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Spazieren im Schnee

Das Hörnchen kuschelt sich im Tragetuch unter meiner Jacke fest an mich, während der Schnee unter meinen Stiefeln das vertrauteste Geräusch des Winters macht. Mit achtsamen Schritten versuche ich die Stabilität des Waldbodens zu erfühlen.

Ich folge Fußspuren. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand außer uns diesen Weg jemals genießt. Eine einzelne Spur löst sich  aus dem Pfad, zweigt in dieselbe Richtung, aber geht einzeln weiter. Vielleicht ist diese Seite des Weges bekannter, oder passt besser, fühlt sich womöglich stimmiger an. 

In Gedanken versunken und mit stetiger Achtsamkeit auf jeden Schritt, gehe ich meinen Weg weiter und bemerke:

Auch ich hinterlasse eine Spur.

Der 1,630,001. Festivalguide

Es ist 2016. Ich schreibe diesen Artikel in einer objektiv sicheren Zeit – IRA, ETA, RAF, Breivik, … all das ist Geschichte; doch das medial erzeugte subjektive Unsicherheitsgefühl könnte kaum größer sein. Mit Ignoranz gegenüber der hohen Unwahrscheinlichkeit, Opfer eines terroristischen Akts zu werden, fürchten wir uns vor potentiellen Terroristen; so wie wir uns trotz der hohen Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verkehrsunfalles werden zu können, furchtlos ins Auto setzen.

Was ist nun mit den wenigen furchtlosen, mit den reisefreudigen, was bieten Ihnen die Medien?
Google liefert beispielsweise 1,630,000 Ergebnisse zum Suchbegriff ‚Festivalguide‘. Anscheinend kommt die organisierte, temporäre Zerstreuung beim Volk gut an – dass dabei der Überblick nicht verloren geht, habe auch ich mich entschlossen, nun den 1,630,001. Festivalguide zu schreiben.

Einige der folgenden Veranstaltungen hab ich selbst besucht und kann mich somit noch an manches erinnern, bei anderen vertraue ich der Gerüchteküche:

Partycipation
Wo? Im wunderschönen Wald- und Wiesengelände des Co-Housing Projektes Lebensraum, hinter der Ökosiedlung Gärtnerhof.

Was? 17.-21. Juli: Camp mit den Workshops: “Theater, Musik, Körper”, “Selbstversorgung”, “Green Building”, “Arts & Crafts” und “Persönlichkeit, Gemeinschaft und Gesellschaft”.
21.-24. Juli: Festival: Beim Partycipation Festival tauchen wir in eine bunte selbstgestaltete Wunderwelt ein. Hier geht’s um getanzte Lebensfreude, bewusstes Genießen und gemeinsames Feiern. Es gibt zwei Bühnen mit Musik, bunte Spiele & Workshops, Showbarkeeping, köstlichen Cocktails, Chai & Wasserbar, leckerem Essen und vielem mehr.

Wer? Menschen

Warum? Wegen der relaxed-inspirierenden Atmosphäre, wegen der Zirkuswiese, dem Nebelwald, dem Chai-Zelt, … weil man überall schlafen kann ohne zertreten oder sonstwas zu werden. Weil sich sogar Menschen darüber Gedanken machen, ob sie wohl nicht zu laut gesprochen hätten, als ich am Vormittag am Lagerfeuer schlief, und ob sie mich denn aufgeweckt hätten! Weil die Partyzipanten sehr rücksichtsvoll, verständisvoll und hilfsbereit sind.

Ich hatte ein längeres Gespräch am Lagerfeuer. Hab viel zugehört, manchmal was gesagt… Dabei erfuhr ich einiges über andere Festivals (Nova Rock, Frequency) – beispielsweise, dass es dort keine Lagerfeuergespräche gäbe, bei denen man sich vorher fremden Menschen in einer vertrauens- und liebevollen Atmosphäre öffnen kann.
Workshops über Gemeinwohlökonomie, Rohkost-Kuchen-machen, DIY, u.a. bedeuteten für mich keinen Wendepunkt, jedoch einen Motivationsschub, meine ‚da sollte man doch was machen‘ – Gedanken in einen ‚ich mach da jetzt etwas!‘ – Vorsatz zu verwandeln.
Meine ganz persönliche Motivation, zum Partycipation zu fahren, war jedoch die Band Maja. Am Samstag hörte ich sie zum ersten mal live, supportete sie fleißig tanzend, und wollte auch die neue CD kaufen, wurde aber irgendwie abgelenkt, … aber das ist eine andere Geschichte.

