Testament

Gestern hab ich ganz zufällig ein Lied von Sarah Lesch entdeckt, die damit den Protestsongkontest 2016 gewann. Es ist ein Song, der das Leben im derzeitgen System und daher die Zukunft unserer Kinder sehr kritisch betrachtet. Und weil mir das Lied und besonders der Text unter die Haut geht, mag ich es hier gerne verlinken und die Lyrics posten. Am besten kurz Zeit nehmen und selbst reinhören.

 

 

 

Auch du warst mal ein Kind und auch ich war mal klein
Und auch uns ham sie was erzählt
Und dann macht man das alles und versucht so zu sein
Und dann merkt man das einem was fehlt
Und dann verlernt man, sich richtig zu spüren
Oder man flüchtet sich in Kunst oder Konsum
Und während ihr fleißig Pläne macht
Lachen die Götter sich krumm
Lasst eure Kinder mal was dazu sagen
Hört ihnen richtig zu
Die spürn sich noch, die ham Feeling für die Welt
Die sind klüger als ich und du

Und denkt dran bevor ihr antwortet:
Ihr seid auch nur verletzte Kinder
Am Ende gibt’s wieder ganz neue Symptome, und ihr wart die Erfinder
Und dann sagt ihnen wieder, wie es richtig geht
„Werd erwachsen“ und „bist du naiv“
Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben
Die Götter lachen sich schief

Achtet auf Schönschrift und Lehrpläne
Und dass sie die Bleistifte spitzen
Zeigt ihnen Bilder von Eichenblättern
Während sie drinnen an Tischen sitzen
Und dann ackern und büffeln und wieder auskotzen
Und am Nachmittag RTL 2
Am Wochenende geht’s was Schönes kaufen, fertig ist der Einheitsbrei
Und jeder der sich nicht anpasst
Wird zum Problemkind erklärt
Und jede, die zu lebhaft ist
Kriegt ‘ne Pille damit sie nicht stört
Und damit betrügt ihr euch selber denn
Kein Kind ist ein Problem
Und all die Freigeister, all die Schulschwänzer
Nur Symptomträger im System

Doch bedenkt wenn ihr so hart urteilt:
Ihr seid auch nur gefangene Geister
Der Unmut wird immer lauter
Und die Lehrer schreien sich heiser
Empört euch, dass Hänschen nicht ist, was er sein soll
Sondern nur, wer er nunmal ist
Die Götter pullern sich ein vor Lachen
Und ihr denkt, dass ihr was wisst

Und wenn Hänschen dann Hans ist
Der eigene Kinder hat, denen er was erzählt
Dann merkt Hans und Kunz, und ihr vielleicht auch
Dass wieder irgendwas fehlt
Ihr habt Wünsche und Träume
Und rennt damit ständig an imaginäre Wände
Und jeder Wunsch den ihr euch erfüllt
Der ist dann halt auch zu Ende
Geht ihr nur malochen für erfundene Zahlen
Und wartet, bis die Burnouts kommen
Schmeißt euer Geld für Plastik raus
Um ein kleines Glück zu bekommen
Das Beste aus Cerealien und Milch
Noch ‘n Carport und noch ‘n Kredit
Und alle finden‘s scheiße aber alle machen sie mit

Ihr klugscheißert und kauft trotzdem
Und die Werbung verkauft euch für dumm
Und dann sitzt ihr vor neuen Flachbildfernsehern
Und meckert auf den Konsum
Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern weltfremd
Die Götter lachen sich krumm

Ihr Traumverkäufer, Symptomdesigner
Merkt ihr noch, was passiert?
Wer hat euch das Land und das Wasser geschenkt
Das ihr jetzt privatisiert
Ihr Heuchler, ihr Lügner, ihr Rattenfänger
Ihr Wertpapierverkäufer
Man hat euch Geist und Gefühl gegeben
Und doch seid ihr nur Mitläufer
Ihr großen, vernarbten, hilflosen Riesen
Ihr wart doch auch mal klein
Und jemand hat euch mit Schweigen gestraft
Und ließ euch darin allein
Und jetzt hört ihr nicht nur die Götter nicht lachen
Ihr hört auch ihr die Kinder nicht weinen
Und sagt ihnen weiter, es würde nicht wehtun
Ohne es so zu meinen
Macht ihr ruhig Pläne, ich steh am Rand
Ich sehe euch und ich bin nicht allein
Hinter mir stehen mehr und mehr Weltfremde
Die passen auch nicht hinein
Und jetzt wartet nicht auf ein versöhnliches Ende
Den Gefallen tu ich euch nicht
Kein Augenzwinkern, keine milde Pointe
Die das Unwohlsein wieder bricht
Irgendwann werden die Götter nicht mehr lachen
Und falls es mich dann nicht mehr gibt
Hinterlass ich ein Kind, das sich selbst gehört
Und dies unhandliche Lied

Der kleine Flohling

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung.

