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Wie schwer wir es doch haben

Vor kurzem stand wiedermal ein Besuch bei unserer Nachbarin an. Da wir auf dem Land auf einem kleinen Berg wohnen, ist unsere Nachbarin nicht direkt nebenan, sondern man muss einige Minuten gehen, bis man bei ihrem Haus ist und wir sehen uns in eher sporadischen Abständen.

Jedenfalls habe ich unser Hörnchen in die recht neue Mei Tai gebunden und bin losmaschiert. Bei der Nachbarin angekommen, musste sie natürlich gleich das Baby nehmen und stellte wiedermal fest, dass es schon groß und schwer geworden ist. Erstaunt und ganz ernst gemeint lobte sie mich, wie stark ich doch sei, da ich das Baby mit dem Alter und Gewicht ’noch‘ trage und bewunderte mich, weil ich ja seit 7 Monaten ’schon‘ stille. Ich muss dazu sagen, sie ist eher vom „alten Schlag“ und obwohl sie ein total herzlicher Mensch ist, kann sie mit unseren modernen Ansichten oft nichts anfangen, da man es früher, und vor allem hier auf dem Land teilweise noch heute, anders gemacht hat.

Wieder zu Hause musste ich unweigerlich noch mal an diese Sätze denken und fragte mich selbst, ob es eine besonders lobenswerte Tatsache sei, dass ich unser Hörnchen trage und stille. Und ich kam schnell zur Antwort: nein! Es ist einfach das Normalste der Welt. Außerdem, wenn man sich andere Teile der Welt anschaut, werden auch dort die Kinder getragen und gestillt. Da gibt es kein „das Baby ist zu schwer ich fahr lieber mit einem stylischen Kinderwagen herum“ oder „ich brauche mehr Zeit für mich, deswegen stille ich ab“. WIR haben es nicht schwer. Wir haben so gut wie alles, müssen uns wenig bis keine Gedanken ums tägliche Überleben machen. Wir sind nicht gezwungen, das Baby auf dem Feld zu gebären, dann in ein Tuch zu packen und weiter zu arbeiten. Wir haben keine Sorgen, was wir dem Baby zu essen geben, wenn es nicht mehr gestillt wird/werden kann. Nein, ich bin nicht zu bewundern. Ich habe den ganzen Tag nichts zu tun als Mutter zu sein und mich um mein Baby zu kümmern. Keine existenziellen Ängste plagen mich, denn mein Mann geht arbeiten und dank dem Sozialstaat kann ich einfach zu Hause bleiben. All die anderen Sorgen sind meist selbstgemacht – Haushalt, Aussehen, Gebrauchsgegenstände, Ansehen usw. Also warum sollte ich stolz oder ähnliches darauf sein, auf die natürlichen Bedürfnisse meines Kindes eingehen zu können, wenn ich den lieben langen Tag sonst eh nichts wirklich Wichtiges zu tun habe? Das soll jetzt auf keinen Fall heißen, dass der Fulltimejob ‚Mutter‘ ja so einfach ist und ich niemals gestresst, erschöpft, müde, genervt oder was auch immer bin. Jede Mutter, nein sogar jedes Elternteil hat mit der Geburt des Kindes wohl eine der anstrengendsten Phasen ihres/seines Lebens unmittelbar vor sich. Dennoch sollten wir uns zumindest ab und zu darauf besinnen, dass es sehr vielen Menschen auf dieser Welt sehr viel schlechter geht als uns. Und dass vielleicht nicht alles, was wir machen, so herausragend ist, wie wir denken, sondern ganz normal.

Geschenke als Ausdruck von Zuneigung?

Auch wenn es noch ein Weilchen dauert, Weihnachten naht. Jetzt mag es vielleicht seltsam erscheinen, dass ausgerechnet wir als Buddhisten schon so zeitig über diesen christlichen Feiertag nachdenken. Tatsächlich ist es ja so, dass toe und ich in den zehn Jahren unserer Beziehung, wovon wir bereits neun Jahre gemeinsam wohnen, nie einen Weihnachtsbaum- oder Schmuck hatten. Anfangs haben wir die Feiertage noch bei unseren Eltern verbracht und uns beschenkt. Im Laufe der Jahre und mit zunehmender Bewusstwerdung jedoch haben wir zuerst die gegenseitigen feiertagsbezogenen Geschenke reduziert und der Familie nur noch ‚gemeinsame Zeit und Aktivitäten‘ geschenkt, mittlerweile schenken wir gar nichts mehr. Wir haben das auch mehrfach kommuniziert. Es ist einfach so, dass wir in den letzten Jahren immer mehr reduziert haben und unsere Anschaffungen wohlüberlegt und dann auch sehr oft Secondhand waren bzw. sind.