Salzburger Festspiele – Salzburg Festival
Wo? Salzburg
Wann? Jul 22 – Aug 31, 2016
Wer? High Society, Klassikliebhaber
Was? Klassik
Warum? Weil das Public Viewing (Festspielnächte) am Kapitelplatz Aufzeichnungen der besten Festspielbeiträge (Jedermann, Zauberflöte, Don Giovanni, …) bei freiem Eintritt bietet!

European Rainbow Gathering 2016
Ja, es gibt sie noch. Menschen, wie es sie immer schon gab; oder zumindest spätestens seit der Industriellen Revolution gibt; Menschen, die der Entfremdung von der Natur trotzen; Menschen die am Monte Veritá leben, sich am Hohen Meißner versammeln, die in Woodstock waren, Menschen, die dem ‚Babylon System‘ entkommen wollen und für ein paar Tage oder den ganzen Sommer in den Wald gehen. Die in den Wald gehen, um in einer ursprünglichen Umgebung zu leben, um dort das Leben zu feiern, um zu singen, um zu tanzen – um einfach Mensch zu sein.
welcome home – we love you

Suchend begann das European Rainbow Gathering 2016. Am ursprünglich gescouteten Platz in Wildalpen, wahrlich ein magisch schöner Platz, wollten die Behörden sowas nicht tolerieren. Schlafen im Wald, ein Hippietreffen mitten in der Natur, ohne Eintrittskarten, ohne formale Organisationsstruktur – sowas geht in Österreich nicht.
Nun könnten Analogien konstruiert werden zu einer Zeit, in der viele auf der Suche sind nach Heimat, Sicherheit, Sinn, …
Später konnte eine neue Location gefunden werden, der Bauer hatte bereits das Vieh von der Weide getrieben und freute sich, die Rainbow Family mit Obst und Gemüse versorgen zu dürfen, doch das Stift Admont, die Gutsherren, tolerieren das Gathering auf ihren Ländereien nicht und ließen die Alm von der Polizei räumen [hier].
Nun warten die Familien, zerstreut in der Steiermark und Oberösterreich, bis Scouts einen geeigneten Platz gefunden haben.
Die Full Moon Celebration wird in der Nacht von 17. auf 18. August stattfinden, doch wo?

Peal
Wo? An der Südsteirischen Weinstrasse
Wann? 9.-10. September 2016
Wer? Grazer und deren Freunde

Was? Hervorragende Sanitäranlagen; ein hügeliges, also 3-dimensionales Festivalgelände mit Tanzwiese, Upcycling Workshop, Trommel Workshop, Essen, Wasser-Bar, Marktplatz, Attwenger, Skero & DJ Chrisfader, Vento Sul, Feuerstellen, Zirkuswiese, Schwitzhütte, Badeteich; aber es gab niemals eine Waldbühne 😉

Warum? Weil es am letzten Ferienwochenende stattfindet!
Weil im Herbst nochmal alle zusammenkommen.
Weil am Peal die ‚heile Welt‘ zelebriert wird, bevor am Montag die Schule beginnt.

Heartculture
Wo?      Südoststeiermark
Wann? 12.-13. Aug. 2016
Wer?     Toe, Cao, und jeder, der die unverkrampfte Atmosphäre liebt.
Was?     das nur 2-tägige Festival bietet ein sehr umfangreiches Programm mit Musik (dub, ethno, psy, world music, …) & Workshops (mit viel Yoga)
Warum? ich möchte dieses Festival besuchen, weil ich viel positives davon gehört habe; weil im südoststeirischen Sommer, im Geiste der Herzenskultur, ein Fest gefeiert wird, eh nur 2 Tage, ein Fest, welches die Alltagssorgen vergessen läßt, ein Fest, das zum Tanzen, Lachen, Mitmachen einlädt.

Liebe Leserin, Lieber Leser,
dieser Festival Guide erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Google liefert eh 1,630,000 diesbezügliche Ergebnisse.
Aber sicher kennst auch du Festivals, von eigenen Besuchen oder vom hören-sagen. Wir würden uns freuen, eure Empfehlungen in den Kommentaren zu lesen.

