Alleingeburt die zweite

Im Sommer 2021 saßen wir im Schatten unterm Kirschbaum und ich spürte, dass etwas anders war – ich war schwanger mit unserem dritten Kind.
Für mich war von Anfang an klar, dass ich wieder eine natürliche, interventionsfreie Geburt zu Hause haben wollte wie bei unserem zweiten Kind und mein Mann unterstützte mein Vorhaben. Diesmal wollte ich mir wieder eine Hausgeburtshebamme suchen, hauptsächlich aus dem Grund, um keine Probleme mit der Geburtsanzeige und den Dokumenten zu haben. In Österreich ist eine Alleingeburt nämlich verboten – man muss eine Hebamme dabei haben – und beim letzten Mal war es, abgesehen von den Anschuldigungen und Unterstellungen der Ärzte (wir sind damals Stunden später doch noch zur Nachkontrolle ins KH gefahren und auf Revers wieder nach Hause, da die Plazenta noch nicht geboren war) und einer Meldung „meines Falles“ bei den Sozialarbeitern, sehr mühsam und langwierig, die korrekt ausgefüllten Dokumente wie Geburtsurkunde, Meldezettel, Staatsbürgerschaftsnachweis etc. für unser Baby zu bekommen.
Deshalb war mein Plan, offiziell alles für eine Hausgeburt vorzubereiten, die Hebamme dann aber erst anzurufen, wenn das Baby schon auf der Welt ist.
Doch wie auch beim letzten Mal sollte mein Plan nicht aufgehen. Denn, und das ist scheinbar den meisten (wie zuvor auch mir) nicht bekannt, ist es in Österreich auch gesetzlich verboten, nach einer Sectio oder anderen OP an der Gebärmutter zu Hause zu gebären. Somit sagten mir alle angefragten Hausgeburtshebammen in meinem Umkreis ab und ich stand (wieder) alleine da.
Da ich sowieso eine Alleingeburt geplant hatte, bereitete mir das kaum Sorgen. Eine Hausgeburtshebamme bot mir sogar an, nach der Alleingeburt zu mir zu fahren um die Geburt offiziell zu bestätigen – allerdings sollte ich ihr dafür die Rufbereitschaft zahlen, welche mir mit 800€ für eine Unterschrift einfach zu teuer war.
Somit weihte ich meine liebe Nachbetreuungshebamme in mein Vorhaben ein und sie fand sogar eine Kollegin, welche bereit war, die notwendigen Formulare kostenfrei für uns zu unterschreiben.

Diese dritte Schwangerschaft lief so nebenbei her im Familienalltag mit zwei kindergartenfreien Kindern, was ich allerdings als sehr stimmig und natürlich empfand. Dennoch nahm ich mir immer wieder kleine Auszeiten, wo ich mich ganz bewusst mit dem Baby verband, den Bauch streichelte, die Tritte an der Bauchdecke beobachtet, bewusst Yoga machte und abends hörte ich mir gelegentlich Schwangerschaftsmeditationen an.
Ich war voller Vorfreude auf die Geburt und schon sehr neugierig, wie es diesmal sein würde. Bei der vorigen Geburt hatte ich gewisse Vorstellungen, wie beispielsweise ruhige Musik, Kerzenlicht, Familie um mich herum und es kam ganz anders. Deswegen war ich diesmal total unvoreingenommen. Trotzdem hatte ich immer wieder ganz intuitiv den Gedanken, dass die Geburt 2 Stunden dauern würde. Das war kein bewusster Gedanke oder eine Affirmation. Er tauchte einfach immer wieder spontan auf. Und ich träumte, dass das Baby abends zur Welt kommen würde.