Warum mir das Thema dennoch etwas im Magen liegt, ist wegen unserem Baby. Denn obwohl unsere Familie und Freunde unsere Einstellung mittlerweile gut kennen, haben wir etliche Geschenke bekommen. Na gut, im Vergleich zu anderen ist es vielleicht nicht viel, aber da wir die gesamte Kleidung übertragen bekommen haben – wir „mussten“ erst 4-5 Stück kaufen – und uns Spielzeug ebenfalls geborgt wurde, ist jedes weitere Stück zu viel für uns. Letztendlich hatten wir fünf Babyrasseln aus Stoff!!

Um wieder zurück zu kommen, Weihnachten naht. Wir feiern Weihnachten nicht. Unsere Familien schon. Wir finden es schön, Zeit mit unseren Familien zu verbringen. Aber wir wollen unserem Kind nicht dieses künstliche „aufs Christkind warten und viele Geschenke bekommen wenn man brav war“ antun. Das mag jede Familie für sich und ihre Kinder selbst entscheiden, wir wollen da jedenfalls nicht mitspielen. Allerdings ist es echt schwer, genau das unseren Familien und Freunden beizubringen. Ich musste mir schon Sätze wie „euer Kind wird doch einen Weihnachtsbaum sehen dürfen“ oder „kriegt das arme Kind dann keine Spielsachen?“ anhören. Denn scheinbar wird man abgestempelt, das Kind nicht genug zu lieben, wenn man es nicht mit Geschenken überhäuft. Nein, dem ist natürlich ganz und garnicht so! Aber wenn man, wie wir, ein kleines Haus ohne viel Stauraum hat und einen eher minimalistischen Lebensstil führt, ist es nur logisch, dass weder wir noch unser Hörnchen zu jeder bestmöglichen Gelegenheit etwas bekommen wollen. Vor allem, weil wir immer wieder dabei sind, auszusortieren, zu minimalisieren und zu reduzieren. Und dann wird es zu einer never ending story! Es belastet teilweise auch, wenn, sobald die materiellen Dinge immer weniger werden, Nachschub kommt.Es belastet, denn selbst wenn die Dinge hübsch oder nützlich sind, man sie manchmal einfach nicht braucht.

Mir ist klar, dass Geschenke eine Art der Zuneigung sind. Um ehrlich zu sein, freue ich mich natürlich auch über Geschenktes und noch viel lieber schenke ich etwas her! Dabei ist mir allerdings sehr wichtig, dass der/die Beschenkte das Geschenk auch wirklich braucht/möchte und es sich sowieso selbst in vielleicht ähnlicher Ausführung kaufen würde. Im Zweifelsfall schenke ich gemeinsame Zeit oder nichts, auch wenn das in unserer Gesellschaft unüblich ist, vor allem zu Anlässen wie Geburtstag, Weihnachten, Hochzeit oder dergleichen.

Doch wie soll man das seinen Familien und Freunden beibringen, ohne sie vor den Kopf zu stoßen oder zu verletzen? Wir kommunizieren diese Tatsache eigentlich recht offen, meist werden wir verstanden und erhalten auch noch Zustimmung… zumindest bis zum nächsten Anlass. Es kostet einfach Energie, dazwischen zu stehen, zwischen Minimalsimus und Materialismus. 

Habt ihr dazu vielleicht Anregungen oder Tipps? Wie handhabt ihr das mit euren Familien und Freunden?

Warum unser Kind nicht schreit

Ich hatte in meinem Leben immer wieder mal mit Babies und Kleinkindern zu tun. Das letzte Mal, dass ich in wirklich engem Kontakt mit diesen stand, ist aber schon länger her, nämlich bei den Kindern meiner Schwester, die mittlerweile beide schon länger schulpflichtig sind. Und wie das halt so ist, erinnert man sich nicht mehr bis ins Detail, wie das Kind sich verhalten hat, schon gar nicht, wenn man nicht die Mutter ist. 

