Archiv der Kategorie: Süd-Stmk

Sämtliches, das in der Süd-Steiermark angesiedelt ist.

Teilnahmslosigkeit und Fehlalarm

Nach langer, langer, viel zu langer Zeit war ich mal wieder laufen. Ich bin immer gern gelaufen, aber aufgrund meiner aktuellen Prioritätenliste … machte ich es seit fast drei Jahren nicht mehr.

Letzte Woche war es wieder soweit, es war kalt, es war früh Morgens, es war anstrengend. Und ich hatte Gelegenheit die Einheimischen in unserem neuen Wohnort zu beobachten.

Aha, ca. die Hälfte der Spaziergänger und Radfahrer grüßen freundlich zurück. Aha, die Hundeführer nehmen es mit Sauberkeit der öffentlichen Wege nicht sehr genau. Aha, die Autos müssen auch hier beim ersten Verdacht auf Sonnenschein sofort einer gründlichen Außenwäsche unterzogen werden.

Aahaaaa, die Selbstbedienungswaschanlage scheniert sich nicht vor 7 Uhr früh mit rotem Blinklicht und kreischender Sirene Aufmerksamkeit zu erhaschen. Naja, der Autowäscher wusch weiter, ich lief weiter, das Blinklicht blinkte weiter und die Sirene heulte weiter.

Was könnte wohl so wichtig sein, dass die Anlage am Wochenende einen Zuckaus erleidet, wenn das Waschen scheinbar noch einwandfrei funktioniert? Ob wohl ein Zwanzig Cent Stück zuviel eingeworfen wurde? Oder … … mir fällt nicht mal ein weiterer schlechter Scherz dazu ein.

Ich hoffe das Drum kann auch SMS verschicken oder hängt im Internet, sonst erleiden die umgebenden Nachbarn wohl bald Nervenzusammenbrüche oder akute Selbstentzündungsrisiken.

Hätte ich der Anlage Erste Hilfe leisten? Als IT-Techniker und ausgebildeter Ersthelfer muss ich dennoch feststellen, dass ich vermutlich nicht die richtige Frequenz einer Herzdruckmassage für Selbstbedienungsautowaschanlagen beherrsche. Und falls das bankomatähnliche Terminal einen Schlaganfall hatte, wollte ich nicht unbedingt das letzte Bild der Kamera sein, welches es möglicherweise in seinen letzten Überlebenszuckungen schießt.

Bitte versteht mich nicht falsch, helft Menschen in Not, habt Mitgefühl mit verletzten Tieren, lasst auch mal schöne Blumen einfach weiter wachsen. Aber bitte dreht keine Sirenen für wahrscheinlich irrelevante Maschinen auf.

Wir sind umgezogen

Nicht wie vielleicht einige vermuten werden im Digitalen, weil wir ja in letzter Zeit hier wenig von uns lesen haben lassen, sondern – wie man so neumodern sagt – im Real-Life.

Anders als geplant ist es keine Gemeinschaft im eigentlichen Sinne. Wir hatten nach wie vor das Problem, dass große gemeinschaftstaugliche Häuser außerhalb von Graz nicht an mehrere aber nicht-verwandte Mieter vermietet werden wollten.

Letztendlich haben wir 2 getrennte Wohnungen in einer „neuen“ Mietwohnungsanlage okupiert, nicht direkt nebeneinander aber schräg gegenüber. Wir sind also ganz ganz sehr nah, aber doch nicht zusammen.

Da es noch freie Wohnungen gibt, versuchen wir diese aktiv mit Veganern zu füllen. [teuflisches Gekicher] Feuerfrei für Verschwörungstheorien.

Ich hoffe, dass das unter anderem die nötige Energie liefert, wieder mehr Beiträge zu verfassen, denn Themen gäbe es ja genug. Momentan schaut es aber noch mager aus.

Achtsamkeit oder doch nur Ruhe-Tourismus

Unser Hörnchen ist meist sehr umgänglich, wenn wir unterwegs sind. Wutanfälle gibt es entwicklungsbedingt natürlich schon. Bisher sind diese eigentlich immer zuhause ausgebrochen.

