Selbstbewusstsein

Wenn ich so zurückdenke, war für mich eine selbstbewusste Person immer so eine, die gerne im Mittelpunkt stand, ohne dabei Gefühle wie Scham, Nervosität, Angst oder Hilflosigkeit zu verspüren. Schon als Kind wurde einem ja quasi eingetrichtert, dass Selbstbewusstsein etwas Gutes ist, das man sich so schnell wie möglich aneignen sollte, falls man nicht von Natur aus eine selbstbewusste Person war. Denn nur wer den Mut hat, sich und seine Fähigkeiten zu zeigen, wird es im späteren Leben mal zu etwas bringen…

Wikipedia sagt dazu:

Allgemein wird Selbstbewusstsein als „das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“ definiert.

Und dieses selbstsichere Auftreten nahm ich immer als ’sehr laut singen obwohl man keinen einzigen Ton trifft‘ oder ‚bei allem lauthals und überzeugt mitdiskutieren auch wenn man keine Ahnung hat‘ bis hin zu ‚enge Hosen tragen auch wenn die Oberschenkenkel sehr dick sind‘ wahr – was allessamt dann mit den Worten „Na die/der hat aber ein Selbstbewusstsein“ kommentiert wurde.

Doch wie so oft lehrte mich mein Kind etwas anderes bzw. ließ mich den Begriff des Selbstbewusstseins, der umgangssprachlich meiner Meinung nach so falsch verwendet wird, neu überdenken. Denn mein Kind ist sich – vermutlich wie die meisten anderen Kinder auch – sich seiner selbst und seiner Fähigkeiten bewusst! Es ist sich bewusst, von welcher Höhe es selber runter hüpfen kann, ob das Balancieren ohne sich anzuhalten möglich ist, wie schnell es bergab laufen kann ohne zu stolpern, wann es sich in einer neuen Umgebung von uns lösen kann, ob es schon bereit ist mit einer fremden Person zu reden, ebenso wieviel es tragen kann bevor es zu schwer wird usw.

Und das, was es (noch) nicht kann, kann es einfach (noch) nicht. Da werden keine theatralischen Szenen vorgespielt, um seine nicht vorhandenen Fähigkeiten stolz heraus zu posaunen. Das Kind weiß genau, wo diesbezüglich seine Grenzen sind. Davon sollten wir Erwachsenen uns auf jeden Fall etwas abschauen!

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Kannst du über deine Schubladen lachen?

Vor einiger Zeit habe ich irgendwie einen englischsprachigen Youtube-Channel entdeckt, der – wie ich finde – einige meiner Schubladen oder Egos ordentlich auf die Schippe nimmt. Einerseits übertreibt er manche Argumentationen so stark, dass ich vor Lachen platzen möchte, andererseits kritisiert er vorallem diejenigen Wichtigtuer, die einem aktuellen Trend oder einer Minderheit nur folgen um sich besser als andere hinstellen zu können.  

Das ergibt eine brisant sarkastische Mischung, welche jeden Aspekt deines Egos oder dessen Rollen anstachelt. Wer seine eigenen Schubladen testen möchte, dem versuche ich hier eine mich ansprechende Auflistung zu bieten.

Das letzte Video hat zwar keinen Bezug zu uns, aber es unterstreicht nochmals die Qualitäten des Youtubers. Denn er beantwortet eine Zuseheranfrage mit psychologischen Laien- oder Fachwissen (was weiß denn ich, wirkt jedefalls kompetent) aber auch mit offenem Herzen. Und daher finde ich das letzte Video wichtig für den Gesamteindruck.

Und an alle, die sich diese Videos angesehen haben:

  1. Hast du dich nass gemacht?
  2. Glaubst du, dass er das alles spielt, oder ist er doch auch ein bisschen so?

Jährlicher Lichterwahn

Ich frage mich, wie ich eines Tages dem Hörnchen erklären soll, warum die Menschen hier Adventbeleuchtung aufstellen. 