Es war an 41+3, einem Mittwoch, als ich aufwachte und ein Ziehen im Unterleib verspürte. Keine richtigen Wehen aber ich bemerkte Veränderung und hatte schon eine gewisse Vorahnung. Der Tag verlief trotzdem recht ruhig. Immer wieder spürte ich dieses Ziehen, etwa 5 Mal über den Tag verteilt, das in keinster Weise regelmäßig war. Darum hatten wir am späten Nachmittag auch noch Besuch von Freunden, die gerade in der Nähe zu tun hatten. Als sie sich verabschiedet hatten – circa 3,5 Std vor der Geburt – überkam mich das Bedürfnis, unser jüngeres Kind langsam bettfertig zu machen. Ich legte mich also nach dem Abendessen mit unserem Kind ins Bett und breitete ganz spontan noch eine saugfeste Unterlage auf meinem Schlafplatz aus. Keine 5 Minuten später – unser Kind war gerade eingeschlafen – machte sich das Baby mit einem Tritt bemerkbar, ich hörte ein leises ‚Knack‘ und zwischen meinen Beinen wurde es warm. Die Fruchtblase war geplatzt.
Ich stand auf und wusste, jetzt geht es gleich los mit intensiven Wehen. Also ab ins Bad, wo mein Mann und unser älteres Kind gerade duschten und Zähne putzten. Nach einer kurzen Erklärung, dass das Baby heute auf die Welt kommen wird und ich etwas Ruhe dafür bräuchte, verschwanden die beiden mit einem Buch ins Nebenzimmer.
Ich musste Blase und Darm entleeren, dabei spürte ich schon Wehen, die sehr schnell regelmäßig und intensiv wurden.
Immer wieder schauten mein Mann und unser Kind zu mir, fragten nach, wie es mir geht, brachten mir Getränke und ließen mich dann wieder alleine. Da es im Badezimmer sehr warm war, zog ich mich nackt aus, konzentrierte mich auf die Wehen und während der Wehenpause rief ich meinen Mann, welcher die Eingangstür öffnete und mir kalte frische Luft im Vorzimmer zukommen ließ (unser Badezimmer hat leider kein Fenster). Danach verschwand ich wieder allein ins Bad.
Ich wechselte mehrmals vom Klo zum Waschbecken, auf welches ich mich abstützte oder blieb aufrecht stehen und zog abwechselnd das linke und das rechte Bein an, weil mir das einfach Erleichterung brachte. Kein einziges Mal schaute ich auf die Uhr, ich wusste also weder die Uhrzeit noch den Abstand der Wehen, noch tastete ich nach dem Muttermund. Ich spürte nur, dass die Wehen schnell kamen und dieser Druck bzw. diese unheimlich starke Kraft wirklich enorm war. Schmerzen in dem Sinn hatte ich nicht aber mit dieser Kraft umzugehen, erforderte volle Konzentration und Zentrierung.
Ich wartete ein wenig auf das Gefühl des „Nicht-mehr-wollens“, welches in der Übergangsphase anscheinend oft vorkommt, es kam aber nicht wirklich. Stattdessen war ich extrem überrascht, als ich bei einer Wehe, bei der ich gerade am Klo saß und bei welcher sich auch der Schleimpfropf löste, den Drang verspürte zu pressen.
Ich kniete mich daher auf den Boden auf eine weiche Unterlage, stützte mich mit meinen Händen ab und schob mit. Dabei stöhnte ich recht laut, allerdings nicht aus Schmerz sondern einfach, um diese starke Energie aus mir raus zu lassen.
Zwischen den Presswehen konnte ich gut entspannen. Ich hatte diesmal einen wirklich starken Druck aufs Steißbein und einen heftigen Drang zu pressen. Ganz genau spürte ich, wie der Kopf des Baby sich den Weg durchs Becken bahnte, an meinen Scheidenausgang drängte und als ich mal mit der Hand griff, spürte ich diesen tatsächlich schon. Er rutschte allerdings wieder etwas zurück, es dauerte dann noch eine weitere Presswehe, der Kopf wurde geboren. Schnell rief ich nach meinem Mann und bat ihn, unserem älteren Kind bescheid zu geben, welches neugierig und freudig, wenn auch etwas zurückhaltend, näher kam. Das Baby hörte ich schon schmatzen, da überkam mich eine letzte Wehe und sein Körper flutschte direkt in meine Arme. Ich war überfüllt von Freude und es war ein herrliches Gefühl, es alleine geschafft zu haben! Mein Mann schaute schnell auf die Uhr – es war 2 Stunden nach dem Blasensprung – da hörte er unser jüngeres Kind im Bett weinen und holte es zu uns.
So konnten wir alle gemeinsam das Baby begrüßen und willkommen heißen! Wir machten es uns auf der Wohnzimmercouch gemütlich, die großen Geschwister haben das Baby begutachtet, gestreichelt und gekuschelt.
Kurz darauf empfand ich das Sitzen als schmerzhaft, da ich wieder einen Druck verspürte – die Plazenta wollte geboren werden. Daher schnitt mein Mann gemeinam mit den beiden Kindern die bereits auspulsierte Nabelschnur durch und ich hockte mich im Badezimmer nochmals auf den Boden. Die Plazenta kam etwa 15 Minuten nach der Geburt ganz einfach mit einmal Pressen raus.
Zurück auf der Couch nuckelte das Baby sofort problemlos an meiner Brust und genoss die erste Milchmahlzeit, während die Geschwister mitkuschelten und mein Mann das Badezimmer säuberte und Wäsche wusch.
Bald darauf waren alle sehr müde, ich brachte die zwei Großen ins Bett, richtete mir auf der Couch ein gemütliches Plätzchen und kuschelte mich mit dem neugeborenen Familienmitglied unter eine Decke. Schlafen konnte ich zwar nicht aufgrund von Hormonrausch und Nachwehen, aber ich konnte diese intensive erste Zeit zu Hause auf der eigenen Couch extrem genießen!

Für mich ist Geburt etwas so Kraftvolles, ich wusste früher nicht, dass diese Erfahrung so bestärkend sein kann und mich ein Stückchen weiter zum Kern meines wahren Seins führt!

Es ist nicht alles Gold was glänzt…

Vor zwei Jahren sind wir ins Schloss gezogen, haben unser kleines feines Bauernhäuschen beim Wald mit der riesigen Wiese hinter uns gelassen. Wir hatten das gefunden, was wir gesucht hatten: einen kleinen Wohnbereich in der Natur mit anderen Menschen und Famlien und vielen Gemeinschaftsflächen. Von Anfang an haben wir versucht, Gemeinschaft auch zu leben. Wir haben mit anderen Familien zusammen gegessen, regelmäßige Stammtische veranstaltet, einen gemeinsamen Gemüse- und Beerengarten angelegt, gemeinsame Unternehmungen getätigt, eine Werkstatt eingerichtet, uns digital vernetzt und ausgetauscht etc. Zumindest die paar Familien und BewohnerInnen, denen das zugesagt hat. Mittlerweile begrenzt sich das „Gemeinschaftsleben“ meist nur auf die Treffen im Garten, weil die Kinder miteinander spielen. Es gibt zwar noch die Hühnerhaltung, welche uns als Veganern nicht zusagt und wöchentliches Yoga, das abends stattfindet – zu einer Zeit, die es mir als Mama dzt. nicht möglich macht, daran teilzunehmen.

Dafür werden Entscheidungen vermehrt alleine getroffen, wo sie doch alle MieterInnen betreffen würden. Aber das für mich größte Problem ist, dass wir zu verschieden sind. Man könnte jetzt meinen, kein Problem nach dem Motto „Leben und leben lassen“. Doch wie kann mir etwas gleichgültig sein, wenn beispielsweise die Nachbarskinder Tierquälerei lustig finden, absichtlich die Hühner jagen um sie zu streicheln (eines ist danach tatsächlich mal tot umgefallen!) oder kaum andere Beschäftigungen finden als Kämpfen und Gewalt – keine kindliche Gewalt als Folge von Auswegslosigkeit sondern drohende, erzieherische Gewalt wie Hintern versohlen und Ohren lang ziehen und mit Waffen töten, was auch teilweise auf unser Hörnchen abfärbt. Andere lassen das Kleinkind stundenlang schreien, toben und verzweifelt nach Mama rufen, damit es endlich durchschlafen lernt. Oder ein anderes Thema bezüglich Umwelt: selbst der einfachste Müll kann nicht in die richtige Tonne geschmissen werden, weil manche nicht nachdenken oder es ihnen egal ist, ich weiß es nicht.