Heute trafen wir uns zum veganen Stammtisch im TamanGa zum Brunch. Ein wirklich schöner Frühlingstag vom Wetter her und mehrere befreundete Familien waren auch da.

Naja, der Wutausbruch war heftig und lang. Wir saßen gerade in der Wiese als es losging. Und wie immer in solchen Situation hilft kein gut Zureden oder sonst was. Also warten wir und mit viel Geduld und Zuneigung erträgt es Cao. Als unsere Freunde dann woanders hingehen möchten, weil es ihnen schon zu warm wurde, sind wir in Richtung Auto gegangen.

Tja, da lehnt sich Christoph – der stellvetretende Chef und Autor des Buches über die Daseinszeit aus seinem Balkon und brüllte uns im derben Ton an, dass es hier ein Ruheraum sei und es jetzt dann reiche.

Ich verstehe, dass das TamanGa ein Seminarzentrum mit spirituellem Einschlag ist. Aber wenn sie dort auch Familien mit Kindern haben möchten, dann müssen sie damit umgehen lernen, dass Kinder nicht immer gute Zeiten haben.

Das ist halt so. Das Leben besteht nicht nur aus Harmonie. Kein Mensch wird erleuchtet geboren. Aus buddhistischer Sicht ist es ein langer und steiniger Weg bis jemand erwacht. Und ohne Einfühlungsvermögen ist dieser Weg nicht bis zum Ende beschreitbar.

Ich denke, das macht wirklich den Unterschied aus, ob sich so ein Seminarzentrum/Hotel nur die Achtsamkeitsfahne umhängt und eigentlich nur Ruhe-Tourismus bietet oder ob dort tatsächlich Achtsamkeit gelebt wird. Wenn eine Toleranzgrenze nach knapp 30-minütigem Geschrei und offensichtlichem Abzug der Familie schon berstet, dann behaupte ich, befindet sich derjenige nicht auf einem achtsamen oder spirituellen Weg.

Das muss natürlich nicht für alle Mitglieder der Gemeinschaft gelten, aber als Chef hat es nunmal eine gewisse Wirkung.

Pferdegnadenhof Edelweiss

Vor gut einem dreiviertel Jahr hörte ich das erste Mal vom Pferdegnadenhof Edelweiss, der nicht allzu weit von uns entfernt in Wildon, südlich von Graz, liegt. Gemeinsam mit Bekannten besuchten wir diesen an einem Wochenende. Wir erhielten auch eine kleine Führung, wo uns die Geschichte und Philosophie von dem Hof erzählt wurden.

Den Gnadenhof gibt es schon seit 2010, in Wildon allerdings erst seit 2016. Hier leben nicht nur Pferde, sondern auch Kühe, Esel, Hühner, Schweine, Hunde und Katzen, welche allesamt aus extrem misslichen Lagen gerettet wurden, sei es vor schlimmer Verwahrlosung, Gewalt oder dem sicheren Tod im Schlachthaus. Hier auf dem großen Grundstück mit Koppeln, offenen Gehegen, Pferdeboxen und Reithalle bzw. Reitplatz können die aufgenommenen Tiere ihr Leben in Ruhe verbringen. 
Um den Gnadenhof am Laufen zu halten, arbeiten hier täglich ehrenamtliche Mitarbeiter, welche sich um die Gebäude und die Pflege der Tiere und Ställe, sowie den Gemüseanbau im Garten kümmern. Auch jüngere Mitarbeiter – also Kinder und Jugendliche – arbeiten freiwillig und engagiert am Hof mit und können sich so um die Tiere kümmern und auch Verantwortung übernehmen.

Außerdem gibt es am Hof ein Cafe, in dem am Wochenende vegane Menüs, Burger, Wraps, Suppen, Salate und Mehlspeisen auf Spendenbasis angeboten werden, ebenfalls durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter zubereitet. Natürlich gibt es auch Kaffee und andere Getränke. Das Cafe Edelweiss wurde von den Mitarbeitern selbst aus Paletten gebaut und lädt zum Verweilen ein.