  • Ist es die Angst vor der erstarkenden Dunkelheit, welche versucht wird zu vertreiben?
  • Der Wille durch das Nachtleuchtenden den Sternenhimmel gänzlich zu verschleiern, um sich nicht mehr ins Bewusstsein zu rufen, wie klein man doch im Vergleich zum Universum ist?
  • Das Ego, das versucht durch eine individuelle Beleuchtungsstrategie dem Nachbarn dessen fehlende Kreativität vorzuführen?
  • Das Bedürfnis, seinen Mitmenschen aufzudrücken, wieviel Stromrechnung bezahlt werden kann?
  • Könnte es der Wunsch sein, die Umsatzzahlen des eigenen Stromanbieters zu steigern, um ihn im nationalen Ranking endlich auf Platz 1 von 5 zu sehen?
  • Womöglich doch gedankenloser Herdentrieb, ausgelöst durch den Frühen Vogel und der andauernden Konfrontation mit zielgerichteter Werbung?
  • Ist es Gewohnheit, weil seit Jahren alle Weihnachtsfilme und -serien durch Productplacement den Eindruck erwecken, die Häuser seien im Advent zu beleuchten?
  • Halten sie es gar für Brauchtum? „Ein guter <hier regionales Substantiv denken> hat immer schon im Dezember die Hütte abgefackelt.“
  • Oder is es einfach Unachtsamkeit und die Unfähigkeit gesellschaftliches Verhalten zu hinterfragen?

Wie auch immer. Möge der Konsum während der Feiertage nicht noch mehr Verteilungsungerechtigkeit in dieser Welt schaffen.

P.S.: Tibetische oder selbstgemachte bunte Fahnen schmücken ein Haus, ohne Strom zu verbrauchen.

Pferdegnadenhof Edelweiss

Vor gut einem dreiviertel Jahr hörte ich das erste Mal vom Pferdegnadenhof Edelweiss, der nicht allzu weit von uns entfernt in Wildon, südlich von Graz, liegt. Gemeinsam mit Bekannten besuchten wir diesen an einem Wochenende. Wir erhielten auch eine kleine Führung, wo uns die Geschichte und Philosophie von dem Hof erzählt wurden.

Den Gnadenhof gibt es schon seit 2010, in Wildon allerdings erst seit 2016. Hier leben nicht nur Pferde, sondern auch Kühe, Esel, Hühner, Schweine, Hunde und Katzen, welche allesamt aus extrem misslichen Lagen gerettet wurden, sei es vor schlimmer Verwahrlosung, Gewalt oder dem sicheren Tod im Schlachthaus. Hier auf dem großen Grundstück mit Koppeln, offenen Gehegen, Pferdeboxen und Reithalle bzw. Reitplatz können die aufgenommenen Tiere ihr Leben in Ruhe verbringen. 
Um den Gnadenhof am Laufen zu halten, arbeiten hier täglich ehrenamtliche Mitarbeiter, welche sich um die Gebäude und die Pflege der Tiere und Ställe, sowie den Gemüseanbau im Garten kümmern. Auch jüngere Mitarbeiter – also Kinder und Jugendliche – arbeiten freiwillig und engagiert am Hof mit und können sich so um die Tiere kümmern und auch Verantwortung übernehmen.

Außerdem gibt es am Hof ein Cafe, in dem am Wochenende vegane Menüs, Burger, Wraps, Suppen, Salate und Mehlspeisen auf Spendenbasis angeboten werden, ebenfalls durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter zubereitet. Natürlich gibt es auch Kaffee und andere Getränke. Das Cafe Edelweiss wurde von den Mitarbeitern selbst aus Paletten gebaut und lädt zum Verweilen ein.

Um alles finanzieren zu können, veranstaltet der Gnadenhof Edleweiss immer wieder Feste, an denen Menschen den Hof und deren Tiere und Mitarbeiter persönlich kennenlernen und weiters durch Mitgliedschaften, Patenschaften oder Spenden unterstützen können. Zusätzlich gibt es einen Flohmarkt sowie hauseigene Produkte wie Brot, Kräutersalz, Pferdedünger und Jahreskalender, welche käuflich erworben werden können. Das Geld kommt der Verpflegung der Tiere, den Tierarztkosten, der Instandhaltung und dergleichen zugute.