Jetzt haben wir seit fast 5 Monaten selbst ein Baby. Ein recht anhängliches Baby, wie man umgangssprachlich sagen würde. Und die ersten 6 Wochen waren sehr anstrengend, zumal es eine Woche lang abendliche Schreiphasen gab, für die wir keinen ersichtlichen Grund fanden und das Schreien daher nicht wirklich stoppen konnten, außer indem wir unser Hörnchen so lange herumgetragen und geschaukelt haben, bis es einschlief!

Mittlerweile ist die Situation wieder total entspannt. Unser Zwergal scheint mir ein recht zufriedenes Baby zu sein. Neulich hatten wir mehrtägigen Kontakt mit der Familie, wo sie die Möglichkeit hatten, unser Hörnchen über einen längeren Zeitraum um sich zu haben. Wieder, denn das habe ich schon öfters und von mehreren Personen gehört, wurde erstaunt festgestellt, dass das Kind nicht wirklich weint! Natürlich, wenn etwas nicht passt, beispielsweise bei Langeweile, Müdigkeit, Überforderung, Hunger/Durst, dem Bedürfnis, getragen zu werden etc. wird kurz gequengelt. Aber das wars!

Warum das so ist und warum es für die Allgemeinheit überhaupt so selbstverständlich ist, dass Babies weinen, darüber habe ich mir Gedanken gemacht: Unser Baby hat einfach keinen Grund zu weinen! Denn wenn das Zwergal ein Bedürfnis hat, zeigt es das schon lange bevor es zu schreien beginnen würde. Sobald ich das erkenne, kann ich dieses Bedürfnis stillen, ohne ‚große Szene‘. So stille ich beispielsweise, wenn das Hörnchen sich Finger/Spielzeug in den Mund steckt und/oder unruhig wird, begleite es in den Schlaf, wenn es die Augen reibt und vor sich her brummt und nehme es auf den Arm, wenn es das Interesse an den Spielsachen auf der Decke verloren hat, mich fixiert und langsam anfängt zu meckern.

Natürlich geht das nicht immer so. Aber ich denke, das Baby weiß schon ganz genau, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden und es nicht erst lauthals losbrüllen muss, dass es gehört wird. Ich will mich jetzt allerdings nicht selbst beweihräuchern. Mir ist auch klar, dass verschiedene Kinder verschiedene Temperamente haben und es sicherlich auch solche gibt, die schnell mal zum Schreien anfangen und sich nur schwer beruhigen lassen. Das soll also kein Vorwurf oder ähnliches an Eltern sein, deren Kinder viel weinen. Ebenso ist mir bewusst, dass unser Hörnchen erst knappe fünf Monate jung ist und sich noch vieles ändern kann und wird. Und ja, dass unser Baby nie schreit war überspitzt formuliert.

Beim Nachdenken ist mir jedoch aufgefallen, dass viele beim Gedanken an Babies meinen, ‚die schlafen, trinken, weinen und kacken‘. Warum ist das so? Ich meine, abgesehen dass sie sich noch nicht mit Worten verständigen können, warum glauben wir als Erwachsene, dass Babies nicht selbst wissen, was ihnen gerade fehlt? Ein gutes Beispiel ist ja auch der Irrglaube, dass Babies nicht wissen, wann sie ‚aufs Klo‘ müssen und quasi inkontinent sind. Leider habe ich oft das Gefühl, dass viele Menschen, kleine Kinder (noch) nicht als eigenständige Personen mit eigenen Bedürfnissen sehen. Dass es eine allgemein gültige Meinung gibt, wie Babies nun mal sind. Und so ist es halt normal, dass Babies bzw. Kleinkinder weinen und schreien, was sollen sie denn auch sonst anderes tun…

Blogparade schmerzfreier Stillstart

Heute schreibe ich zum ersten Mal einen Beitrag zu einer Blogparade. Diese wurde von Tabea von mama-baby-visionen.de ins Leben gerufen, um Tipps und Erfahrungen von stillenden Müttern zu sammeln, die einen gelungenen Stillstart unterstützen sollen.
Ich hatte zum Glück keine großen Startschwierigkeiten, aber auch über meine kleineren Problemchen möchte ich gerne berichten:

Mir war schon lange bevor ich schwanger wurde klar, dass ich stillen werde. Schon als Kind und Jugendliche war es für mich irgendwie normal, dass man seinem Baby die Brust gibt, obwohl ich in der Generation aufgewachsen bin, in der kaum wer gestillt hat, meist aufgrund von ‚zuwenig Milch‘. Eigentlich kann ich mich auch nicht erinnern, jemals Bekannte, Verwandte oder Freunde der Familie dabei gesehen zu haben. Dennoch war es so in meinem Unterbewusstsein: „die Kuh säugt das Kalb, die Sau die Frischlinge und die Menschenmama ihre Menschenbabies“. Erst während meiner Schwangerschaft habe ich erfahren, dass es auch Frauen gibt, die nicht nur nicht stillen können, sondern auch garnicht stillen wollen… für mich irgendwie nicht nachvollziehbar, aber das ist ein anderes Thema.