Um alles finanzieren zu können, veranstaltet der Gnadenhof Edleweiss immer wieder Feste, an denen Menschen den Hof und deren Tiere und Mitarbeiter persönlich kennenlernen und weiters durch Mitgliedschaften, Patenschaften oder Spenden unterstützen können. Zusätzlich gibt es einen Flohmarkt sowie hauseigene Produkte wie Brot, Kräutersalz, Pferdedünger und Jahreskalender, welche käuflich erworben werden können. Das Geld kommt der Verpflegung der Tiere, den Tierarztkosten, der Instandhaltung und dergleichen zugute.

Wir haben bereits ein paar vegane Stammtische dort abgehalten und ich kann den Besuch und die Unterstützung des Hofes nur empfehlen. Hier arbeiten Menschen in ihrer Freizeit ganz selbstlos für die Tiere und es gibt leckere vegane Köstlichkeiten! Das nächste Fest findet übrigens am 24.12.17 statt – es gibt ab 14 Uhr „Bescherung“ für die Tiere und Beisammensein mit (Kinder)punsch und veganen Keksen. 

Swing Kitchen Graz

Als wir noch in Niederösterreich gewohnt und uns zur veganen Lebensweise entschieden haben, hielten wir natürlich immer Ausschau nach Lokalen, die auch vegane Speisen in ihrer Karte anbieten und freuten uns natürlich ganz besonders über rein vegetarische oder sogar rein vegane Lokalitäten. 

Eines davon war der Schillinger in Großmugl, etwa 45 Autominuten von uns entfernt. Dies ist ein altes Gasthaus in einer kleinen Ortschaft, welches schon seit 1793 besteht. Es ist ein traditionelles Gasthaus, welches auch seit jeher traditionelle österreichische Küche anbietet. Seit Charly Schillinger, der jetzige Eigentümer und selbst bekennender Veganer, es von seinen Eltern übernommem hat, bestand die Hausmannskost weiterhin, allerdings in der veganen Alternative. Das heißt, man bekam beispielsweise Suppen, Schnitzel mit Pommes, Zwiebelrostbraten, Cordon Bleu, Kotelett, Gegrilltes, Burger, Nudeln, Auflauf und Gulasch in rein pflanzlicher Form. Und kreative, leckere Nachspeisen sowie selbstgemachte Eistees rundeten diese Gaumenfreude ab. 

Wir besuchten das Gasthaus regelmäßig in zeitlich größeren Abständen, da bei uns Hausmannskost eher selten auf den Tisch kommt und wenn, dann eben nur auswärts. Das gemütliche Dorfwirtshaus war immer gut besucht und wurde auch von ‚Allesessern‘ hoch gelobt, da die Speisen wirklich sehr schmackhaft waren! Umso überraschter waren wir, als wir erfahren haben, dass das Gasthaus Schillinger seit diesem Sommer geschlossen hat. Der Grund dafür ist jedoch nur eine Verlagerung der Prioritäten, denn neben dem Gasthaus hat die Familie Schillinger noch fünf weitere Lokale, die Swing Kitchens.

Und eine dieser Swing Kitchens hat vor kurzem in Graz in der Kaiserfeldgasse eröffnet. Ein rein veganes Fastfood Lokal, das auch auf Nachhaltigkeit schaut. So findet man hier kein Plastik, die Verpackungen wie Becher, Strohhalme, Dipschalen etc. bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen, sind CO2-neutral und werden kompostiert. Zusätzlich wird Wert auf Regionalität und Saisonalität sowie den Verzicht von Gentechnik gelegt, viele Zutaten sind biologisch und/oder fairtrade. Das Essen wird frisch zubereitet und ist cholesterinfrei, ballaststoffreich und enthält viele Vitamine, obwohl es ‚Junkfood‘ ist. Außerdem steht das Unternehmen für Fairpay und bezahlt die Angestellten überdurchschnittlich hoch.