Ich bin (leider) der Typ Mensch, der solche Unstimmigkeiten als belastend empfindet und nach mehrmaligem Ansprechen/Bereden ohne Änderung schnell resigniert. Hinzu kommt, dass der Vermieter eigentlich ein geldgieriger Sack ist und es nicht der Mühe wert findet, die desolaten Wohnungen seit zwei Jahren auf Vordermann zu bringen. Dafür müssen wir uns mit extrem hohen (Betriebs)Kosten, einem falsch installierten Heizungssystem, undichten Fenstern, einen schimmeligen Keller etc. abfinden. Weder Vermieter noch Hausverwaltung kümmern sich aktiv und durch Auskunft von Stellen wie Arbeiterkammer, Mieterschutz usw. ist es schwer bis unmöglich, dem nachzugehen ohne vor Gericht zu ziehen… Wir haben also resigniert.

Mich zieht es also ganz stark wieder zurück. Nicht direkt zum alten Haus, sondern in ein privates Umfeld, wo wir wieder wir selbst sein und tun und machen können was und wie wir es wollen. Wo wir nach unserer Überzeugung leben können.

Ich bin allerdings sehr sprunghaft, denn ich weiß nicht, wie wir dorthin zurück finden. In besagten zwei Jahren sind wir etwas „vom Weg abgekommen“, haben aus der Erschöpfung heraus oftmals genossen, dass es einfache, bequeme Wege und Möglichkeiten gibt, auch wenn sie uns nicht ganz entsprechen. Einerseits kann ich mir vorstellen, in einem größeren Einfamilienhaus mit Garten zu leben, wo jeder seinen eigenen Bereich hat und die Kinder genug Platz zum Spielen und auch drinnen Herumtoben, mit viel Trubel und Besuch, wie ich es schon mal im Beitrag Großfamilie geschrieben hatte. Dafür bräuchte es allerdings einen Kredit – was kein Problem wäre. Doch toe müsste eventuell mehr arbeiten und gefühlt wären wir wieder tiefer drin in der Spirale ’nur arbeiten um zu leben‘. Andererseits sehne ich mich ganz stark nach Rückzug, nach Reduktion, Natur, Selbstversorugung und Autarkie. Tief im Inneren spüre ich, dass das „einfache Leben“ uns allen gut tun würde! Denn genau das war auch schon unsere Vorstellung, als wir vor über 8 Jahren das kleine Bauernhäuschen gekauft haben. Und ich habe das Bedürfnis nach Gleichgesinnten!

Ich hadere besonders in letzter Zeit des öfteren mit mir selbst, denn ich weiß nicht, wie ich zwei gegensätzliche Dinge auf einen Nenner bringen kann. Sowohl was Menschen angeht – ich will ja einerseits tolerant sein und andere tun und machen lassen, andererseits muss ich eingestehen, dass ich manche Dinge nicht einfach akzeptieren kann – als auch unsere Wohn-/ Lebenssituation. Und irgendwie nimmt mir das die Leichtigkeit im Leben…

Wie geht ihr mit solchen Situationen um?

Geburtsbericht Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Schon bei meiner ersten Schwangerschaft war mir und meinem Mann sehr schnell klar, dass wir eine möglichst selbstbestimmte und interverntionsfreie Geburt anstrebten. Die Zeit der Schwangerschaft empfand ich als eine sehr intensive und bewusste Zeit. Ich machte viel Yoga und las das Buch „Die selbstbestimmte Geburt“ von Ina May Gaskin. Spätestens da wurde mir klar, dass ich eine Hausgeburt einer Klinikgeburt in jedem Falle vorzog und ich fand auch schon bald eine liebe und einfühlsame Hebamme, die uns hierbei begleiten wollte.
Leider lag unser Baby ab etwa der 30. Ssw in BEL, welche eine Geburt ohne Beisein eines Arztes gesetzlich ausschloss. Dennoch war ich bis eine Woche vor dem ET sehr entspannt und vertraute darauf, dass sich unser Baby noch drehen würde – was leider nicht geschah. So besuchte ich ein paar Tage vor dem ET ein Krankenhaus, um mit einem Primar, ein Spezialist für spontane BEL Geburten, unsere Geburt zu planen. Das ernüchternde und sehr enttäuschende Ergebnis war, dass er bei einer Erstgebärenden ein Baby aus BEL mit Nabelschnurumschlingung um den Hals nicht spontan entbinden würde. Mir blieb also nur die Zustimmung zu einem Kaiserschnitt oder eine Alleingeburt – welche zu diesem Zeitpunkt unter diesen Umständen für uns kein Thema war. Ich bekam also nach Wehenbeginn und Blasensprung einen Kaiserschnitt, welchen ich trotz geplanter Hausgeburt als recht selbstbestimmt und würdevoll empfand, da ich stets über alle Maßnahmen informiert wurde und auf meine Bedürfnisse und die des Babys weitestgehend Rücksicht genommen wurde.

Kurz bevor unser Kind drei Jahre alt wurde, wurde ich wieder schwanger. Auch diese Schwangerschaft empfand ich wieder als sehr bewusste Zeit und hatte auch das Gefühl, dass meine Körperwahrnehmung sich intensivierte. Die ersten Tritte spürte ich sehr früh und ich konnte eigentlich immer die Lage des Babys ertasten und erfühlen. Ich hatte fast von Anfang an ein positives Gefühl und wusste, dass alles gut sein würde – trotz Schmierblutungen und einem Hämatom in der Gebärmutter in der Frühschwangerschaft. Zusätzlich litt ich in den ersten drei Monaten an Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und starker Lustlosigkeit.