Kurz nach der Geburt unseres Babys mitten in der Nacht konnte ich es problemlos anlegen. Es war leider ein Kaiserschnitt aber die angeblichen Problemchen beim Saugen traten nicht auf. Ich machte mir auch ehrlich gesagt nie Gedanken darüber, was wäre, wenn es mit dem Stillen nicht funktionieren würde. Jedenfalls war es ein lustiges Gefühl, an der Brust besaugt zu werden.
Doch schon am nächsten Abend fing es an: unser Hörnchen hatte Hunger, Mäulchen weit offen und weinte. Also legte ich es an. Mir wurde nicht gezeigt, wie man das macht, ich probierte es einfach intuitiv. Das Zwergal riss den Mund noch weiter auf, nahm die Brustwarze auch ganz in den Mund, statt jedoch zu saugen bewegte es den Kopf schnell hin und her, so als würde es noch suchen… ganz kurz wurde dann immer wieder getrunken, dann aber das gleiche Spiel von vorne. Natürlich ärgerte das unser Baby so sehr, dass es immer grantiger wurde und nach jedem Fehlversuch lauthals quiekte. So verbrachte ich die Nacht hauptsächlich damit, meinen kleinen Finger in das hungrige Mäulchen zu stecken, denn das beruhigte zumindest.
Frisch ausgeschlafen am nächsten Tag waren die Trinkversuche wesentlich besser. Hörnchen suchte zwar immer noch eine Weile, wenn es die Brustwarze gefunden hatte saugte es jedoch ziemlich an und trank auch einiges. Und das quasi den ganzen Tag lang. Dadurch taten mittlerweile meine Brustwarzen schon etwas weh, hauptsächlich beim ersten Ansaugen.
Als es gegen Abend mit dem Stillen wieder schlechter funktionierte, entschied ich mich, eine Schwester um Hilfe zu bitten. Wir gingen ins Stillzimmer, ich erhoffte mir fachlichen Rat und jede Menge Tipps. Was ich jedoch bekam, zusätzlich zu einer längeren Wartezeit auf die Schwester, die Ansage, ich solle das Baby mal beruhigen. Ok. Hörnchen hatte sich vor lauter Hunger und Ärger schon etwas reingesteigert. Ich nahm es auf dem Arm und schaukelte es, bis es weniger weinte. Dann begab ich mich in Stillposition. Das einzige, was die Schwester jedoch machte war, meine Brust in Babys Mund zu stecken. Und nein, das half gar nichts, denn das hatte ich selbst schon probiert! Nach etlichen Versuchen trank unser Zwergal dann wieder ein bisschen. So verlief die zweite Nacht zwar besser als die erste, aber richtig zufrieden waren wir beide nicht. Ich war durch diese Situation, das Kind nicht einfach stillen zu können, innerlich schon etwas unruhig, was sich sicher auch aufs Baby übertragen hat. Außerdem waren mit mir im Zimmer noch 4 andere frischgebackene Mamas, die in der Nacht sicherlich kein anhaltendes Babygeschrei brauchten. Beschwert hat sich niemand, aber es war mir trotzdem unangenehm. Die merhmaligen Bitten an die Schwester, mir behilflich zu sein, gab ich irgendwann auf. Denn es war jedes Mal, egal welche Schwester kam, blosses ‚Brust in den Mund stopfen‘.