Man kann aus einer Reihe an Burgern, Wraps oder Salaten auswählen, dazu gibt es Pommes, Zwiebelringe oder Nuggets mit verschiedenen Dips. Zum Trinken erhält man sowohl frischgepressten Orangensaft, als auch andere Säfte und Limonaden, unter anderem Swing Cola nach eigener Rezeptur. Nach dem Essen kann man sich einen bio&fairtrade Kaffee gönnen, für Naschkatzen steht eine Vitrine mit süßen Verführungen wie Tiramisu, Cheesecake, Muffins, Kuchen oder Doughnuts bereit. 

Bei unserem Besuch war das Lokal sehr gut besucht, die Angestellten freundlich und die Speisen extrem lecker. Die Wartezeit hält sich auch trotz vieler KundInnen in Grenzen. Der einzige kleine Nachteil sind die hohen Räume, welche den Lärmpegel ansteigen lassen, da es sehr hallt.

Die Swing Kitchen ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und auch wenn es mit dem traditionellen Gasthaus nicht vergleichbar ist und wir Fastfood eher selten essen, sind wir doch froh, den Schillinger jetzt in unserer Nähe zu haben! 

Gib mir ein Bussi, dann geb‘ ich dir das, sonst nicht.

Wir sind an einem Strandrestaurant bei einer ehemaligen Schottergrube, die jetzt als Badesee genutzt wird. Alles sehr modern und Lifestyle-lastig. Hier trifft sich alles was Rang und Namen in der Südsteiermark hat, zumindest deuten der Flair und die Jaguars und Porsches vor dem Eingang darauf hin.

Ein braun gebrannter Beachboy sitzt mit seiner strohblonden Tochter im angelandeten Baywatch Motorboot und ermahnt sie: „Gib mir ein Bussi, sonst bekommst‘ den Becher nicht!“ Als das kleine Mäderl nach dem begehrten Becher greift, zieht ihn der Vater weg und klärt die kleine über die Konsequenz auf: „Na dann nicht.“ Das Erpresserspiel wiederholt sich, bis der Sunny-Boy die Geduld verliert, dem hilflosen Mädchen einen Kuss aufdrückt und ihr den Becher in die Hand drückt.

Herzlichen Glückwunsch du Arsch. Du lehrst deiner Tochter, dass man – um etwas zu bekommen – einer Authoritätsperson seinen Körper überlassen muss. Wirklich gut durchdacht. 

Plitscher, Plätscher, Feder, Wasser mag doch jeder…

Diese Titelmelodie meiner gern gemochten Kindersendung Alfred Jodokus Kwak habe ich öfters mal im Ohr. Ich selber liebe das Element Wasser und könnte die heißen Sommertage gerne durchgehend im Meer oder einem schönen See verbringen. Auch unser Zwergal liebt es, wie fast alle Kinder, zu plantschen. Wasser übt einfach eine extrem große Anziehungskraft auf die Kleinen aus, was allerdings nicht bedeutet, dass diese auch gerne mit dem ganzen Körper im Nassen sind.

Da es die letzten Tage zunehmend wärmer wurde, fuhren wir spontan zu einem kleinen Fluss in der Nachbarortschaft. Hier gibt es einen Bereich, wo das Wasser über ein paar größere Steine in ein Becken plätschert und dieses natürliche Becken wurde künstlich vergrößert und auch befestigt, sodass man dort hineinspringen und gut darin schwimmen kann. In der Mitte hat sich eine große Sandbank – oder eher Kies- und Steinbank – aufgeschüttet, die quasi als Strand benutzt werden kann. 

Gestern waren wir vorerst die Einzigen dort, denn das Wasser ist sehr kalt und wird auch im Hochsommer nicht nennenswert warm, denn der kleine Fluss ist ja immer in Bewegung. Wir haben uns also in unsere Badesachen geschmissen und haben das vom Wasser faszinierte Hörnchen an einem Stück des Ufers abgestellt. Sofort wurde ins seichte Wasser gestampft, Steine hineingeschmissen und Gatsch herumgegraben. Auch wir Eltern sind abwechselnd in das kühle Nass gehüpft, um uns zu erfrischen. Dann gab es wieder allerhand mit dem Kind gemeinsam zu entdecken. Wir hatten es echt gemütlich, richtig idyllisch dort in der Natur.