Bereits in der 6. Ssw nahm ich Kontakt zu meiner alten Hebamme auf, welche mir leider mitteilte, dass sie nicht mehr als freiberufliche Hebamme tätig war. So machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Hebamme, die uns bei einer Hausgeburt unterstützen würde. Doch dies stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht. In Österreich gibt es scheinbar nur eine handvoll Hebammen, die uns bei einer Hausgeburt nach Kaiserschnitt begleiten würde – anscheinend ist den anderen, sowie auch diversen Geburtshäusern, das Risiko einer Uterusruptur zu hoch (welches nach vorrangegangener Sectio bei unter 1% liegt). Von dieser handvoll Hebammen waren zwei selbst gerade in Mutterschutz oder Karenz, zwei waren bereits ausgebucht und einer war die Anfahrt zu weit – denn alle fünf Hebammen waren etwa 2 Stunden Autofahrt von unserem Zuhause entfernt!
Also musste ich Anfang des zweiten Trimesters auf Plan B umsteigen: eine ambulante Geburt mit Nachbetreuungshebamme. Diese war schnell gefunden und wir harmonierten ab unserem ersten Treffen in der 18. Ssw.

Von Montag auf Dienstag wachte ich nachts auf und hatte ein paar regelmäßige Wehen. Ich schätze es waren nicht mehr als zehn und fühlten sich an, wie stärkere Regelschmerzen. Ich war total müde und erschöpft, hatte Schnupfen und Kopfweh und dachte nur: „Ich bin so müde, ich hab jetzt keine Lust auf eine Geburt, ich mag nur schlafen“ – und schlief auch tatsächlich wieder ein. In der Früh waren die Wehen weg, doch der Schleimpfropf löste sich beim Toilettengang und ich verlor auch kleine Mengen Fruchtwasser. Der Tag verlief ruhig und wehenfrei. Ich konnte mich ausrasten und gut auskurieren.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatte ich wieder leichte Kontraktionen, konnte danach aber weiterschlafen. In der Früh richtete ich mir, im dem Wissen, dass unser Baby wohl heute kommen wollte, im Wohnzimmer auf der Couch eine wasserfeste Unterlage und platzierte die Polster, um bequem liegen zu können. Geschätzt um halb acht musste ich aufs Klo, leichte Wehen begannen und ich verlor weiterhin Fruchtwasser. Auf der Toilette konnte ich mich gut entspannen. Als mein Darm sich geleert hatte wurden die Kontraktionen gefühlt regelmäßig und auch schnell stärker. Ich empfand es als angenehm, am Klo zu sitzen und hatte das Gefühl, gut loslassen zu können. Einerseits war ich voller Vorfreude, andererseits war ich total ruhig, als wäre es ein normaler Tag. Irgendwann hörte ich meinen Mann und unser Kind frühstücken, aber da war ich schon längst ganz mit mir selbst und damit beschäftigt, in verschiedenen Positionen zu tönen. Ich wechselte vom Klo zum Waschbecken, wo ich nach vorne gebeugt das Becken kreiste. Als mein Mann und unser Kind dann mal ins Badezimmer kamen, um nach mir zu sehen, empfand ich es als eher unangenehm. Auch unser Kind fand die Situation etwas befremdlich und daher haben sich die beiden einen schönen Vormittag im Garten gemacht, denn es war ein sehr warmer, sonniger Oktobertag. Mein Mann hatte vollstes Vertrauen in mich – das hat er mich immer spüren lassen, sodass ich seine körperliche Anwesenheit nicht benötigte. Vielleicht wollte ich unterbewusst auch, dass er sich lieber um unser Kind kümmert… Jedenfalls wollte ich alleine sein und schon bald überkam mich eine so intensive Kraft, dass ich in die tiefe Hocke ging, mich am Waschbecken anhing und sehr laut tönte. Es waren keine wirklichen Schmerzen, es war eher ein Druck bzw. etwas unbeschreiblich Kraftvolles, das mich ein wenig überrumpelte. Nach ein paar dieser Wehen war ich an dem Punkt, an dem ich nicht mehr wollte – und während ich kurz überlegte, wie ich in diesem Zustand wohl ins Krankenhaus kommen würde, da wurde mir bewusst, dass ich wohl schon in der Übergangsphase angelangt bin. Kurz darauf spürte ich starken Druck richtung Steißbein und hatte das Bedürfnis mitzuschieben. Am Boden knieend, stützte ich mich mit den Händen ab und ließ meinem Körper freien Lauf – was bedeutete, dass ich bei jeder Wehe sehr laut brüllte. Ich fühlte mich wie eine Löwin. Mein Mann schaute nochmal nach mir, brachte mir Wasser und mein Telefon und verschwand wieder im Garten. Keine Ahnung wie viele Presswehen ich hatte. Ich kann mich erinnern, dass ich mal mit der Hand gegriffen habe und Haare gespürt habe. Kurz hatte ich Bedenken, weil sich der Babykopf so weich und irgendwie schwammig anfühlte. Und ich war mir nicht sicher, ob da nicht der weiche Muttermund noch irgendwie um das Köpfchen herum war… Aber mit der nächsten Wehe spürte ich schon, dass der Kopf sich weiter schob und das Vertauen war wieder vollstens da. Als nächstes spürte ich, wie sich meine Scheide dehnte. Ehrlich gesagt erwartete ich ein Brennen, denn das hatte ich wohl irgendwo gelesen. Doch es schmerzte und brannte nicht und noch mit der selben Wehe wurde der Kopf geboren. Schnell griff ich zum Handy und rief meinen Mann rein. Währenddessen schien die Zeit still zu stehen. Es war ein seltsamer Momenent, so „zwischen den Welten“. Das Baby bewegte sich, ich legte meine Hand auf seinen Kopf und konnte sowohl innerlich als auch äußerlich die Drehung, die es machte, spüren. Zudem meckerte das Baby schon, während sein Körper noch in meinem Körper war. Mit einer letzten Wehe, etwa vier Stunden nach Wehenbeginn, flutschte unser Kleines in meine Hände und in diesem Moment kam auch mein Mann zur Tür herein.
Ich drückte das rosige, weinende Baby an meine Brust und begrüßte es. Mein Mann reichte mir ein Handtuch und wir setzten uns auf die Couch ins Wohnzimmer. Unser älteres Kind war in diesem Moment zur Tür herein gekommen und konnte so ebenfalls unser neues Familienmitglied bestaunen.Das Baby nuckelte schon bald an meiner Brust, während unser älteres Kind ihm zärtlich die Hand streichelte. Ich war total überwätigt von der Erfahrung, auch etwas erschöpft aber auf eine angenehme Weise – vielleicht vergleichbar, wenn man eine große Runde Joggen war. Wir verbrachten einige Stunden auf der Couch, nebenbei machte mein Mann im Badezimmer sauber, kochte und versorgte mich mit Trinken. Außerdem schnitt er die auspulsierte Nabelschnur durch. Er telefonierte mit der Nachsorgehebamme, welche so spontan an diesem Tag keine Zeit mehr hatte und uns bat, zur Nachsorge etwas später ins Krankenhaus zu fahren. Leider war bis am Nachmittag die Plazenta auch noch nicht geboren, weshalb der Krankenhausbesuch für uns ok war. Denn erst dort konnte ich die bereits gelöste Plazenta durch eine kurze Anweisung einer Hebamme problemlos rausdrücken.