Wir haben bereits ein paar vegane Stammtische dort abgehalten und ich kann den Besuch und die Unterstützung des Hofes nur empfehlen. Hier arbeiten Menschen in ihrer Freizeit ganz selbstlos für die Tiere und es gibt leckere vegane Köstlichkeiten! Das nächste Fest findet übrigens am 24.12.17 statt – es gibt ab 14 Uhr „Bescherung“ für die Tiere und Beisammensein mit (Kinder)punsch und veganen Keksen. 

Und wenn der Tod nicht das Ende wär?

Was wäre, wenn es wirklich wissenschaftlich bewiesen werden könnte, dass es irgendwie nach dem Tod weiterginge? Der Film „Discovery“ zeichnet eine Welt in der genau das möglich ist und sich daraufhin Millionen Menschen das Leben nehmen. Ich vermute in der Erwartung, dass das ‚Leben nach dem Tod‘ besser oder leichter sei, als das laufende Leben.

Eigentlich habe ich schon einige Absätze geschrieben gehabt, in denen ich zu meiner christlich unreligiösen Vergangenheit aushole und einen Bogen zu meiner jetzigen buddh. geprägten Meinung spanne. Aber das habe ich schon oft gemacht und das interessiert keinen mehr oder ist eh schon bekannt.

Also schieße ich einfach mal drauf los. Ich halte es für verschwenderisch, sein Leben zu beenden, nur weil man die Aussicht darauf hat, dass danach etwas Anderes kommt. Ein jedes Leben ist kostbar, so kostbar wie jedes andere Leben auch. Auch wenn man Probleme hat oder sich hilflos fühlt, kann man noch immer die Zügel in die Hand nehmen und das machen, was einem glücklich macht oder den vorhandenen Umständen das Bestmögliche abgewinnen. Und wenn man dann eines natürlich Todes stirbt, dann erfährt man ohnehin, was danach kommt. Das kann einem ja keiner wegnehmen. Warum sollte man also die Chance verwerfen und eine Abkürzung nehmen, sodass man alles Schöne und Aufregende und alles Andere im Leben verpasst? 

Für Katholiken ist klar, dass sie in die Hölle kommen, wenn sie durch einen Selbstmord sterben. Angst als Druckmittel ist in theistischen Religionen beliebt. In der buddh. Lehre hingegen gilt ein menschliches Leben als besondere Chance, da man als Mensch am leichtesten aus dem ewigen Daseinskreislauf erwachen kann, was man dann Nibana bzw. Nirvana nennt. Durch einen Selbstmord verpatzt man sich die Chance sein Karma aufzulösen und wird quasi mit dem aktuellen Karma wieder geboren. Somit bringt ein Selbstmord eigentlich nichts, da es in der nächsten Existenz wieder genauso weitergeht, wie es zuvor aufgehört hat. Vielleicht noch ein bisserl schlechter, weil man durch das egoistische Ableben wahrscheinlich noch Leiden für andere Menschen auslöst und dadurch wieder mehr Karma anhäuft. 

Also, wie dunkel auch immer die Welt erscheinen mag, nimm es leicht, genieße es oder versuche das Beste daraus zu machen. Was danach kommt kann warten und läuft dir sicher nicht davon.

Sollten Buddhisten anderen Buddhisten helfen?

Seltsame Frage, oder? Was für jede Religion irgendwie selbstverständlich zu beantworten ist, muss ich mich hier in Österreich ernsthaft fragen. 