Nach einer Weile hörten wir zuerst eine Autotür und darauffolgend Stimmen und uns war klar, dass wir Gesellsschaft bekommen würden. Ich sah eine Familie, zwei junge Eltern geschätzt Mitte Zwanzig mit einem 2-3 Jahre alten Buben und einem größeren Hund. Schon beim Betreten dieses wunderschönen Platzes wurde es laut, denn um auf die ‚Insel‘ zu kommen, muss man den an dieser Stelle knietiefen Fluss etwa zwei Meter durchqueren. Der Bub, fest an seine Mutter geklammert, fing an zu schreien, als er das Wasser sah. Es war kein richtiges Weinen, sondern eher ein ängstliches Eingeständnis, dass er mit dieser Situation gerade nicht einverstanden war. Der Vater stapfte als erster in das kalte Wasser um den Sohn zur Insel hinüber zu tragen. Da wurde das Schreien energischer, was von der Frau nur mit den Worten „Sei nicht so wasserscheu“ abgetan wurde. Da sie auch bei uns vorbeigingen, sagte toe zu dem weinenden Buben:“Musst ja nicht hinein gehen, ist eh viel zu kalt.“ Als alle vier auf der Sand/Kiesbank waren, beruhigte sich der Bub wieder. Allerding nur kurz. Denn danach folgte etwas, was wir als Eltern einfach nicht nachvollziehen können. Das Kind wurde gegen seinen Willen mit den Füßen ins kalte, seichte Wasser gestellt, was es erneut aufschreien ließ. Immer und immer wieder nahm der Vater seinen weinenden Sohn und stellte ihn ein paar Zentimeter weiter hinein, bis der Bub knietief drin stand. Von der Mutter kam eine gelegentliche Rüge, dass sich das Kind nicht so anstellen sollte…

Mittlerweile waren wir mit unserem Hörnchen ein Stück weiter spaziert und ich konnte nur mehr aus der Ferne, aber ganz ‚gespannt‘ vor Verwunderung beobachten, wie der Kleine ausgezogen und in eine Badehose gesteckt wurde, natürlich immer noch unter Protest. Der Vater startete seinen Versuch erneut und hob das Kind immer weiter ins tiefere Wasser, welches mittlerweile nicht nur schrie und weinte, sondern erstarrt vor Angst aus vollem Halse plärrte!! Dazu sagte der Vater noch etwas in einer anderen Sprache, ich konnte es zwar nicht verstehen, aber es klang nicht freundlich. An diesem Punkt sagte ich zu toe, der das Geschehen nur beiläufig mitbekam, wie leid mir der Bub täte und dass ich ihn gerne zu mir holen würde! Es tat mir wirklich im Herzen weh, was da passierte. Ich starrte nochmals rüber zu der Familie, da schaute mich die Mutter an und meinte zum Mann:“Schatzi es reicht, das Wasser ist zu kalt!“ woraufhin dieser nach einiger Zeit endlich aufhörte, das Kind in den Fluss befördern zu wollen.

Die Situation entspannte sich also wieder, denn der Bub durfte am Ufer in Ruhe mit den Steinen spielen. Er sagte kein Wort. Unser Zwergal war noch immer gut gelaunt, sammelte abgeschliffene Ziegelsteine und spielte mit zwei gefundenen Flaschen. Gemeinsam holten wir die größten Steine, die wir fanden und warfen sie ins Wasser, dass es nur so spritzte. Unser Spiel wurde abermals durch laute, befehlende Töne unterbrochen. Als ich wieder zu der Familie hinüberschaute, war es diesmal der Hund, der im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. Auch bei ihm versuchten die beiden Erwachsenen alles, um ihn in die Fluten zu bewegen. Hauptsächlich mit Körpereinsatz, aber auch mit Aufforderungen und Geschimpfe. Sie gaben erst Ruhe, als der Hund mal kurz mit dem gesamten Körper im Wasser war und danach natürlich das Weite suchte. Nebenbei gesagt, weder Mutter noch Vater haben den Fluss weiter betreten als bis zu den Knien!