Mehr als sensibel

In der neuen yoga.ZEIT sagt der Funktionaloptometrist Roland Bischel in einem Interview:

Manche Menschen sind hypersensibel. Das sind diejenigen, die lieber zu Hause sitzen oder sich lieber in schummrigen Zimmern aufhalten, weil sie diese Umgebung als angenehm empfinden. Sie ziehen einen Aufenthalt in einem geschlossenem Raum der freien Natur vor, lassen morgens im Badezimmer das Licht abgedreht, Kochen bei gedimmten Licht und haben am Smartphone den Bildschirm so dunkel wie möglich eingestellt.
Das Gegenteil sind Menschen, die hyposensibel sind. Sie genießen die Sonne so direkt wie möglich, fühlen sich nur im hohen Kontrastbereich mit Licht wohl, drehen im Badezimmer alle Lichter auf und leiden, wenn sie in dunklen Räumen arbeiten müssen.

Puh, als ich muss ehrlich sagen weder NUR das Eine noch NUR das Andere und auch nicht NUR die Mitte. Bei mir ist das einmal so und danach wieder anders.

Morgens bleiben die Lichter aus, ich sehe dann ja im Halbdunklen sehr gut und spare Strom. Nach dem Frühstück könnt es direkt in die Morgensonne mit möglichst viel nackter Haut gehen, weil sich das schön anfühlt, Vitamin D gebildet wird und sich jegliche Stimmung hebt.

Das Handy ist so dunkel wie lesbar eingestellt – spart Strom – und Abends färbt sich das Display rot, damit weniger blaues Licht anregend wirkt. Gemälde mit sehr hohem Kontrast sprechen mich total an. Kräftige bunte Farben mit starken Details lassen mich nicht mehr los.

In unserem Küche-Wohn-und-Esszimmer leuchten meist 3x40W Birnen, da ich noch kein angenehmes LED Licht gefunden habe. Beim Kochen gibt es extra Halogenspots 4x20W um viel angenehmes Licht zum Schnippeln zu haben. Bei einer Holzdecke aus 1875 in knapp 2m Höhe wird die Beleuchtung an den Wänden montiert. Ja das ist schon sehr schummrig. Mittlerweile blenden mich moderne Häuser mit unzähligen Spots in Dauerbefeuerung an Decke und hinter jedem Regal. Bei uns erhellen alle Lichter eines Raumes gerademal die wichtigen Bereiche des Raumes, nicht jeden kleinen versteckten Winkel wo es nichts zu suchen gibt.

Es zählt nur der Augenblick

Gerade als ich unser Hörnchen lauthals meckernd über meine Schulter geschwungen in tanzenden, wippenden Schritten von Raum zu Raum spazieren trage, dabei ab und zu beruhigende Worte flüstere und den Kopf streichle, muss ich nachdenken. Ich weiß, unser Baby ist sehr müde und deshalb nicht gut gelaunt. Drei Tage Besuch bei unseren Familien und Freunden in der alten Heimat liegen hinter uns, jeden Tag eine neue Umgebung und sehr viele verschiedene, zum Teil fremde Gesichter. Außerdem fremde Geräusche und Gerüche, lange Autofahrten und sehr sehr viel Hitze. Dazu noch spätes Heimkommen und wenig Schlaf und schon fühlt sich das Baby nicht wohl, obwohl wir wieder in vertrauter und ruhiger Umgebung sind. Das alles wirkt noch nach, auf den kleinen Organismus.
Und trotzdem muss ich beim Nachdenken erstaunt feststellen, dass Babies total im Hier und Jetzt leben. Im einen Moment passt etwas nicht und es wird herungemotzt, im nächsten Moment ist das Bedürfnis vielleicht gestillt und das Baby ist glücklich, ohne die schlechte Laune von vorhin! Und genau das finde ich so beeindruckend. Wenn es dem Baby gut geht, ist es glücklich, wenn es ihm schlecht geht, ist es unglücklich. Da gibt es kein tagelanges Überlegen und Nachdenken, wie bei uns Erwachsenen. Die schlechte Laune, wenn man sich zb ärgert, dass einem etwas nicht gelungen ist, ist von kurzer Dauer und nagt nicht wochenlang am Ego.
Ich finde das irgendwie bewundernswert und wünsche mir oft, dass viel mehr Menschen sich dieses kindliche Verhalten beibehalten würden. Es wirkt so ‚unbeschwert‘, einfach im Hier und Jetzt zu sein, den Moment in all seinen Facetten auskosten, ohne Gedanken an die Zeit, an Zukunft oder Vergangenheit.