Mich hat ein e-Mail erreicht, dass ein buddh. Mönch (Theravada) aus Ruanda, Afrika, in Österreich ist um Asyl zu beantragen. Er ist ein Opfer des dortigen Genozids von 1994 und konnte seinen Hass und das Leiden durch Meditation und die buddh. Lehren sowie weiteren fernöstlichen Praktiken transformieren. Als er begann seinen Mitopfern zu helfen ihre Traumata zu verarbeiten, machte er sich in der Regierung Feinde, da er ganz offen über den Genozid sprach. Daher wurde er bald politisch verfolgt und muss mit lebensbedrohlichen Konsequenzen in seiner Heimat rechnen. 

https://vimeo.com/226441008

Eine UN Organisation, mit dem Ziel, für interreligiöse und -kulturelle Zusammenarbeit zu sorgen, hat ihm die legale Einreise nach Österreich ermöglicht, da hier ein internationales Event stattgefunden hat. Nachdem das Event geendet hat, hat sich aber der Schlammasel manifestiert. Dadurch, dass er legal und mit einem Visum eingereist ist, gehen die staatlichen Behörden davon aus, dass er sich bis zum Ablauf des Visums (4 Monate) selbst versorgen kann.

Naja, dass ein Mönch normalerweise keine umfangreichen Mittel und über kein Geld verfügt, ist der Tradition und dem kulturellen Kontext geschuldet. In vielen asiatischen Ländern ist der Winter nicht so kalt wie bei uns und die Menschen versorgen Mönche und Wanderasketen einfach so, ohne Fragen zu stellen. 

Im Westen geht das allerdings nicht so einfach, da finden wir schon irgendeinen Grund um weitläufig vorbeizuschauen. Naja, so auch im Büro der ÖBR, Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft, wo man ihn – ich versuche mich sachlich auszudrücken – mit einer Liste aller buddh. Zentren und Gruppen, Glückwünschen und einer ratlosen Mine verabschiedet hat. Ich sehe vollkommen ein, dass Flüchtlingshilfe nicht der Auftrag der ÖBR ist.

Aber meiner Meinung nach gibt es unzählige Buddhisten und andere Menschen, die einem hilfsbedürftigen Buddhisten helfen möchten, einfach so. Ganz egal, ob das menschenrechtlich geboten ist, in den Texten als verdienstvoll beschrieben wurde oder gänzlich unvoreingenommen der Fall ist. Ganz egal, ob der Hilfsbedürftige ein buddh. Mönch, Laie oder Wedernoch ist. Ein e-Mail an die Mitglieder der ÖBR – also alle offiziellen österreichischen Buddhisten – kostet praktisch nichts, kann aber ungemein viel bewirken. Ganz abgesehen davon, dass es einen buddh. Verein zur Flüchtlingshilfe – Schulterklopfer dafür hat sich die ÖBR in jeder Aussendung verliehen – gibt, der sich zwar am Ende diesen Jahres auflösen wird, aber bis dahin schon noch einiges bewirken könnte. 

Mich hat ein Freund des Hilfesuchenden, Sangharakkhita, durch Triratna erreicht. Scheinbar sind wir da für unsere Anwesenheit in Österreich schon bekannt. Jedenfalls stützt sich sämtliche Hilfe derzeit auf seinen entfernten Aufruf: https://www.justgiving.com/crowdfunding/sangharakkhita und dem, was ich erreichen kann. Naja, ich kenne ein paar Buddhisten, die seltsamerweise alle in finanziellen Schwierigkeiten stecken und eine Menge Christen, die ihr viel zu großes Haus lieber mit Dingen vollstopfen, als jemanden eine familiäre Unterkunft zu bieten. (Falls jemand, der von mir befragten sich damit angesprochen fühlt, naja, solange ich Niemanden gefunden habe, der ihn aufnimmt, müsst ihr es aushalten über einen Kamm geschert zu werden!) Unser Haus ist leider unausgebaut sogar für uns 3 langfristig zu klein. 

Ironie, dass es gerade die Adventzeit ist, als die hochträchtige Maria und ihr Josef keinen Einlass fanden. Sollt in unseren Breiten wohl jedem bekannt und aktuell sogar geläufig sein. Und damit habe ich mir einen Shitstorm von meinem seelenlosen Ego geschrieben und wünsche eine Adventzeit wie sie uns jedes Jahr heimsucht: aufdringlich, nach gesüßtem Alkohol stinkend, Nacht durchleuchtend Strom verbrauchend und vorallem stressig, um bloß das Wichtige im Leben zu vergessen. 