Es dauerte nicht mehr allzu lange, ehe die vier den Badeort wieder verließen. Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf meine eigene Familie, dennoch konnte ich von der Mutter den Anfang eines Satzes an ihren kleinen Sohn hören, welcher lautete:“Schau, das Kind (also unser Hörnchen) ist noch viel kleiner aber….“

Ich bin keine dieser Personen, die sich gerne und leicht in den Mittelpunkt stellen. Auf der einen Seite bin ich dazu zu schüchtern, auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass ich mich nicht in Sachen einmischen sollte, die mich im Grunde nichts angehen. Abends haben toe und ich dieses Szenario vom Fluss nocheinmal revue passieren lassen und darüber gesprochen. Das Kind war ja nicht in akuter Gefahr, auch wenn es durch Machtmissbrauch und psychische Gewalt wahrscheinlich irgendwelche Folgen davontragen könnte. Dennoch habe ich nicht das Recht, die Erziehung anderer Menschen in Frage zu stellen und nur unseren Weg als den einzig Richtigen für alle hinzustellen. Klar, in meinen Augen war es von den Eltern nicht richtig, aber ebenso machen wir in den Augen Anderer einiges falsch. Es existieren hier wahrscheinlich so viele Meinungen, wie es Eltern gibt. Und das zu akzeptieren und gegenseitig zu respektieren finde ich wichtig, auch wenn ich am liebsten eingegriffen hätte! Doch wir können nicht die ganze Welt verändern, aber wir können bei uns selbst anfangen!

Habt ihr schon mal Ähnliches miterlebt? Wenn ja, wie seid ihr mit der Situation umgegangen?

ländliche Eitelkeit – Vorgarten’pflege‘

Durch die Windschutzscheibe beobachte ich wie die Menschen aufgrund der ersten Sonnenstrahlen des Frühlings aus ihren Höhl… ich meine Häusern kommen um die Vorgärten zu planieren und für die heurige Ausstellungssaison aufzuputzen.

Nun, ich muss nicht alles verstehen, was so mancheiner hübsch findet. Aber ich frage mich schon, warum die jährlich aufs neue ihr Kreuz ruinieren und Ressourcen in die gänzliche Neuerstellung des der-Straße-zugewandten-Fleckchens-Erde investieren. Abgesehen von Tratsch hat da keiner etwas davon. Die Natur muss wieder kämpfen um sich das Fleckerl wieder gesund zu machen. In Baumärkten ist im Moment die Hölle los, da traut man sich ja eigentlich eh nicht mehr hin. Und die Körperhaltung beim Auslöschen des vorgärtlichen Lebens wirkt auch nicht, als würde es den Ausführenden tatsächlich Freude bereiten.

Ich komme ja aus dem Marchfeld … Niederösterreich … dem Reich der Vorgärten. In der Steiermark hält man traditionell nicht viel davon, sich seinen Garten einzuzäunen. Früher hatte man die Zäune nur um das Vieh beisammen zu halten oder das Wild vom Gemüsegarten fernzuhalten. Vielen steckt das noch im Blut, aber einige werfen ihr Geld bereits den Gartenzaunherstellern in den Rachen. 

Nagut, wenn sie meinen. Eh schön, wenn sie sich endlich aus ihren Höhl… ich meine Häusern bewegen und nicht mehr vor dem Fernseher schlafen. Aber muss es ausgerechnet wieder Kahlschlag an der Natur sein für ein unnötiges kurzfristiges Farbenspiel von Hybridpflanzen, die nicht mal die Saison überstehen, sein? Mischkultur, so wie es die Großeltern noch machten, ist da nicht erwünscht. Mir scheint die Vorgärtenhalter stehen in einem Wettkampf mit Kriterien wie:

  • Ich replatziere jährlich x Kubikmeter Erde.
  • Ich setze jährlich x neue Blumen.
  • Ich hole mir jährlich x Spritzen gegen den Hexenschuss.
  • Und ich mache das um nur x Minuten/Jahr im Vorgarten zu sitzen.