Vor beinahe 1,5 Jahren waren wir in Graz in einem kleinen Spielzeuggeschäft. Eigentlich wollte ich mir nur die Bücher für Kinder anschauen, welche zum Vorlesen geeignet sind. Doch diese „meine erste Vorlesebücher“ Reihen zu verschiedenen Themen sprachen weder uns, noch unser Kind an. Also schlenderten wir einfach herum und begutachteten und probierten diverses Spielzeug, bis mir toe von einem eben gesichteten Buch berichtete, dessen Cover mir bestimmt gefallen würde, da es gut zu uns passte.

Darauf abgebildet ist ein kleiner Wichtel in eigentlich menschlicher Gestalt, welcher im Wald steht und Natur und Tiere um sich hat. Kurzentschlossen kauften wir es und ich las es in den darauffolgenden Tagen zu Ende. Es ist ein 220 Seiten Buch mit einigen bunten Bildern. Es ist wohl für das Volksschulalter gedacht, aber eigentlich habe ich keine Ahnung und will auch nicht kategorisieren. Denn unser damals 2,5 Jahre altes Hörnchen fand ebenso Gefallen an dem Cover wie wir und so begannen wir mit dem Vorlesen, Kapitel für Kapitel. Schon bald wurde es zum wichtigsten Vorlesebuch und wurde etliche Male von vorne bis hinten oder einfach mittendrin durchgelesen.

Die Geschichte handelt von einem kleinen Littel, also eben dem Wichtel auf dem Buchcover, dessen Name Flohling ist. Er wohnt im Litteldorf und liebt den Wald und die Tiere. Er ist glücklich und zufrieden, allerdings der einzige Littel, der kein angeborenes Talent hat. Und um genau dieses zu entdecken, begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise.

Die Littel wohnen in einem kleinen Dorf im Wald, in dessen Mitte es einen Martplatz gibt, wo die Bewohner oft gemeinschaftlich zusammen kommen. Jeder hat wiegesagt ein Talent, es gibt Backlittel, Waschlittel, Kräuterlittel, Schutzlittel, Baulittel etc. und so kann sich jeder in die Gemeinschaft einbringen. Dadurch lebt das Volk autark, umwelt- und ressourcenschonend und in Frieden.

Daher hat nicht nur das Cover, sondern die gesamte Geschichte einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zu gerne würde ich in genau dieser Zusammensetzung in einer Gemeinschaft leben! Denn auch wenn es nur ein Märchen ist – genau so könnte und sollte gemeinschaftliches (Dorf-)leben stattfinden.

Letzten Herbst kam übrigens der zweite Teil raus – Weihnachten im Littelwald – wo es um so viel mehr geht, als nur um ein üppiges Weihnachtsfest.

Kurzes Update

Viel zu lange haben wir uns hier nicht mehr blicken lassen. Viel zu lange sind keine vernünftgen Beiträge mehr entstanden … Wir haben unseren Blog total vernachlässigt, weil wir uns einfach keine Zeit dafür genommen haben.

In den letzten ein bis zwei Jahren ist für uns gefühlt viel passiert. Wir haben viel Zeit und Energie in die Suche nach einer passenden Gemeinschaft bzw. neuen Wohnsituation gesteckt, sind umgezogen, haben unser Haus verkauft, davor sind wir mit unserem Campingbus zwei Monate durch einen Teil Europas gereist, haben alte Bekanntschaften gepflegt, ich erlebte eine weitere Schwangerschaft – in der es mir in den ersten drei Monaten nicht sehr gut ging – und mittlerweile sind wir mit Kind und Baby gut beschäftigt. Außerdem haben wir viel Energie in das Zusammenleben mit unserem Kind gesteckt! Es war wirklich nicht einfach, oft hatte ich das Gefühl, es dreht sich alles nur mehr um unser Kind und dessen extreme Gefühlsausbrüche. Ich war oft verzweifelt, verärgert, ausgelaugt und hatte absolut keinen Kopf dafür, meine Gedanken zu Papier zu bringen.