Was mir an der buddh. Bewegung Triratna so gefällt

Grundsätzlich kann man ja behaupten, der Buddhadharma sei farblos, also im Sinne von universell gültig, für jeden anwendbar. Allerdings kann der Dharma nicht ohne kulturellen Kontext transportiert werden. Ich meine, sowohl ganz allgemein gesprochen, dass man allein schon durch die Sprache in der man vom Dharma erfährt und in der man dessen Einsicht verarbeitet, eine nicht unwesentliche Färbung erhält, als auch durch welche Schule des Buddhismus der Dharma präsentiert wird. Im letzteren werden die Teilbereiche – sagen wir mal – mit einem bestimmten Spin versehen, was die charakteristischen Unterschiede sind, anhand derer man die buddh. Strömungen unterscheiden kann. Die tauchen den Dharm quasi Hals über Kopf in den Farbtopf. Dessen sollte man sich bewusst sein und das macht diese Religion oder Philosophie – je nach Perspektive – ja letztendlich auch spannend zu entdecken. 

Der stark überwiegende Teil der Buddhisten, die ich kennenlernen durfte sind zum Buddhismus konvertiert. Das ist leicht zu erklären, da – soweit ich weiß – es eigentlich überall so ist, dass Babies oder Kinder in eine Religion zwangsbeglückt werden. Individuell gesehen muss das nicht so sein, aber im allgemeinen ist das so, auch in buddh. Ländern. 

Zurückkommend auf meinen ursprünglichen Gedanken, möchte ich bewusst machen, dass wir europäischen konvertierten Buddhisten meist einen christlichen Hintergrund haben. Manche – wie auch ich – können erst durch den Dharma wirklich mit dem Christentum abschließen. Wobei es ja nicht die Lehren von Jesus Christus selbst sind, die innere Konflikte bei uns auslösen, sondern eher das Drumherum. Und das Drumherum kann einfach daran liegen, dass versucht wird eine Religion allen aufzuzwingen und als einzigen gesellschaftlichen Rahmen für das öffentliche Leben zu verwenden. Also wer sich zB Sonntags nicht beim ‚Gottesdienst‘ sehen lässt, über den kann man herziehen.

Und das kommt leider vermutlich auch mit allen Religionen vor, auch in den buddh. Ländern. 

Sangharakshita bezeichnet so etwas als ethnische Religion, die von sich aus noch keinen Raum für spirituelle Entwicklung liefert, sondern eher nur mal ein gemeinsames Weltbild erhaltet. Also quasi auch fast schon ein Todesurteil für die Lehre dieser jeweiligen Religion darstellt.  

Vor diesem Hintergrund gefällt mir an der buddh. Bewegung Triratna, dass die verschiedenen buddh. Schulen, welche alle ihren gefärbten Dharma transportieren, in deren Kontext betrachtet werden. Was für konvertierte Buddhisten selbstverständlich ist, da fast keiner von uns in der Kultur aufgewachsen ist, dessen Schule man sich vielleicht zugehörig fühlt. Wir können einen Blick von draußen auf die Lehre werfen und die Gemeinsamkeit entdecken aber auch die Vorteile der Unterschiede. 

Der Dharma ist universell, egal ob Nibana, Zen, Samadhi oder wie auch immer es bezeichnet wird oder welches Konzept es erklären soll. Die Idee, die Erkenntnis, welche wir erfahren, ist das einzige was zählt. Und für mich ist dieser – vielleicht etwas wissenschaftlich wirkender – Zugang, der passende. Ich folge dem Weg mit Karten, Wegweisern vorort, Reiseführern aus unterschiedlich Zeiten, Reiseberichten verschiedendster Autoren und meinen offenen Augen. Was mir hilft, das lehne ich nicht voreilig ab, nur weil mir die Farbskala vielleicht nicht passt. 

Für meine Praxis färbe ich mir den Dharma aber auch gerne und bewusst in meinen Farben ein, nicht aus Bequemlichkeit, sondern als Hilfsmittel. Buddhismus ist dein Werkzeug, nutze ihn, wie du ihn brauchen kannst, aber niemals halbherzig.