Noch am selben Abend lag ich wach im Bett, während meine beiden Kinder und mein Mann neben mir schon schliefen und fühlte dieses unbeschreibliche Glück und diese enorme Freude und Zufriedenheit, die ich zuvor noch nicht in dieser Intensität erlebt hatte!

 

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Lebensweisheiten

Ich habe es mir angewöhnt, fast jeden Tag unter der Woche einmal eine zufällige Seite aus dem Tao Te King für Eltern zu lesen. Dies ist ein kleines Büchlein, welches Weisheiten über die Urteilslosigkeit im Handeln, die Nachahmung natürlicher Prozesse und das Gleichgewicht zwischen Tun und Sein in recht kurzen Versen verpackt.

Als ich vor einigen Tagen wieder in Diskussion mit unserem Kind verstrickt war, las ich folgende passende Zeilen:

 

 

Deine Kinder sind nicht deine Feinde.

Du brauchst sie nicht zu fürchten.

Auseinandersetzungen mit ihnen sind keine Kämpfe, die du gewinnen oder verlieren musst.

Wenn du dich in einen scheinbaren Krieg verstricken lässt, gehen alle Perspektiven verloren.

Es fallen schreckliche und verletzende Worte.

Die ganze Familie leidet und die Wunden heilen langsam.

Gewinnen und verlieren sind Worte, die eine Familie nicht braucht.

 

Du musst deine Autorität nicht erstreiten.

Autorität ist etwas, das du in dir selbst trägst.

Wenn deine Kinder sie nicht wahrnehmen, ist das schade, aber du kannst sie nicht zwingen, sie zu sehen.

Wenn du dir das vor Augen führst, löst sich so mancher Kampf auf.

Es mag immer noch schwierige Zeiten geben, aber du hast es nicht mehr nötig, schwere Geschütze aufzufahren.

 

William Martin – Das Tao Te King für Eltern, 2018, Seite 51

Testament

Gestern hab ich ganz zufällig ein Lied von Sarah Lesch entdeckt, die damit den Protestsongkontest 2016 gewann. Es ist ein Song, der das Leben im derzeitgen System und daher die Zukunft unserer Kinder sehr kritisch betrachtet. Und weil mir das Lied und besonders der Text unter die Haut geht, mag ich es hier gerne verlinken und die Lyrics posten. Am besten kurz Zeit nehmen und selbst reinhören.

 

 

 

Auch du warst mal ein Kind und auch ich war mal klein
Und auch uns ham sie was erzählt
Und dann macht man das alles und versucht so zu sein
Und dann merkt man das einem was fehlt
Und dann verlernt man, sich richtig zu spüren
Oder man flüchtet sich in Kunst oder Konsum
Und während ihr fleißig Pläne macht
Lachen die Götter sich krumm
Lasst eure Kinder mal was dazu sagen
Hört ihnen richtig zu
Die spürn sich noch, die ham Feeling für die Welt
Die sind klüger als ich und du

Und denkt dran bevor ihr antwortet:
Ihr seid auch nur verletzte Kinder
Am Ende gibt’s wieder ganz neue Symptome, und ihr wart die Erfinder
Und dann sagt ihnen wieder, wie es richtig geht
„Werd erwachsen“ und „bist du naiv“
Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben
Die Götter lachen sich schief

Achtet auf Schönschrift und Lehrpläne
Und dass sie die Bleistifte spitzen
Zeigt ihnen Bilder von Eichenblättern
Während sie drinnen an Tischen sitzen
Und dann ackern und büffeln und wieder auskotzen
Und am Nachmittag RTL 2
Am Wochenende geht’s was Schönes kaufen, fertig ist der Einheitsbrei
Und jeder der sich nicht anpasst
Wird zum Problemkind erklärt
Und jede, die zu lebhaft ist
Kriegt ‘ne Pille damit sie nicht stört
Und damit betrügt ihr euch selber denn
Kein Kind ist ein Problem
Und all die Freigeister, all die Schulschwänzer
Nur Symptomträger im System

Doch bedenkt wenn ihr so hart urteilt:
Ihr seid auch nur gefangene Geister
Der Unmut wird immer lauter
Und die Lehrer schreien sich heiser
Empört euch, dass Hänschen nicht ist, was er sein soll
Sondern nur, wer er nunmal ist
Die Götter pullern sich ein vor Lachen
Und ihr denkt, dass ihr was wisst

Und wenn Hänschen dann Hans ist
Der eigene Kinder hat, denen er was erzählt
Dann merkt Hans und Kunz, und ihr vielleicht auch
Dass wieder irgendwas fehlt
Ihr habt Wünsche und Träume
Und rennt damit ständig an imaginäre Wände
Und jeder Wunsch den ihr euch erfüllt
Der ist dann halt auch zu Ende
Geht ihr nur malochen für erfundene Zahlen
Und wartet, bis die Burnouts kommen
Schmeißt euer Geld für Plastik raus
Um ein kleines Glück zu bekommen
Das Beste aus Cerealien und Milch
Noch ‘n Carport und noch ‘n Kredit
Und alle finden‘s scheiße aber alle machen sie mit