Außerdem habe ich festgestellt, dass ganz viele Menschen, deren Blogs ich mit Begeisterung verfolgt habe, sich auch immer mehr aus dem Netz zurück gezogen haben, um dem echten Leben mehr Raum zu geben.

Mittlerweile hat sich wiegesagt unsere Situation verändert und ich empfinde das als durchwegs positiv. Der Fokus hat sich verändert und dadurch auch die äußeren Umstände.

Ich empfinde es als sehr schade, dass wir so wenig geschrieben haben in letzter Zeit, doch es kam auch immer weniger Resonanz und ich hatte das Gefühl, wenn man die Beiträge nicht über SocialMedia Kanäle verbreitet, gehen sie schlichtweg unter.

Momentan hätte ich wieder Lust, Beiträge zu veröffentlichen, ich werde aber keineswegs sagen oder gar versprechen, dass wir wieder mehr und regelmäßiger schreiben. Unsere Themen betreffen natürlich großteils aufgrund unserer aktuellen Lebenssituation die Kategorien Elternschaft und kaum mehr Buddhismus oder Yoga. Auch das Thema Veganismus nimmt wenig Raum ein, da es für uns zur absoluten Normalität geworden ist. Außerdem funktionieren die Kommentare scheinbar nicht (obwohl diese in den Einstellungen aktiviert sind) was eine Interaktion mit den LeserInnen leider schwierig macht…

Alleingeburt

Fast drei Monate ist es schon her, dass unser Eulchen geschlüpft ist. Ich habe bereits einen fast fertigen Geburtsbericht, der sehr lang und ausführlich ist aber einfach nicht zum Ende finden will. Daher hier die Kurzfassung.

Schon bei unserem Hörnchen planten wir eine Hausgeburt, was leider in einem geplanten Kaiserschnitt endete, da ich keinen Arzt finden konnte, der mich als Erstgebärende mit einem Kind in BEL und Nabelschnurumschlingung bei einer spontanen Geburt begleiten wollte. Es war ein recht „schöner“ Kaiserschnitt in relativ ruhiger Atmosphäre, mit viel Zeit fürs Bonding und wir wurden immer über die nächsten Schritte aufgeklärt.

Als ich wieder schwanger wurde war uns klar: diesmal Hausgeburt! Allerdings gibt es in Österreich scheinbar nur eine handvoll Hebammen, welche eine Hausgeburt nach Kaiserschnitt begleiten. Ich hatte Kontakt zu fünf, welche mir alle abgesagt haben – entweder bereits ausgebucht, selbst in Karenz oder zu weit entfernt (alle fünf Hebammen hatten eine Anfahrtszeit von etwa zwei Stunden!).

Also blieb mir nur die Möglichkeit einer ambulanten Geburt mit Nachbetreuungshebamme. Doch mit fortschreitender Schwangerschaft wurde die Stimme in mir immer lauter und als ich mit meinem Mann über eine mögliche Alleingeburt redete, hat er es sofort als gute Option gesehen.

Die Geburt ging recht zügig, war sehr kraftvoll und intensiv aber nicht unbedingt schmerzhaft. Ich war alleine im Badezimmer und wusste zu keiner Zeit den Wehenabstand oder die Öffnung des Muttermundes. Mein Körper und unser Baby haben alles in ihrem eigenen Tempo gemacht, ich konnte mich voll auf mich konzentrieren und hatte zu keiner Zeit Bedenken. Es war das kraftvollste und intensivste Erlebnis und gleichzeitig fühlte ich mich, als wäre es das Normalste der Welt!

Gleich danach konnten wir uns als Familie kennenlernen und das Baby willkommen heißen und begutachten. Einige Stunden später sind wir noch zur Nachkontrolle ins Krankenhaus gefahren um uns danach zu Hause zu viert ins Bett zu kuscheln.

Obwohl mein Mann physisch nicht anwesend war – er ist mit unserem Kind in den Garten gegangen, da dieses nicht dabei sein wollte und ich mich ehrlichgesagt auch gestört fühlte – war er stets eine große Stütze! Er hat mich immer unterstützt und mir vollstes Vertrauen geschenkt, sodass ich auch selbst wirklich überzeugt war es alleine zu schaffen.