Bücher für frische Eltern

Warum ‚frisch‘? Naja, weil die aller meisten Eltern, die ich kenne, mit jungen Kindern doch näher um die 30 oder älter sind als um die 20 oder jünger. Daher erschien mir ‚Bücher für junge Eltern‘ irgendwie unpassend.

An sich haben wir schon zwei wertvolle Bücher für Eltern empfohlen. Aktuell lese ich wieder ein Buch, das einfach perfekt zu uns passt, uns erklärt was wir fühlen und bestätigt, dass es richtig ist. Das uns auch sagt, was das Hörnchen fühlt und dass es richtig so ist. 

Und irgendwie ergänzen sich diese 3 Bücher ideal:

  1. Die selbstbestimmte Geburt – sollte man vor oder während der Schwangerschaft lesen (ich habe auf die Schnelle keinen Beitrag von uns über das Buch gefunden, daher ein Link auf das Buch über Thalia)
  2. Beyond the Sling – sollte man spätestens in den ersten Monaten des Nachwuchses lesen
  3. Liebe und Eigenständigkeit von Alfie Kohn sollte man eigentlich schon vor dem ersten Geburtstag des Mini-Menschen gelesen haben

Tja, bei uns, besser spät als nie. Soweit ich gelesen habe, beschreibt das Buch, dass dein Kind ein eigenständiger Mensch ist, dem du mit deiner ganzen Aufmerksamkeit begleitest und respektierst. Je nach Entwicklung benötigt dein Nachwuchs mehr oder weniger Achtsamkeit. Spätestens bei Konflikten sollte man sich in die Perspektive des Kindes begeben damit man versteht, was den Konflikt ausgelöst haben könnte. Aber Auszeiten, Bestrafungen und auch Belohnungen sind keine hilfreichen Erziehungsmethoden. 

Ja, auch Belohnungen helfen nicht, dass ein Kind etwas aus eigenem Antrieb gut findet. Das war eine schwere Lektion für mein Ego, aber es stimmt schon, dass es einfach nur die andere Seite derselben Medaille ist. Dein Kind ist aber kein Hund und möchte auch nicht so trainiert werden. Kinder wollen sich entfalten, sich selbst und ihre Umwelt kennen lernen. Und weil wir ihnen das ermöglichen, können sie auch unsere Hilfe annehmen, um sich in dieser Welt zurecht zu finden. 

Bedingunslose Liebe ist der Schlüssel. Unsere Kinder sollen sich von uns geliebt fühlen, nicht kontrolliert oder bestraft wenn sie etwas falsch gemacht haben. Als Eltern sind wir der sichere Hafen, wo man angenommen wird, wie man ist. Und das bedeutet nicht, dass man mit Geschenken, Ablenkungen oder Belohnungen überhäuft wird. Eher zuhören und beobachten und zualler erst sein eigenes Verhalten – das der Eltern – korrigieren. 

Wir haben bereits die Erfahrung gemacht, mit noch frischeren Eltern als wir es sind, welche versuchen ihr Kind durch einen sehr strengen Ton und einem böse verzogenen Gesicht vor einer vermeindlichen Gefahrenquelle zu schützen. Aus der Sicht des Kindes verhindern dessen Eltern die Neugierde an einem nicht aktiven Schwedenofen, die vermeindliche Gefahrenquelle, zu stillen. Stattdessen scheint es, dass die Eltern jetzt plötzlich auch noch verärgert oder wütend sind. Kein Wunder, dass sich ihr Kind in dieser Situation, vielleicht auch noch in einer fremden und ungewohnten Umgebung, nicht mehr wohl fühlt.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kompliziert ausgedrückt. Jedenfalls gibt es bei dieser Familie nur eine Kochplatte, die noch außerhalb der Erreichbarkeit des Kindes liegt. Unser Hörnchen musste stattdessen bereits mit den ersten unterstützenden Schritten lernen, dass man sich an unserem Tischherd auch an allen Seiten verbrennen kann. Es dem Hörnchen schlichtweg zu verbieten, dem Herd in jeglicher Situation nahe zu kommen, wäre aus unserer Sicht nicht sinnvoll gewesen. Wissenschaftliche Statistiken aus dem Buch legen nahe, dass durch strenge elterliche Kontrolle und Maßregelung die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Kind in unserer Abwesenheit gerade das Verbotene tun wird. 