Ihr klugscheißert und kauft trotzdem
Und die Werbung verkauft euch für dumm
Und dann sitzt ihr vor neuen Flachbildfernsehern
Und meckert auf den Konsum
Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern weltfremd
Die Götter lachen sich krumm

Ihr Traumverkäufer, Symptomdesigner
Merkt ihr noch, was passiert?
Wer hat euch das Land und das Wasser geschenkt
Das ihr jetzt privatisiert
Ihr Heuchler, ihr Lügner, ihr Rattenfänger
Ihr Wertpapierverkäufer
Man hat euch Geist und Gefühl gegeben
Und doch seid ihr nur Mitläufer
Ihr großen, vernarbten, hilflosen Riesen
Ihr wart doch auch mal klein
Und jemand hat euch mit Schweigen gestraft
Und ließ euch darin allein
Und jetzt hört ihr nicht nur die Götter nicht lachen
Ihr hört auch ihr die Kinder nicht weinen
Und sagt ihnen weiter, es würde nicht wehtun
Ohne es so zu meinen
Macht ihr ruhig Pläne, ich steh am Rand
Ich sehe euch und ich bin nicht allein
Hinter mir stehen mehr und mehr Weltfremde
Die passen auch nicht hinein
Und jetzt wartet nicht auf ein versöhnliches Ende
Den Gefallen tu ich euch nicht
Kein Augenzwinkern, keine milde Pointe
Die das Unwohlsein wieder bricht
Irgendwann werden die Götter nicht mehr lachen
Und falls es mich dann nicht mehr gibt
Hinterlass ich ein Kind, das sich selbst gehört
Und dies unhandliche Lied

Der kleine Flohling

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung.

Vor beinahe 1,5 Jahren waren wir in Graz in einem kleinen Spielzeuggeschäft. Eigentlich wollte ich mir nur die Bücher für Kinder anschauen, welche zum Vorlesen geeignet sind. Doch diese „meine erste Vorlesebücher“ Reihen zu verschiedenen Themen sprachen weder uns, noch unser Kind an. Also schlenderten wir einfach herum und begutachteten und probierten diverses Spielzeug, bis mir toe von einem eben gesichteten Buch berichtete, dessen Cover mir bestimmt gefallen würde, da es gut zu uns passte.

Darauf abgebildet ist ein kleiner Wichtel in eigentlich menschlicher Gestalt, welcher im Wald steht und Natur und Tiere um sich hat. Kurzentschlossen kauften wir es und ich las es in den darauffolgenden Tagen zu Ende. Es ist ein 220 Seiten Buch mit einigen bunten Bildern. Es ist wohl für das Volksschulalter gedacht, aber eigentlich habe ich keine Ahnung und will auch nicht kategorisieren. Denn unser damals 2,5 Jahre altes Hörnchen fand ebenso Gefallen an dem Cover wie wir und so begannen wir mit dem Vorlesen, Kapitel für Kapitel. Schon bald wurde es zum wichtigsten Vorlesebuch und wurde etliche Male von vorne bis hinten oder einfach mittendrin durchgelesen.

Die Geschichte handelt von einem kleinen Littel, also eben dem Wichtel auf dem Buchcover, dessen Name Flohling ist. Er wohnt im Litteldorf und liebt den Wald und die Tiere. Er ist glücklich und zufrieden, allerdings der einzige Littel, der kein angeborenes Talent hat. Und um genau dieses zu entdecken, begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise.

Die Littel wohnen in einem kleinen Dorf im Wald, in dessen Mitte es einen Martplatz gibt, wo die Bewohner oft gemeinschaftlich zusammen kommen. Jeder hat wiegesagt ein Talent, es gibt Backlittel, Waschlittel, Kräuterlittel, Schutzlittel, Baulittel etc. und so kann sich jeder in die Gemeinschaft einbringen. Dadurch lebt das Volk autark, umwelt- und ressourcenschonend und in Frieden.

Daher hat nicht nur das Cover, sondern die gesamte Geschichte einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zu gerne würde ich in genau dieser Zusammensetzung in einer Gemeinschaft leben! Denn auch wenn es nur ein Märchen ist – genau so könnte und sollte gemeinschaftliches (Dorf-)leben stattfinden.

Letzten Herbst kam übrigens der zweite Teil raus – Weihnachten im Littelwald – wo es um so viel mehr geht, als nur um ein üppiges Weihnachtsfest.

Kurzes Update

Viel zu lange haben wir uns hier nicht mehr blicken lassen. Viel zu lange sind keine vernünftgen Beiträge mehr entstanden … Wir haben unseren Blog total vernachlässigt, weil wir uns einfach keine Zeit dafür genommen haben.

In den letzten ein bis zwei Jahren ist für uns gefühlt viel passiert. Wir haben viel Zeit und Energie in die Suche nach einer passenden Gemeinschaft bzw. neuen Wohnsituation gesteckt, sind umgezogen, haben unser Haus verkauft, davor sind wir mit unserem Campingbus zwei Monate durch einen Teil Europas gereist, haben alte Bekanntschaften gepflegt, ich erlebte eine weitere Schwangerschaft – in der es mir in den ersten drei Monaten nicht sehr gut ging – und mittlerweile sind wir mit Kind und Baby gut beschäftigt. Außerdem haben wir viel Energie in das Zusammenleben mit unserem Kind gesteckt! Es war wirklich nicht einfach, oft hatte ich das Gefühl, es dreht sich alles nur mehr um unser Kind und dessen extreme Gefühlsausbrüche. Ich war oft verzweifelt, verärgert, ausgelaugt und hatte absolut keinen Kopf dafür, meine Gedanken zu Papier zu bringen.

Außerdem habe ich festgestellt, dass ganz viele Menschen, deren Blogs ich mit Begeisterung verfolgt habe, sich auch immer mehr aus dem Netz zurück gezogen haben, um dem echten Leben mehr Raum zu geben.