Allerdings finde ich es auch sehr schade, dass ich diesen Weg gehen „musste“. Vielen Frauen bleibt so ein wundervolles Geburtserlebnis verwehrt, da es zu wenig Unterstützung von Ärzten gibt und die Situation für Hebammen rechtlich recht kompliziert und schwierig ist. Und nicht jede Frau traut sich eine Alleingeburt zu.

Seit ich ein Kind hab – von Christoph und Lollo

https://youtu.be/OGe0jBgS3Ow

Seit ich ein Kind hab,
hab ich ne Jahreskarte für den Zoo.
Seit ich ein Kind hab,
hör ich klassische Musik im Radio.
Seit ich ein Kind hab,
kauf ich ständig Bio Lebensmittel ein.
Seit ich ein Kind hab,
lern ich nett zu meinen Mitbürgern zu sein.
Seit ich ein Kind hab,
lächeln mir wildfremde Menschen einfach zu.
Seit ich ein Kind hab,
mach ich Früchtekuchen statt Tiramisu .
Seit ich ein Kind hab,
geht’s mir immer bestens, vielen Dank.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich Augenringe und bin immer ständig krank.
Seit ich ein Kind hab,
pass ich nicht mehr in die engen Hosen rein.
Seit ich ein Kind hab,
spucke auf dem Arm und Rotz am Bein.
Seit ich ein Kind hab,
vertrag ich keinen Alkohol mehr.
Seit ich ein Kind hab,
respektiere ich Nichtraucher.
Seit ich ein Kind hab,
hasse ich Hundebesitzer.
Seit ich ein Kind hab,
hassen mich Hundebesitzer.

Seit dem ich ein Kind hab,
bekomm ich keine Osterhasen mehr, ich kauf sie selber und verpack sie, und dann schenke ich sie her.

Seit ich ein Kind hab,
sag ich nicht mehr Kot und Harn.
Seit ich ein Kind hab,
sag ich Kacki und Lulu.

Seit dem ich ein Kind hab,
verfluch ich Hello Kitty und ich hasse Winnetou.

Seit ich ein Kind hab,
glauben Leute dass man mir vertrauen kann.
Seit ich ein Kind hab,
schrei ich regelmäßig Autofahrer an.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich immer einen Haufen Obst im Haus.
Seit ich ein Kind hab,
kenn ich mich im Ikea aus.
Seit ich ein Kind hab,
hat mein Badewasser 37 Grad.
Seit ich ein Kind hab,
weiß ich welches Gasthaus einen Hochstuhl hat.
Seit ich ein Kind hab,
ekelt mir vor überhaupt nichts mehr.
Seit ich ein Kind hab,
liebe ich meinen Geschirrspüler.
Seit ich ein Kind hab,
denk ich was hat sich der Architekt gedacht.
Seit ich ein Kind hab,
frag ich mich welches Geräusch der Fuchs wohl macht.
Seit ich ein Kind hab,
seh ich ständig über all Gefahr.
Seit ich ein Kind hab,
krieg ich Mitleid vom kinderlosen Paar.
Seit ich ein Kind hab,
muss ich Igel überwintern.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich einen fetten Hintern.
Seit ich ein Kind hab,
weiß ich nicht mehr was nach 11 im Fernsehn ist, und brauche 3 mal so viel Strom und mache 10 mal so viel Mist.
Seit ich ein Kind hab,
sag ich mein Kind kann das schon, aha dein Kind kann das also noch nicht.
Seit dem ich ein Kind hab,
hab ich mich daran gewöhnt, dass es bei mir immer nach irgendetwas riecht.
Seit ich ein Kind hab,
laufen mir das Bier und die Kondome ab.
Seit ich ein Kind hab,
finde ich dass ich ein Recht auf einen Sitzplatz hab.
Seit ich ein Kind hab,
brauch ich meinen Wecker nicht mehr stelln.
Seit ich ein Kind hab,
benutze ich den Fahrradhelm.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich immer einen Grund früher zu gehn.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich keinen einzgen Horrorfilm gesehn.
Seit ich ein Kind hab,
muss Geschlechtsverkehr geplant werden.
Seit ich ein Kind hab,
vesretecke ich die Schokolade, denn
Seit ich ein Kind hab,
gehört mein Essen nicht mehr mir.
Seit ich ein Kind hab,
sag ich nicht mehr „ich“, ich sage nur noch „wir“
Seit ich ein Kind hab,
gehen alle meine Zimmerpflanzen ein.
Seit ich ein Kind hab,
steig ich ständig auf was drauf und in was rein.
Seit ich ein Kind hab,
fürchte ich den Herzinfarkt.
Seit ich ein Kind hab,
stehle ich im Supermarkt.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich in der Debatte eine Meinung, meine Mutter nimmt mich ernst und läd mich jeden Sonntag ein
und
Seit ich ein Kind hab,
muss ich ständig etwas tun und mein Kalender ist fürs ganze Jahr schon voll.
Seid dem ich ein Kind hab,
ramm ich Leute mit dem Buggy, alte Menschen finden mich trotzdem ganz toll.
Seit ich ein Kind hab,
bin ich glücklich und zufrieden, ja mein altes Leben geht mir niemals ab.
Und seit dem ich ein Kind hab red ich gerne über mich und ich beginne jeden zweiten Satz mit „seit ich ein Kind hab.“