Das bestärkt uns, dass wir damals gefühlsmäßig richtig gehandelt haben. Wir haben das Hörnchen mit viel Einfühlungsvermögen vor den Gefahren gewarnt, gezeigt wie man die Risiken abschätzt, nicht-lebensbedrohliche Erfahrungen sammeln lassen und wenn es sich erschreckt oder verletzt hat, dann waren wir sofort mit tröstendem Verhalten zur Stelle. Nachdem es sich beruhigt hatte, konnten wir die Situation nochmal reflektieren und die Gefahren verbalisieren. 

Ich vertraue meinem Kind, dass es mittlerweile weiß, wie es sich bei einem Ofen, unabhängig davon ob darin ein Feuer brennt oder nicht, verhalten kann.

Veganes Kind und die erweiterte Familie

Vorab, per Definition isst unser Hörnchen nicht vegan, da menschliche Muttermilch von einem Säugetier stammt und somit nicht rein pflanzlich ist. Ganz egal ob die Mumi von einer sich vegan ernährenden Mutter stammt oder nicht. Es ist das gesündeste für das kleine Menschlein und für uns braucht es hier keinen Platz für das vegane Gütesiegel. 

Aber das heißt nicht, dass wir dem Hörnchen ansonsten etwas nicht Veganes geben wollen. Wenn es das mal kosten möchte, dann soll es das tun, aber wir werden das nicht besonders fördern, wegen den für Veganer bekannten Gründen. 

Ungünstigerweise sind in unserem erweiterten Familienkreis, also alle außer uns drei, die Veganen so spährlich gesäht wie Wassermelonen in der Sahara. Somit sind Verständnis und Rücksichtnahme relativ gering und dadurch unsere Motivation sich dem auszusetzen etwas abgängig.

Wir leben dem Hörnchen vor, dass man sich von Gemüse, Obst und Getreide gesund ernährt. Süßigkeiten gibt es auch, aber weder regelmäßig noch als Belohnung. Das Hörnchen kostet davon ein paar Bissen und für gewöhnlich verfliegt damit auch gleich das Interesse. Mumi ist ja auch viel viel besser.

Was mich dann an familiären Besuchen stört ist – abgesehen von der ewigen Rechtfertigungspflicht – dass die sich nicht-veganes und meist auch ungesundes Zeug kaufen und in unser Nest schleppen. Da liegt es dann achtlos herum und – weil sich das Hörnchen ja für alles interessiert – wird das dann versucht mit süßen Ablenkungen auszuweichen. 

Manchmal kotzt mich die Respektlosigkeit gegenüber unserem Lebensstiel einfach nur an. Wenn sie unser Zeugs essen, finden sie es immer köstlich und dennoch bringen sie ihren ‚Fraß‘ mit und wundern sich dann, das es zu einem Problem wird. Ich finde es weder witzig, wenn das Hörnchen absichtlich verwirrt wird, damit es das Interesse an etwas verliert, noch dass dafür Süßigkeiten als Belohnung eingesetzt werden.

Und letztens musste ich sogar ein halbes Burgerlaibchen am Kompost werfen, weil man das ja unbedingt vom Restaurant mitnehmen musste aber aus der Mikrowelle – ja sowas verwenden wir manchmal – schmeckt das natürlich nach altem Arsch und die Restmülltonne war nicht da, weil am nächsten Tag Abholung war. Und die fahren nur für uns nicht den Berg hinauf, deshalb müssen wir die Tonne fast einen Kilometer runter bringen.

Ja, sowas stört mich. Sollen sie Leichenteile essen oder geraubte entnaturalisierte Kuhmilch trinken, wenn es ihnen egal ist. Aber sie sollen uns damit verschonen.