Authentizität im Buddhismus

Ich hatte vor kurzer Zeit das Vergnügen bei der Ausarbeitung eines Textes für den nächsten ÖBR-Newsletter zu helfen. Genauer gesagt habe ich einen ersten Entwurf aus gebrochenem Deutsch grammatikalisch korrigiert. Für uns beide, Cao hat auch mitgemacht, war es eine interessante Herausforderung, den Inhalt, mit dem wir nicht in allen Punkten übereinstimmten, sauber wieder zu geben.

Die Essenz worauf der Autor hinaus wollte war, dass die ‚alten Schulen‘ des Buddhismus, da es sie ja schon sehr lange gibt und daher viel Weisheit angesammelt haben, sich mehr im Westen etablieren sollen. Denn dann sei sichergestellt, dass die Lehre des Buddha weiterhin unverfälscht übertragen werde.

Naja, ja, so könnte/sollte es sein. Ich sehe es dennoch anders. Ich finde, die ‚alten Schulen‘ sind kulturell schwer belastet, logischerweise von dem Ursprungland aus dem es zu uns kam. Wer meine Beiträge seit längerem folgt, der kennt meinen Standpunkt, dass ich das – FÜR MICH – nicht gut finde. Kurz zusammengefasst, weil die Lehre universelle Gültigkeit hat und lediglich im kulturellem Rahmen transportiert wird. Also zB. im ehemaligen Tibet war das logischerweise in tibetischer Sprache, mit tibetischer Symbolik, … blabla, jeder weiß, was ich meine.

Perspektivenwechsel: Ja ich bin mir sicher in Bildungseinrichtungen, wie es buddh. Klöster sein können, ich war ja noch nie dort, wo man seit vielen Jahren die Lehren studiert und weitergibt, wird tiefgreifendes KnowHow vorhanden sein. Das könnte man jetzt etwas in Zweifel ziehen, wenn man sich beispielsweise die aktuellen Berichte von Myanmar anschaut, aber das soll eigentlich nicht das Thema sein, obwohl es ein echt großes Problem ist, das man keinesfalls unter den Teppich kehren darf.

Mir geht es darum, dass der Autor meint, die Authentizität der unverfälschten Lehre sei NUR dadurch sichergestellt, dass ein Lehrer in so einem Kloster studiert hat. Ich möchte den Bogen nicht zu weit spannen, aber Authentizität und was noch so dazu gehört ist in meinem Berufsfeld (Netzwerk und IT-Sicherheit) ein wesentliches Thema. Es geht kurz gesagt darum, dafür zu sorgen, dass eine Information beim Empfänger so ankommt, wie sie der erwartete Sender abgeschickt hat.

Im buddhistischen Kontext sollte man sich immer bewusst sein, dass alle Grundtexte, also der Palikanon und von mir aus auch die anderen noch später entstanden oder offenbarten Texte, nicht vom historischen Buddha selbst niedergeschrieben worden sind. Außerdem waren die Lehren, die in den Texten niedergeschrieben wurden, immer an eine konkrete Zielgruppe gerichtet. Je nachdem mit wem er gesprochen hat, verwendete Buddha eine passende Sprache oder passende Analogien.

Ein offensichtliches Beispiel von heute wäre der Unterschied in der Sprache vor Gericht oder auf einer Baustelle. Das könnte beides Deutsch sein, aber es sind trotzdem unterschiedliche Welten. Das sollte einem auch immer bewusst sein. Und natürlich auch, dass alle unseren weltlichen Sprachen für weltliche Anliegen erschaffen wurden und sich spirituelle Dinge immer nur näherungsweise beschreiben lassen, da es dafür keine 1:1 passende menschliche Sprache gibt.

Jetzt versuche ich wieder zum Thema zurück zu finden. Wenn man jetzt davon ausgeht, das Authentizität gegeben ist, da einer ein Zertifikat von einer altehrwürdigen buddhistischen Einrichtung vorweist, mit Auszeichnung, dann könnte das etwas heißen. Muss es aber nicht.