Erst am nächsten Tag in der Früh war eine Schwester im Dienst, die mir, ohne dass ich danach gefragt hätte, eine gute Stillposition zeigte und meinte, ich solle darauf achten, dass das Baby die ganze Brustwarze in den Mund nimmt. Gebracht hat es zwar nicht viel aber ich war schon mal dankbar, dass mir wer brauchbare Dinge sagte.
Mir war der Krankenhausaufenthalt aber schon zu viel, hatte ich doch eine Hausgeburt geplant und mich nach meinem Zuhause und ruhiger, vertrauter Atmosphäre gesehnt!
So ging ich am 2. Tag nach der Geburt nach Hause. Meine Brustwarzen waren zwar etwas beleidigt aber ich hatte eine super Hebamme, die quasi auf mich wartete. Diese Tatsache ließ in mir garnicht erst den Gedanken aufsteigen, was wäre, wenn ich das Baby auch zu hause nicht gut stillen konnte. Ehrlich, ich hatte noch immer nicht darüber nachgedacht!

Daheim war ich einfach froh, nicht mehr im Krankenhaus zu sein. Ich kam mir ein bisschen vor wie in einer Seifenblase, alles ganz ruhig und friedlich hier drinnen. Klein Hörnchen schlief brav und wenn es Hunger hatte, legte ich es an. Und siehe da, es hat einfach so geklappt! Manchmal gab es noch kurz Herumgesuche aber dann saugte das Kind wie ein Weltmeister! Und das ständig. So gut, dass das Geburtsgewicht nach 4 Tagen wieder erreicht war und sich nach nur 7 Wochen bereits fast verdoppelt hatte!!
Meine Brustwarzen schauten für 4-5 Tage schlimmer aus, als es sich anfühlte. Sie waren sogar etwas wund, das tat allerdings nur beim Ansaugen kurz weh.

Abschließend kann ich nur sagen, dass eine positive Einstellung und vor allem Ruhe und auch vertraute Atmosphäre sehr wichtig für einen gelungenen Stillstart sind!

Den letzten Erfahrungsbericht in der Blogparade „Schmerzfreier Stillstart“ hat Maternita auf ihrem Blog geschrieben.

Besserwisserei

Ja klar, es gibt sie überall, diese Besserwisser. Seit wir allerdings ein Kind haben, werden wir bei fast jedem näheren Zusammentreffen mit anderen Menschen damit konfrontiert. Egal ob es sich um offensichtliche Tipps oder versteckte Ratschläge handelt, mir kommt vor, als würden andere immer besser wissen, was unser Baby braucht und wie man es richtig ‚erziehen‘ muss.
Schon bevor ich schwanger wurde, war toe und mir klar, dass wir kein Kind bekommen möchten, um es nach unseren oder den Vorstellungen der Gesellschaft zu erziehen und so zu formen, dass es in diese auch rein passt. Wir waren uns einig, uns zu hundert Prozent auf das kleine Lebewesen einzulassen und seinen Bedürfnissen nach zu gehen. Natürlich bringt das eine Menge Veränderung mit sich, man muss als Elternteil wahrlich selbstlos agieren, wenn man seine gesamte Aufmerksamkeit auf das Neugeborene lenkt.
Wir wollten von Anfang an unser Kind bedürfnisorientiert versorgen. Das es dafür auch einen eigenen Namen gibt, erfuhren wir erst später. Klar war uns aber, dass unsere Art, das Kind beim Aufwachsen zu begleiten, nicht mainstream ist, und schon gar nicht von den älteren Generationen verstanden wird.
Nicht nur einmal musste ich mir anhören, dass ich unser Hörnchen verwöhne, weil es AUF MIR eingeschlafen ist und nicht im Bett. Ich hätte ja dann gar keine Zeit für den Haushalt. Außerdem verwirrte Fragen, wie ich denn weiß, wann das Baby wieder gestillt gehört, wenn ich dabei doch gar nicht auf die Uhr schaue. Mehrmals höre ich unterschwellige Botschaften wie:“Jetzt trinkt das Baby schon wieder an der Brust?!“, natürlich von Frauen, die kaum bis keine Stillerfahrung haben und auch nicht wissen, ob unser Zwergerl vorhin eine volle Mahlzeit hatte oder doch nur zur Beruhigung ein bisschen an der Brust nuckelte. Auch toll fand ich die Aussage einer Verwandten, als ich mein Baby stillte, nachdem es etwas quengelig wurde: „ICH hab ja gesagt es hat Hunger“. Oder beim ins Auto setzen: „Schnallt das Kind gut an, nicht dass es raus fällt“. Bei jedem Unwohlsein wird mir und dem Baby versichert, dass es sicherlich Bauchweh hat und es bestimmt ‚etwas drückt‘. Jaja, alle kennen unser Hörnchen besser als wir, die Eltern, die 24 Stunden pro Tag mit ihm verbringen (zumindest ich als Mutter).