Mittlerweile hat sich wiegesagt unsere Situation verändert und ich empfinde das als durchwegs positiv. Der Fokus hat sich verändert und dadurch auch die äußeren Umstände.

Ich empfinde es als sehr schade, dass wir so wenig geschrieben haben in letzter Zeit, doch es kam auch immer weniger Resonanz und ich hatte das Gefühl, wenn man die Beiträge nicht über SocialMedia Kanäle verbreitet, gehen sie schlichtweg unter.

Momentan hätte ich wieder Lust, Beiträge zu veröffentlichen, ich werde aber keineswegs sagen oder gar versprechen, dass wir wieder mehr und regelmäßiger schreiben. Unsere Themen betreffen natürlich großteils aufgrund unserer aktuellen Lebenssituation die Kategorien Elternschaft und kaum mehr Buddhismus oder Yoga. Auch das Thema Veganismus nimmt wenig Raum ein, da es für uns zur absoluten Normalität geworden ist. Außerdem funktionieren die Kommentare scheinbar nicht (obwohl diese in den Einstellungen aktiviert sind) was eine Interaktion mit den LeserInnen leider schwierig macht…

Alleingeburt

Fast drei Monate ist es schon her, dass unser Eulchen geschlüpft ist. Ich habe bereits einen fast fertigen Geburtsbericht, der sehr lang und ausführlich ist aber einfach nicht zum Ende finden will. Daher hier die Kurzfassung.

Schon bei unserem Hörnchen planten wir eine Hausgeburt, was leider in einem geplanten Kaiserschnitt endete, da ich keinen Arzt finden konnte, der mich als Erstgebärende mit einem Kind in BEL und Nabelschnurumschlingung bei einer spontanen Geburt begleiten wollte. Es war ein recht „schöner“ Kaiserschnitt in relativ ruhiger Atmosphäre, mit viel Zeit fürs Bonding und wir wurden immer über die nächsten Schritte aufgeklärt.

Als ich wieder schwanger wurde war uns klar: diesmal Hausgeburt! Allerdings gibt es in Österreich scheinbar nur eine handvoll Hebammen, welche eine Hausgeburt nach Kaiserschnitt begleiten. Ich hatte Kontakt zu fünf, welche mir alle abgesagt haben – entweder bereits ausgebucht, selbst in Karenz oder zu weit entfernt (alle fünf Hebammen hatten eine Anfahrtszeit von etwa zwei Stunden!).

Also blieb mir nur die Möglichkeit einer ambulanten Geburt mit Nachbetreuungshebamme. Doch mit fortschreitender Schwangerschaft wurde die Stimme in mir immer lauter und als ich mit meinem Mann über eine mögliche Alleingeburt redete, hat er es sofort als gute Option gesehen.

Die Geburt ging recht zügig, war sehr kraftvoll und intensiv aber nicht unbedingt schmerzhaft. Ich war alleine im Badezimmer und wusste zu keiner Zeit den Wehenabstand oder die Öffnung des Muttermundes. Mein Körper und unser Baby haben alles in ihrem eigenen Tempo gemacht, ich konnte mich voll auf mich konzentrieren und hatte zu keiner Zeit Bedenken. Es war das kraftvollste und intensivste Erlebnis und gleichzeitig fühlte ich mich, als wäre es das Normalste der Welt!

Gleich danach konnten wir uns als Familie kennenlernen und das Baby willkommen heißen und begutachten. Einige Stunden später sind wir noch zur Nachkontrolle ins Krankenhaus gefahren um uns danach zu Hause zu viert ins Bett zu kuscheln.

Obwohl mein Mann physisch nicht anwesend war – er ist mit unserem Kind in den Garten gegangen, da dieses nicht dabei sein wollte und ich mich ehrlichgesagt auch gestört fühlte – war er stets eine große Stütze! Er hat mich immer unterstützt und mir vollstes Vertrauen geschenkt, sodass ich auch selbst wirklich überzeugt war es alleine zu schaffen.

Allerdings finde ich es auch sehr schade, dass ich diesen Weg gehen „musste“. Vielen Frauen bleibt so ein wundervolles Geburtserlebnis verwehrt, da es zu wenig Unterstützung von Ärzten gibt und die Situation für Hebammen rechtlich recht kompliziert und schwierig ist. Und nicht jede Frau traut sich eine Alleingeburt zu.

Seit ich ein Kind hab – von Christoph und Lollo

https://youtu.be/OGe0jBgS3Ow

Seit ich ein Kind hab,
hab ich ne Jahreskarte für den Zoo.
Seit ich ein Kind hab,
hör ich klassische Musik im Radio.
Seit ich ein Kind hab,
kauf ich ständig Bio Lebensmittel ein.
Seit ich ein Kind hab,
lern ich nett zu meinen Mitbürgern zu sein.
Seit ich ein Kind hab,
lächeln mir wildfremde Menschen einfach zu.
Seit ich ein Kind hab,
mach ich Früchtekuchen statt Tiramisu .
Seit ich ein Kind hab,
geht’s mir immer bestens, vielen Dank.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich Augenringe und bin immer ständig krank.
Seit ich ein Kind hab,
pass ich nicht mehr in die engen Hosen rein.
Seit ich ein Kind hab,
spucke auf dem Arm und Rotz am Bein.
Seit ich ein Kind hab,
vertrag ich keinen Alkohol mehr.
Seit ich ein Kind hab,
respektiere ich Nichtraucher.
Seit ich ein Kind hab,
hasse ich Hundebesitzer.
Seit ich ein Kind hab,
hassen mich Hundebesitzer.

Seit dem ich ein Kind hab,
bekomm ich keine Osterhasen mehr, ich kauf sie selber und verpack sie, und dann schenke ich sie her.

Seit ich ein Kind hab,
sag ich nicht mehr Kot und Harn.
Seit ich ein Kind hab,
sag ich Kacki und Lulu.

Seit dem ich ein Kind hab,
verfluch ich Hello Kitty und ich hasse Winnetou.