Meiner Meinung nach zeigt sich Authentizität durch das aktive Verhalten und die laufende Prüfung mit der Quelle. In einer Lehrrede des Buddha, die mich in diesem Punkt unterstützt, geht es darum, dass der Dharma all das ist, was zum Heilsamen führt, unabhängig davon, ob es Buddhas Worte oder die eines anderen sind. Daher ist eine durchgängige Linie zurück zu Buddha, spätestens seit es schriftliche Auslegungen seines Vermächtnisses gibt, nicht mehr von oberster Priorität bzw. hinreichender Notwendigkeit. Die Texte sind weitgehend verständlich formuliert, der Sinn erschließt sich meist unmittelbar.

Das heißt nicht, dass die ‚alten Schulen‘ unnötig sind. Sondern ich meine, dass es wichtiger ist, dass ein Lehrer das lebt oder authentisch darstellt, wovon er oder sie redet und sich das mit den Quellen tatsächlich deckt. Man muss sich nicht als Buddha fühlen um Buddhismus lehren zu dürfen, sondern man sollte lehren, was man verstanden hat und das dann auch abgrenzen. Ganz egal ob diese Erfahrung in einem Kloster, im Retreat, bei der Arbeit auf einer Baustelle oder in der achtsamen Begleitung eines oder mehrerer Kinder oder wo auch immer gesammelt wurde.

Das bedeutet für mich Authentizität im Buddhsimus. Denn die andere Form hält keiner echten Prüfung stand, wenn dann nur, weil die Personen bereits nach dem Prinzip von meinem Verständnis authent praktizieren.

Praxis im Alltag mit Baby

Unser Hörnchen ist jetzt schon bald zwei Monate bei uns. Und wie man so schön sagt, es verändert sich fast alles. Viele der Veränderungen sind sehr positiv, ein paar auch eher negativ, aber das nimmt man als frischgebackene Mama gerne auf sich! Zumal ich mir im Vorhinein schon bewusst gemacht habe, was ungefähr auf mich zu kommen wird und wir diese Entscheidung auch bewusst getroffen haben.
Auch war mir klar, dass meine buddhistische Praxis möglicherweise nicht so weitergehen wird, wie bisher. Das heißt kein (fast) tägliches Meditieren in der Früh, keine wöchentlichen Meditationstreffen mit Freunden und auch kein monatliches Dharmastudium mit unserem Novizenmönch.

Diese Veränderungen nahm ich in Kauf, obwohl ich mich vor allem in letzter Zeit und besonders in der Schwangerschaft nur allzu gerne mit dem Buddhismus und meiner Praxis beschäftigt habe. Das Meditieren fiel mir wesentlich leichter und machte auch viel Freude, ich konnte schneller zur Ruhe kommen und das Dharmstudium bereicherte mich.

Mit einem kleinen Baby fallen die Prioritäten jedoch anders. Und hier möchte ich anknüpfen. Denn nur weil ich nicht mehr auf der Matte sitze, Vorträgen lausche und Bücher wälze, heißt das keinesfalls, dass ich nicht mehr praktiziere! Täglich stehe ich neuen kleinen Herausforderungen gegenüber. Ich habe in diesen zwei Monaten vor allem gelernt, meine eigenen Bedürfnisse hintan zu stellen und mich, ganz selbstlos, voll und ganz dem Wohlergehen eines anderen Lebewesens zu widmen. Das nenn ich mal Boddhicittagedanke!
Außerdem übe ich mich jeden Tag in Geduld und Achtsamkeit. Sei es beim allgemeimem Umgang mit dem Baby oder wenn eigentlich auch andere Dinge zu erledigen wären bzw. ich mir für den Tag etwas vorgenommem habe, ich dem aber jetzt nicht nachgehen kann.

Oft sind es die kleinen alltäglichen Dinge im Leben, die uns, mit Achtsamkeit ausgeführt, wachsen lassen und uns zu uns selbst führen!

Ex oda Oaschloch

Warnung: jetzt wird es derb!

Wir fahren gerade mit dem Auto durch Graz, untertags. Die Straßen sind voll, die Sonne blendet und die anderen Verkehrsteilnehmer hassen mich. Cao drückt mir die Thermo-Glasflasche mit dem letzten Rest Wasser in die freie Hand, während ich die Augen auf der Straße und die andere Hand am Lenkrad habe.

Sie sagt mit monotoner Stimme, fast schon beiläufig: „Ex oda Oaschloch“ und ich breche im wilden Lachkrampf aus.

