine extrem große Anziehungskraft auf die Kleinen aus, was allerdings nicht bedeutet, dass diese auch gerne mit dem ganzen Körper im Nassen sind.

Da es die letzten Tage zunehmend wärmer wurde, fuhren wir spontan zu einem kleinen Fluss in der Nachbarortschaft. Hier gibt es einen Bereich, wo das Wasser über ein paar größere Steine in ein Becken plätschert und dieses natürliche Becken wurde künstlich vergrößert und auch befestigt, sodass man dort hineinspringen und gut darin schwimmen kann. In der Mitte hat sich eine große Sandbank – oder eher Kies- und Steinbank – aufgeschüttet, die quasi als Strand benutzt werden kann. 

Gestern waren wir vorerst die Einzigen dort, denn das Wasser ist sehr kalt und wird auch im Hochsommer nicht nennenswert warm, denn der kleine Fluss ist ja immer in Bewegung. Wir haben uns also in unsere Badesachen geschmissen und haben das vom Wasser faszinierte Hörnchen an einem Stück des Ufers abgestellt. Sofort wurde ins seichte Wasser gestampft, Steine hineingeschmissen und Gatsch herumgegraben. Auch wir Eltern sind abwechselnd in das kühle Nass gehüpft, um uns zu erfrischen. Dann gab es wieder allerhand mit dem Kind gemeinsam zu entdecken. Wir hatten es echt gemütlich, richtig idyllisch dort in der Natur.

Nach einer Weile hörten wir zuerst eine Autotür und darauffolgend Stimmen und uns war klar, dass wir Gesellsschaft bekommen würden. Ich sah eine Familie, zwei junge Eltern geschätzt Mitte Zwanzig mit einem 2-3 Jahre alten Buben und einem größeren Hund. Schon beim Betreten dieses wunderschönen Platzes wurde es laut, denn um auf die ‚Insel‘ zu kommen, muss man den an dieser Stelle knietiefen Fluss etwa zwei Meter durchqueren. Der Bub, fest an seine Mutter geklammert, fing an zu schreien, als er das Wasser sah. Es war kein richtiges Weinen, sondern eher ein ängstliches Eingeständnis, dass er mit dieser Situation gerade nicht einverstanden war. Der Vater stapfte als erster in das kalte Wasser um den Sohn zur Insel hinüber zu tragen. Da wurde das Schreien energischer, was von der Frau nur mit den Worten „Sei nicht so wasserscheu“ abgetan wurde. Da sie auch bei uns vorbeigingen, sagte toe zu dem weinenden Buben:“Musst ja nicht hinein gehen, ist eh viel zu kalt.“ Als alle vier auf der Sand/Kiesbank waren, beruhigte sich der Bub wieder. Allerding nur kurz. Denn danach folgte etwas, was wir als Eltern einfach nicht nachvollziehen können. Das Kind wurde gegen seinen Willen mit den Füßen ins kalte, seichte Wasser gestellt, was es erneut aufschreien ließ. Immer und immer wieder nahm der Vater seinen weinenden Sohn und stellte ihn ein paar Zentimeter weiter hinein, bis der Bub knietief drin stand. Von der Mutter kam eine gelegentliche Rüge, dass sich das Kind nicht so anstellen sollte…

Mittlerweile waren wir mit unserem Hörnchen ein Stück weiter spaziert und ich konnte nur mehr aus der Ferne, aber ganz ‚gespannt‘ vor Verwunderung beobachten, wie der Kleine ausgezogen und in eine Badehose gesteckt wurde, natürlich immer noch unter Protest. Der Vater startete seinen Versuch erneut und hob das Kind immer weiter ins tiefere Wasser, welches mittlerweile nicht nur schrie und weinte, sondern erstarrt vor Angst aus vollem Halse plärrte!! Dazu sagte der Vater noch etwas in einer anderen Sprache, ich konnte es zwar nicht verstehen, aber es klang nicht freundlich. An diesem Punkt sagte ich zu toe, der das Geschehen nur beiläufig mitbekam, wie leid mir der Bub täte und dass ich ihn gerne zu mir holen würde! Es tat mir wirklich im Herzen weh, was da passierte. Ich starrte nochmals rüber zu der Familie, da schaute mich die Mutter an und meinte zum Mann:“Schatzi es reicht, das Wasser ist zu kalt!“ woraufhin dieser nach einiger Zeit endlich aufhörte, das Kind in den Fluss befördern zu wollen.