Swing Kitchen Graz

Als wir noch in Niederösterreich gewohnt und uns zur veganen Lebensweise entschieden haben, hielten wir natürlich immer Ausschau nach Lokalen, die auch vegane Speisen in ihrer Karte anbieten und freuten uns natürlich ganz besonders über rein vegetarische oder sogar rein vegane Lokalitäten. 

Eines davon war der Schillinger in Großmugl, etwa 45 Autominuten von uns entfernt. Dies ist ein altes Gasthaus in einer kleinen Ortschaft, welches schon seit 1793 besteht. Es ist ein traditionelles Gasthaus, welches auch seit jeher traditionelle österreichische Küche anbietet. Seit Charly Schillinger, der jetzige Eigentümer und selbst bekennender Veganer, es von seinen Eltern übernommem hat, bestand die Hausmannskost weiterhin, allerdings in der veganen Alternative. Das heißt, man bekam beispielsweise Suppen, Schnitzel mit Pommes, Zwiebelrostbraten, Cordon Bleu, Kotelett, Gegrilltes, Burger, Nudeln, Auflauf und Gulasch in rein pflanzlicher Form. Und kreative, leckere Nachspeisen sowie selbstgemachte Eistees rundeten diese Gaumenfreude ab. 

Wir besuchten das Gasthaus regelmäßig in zeitlich größeren Abständen, da bei uns Hausmannskost eher selten auf den Tisch kommt und wenn, dann eben nur auswärts. Das gemütliche Dorfwirtshaus war immer gut besucht und wurde auch von ‚Allesessern‘ hoch gelobt, da die Speisen wirklich sehr schmackhaft waren! Umso überraschter waren wir, als wir erfahren haben, dass das Gasthaus Schillinger seit diesem Sommer geschlossen hat. Der Grund dafür ist jedoch nur eine Verlagerung der Prioritäten, denn neben dem Gasthaus hat die Familie Schillinger noch fünf weitere Lokale, die Swing Kitchens.

Und eine dieser Swing Kitchens hat vor kurzem in Graz in der Kaiserfeldgasse eröffnet. Ein rein veganes Fastfood Lokal, das auch auf Nachhaltigkeit schaut. So findet man hier kein Plastik, die Verpackungen wie Becher, Strohhalme, Dipschalen etc. bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen, sind CO2-neutral und werden kompostiert. Zusätzlich wird Wert auf Regionalität und Saisonalität sowie den Verzicht von Gentechnik gelegt, viele Zutaten sind biologisch und/oder fairtrade. Das Essen wird frisch zubereitet und ist cholesterinfrei, ballaststoffreich und enthält viele Vitamine, obwohl es ‚Junkfood‘ ist. Außerdem steht das Unternehmen für Fairpay und bezahlt die Angestellten überdurchschnittlich hoch.

Man kann aus einer Reihe an Burgern, Wraps oder Salaten auswählen, dazu gibt es Pommes, Zwiebelringe oder Nuggets mit verschiedenen Dips. Zum Trinken erhält man sowohl frischgepressten Orangensaft, als auch andere Säfte und Limonaden, unter anderem Swing Cola nach eigener Rezeptur. Nach dem Essen kann man sich einen bio&fairtrade Kaffee gönnen, für Naschkatzen steht eine Vitrine mit süßen Verführungen wie Tiramisu, Cheesecake, Muffins, Kuchen oder Doughnuts bereit. 

Bei unserem Besuch war das Lokal sehr gut besucht, die Angestellten freundlich und die Speisen extrem lecker. Die Wartezeit hält sich auch trotz vieler KundInnen in Grenzen. Der einzige kleine Nachteil sind die hohen Räume, welche den Lärmpegel ansteigen lassen, da es sehr hallt.

Die Swing Kitchen ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und auch wenn es mit dem traditionellen Gasthaus nicht vergleichbar ist und wir Fastfood eher selten essen, sind wir doch froh, den Schillinger jetzt in unserer Nähe zu haben! 

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Von der Selbstfindung zur Egoauflösung.