Rückblende: In dem Kreis der alternativen Jungendlichen und eigentlich jungen Erwachsenen der Nachbarortschaft, da wo Cao und ich uns kennengelernt haben, stoßen wir alle auf das Wohl eines Geburtstagskindes an. Er, oder vielleicht auch sie, hebt das Glas noch höher und schreit mit Begeisterung die drei erwähnten Worte, woraufhin für die nächsten Momente Stille am Skateplatz herrscht, da alle ihre geöffneten Bierflaschen oder andere vollen Getränke austrinken, denn keiner will sich zum Arschloch machen lassen. Rückblende Ende.

Tja, im Auto war der Kontext zum Zitat ausgesprochen belustigend für mich. In der buddh. Praxis ist der Vorsatz sich von grober Rede fern zu halten, äußerst schwer für mich umzusetzen. Ich bin am Land, in eine Arbeiterfamilie geboren worden und mit einem älteren Bruder aufgewachsen. Derbe Ausdrücke sind Teil meines Dialekts, der eigentlich den Hauptteil meines – möglicherweise zweifelhaften – kulturellen Erbes darstellt.

Die positive Formulierung des Vorsatzes, nämlich auf freundliche und liebevolle Art zu sprechen ist mir sehr wohl ein Anliegen, aber auch das kann ich gut mit vulgärer Sprache verknüpfen, wie paradox. Aber – ich rede mir ein – es gelinge mir im allgemeinen, die Schimpfworte ohne konkrete oder mittelbare Beleidigung zu verwenden.

Naja, darüber sollte ich wahrscheinlich nochmal meditieren. Das Hörnchen schnappt es hoffentlich auch noch nicht auf.

Dharma im Alltag

Ich meine immer wieder zu hören/lesen, dass sowohl Buddhismus als auch echter Yoga realitätsfremd sei. Da ich in beiden Lehren sehr viele Gemeinsamkeiten finde – ja sogar behaupten würde, der historische Buddha sei ein Yogi gewesen – schreibe ich einen gemeinsamen Beitrag für beide diese Schwerpunkte. Sie sind ja auch in meinem Leben vereint. Ist ja nicht so, dass ich von 8 – 12 ein Yoga-Kapperl auf habe und nach dem Essen eine buddh. Robe anziehe. Nein, beides wird integriert gelebt.

Dem Buddhadharma wird oft vorgeworfen, er sei weltfremd und vorallem im Westen in der heutigen Zeit nicht praktizierbar, außer vielleicht in einem Kloster. Und Gemeinschaften die ihr Leben auf moderne Weise an den buddh. Idealen ausrichten und vielleicht sogar mit lokaler Kultur verbinden seien Sekten und sicher nicht authentisch.

Die yogische Praxis sei im Gegensatz dazu im Westen dem Fluch des Mainstreams erlegen. Als Begleiterscheinung von Fitnesszentren haben findige Lehrer alle möglichen Stile sektiert – vornämlich mit Übungen aus Hatha-Yoga und ein bisschen Pranayana, solo oder gemixt mit anderen Hilfsmitteln oder Akrobatik usw. – aber die Philosophie, der rote Faden dieser Lehre verstaube in den Büchern. Stattdessen dominiere Werbung mit den aktuellen Schönheitsidealen im Wettkampf um die extremsten Posen.

Aber es gibt die Lehren und es gibt die Menschen, die sich damit befassen und ihr Leben damit bereichern. Und zwar ohne unbedingt Geld dafür auszugeben, ganz im Stillen. In jeder Handlung findet sich die Gelegenheit, die Weisheiten dieser Lehren anzuwenden. Doch man muss sie halt nutzen. Und dafür müsste man die Lehren kennen. Und dafür müsste man sich damit befassen und sie verstanden haben.

Das kann man ganz allein, auch zuhause vorm eigenen Bücherregal oder hinter dem Computer. Sehr hilfreich ist es sich mit anderen Leuten die den Weg gehen auszutauschen. Aber anwenden muss man es dann immer noch selber.

Die veränderten Verhaltensweisen sind in unserer Gesellschaft leider nicht immer sehr hoch geschätzt, aber dafür umso heilsamer.

Auch mal seinen Feinden Zuneigung zeigen.