Abgesehen davon, dass diverse Ratschläge absurd sind und ich sie nie befolgen würde verstehe ich nicht, was die jeweiligen Personen damit bezwecken wollen. Ich meine, selbst wenn ich das Baby verwöhnen würde, was ja meiner Ansicht nach gar nicht geht, so ist es doch meine Sache! Dann bin doch ich es, die zeitlebens das Kind in den Schlaf tragen muss und niemand sonst.
Weiters kapier ich nicht, warum ich unser Kind auf das „harte Leben“ vorbereiten soll, indem ich ihm eine ‚harte Kindheit‘ beschere? Klar, ich wünsche, dass das Kind mal eigenständig und selbstbewusst wird und nicht gleich durch jede Herausforderung im Leben aus der Bahn geworfen wird. Aber erreicht man das, indem man das Baby zu fixen Zeiten stillt, sonst ablegt und auch mal schreien lässt (zu Stärkung der Lungen, haha), schließlich hat man ja auch noch ein eigenes Leben und keine Zeit für so ‚Unannehmlichkeiten‘?!

Eigentlich bin ich eine, die macht, was sie für das Richtige hält und ich lege eher weniger Wert auf die Meinung anderer, aber unterschwellig nerven mich solche Aussagen schon. Mir ist klar, wir sind zum ersten Mal Eltern geworden aber das heißt nicht, dass wir die Bedürfnisse unseres Kindes nicht kennen!

Es zählt nur der Augenblick

Gerade als ich unser Hörnchen lauthals meckernd über meine Schulter geschwungen in tanzenden, wippenden Schritten von Raum zu Raum spazieren trage, dabei ab und zu beruhigende Worte flüstere und den Kopf streichle, muss ich nachdenken. Ich weiß, unser Baby ist sehr müde und deshalb nicht gut gelaunt. Drei Tage Besuch bei unseren Familien und Freunden in der alten Heimat liegen hinter uns, jeden Tag eine neue Umgebung und sehr viele verschiedene, zum Teil fremde Gesichter. Außerdem fremde Geräusche und Gerüche, lange Autofahrten und sehr sehr viel Hitze. Dazu noch spätes Heimkommen und wenig Schlaf und schon fühlt sich das Baby nicht wohl, obwohl wir wieder in vertrauter und ruhiger Umgebung sind. Das alles wirkt noch nach, auf den kleinen Organismus.
Und trotzdem muss ich beim Nachdenken erstaunt feststellen, dass Babies total im Hier und Jetzt leben. Im einen Moment passt etwas nicht und es wird herungemotzt, im nächsten Moment ist das Bedürfnis vielleicht gestillt und das Baby ist glücklich, ohne die schlechte Laune von vorhin! Und genau das finde ich so beeindruckend. Wenn es dem Baby gut geht, ist es glücklich, wenn es ihm schlecht geht, ist es unglücklich. Da gibt es kein tagelanges Überlegen und Nachdenken, wie bei uns Erwachsenen. Die schlechte Laune, wenn man sich zb ärgert, dass einem etwas nicht gelungen ist, ist von kurzer Dauer und nagt nicht wochenlang am Ego.
Ich finde das irgendwie bewundernswert und wünsche mir oft, dass viel mehr Menschen sich dieses kindliche Verhalten beibehalten würden. Es wirkt so ‚unbeschwert‘, einfach im Hier und Jetzt zu sein, den Moment in all seinen Facetten auskosten, ohne Gedanken an die Zeit, an Zukunft oder Vergangenheit.

Praxis im Alltag mit Baby

Unser Hörnchen ist jetzt schon bald zwei Monate bei uns. Und wie man so schön sagt, es verändert sich fast alles. Viele der Veränderungen sind sehr positiv, ein paar auch eher negativ, aber das nimmt man als frischgebackene Mama gerne auf sich! Zumal ich mir im Vorhinein schon bewusst gemacht habe, was ungefähr auf mich zu kommen wird und wir diese Entscheidung auch bewusst getroffen haben.
Auch war mir klar, dass meine buddhistische Praxis möglicherweise nicht so weitergehen wird, wie bisher. Das heißt kein (fast) tägliches Meditieren in der Früh, keine wöchentlichen Meditationstreffen mit Freunden und auch kein monatliches Dharmastudium mit unserem Novizenmönch.