Ein großer Zentner Wahrheit, ein bisserl Übertreibung und eine Prise Satiere. Wie so viele Lieder von dieser österreichischen Band trifft auch dieses den Nagel auf den Kopf.

Teilnahmslosigkeit und Fehlalarm

Nach langer, langer, viel zu langer Zeit war ich mal wieder laufen. Ich bin immer gern gelaufen, aber aufgrund meiner aktuellen Prioritätenliste … machte ich es seit fast drei Jahren nicht mehr.

Letzte Woche war es wieder soweit, es war kalt, es war früh Morgens, es war anstrengend. Und ich hatte Gelegenheit die Einheimischen in unserem neuen Wohnort zu beobachten.

Aha, ca. die Hälfte der Spaziergänger und Radfahrer grüßen freundlich zurück. Aha, die Hundeführer nehmen es mit Sauberkeit der öffentlichen Wege nicht sehr genau. Aha, die Autos müssen auch hier beim ersten Verdacht auf Sonnenschein sofort einer gründlichen Außenwäsche unterzogen werden.

Aahaaaa, die Selbstbedienungswaschanlage scheniert sich nicht vor 7 Uhr früh mit rotem Blinklicht und kreischender Sirene Aufmerksamkeit zu erhaschen. Naja, der Autowäscher wusch weiter, ich lief weiter, das Blinklicht blinkte weiter und die Sirene heulte weiter.

Was könnte wohl so wichtig sein, dass die Anlage am Wochenende einen Zuckaus erleidet, wenn das Waschen scheinbar noch einwandfrei funktioniert? Ob wohl ein Zwanzig Cent Stück zuviel eingeworfen wurde? Oder … … mir fällt nicht mal ein weiterer schlechter Scherz dazu ein.

Ich hoffe das Drum kann auch SMS verschicken oder hängt im Internet, sonst erleiden die umgebenden Nachbarn wohl bald Nervenzusammenbrüche oder akute Selbstentzündungsrisiken.

Hätte ich der Anlage Erste Hilfe leisten? Als IT-Techniker und ausgebildeter Ersthelfer muss ich dennoch feststellen, dass ich vermutlich nicht die richtige Frequenz einer Herzdruckmassage für Selbstbedienungsautowaschanlagen beherrsche. Und falls das bankomatähnliche Terminal einen Schlaganfall hatte, wollte ich nicht unbedingt das letzte Bild der Kamera sein, welches es möglicherweise in seinen letzten Überlebenszuckungen schießt.

Bitte versteht mich nicht falsch, helft Menschen in Not, habt Mitgefühl mit verletzten Tieren, lasst auch mal schöne Blumen einfach weiter wachsen. Aber bitte dreht keine Sirenen für wahrscheinlich irrelevante Maschinen auf.

Obwohl es die Medien anders behaupten … Gamer sind nicht isoliert

Im Gegenteil, man macht in vielen Computerspielen positive Erfahrungen über internationale Grenzen hinweg.

Ich spiele derzeit PUBG Mobile. Nachdem ich Streamern bereits Monate zuvor im Battle Royal Genre gefolgt bin, habe ich mit der Mobile Version auch selbst die Möglichkeit bekommen dieses reine Multiplayer-Spielgefühl zu erfahren.

Die Kommunikation mit den oft zufällig zusammen gewürfelten Teammitgliedern ist oft spärlich. Immerhin kann man sich die Farben einer nationalen Flagge beim Namen einblenden lassen. Manche nutzen auch das Mikro um sich mit den anderen zu unterhalten, ich bevorzuge Quickchat – das sind vorgegebene Textbausteine oder Freitext.