Papamonat adé

Ab April habe ich mit meinem Chef wieder mehr Arbeitszeit vereinbart. Ich wollte 25h in 4 Tagen, er fand 4 Tage ok, aber mehr Zeit. Wir einigten uns für die nächsten intensiveren Monate auf 30h in 4 Tagen und danach schauen wir, ob es auch mit weniger geht. Find ich gut.

Während dem März hatten wir vereinbart, dass ich an einem Tag in der Woche soviele Stunden arbeite, dass ich über die Geringfügigkeitsgrenze falle und voll versichert bleibe … seine Idee.

Da ich, neben dem technischen Kerngeschäft, mich generell auch um Prozesse und Dokumentation kümmere, hatte ich in den 5 Arbeitstagen im März – wie lärchelich sich das anhört – endlich Zeit einen Blick auf die lange Bank zu werfen. Dort wo alles hingeschoben wird, was schön zu haben wäre, aber – da nicht dringend – eben auch nicht gemacht wird … find ich auch gut, hat eh schon mal abgewischt gehört.

Aber jetzt, wo mein Geist wieder mit produktiven Arbeitsgedanken gefüllt wird, möchte ich mir die Erfahrungen des letzten Monats nochmals bewusst in Erinnerung rufen.

Die Geburt unseres Hörnchens fand zeitlich gesehen ziemlich planmäßig statt, daher hatte ich 4 volle Wochen um es kennen zu lernen. (Wer sich wundert warum ich ‚es‘ schreibe, kann mal auf der ÜBER UNS Seite nachlesen.)

Ich habe gelernt: das Hörnchen zu halten, zu wickeln, zu tragen, zu trösten, zu beruhigen(hätte nicht gedacht, dass es hier einen Unterschied gibt), um zu ziehen, ins Tragetuch zu packen, zu beobachten wenn es schläft, trinkt, schaut, niest, rülpst, furzt und vermutlich noch viel mehr Unterbewusstes.

Hörnchen im Tragetuch

Ab dem ersten Kuscheln nach der Geburt, wusste ich wie es aussieht. Obwohl jeder meint, es sähe mir ähnlich, finde ich das im Gesicht eher weniger, dafür in den Händen um so mehr, die Ähnlichkeit zu meinen langen Bürofingern. Schon bei der Heimfahrt nach der Geburt um 4 Uhr morgens, konnte ich mir das süße Gesichtlein genau vorstellen. Aus irgendeinem Grund meinte ich zuvor noch, dass alle Babies gleich aussehen würden. Plötzlich kann ich die Feinheiten in den Mini-Faces erkennen. Und eine Verwechslung scheint mir ausgeschlossen.

Ich kenne die unterschiedlichen Laute des Hörnchens: die zufriedenen, die zornigen, die enttäuschten und die erleichterten und den Muttermilch-geimpften Geruch. Auch wenn ich die Milchsucht nicht stillen kann, habe ich trotzdem das Gefühl, es kennengelernt und willkommen geheißen zu haben. Das heißt nicht, dass sich etwas – was ich als Vatergefühl bezeichnen würde – bei mir eingestellt hätte. Aber der Zweck, weswegen ich für sowas wie ein Papamonat gesorgt habe, scheint gefruchtet zu haben.

Die Gewerkschaften versuchen in den Kollektivverhandlungen den Anspruch für Väter auf 4 Wochen Dienstfreistellung für den Anlass der Geburt zu ermöglichen, also bei vollem Gehaltsbezug = echter Papamonat. Ich kann es nur empfehlen. All die neuen Erfahrungen wären für meine Frau allein bestimmt nicht stressfrei gewesen. Und ich kann mir gut vorstellen, wie sich da eine Wochenbettdepression einstellen kann, wenn man als frisch gebackene Mutter fast den ganzen Tag alleine versucht hilflos alles richtig zu machen und abends muss man sich vielleicht noch dafür rechtfertigen.

Ich habe in diesem Monat versucht meiner Frau den Rücken frei zu halten, sodass sie sich ganz mit dem beschäftigen kann, worauf sich ihr Herz konzentriert. Ich finde, das hat toll geklappt.

In den letzten Tagen hat es sich schon seltsam angefühlt, erst dann heim zu kommen, wenn das Hörnchen abends schon zu quengeln begonnen hat und dann bald eingebettet wird. Weit weg scheinen die Zeiten, als die Familie im Haus gearbeitet hat und ständig beisammen war.