Ja super, ich denke, heuer rechne ich nicht mal das Laub vom letzte  Herbst weg. Damit die Insekten und Pilze etwas zum Spielen und wachsen haben.

Energie der Sonne

Das Winkelbauerhaus steht, wie der Name schon sagt, in einem „Winkel“ oder auch Graben. Umgeben von viel Wald auf zwei Seiten und einem mal mehr und mal weniger steilen Berghang hinauf auf der anderen Seite. Und dann ist da noch die Seite, die Richtung Garten zeigt, welche allerdings nordseitig liegt. Ergo sind wir hier nicht nur ziemlich versteckt, sondern in den Wintermonaten auch ziemlich im Schatten. Denn, anders als im Sommer, steht die Sonne nicht so hoch, um über die hohen Bäume hinweg zu strahlen und um durch sie hindurch zu scheinen ist sie selten stark genug. So sind wir von Anfang Herbst bis Mitte Frühling quasi im Winterschlaf. 

Ich persönlich störe mich nicht sehr daran, denn wenn man die absolute Alleinlage umgeben von toller Natur um den damaligen Kaufpreis ergattert, nimmt man kleinere ‚Mängel‘ in Kauf. Außerdem gibt es oberhalb von unserem Grundstück einen geschotterten Weg, welcher zu einem kleinen bewiesten Platz führt, an dem es weder an direktem Sonnenlicht, noch an weitreichender Aussicht mangelt. Hier ist man absolut ungestört, die paar Male, an denen ich hier jemandem begegnet bin, kann ich an einer Hand abzählen.

Da der Frühling scheinbar mit lautem Gepolter an die Tür klopft, packte ich unser Hörnchen nur ein bisschen ein und wir marschierten los. Schon nach wenigen Minuten durch den kühlen, feuchten Wald spaziert später erreichten wir das angepeilte Ziel. Nur mehr einzelne Schritte trennten uns von den begehrten Strahlen. Seit langem spürte ich wieder diese Wärme, die sofort, wenn sie den Körper berührt in dessen Tiefe eintaucht und mich von innen her nährt. Die raue Waldluft änderte sich schlagartig zu einer lieblichen Brise. Die Vögel zwitscherten und ich konnte die Energie der Sonne augenblicklich spüren. 

Ich ging kurz in mich und genoss dieses wohlige Gefühl, sog die Wärme förmlich auf und besinnte mich der Sonne als enorm starke Kraft, die das Leben auf diesem Planeten ermöglicht.

Und so spazierten wir gemütlich den Weg entlang, untersuchten und warfen Steine, fanden und betrachteten Bockerl, zogen einen viel zu langen Stecken hinterher, wühlten in der Erde, kosteten vertrocknetes Gras und ließen es uns einfach gut gehen!

Aussicht bei Sonnenuntergang

Spazieren im Schnee

Das Hörnchen kuschelt sich im Tragetuch unter meiner Jacke fest an mich, während der Schnee unter meinen Stiefeln das vertrauteste Geräusch des Winters macht. Mit achtsamen Schritten versuche ich die Stabilität des Waldbodens zu erfühlen.

Ich folge Fußspuren. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand außer uns diesen Weg jemals genießt. Eine einzelne Spur löst sich  aus dem Pfad, zweigt in dieselbe Richtung, aber geht einzeln weiter. Vielleicht ist diese Seite des Weges bekannter, oder passt besser, fühlt sich womöglich stimmiger an. 

In Gedanken versunken und mit stetiger Achtsamkeit auf jeden Schritt, gehe ich meinen Weg weiter und bemerke:

Auch ich hinterlasse eine Spur.