So habe ich heu…. – vor ein paar Wochen als der Beitrag entstand – mit Argentienern einen Rundensieg erkämpft, ohne dabei selbst einen gegnerischen Spieler aus der Runde befördert zu haben und mich zum Abschluss auch noch zu opfern, damit der letzte Gegner dessen Position verrät, während ich im Hotelbett in Belfast lag. Welcher 0-8-15 Fußball-Fan macht eine vergleichbare Erfahrung?

Klar gibt es viele andere Hobbies in denen Teamgeist und Körper und anderes trainiert werden. Aber vielleicht ist es wirklich in Zeiten von Trump, Putin, Brexit, Schwarz-Blau in Österreich und Kim sinnvoll, dass man weltweit leichtfertig zusammen spielt.

Argentinien, Mexiko, Kanada, Tschechien, Polen, Niederlande, Belgien, Deutschland, Türkei, Nigeria, Irak, Pakistan, Indien, China oder Japan – ganz egal.

heutiger Buddhismus und Tiere

Bereits vor einiger Zeit gab ein Vertreter von Dharma Voices for Animals bei einem Besuch den Startschuss für ein Überdenken der Mensch-Tier Beziehung innerhalb der buddhistischen Vertretung in Österreich. Seitdem finden Dialoge zwischen Buddhisten und anderen Personen, wie zB. dem Präsidenten des Bauernbundes statt.

Ich habe an so einem Dialog noch nicht teilgenommen, da sie nur in Wien stattfinden und mir das zu weit ist. Vor allem aber da ich das für ziemlich fruchtlos halte.

Meiner Meinung nach braucht man in der heutigen Zeit mit der einfachen Erreichbarkeit aller Lebensmittel weder Fleisch noch tierische Produkte essen. Als Buddhist erachte ich es als selbstverständlich meine Gewohnheiten die nicht heilsam sind mit der Praxis zu verändern. Das kann lange dauern, aber das Ziel sollte klar sein.

Dass die heutigen Bedingungen der Tierhaltung nicht heilsam sind, sollte eigentlich auch klar sein. Außer man haltet die Werbungen der Fleischindustrie für wahr. Also dass zB. Heumilch von diesen hübschen Kühen auf einer riesigen sonnigen Almwiese stammt. Das wäre allerdings überaus verblendet. Und dass der Ressourcenverbrauch für die verzehrte Menge an Fleisch einen mittlerweile untragbaren Umweltschaden nach sich zieht, kann man längst nicht mehr ignorieren geschweige denn verleugnen.

In diesem Sinne kann ich mir nicht vorstellen, was ein Bauernbundpräsident an konstruktiven Input liefern könnte. Das ist wohl ein heftiges Vorurteil meinerseits, aber dennoch kann ich mir wirklich nicht vorstellen, dass er – der offiziell die Lieferanten der Fleischindustrie vertritt und bestimmt auch solche verblendende Werbungen in Auftrag gibt – für ausschließlichen Gemüsekonsum argumentieren wird.

Ich frage mich, ob jemals Vertreter von Tierschutzvereinen wie VGT oder von veganen Gesellschaften wie VGÖ zu so einem Dialog eingeladen werden. Vorgeschlagen hatte ich es einmal per unbeantwortetem E-Mail.

Es gibt in der Gesellschaft wesentlich zu viel Verblendung und zu wenig Motivation diese aufzulösen auch in der buddhistischen. Außer uns habe ich in Österreich noch keine anderen veganen oder auch nur vegetarische Buddhisten kennen gelernt.

Ein High-Need Baby…

Toe und ich mögen es nicht, Menschen in Schubladen zu stecken. Denn das Problem dabei ist, sobald man jemanden in eine Schublade gesteckt hat, ist es sehr schwer, ihn da wieder raus zu bekommen. Gerade bei Babys und Kindern, die sich ja irgendwie ständig weiterentwickeln und verändern, sind solche Einteilungen kritisch zu betrachten.
Dennoch möchte ich heute über unsere Erfahrungen mit unserem mittlerweile zweieinhalbjährigen Kind schreiben. Es war ein langer Prozess, bis wir den Entschluss gefasst haben, auch öffentlich von unserem Kind als ‚high-need Kind‘ zu sprechen. Heutzutage, so empfinde ich es, hat fast jeder ein besonders besonderes Kind, das entweder hochsensibel, high-need, hochbegabt oder hyperaktiv etc. ist. Oft sogar mehreres davon gleichzeitig. Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, falls dies wirklich der Fall sein sollte! Und natürlich ist für alle Eltern der eigene Nachwuchs was ganz Besonderes. Worauf ich hinaus möchte ist lediglich die ständige Überbewertung des Kindes: Ist es am Nachmittag laut, rennt wild herum und möchte nicht still beim Esstisch sitzen, wird es als hyperaktiv bezeichnet. Wenn ein Baby sich in fremder Umgebung mit vielen Leuten unwohl fühlt und weint, muss es natürlich hochsensibel sein.