Seit ich ein Kind hab,
glauben Leute dass man mir vertrauen kann.
Seit ich ein Kind hab,
schrei ich regelmäßig Autofahrer an.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich immer einen Haufen Obst im Haus.
Seit ich ein Kind hab,
kenn ich mich im Ikea aus.
Seit ich ein Kind hab,
hat mein Badewasser 37 Grad.
Seit ich ein Kind hab,
weiß ich welches Gasthaus einen Hochstuhl hat.
Seit ich ein Kind hab,
ekelt mir vor überhaupt nichts mehr.
Seit ich ein Kind hab,
liebe ich meinen Geschirrspüler.
Seit ich ein Kind hab,
denk ich was hat sich der Architekt gedacht.
Seit ich ein Kind hab,
frag ich mich welches Geräusch der Fuchs wohl macht.
Seit ich ein Kind hab,
seh ich ständig über all Gefahr.
Seit ich ein Kind hab,
krieg ich Mitleid vom kinderlosen Paar.
Seit ich ein Kind hab,
muss ich Igel überwintern.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich einen fetten Hintern.
Seit ich ein Kind hab,
weiß ich nicht mehr was nach 11 im Fernsehn ist, und brauche 3 mal so viel Strom und mache 10 mal so viel Mist.
Seit ich ein Kind hab,
sag ich mein Kind kann das schon, aha dein Kind kann das also noch nicht.
Seit dem ich ein Kind hab,
hab ich mich daran gewöhnt, dass es bei mir immer nach irgendetwas riecht.
Seit ich ein Kind hab,
laufen mir das Bier und die Kondome ab.
Seit ich ein Kind hab,
finde ich dass ich ein Recht auf einen Sitzplatz hab.
Seit ich ein Kind hab,
brauch ich meinen Wecker nicht mehr stelln.
Seit ich ein Kind hab,
benutze ich den Fahrradhelm.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich immer einen Grund früher zu gehn.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich keinen einzgen Horrorfilm gesehn.
Seit ich ein Kind hab,
muss Geschlechtsverkehr geplant werden.
Seit ich ein Kind hab,
vesretecke ich die Schokolade, denn
Seit ich ein Kind hab,
gehört mein Essen nicht mehr mir.
Seit ich ein Kind hab,
sag ich nicht mehr „ich“, ich sage nur noch „wir“
Seit ich ein Kind hab,
gehen alle meine Zimmerpflanzen ein.
Seit ich ein Kind hab,
steig ich ständig auf was drauf und in was rein.
Seit ich ein Kind hab,
fürchte ich den Herzinfarkt.
Seit ich ein Kind hab,
stehle ich im Supermarkt.
Seit ich ein Kind hab,
hab ich in der Debatte eine Meinung, meine Mutter nimmt mich ernst und läd mich jeden Sonntag ein
und
Seit ich ein Kind hab,
muss ich ständig etwas tun und mein Kalender ist fürs ganze Jahr schon voll.
Seid dem ich ein Kind hab,
ramm ich Leute mit dem Buggy, alte Menschen finden mich trotzdem ganz toll.
Seit ich ein Kind hab,
bin ich glücklich und zufrieden, ja mein altes Leben geht mir niemals ab.
Und seit dem ich ein Kind hab red ich gerne über mich und ich beginne jeden zweiten Satz mit „seit ich ein Kind hab.“

Ein großer Zentner Wahrheit, ein bisserl Übertreibung und eine Prise Satiere. Wie so viele Lieder von dieser österreichischen Band trifft auch dieses den Nagel auf den Kopf.

Teilnahmslosigkeit und Fehlalarm

Nach langer, langer, viel zu langer Zeit war ich mal wieder laufen. Ich bin immer gern gelaufen, aber aufgrund meiner aktuellen Prioritätenliste … machte ich es seit fast drei Jahren nicht mehr.

Letzte Woche war es wieder soweit, es war kalt, es war früh Morgens, es war anstrengend. Und ich hatte Gelegenheit die Einheimischen in unserem neuen Wohnort zu beobachten.

Aha, ca. die Hälfte der Spaziergänger und Radfahrer grüßen freundlich zurück. Aha, die Hundeführer nehmen es mit Sauberkeit der öffentlichen Wege nicht sehr genau. Aha, die Autos müssen auch hier beim ersten Verdacht auf Sonnenschein sofort einer gründlichen Außenwäsche unterzogen werden.

Aahaaaa, die Selbstbedienungswaschanlage scheniert sich nicht vor 7 Uhr früh mit rotem Blinklicht und kreischender Sirene Aufmerksamkeit zu erhaschen. Naja, der Autowäscher wusch weiter, ich lief weiter, das Blinklicht blinkte weiter und die Sirene heulte weiter.

Was könnte wohl so wichtig sein, dass die Anlage am Wochenende einen Zuckaus erleidet, wenn das Waschen scheinbar noch einwandfrei funktioniert? Ob wohl ein Zwanzig Cent Stück zuviel eingeworfen wurde? Oder … … mir fällt nicht mal ein weiterer schlechter Scherz dazu ein.

Ich hoffe das Drum kann auch SMS verschicken oder hängt im Internet, sonst erleiden die umgebenden Nachbarn wohl bald Nervenzusammenbrüche oder akute Selbstentzündungsrisiken.

Hätte ich der Anlage Erste Hilfe leisten? Als IT-Techniker und ausgebildeter Ersthelfer muss ich dennoch feststellen, dass ich vermutlich nicht die richtige Frequenz einer Herzdruckmassage für Selbstbedienungsautowaschanlagen beherrsche. Und falls das bankomatähnliche Terminal einen Schlaganfall hatte, wollte ich nicht unbedingt das letzte Bild der Kamera sein, welches es möglicherweise in seinen letzten Überlebenszuckungen schießt.

Bitte versteht mich nicht falsch, helft Menschen in Not, habt Mitgefühl mit verletzten Tieren, lasst auch mal schöne Blumen einfach weiter wachsen. Aber bitte dreht keine Sirenen für wahrscheinlich irrelevante Maschinen auf.

Von der Selbstfindung zur Egoauflösung.