Die Situation entspannte sich also wieder, denn der Bub durfte am Ufer in Ruhe mit den Steinen spielen. Er sagte kein Wort. Unser Zwergal war noch immer gut gelaunt, sammelte abgeschliffene Ziegelsteine und spielte mit zwei gefundenen Flaschen. Gemeinsam holten wir die größten Steine, die wir fanden und warfen sie ins Wasser, dass es nur so spritzte. Unser Spiel wurde abermals durch laute, befehlende Töne unterbrochen. Als ich wieder zu der Familie hinüberschaute, war es diesmal der Hund, der im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. Auch bei ihm versuchten die beiden Erwachsenen alles, um ihn in die Fluten zu bewegen. Hauptsächlich mit Körpereinsatz, aber auch mit Aufforderungen und Geschimpfe. Sie gaben erst Ruhe, als der Hund mal kurz mit dem gesamten Körper im Wasser war und danach natürlich das Weite suchte. Nebenbei gesagt, weder Mutter noch Vater haben den Fluss weiter betreten als bis zu den Knien!

Es dauerte nicht mehr allzu lange, ehe die vier den Badeort wieder verließen. Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf meine eigene Familie, dennoch konnte ich von der Mutter den Anfang eines Satzes an ihren kleinen Sohn hören, welcher lautete:“Schau, das Kind (also unser Hörnchen) ist noch viel kleiner aber….“

Ich bin keine dieser Personen, die sich gerne und leicht in den Mittelpunkt stellen. Auf der einen Seite bin ich dazu zu schüchtern, auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass ich mich nicht in Sachen einmischen sollte, die mich im Grunde nichts angehen. Abends haben toe und ich dieses Szenario vom Fluss nocheinmal revue passieren lassen und darüber gesprochen. Das Kind war ja nicht in akuter Gefahr, auch wenn es durch Machtmissbrauch und psychische Gewalt wahrscheinlich irgendwelche Folgen davontragen könnte. Dennoch habe ich nicht das Recht, die Erziehung anderer Menschen in Frage zu stellen und nur unseren Weg als den einzig Richtigen für alle hinzustellen. Klar, in meinen Augen war es von den Eltern nicht richtig, aber ebenso machen wir in den Augen Anderer einiges falsch. Es existieren hier wahrscheinlich so viele Meinungen, wie es Eltern gibt. Und das zu akzeptieren und gegenseitig zu respektieren finde ich wichtig, auch wenn ich am liebsten eingegriffen hätte! Doch wir können nicht die ganze Welt verändern, aber wir können bei uns selbst anfangen!

Habt ihr schon mal Ähnliches miterlebt? Wenn ja, wie seid ihr mit der Situation umgegangen?

Er oder sie?

Eigentlich egal oder? Immer wieder werden wir das gefragt. So klein wie das Hörnchen ist, ist der einzige Unterschied nur beim Windelwechseln feststellbar! Und wen interessiert das bitte ob ich eine Falte oder ein Zupfi reinige.

Cao und ich, wir sind ziemlich bunte Vögel. Farben machen das Leben froh und wir mögen viele Farben. Unser Hörnchen bekommt allerdings von uns normalerweise kein neues Gewand gekauft. Wir bekommen dankenswerterweise immer wieder gebrauchte Kleidung von Freunden  geschenkt oder geborgt. Und da ist uns das auch sehr egal, ob das von einem Kind mit demselben Geschlecht wie dem des Hörnchens stammt.

So Tussi-Prinzessinnen-Rosa-Zeugs bekommt das Hörnchen nicht, weil ich darauf sehr allergisch reagiere. Aber ein Außenstehender wird sich schwer tun, eine korrekte Schlussfolgerung von der Bekleidung auf des Hörnchens Geschlecht zu treffen.

Es kommen alle Farbtöne vor, von Orange, Rot über Lila zu Grün – ganz viel, weil meine Lieblingsfarbe – und Blau, wie Braun und Beige. Alles, die Strumpfhosen können auch schon mal Rosa sein, weil die eh meist überdeckt sind.

Aber dennoch, warum interessiert es Fremde, ob das Hörnchen ein Weiblein oder Männlein ist? Die Schublade ist noch lange Zeit irrelevant für uns. Nur bei der Namensgebung hat das bislang eine Rolle gespielt.

Wir kaufen auch nur sehr selten Spielzeug. Und wenn das vorkommt, dann darf das Hörnchen das eher selbst auswählen. Oder es sind Wimmelbücher, die uns gefallen.

Die Frage nach dem Geschlecht scheint mir das einzig oberflächlich interessante an Kindern zu sein. Schade. Stattdessen könnte man fragen, was das Kind zum Lachen bringt oder welche Kinderlieder vorgesungen werden. Oder ob es schon Muttermale oder Zähne hat. Keine Ahnung, irgendwas, das das Kind nicht schon in Rollen zwängt.

Aber wenn ich dann manche auschließlich in rosa gehüllte kleine Wesen sehe, dann frage ich mich. Ich frage mich einfach nur.