Oft wirkt es auch so, als wären wir Eltern nicht sehr stressresistent und normale kindliche Verhaltensweisen bringen uns schnell auf die Palme. Hierfür eine Art Ausrede zu haben, nach dem Motto:“ich bin so gestresst, mein Kind ist ja auch besonders schwierig“ ist wohl ein Weg, selber besser damit klar zu kommen.

Ich denke, ein Baby oder Kleinkind zu haben, ist auf alle Fälle stressig! Egal, welches Temperament es hat, es wird immer fordernde Situationen geben. Außerdem haben wir Eltern ja ganz unterschiedliche Stressresistenzen. Was für den einen eine Lapalie ist, kann für einen anderen ein Weltuntergang sein.

Ich hatte jedenfalls eine sehr entspannte und beschwerdefreie Schwangerschaft und eine recht stressfreie Geburt. Wir waren von Anfang an sehr gelassen, ich hatte keine Zweifel oder Ängste und wir haben uns naiverweise vorgestellt, dass man auch mit Baby sein altes Leben großteils weiterführen kann. Wir wollten die lässigen Eltern sein, die ihr Kind zur Meditation und zum Yoga mitnehmen würden, abends Freunde besuchen würden, während das Baby etwas abseits schläft und bei alltäglichen Situationen wie Einkaufen, Haushalt, Besuchen, Essen gehen usw. einfach dabei war. Schließlich kannte ich es auch nicht anders: die Kinder aus meiner Verwandtschaft waren recht ‚pflegeleicht‘ – haben fast immer und überall einfach geschlafen, wenn sie müde waren, ließen sich von den meisten Erwachsenen herumtragen und unterhalten oder lagen friedlich in ihrem Stubenwagen oder spielend auf der Spieldecke.

Jedenfalls waren Toe und ich von Anfang an sehr gefordert mit unserem Baby…

Hier hatte ich bereits einen langen Absatz geschrieben, warum unser Kind ein high-need Baby war und ist. Etliche Beispiele sind mir eingefallen, warum sich unser Zwergal beim Stillen der Bedürfnisse von den anderen, die wir kennen, unterscheidet. Doch das war keinesfalls, worauf ich hinaus wollte.

Denn das größte Problem, das ich dabei empfinde, ist die Tatsache, dass wir kaum Verständnis für unsere Situation erhalten! Selbst von Verwandten und Bekannten sowie Freunden kamen oftmals nur Sprüche oder Ratschläge, die uns – wenn auch nicht absichtlich und böswillig gemeint – das Gefühl gegeben haben, dass wir mit unserem Kind falsch umgehen. Dass wir es falsch ‚erziehen‘, verwöhnen, verhätscheln, nicht loslassen können. Ich habe in den zweieinhalb Jahren mit unserem Zwergal nicht einmal unterstützende Worte erhalten. Allerhöchstens mal abgedroschene Phrasen wie:“das geht auch irgendwann vorbei“. Aber keiner interessiert sich, warum wir es so machen, wie wir es machen. Warum unsere Art vielleicht eine andere ist oder warum wir – wie in vielen anderen Lebensbereichen auch – nicht den „konventionellen“ Weg gehen. Denn auch wenn man es nicht glauben mag, die schwarze Pädagogik, oder zumindest Teile davon, sind auch in der heutigen Zeit leider noch Gang und Gebe…

Mir fehlt es sehr, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Mir fehlt es, nicht bei jedem Gespräch auf diese Widerstände zu treffen. Und ich meine nicht online, sondern im wahren Leben. Zusätzlich zu unserem Kind raubt mir das wirklich wahnsinnig viel an Energie!

So, das musste nun endlich mal raus. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich ausdrücken konnte, was mich bedrückt…

Von der Selbstfindung zur Egoauflösung.