Diese Veränderungen nahm ich in Kauf, obwohl ich mich vor allem in letzter Zeit und besonders in der Schwangerschaft nur allzu gerne mit dem Buddhismus und meiner Praxis beschäftigt habe. Das Meditieren fiel mir wesentlich leichter und machte auch viel Freude, ich konnte schneller zur Ruhe kommen und das Dharmstudium bereicherte mich.

Mit einem kleinen Baby fallen die Prioritäten jedoch anders. Und hier möchte ich anknüpfen. Denn nur weil ich nicht mehr auf der Matte sitze, Vorträgen lausche und Bücher wälze, heißt das keinesfalls, dass ich nicht mehr praktiziere! Täglich stehe ich neuen kleinen Herausforderungen gegenüber. Ich habe in diesen zwei Monaten vor allem gelernt, meine eigenen Bedürfnisse hintan zu stellen und mich, ganz selbstlos, voll und ganz dem Wohlergehen eines anderen Lebewesens zu widmen. Das nenn ich mal Boddhicittagedanke!
Außerdem übe ich mich jeden Tag in Geduld und Achtsamkeit. Sei es beim allgemeimem Umgang mit dem Baby oder wenn eigentlich auch andere Dinge zu erledigen wären bzw. ich mir für den Tag etwas vorgenommem habe, ich dem aber jetzt nicht nachgehen kann.

Oft sind es die kleinen alltäglichen Dinge im Leben, die uns, mit Achtsamkeit ausgeführt, wachsen lassen und uns zu uns selbst führen!

Liegt es am Kindchenschema?

Es ist wirklich interessant. Wenn man halbwegs achtsam durchs Leben geht, merkt man ja des öfteren, wie andere, fremde Menschen auf einen reagieren. Ich bin es ja schon gewohnt, aufgrund meiner bunten, esoterischen Kleidung und meiner natürlichen Art öfters angeschaut zu werden. Zum einen wahrscheinlich aus Interesse, was ich denn da für seltsame Kleidung anhabe und was ich damit aussagen will. Zum anderen aber auch oft mit einer gewissen Abneigung oder einem gewissen Unverständnis, wie man denn „so ausschauen“ kann, nämlich nicht so konventionell wie 99% der restlichen Bevölkerung.

Als ich schwanger war, hatte ich in viele Situationen meines Erachtens nach eine noch größere Aufmerksamkeit als sonst. Daher fiel mir auch auf, dass ich, immer wenn ich an Orten unterwegs war, wo mehrere Menschen anzutreffen waren, besonders begutachtet wurde. Mit zunehmendem Bauch wurden auch die Blicke der Fremden mehr. Manchmal waren es Blicke von anderen Schwangeren, die mich, als ob wir das selbe Geheimnis in uns tragen würden, wissend anlächelten. Oftmals aber waren es die Blicke von eher älteren Menschen, die mich etwas entgeistert anschauten. Warum genau, weiß ich nicht. Meine Theorie dazu ist, dass ich noch relativ jung aussehe und die Menschen deshalb  à la „so jung und schon schwanger“ den Kopf schüttelten. Wobei, SO JUNG als wäre ich noch jugendlich und viel zu unreif für ein Baby, schaue ich auch nicht mehr aus…

Seitdem unser Baby auf der Welt ist, haben sich meiner Ansicht nach die Reaktionen der Menschen verändert. Wenn ich jetzt, das Baby mit Tragetuch vor mir auf den Bauch gewickelt, durch die Menschenmenge gehe, empfange ich stets freundliche Blicke. Ein Lächeln hier, ein Lächeln da. Meist gefolgt von Kommentaren wie „das ist aber noch ganz jung“ – „schau wie das lieb schaut“ – „ja mei, so klein“ etc.
Sowohl Jung als auch Alt reagieren sehr positiv auf das kleine Lebewesen. Irgendwie ist es so, als würde es alle Aufmerksamkeit an sich ziehen und im Mittelpunkt unserer Familie stehen – was es ja tatsächlich auch tut. Ständig sprechen einen Leute an oder bleiben zumindest kurz stehen, um das Baby zu begutachten.
Ist doch irgendwie seltsam, dass ein und dasselbe Baby so unterschiedliche Reaktionen auslösen kann. Ich kann mir das nur mit dem berühmten Kindchenschema erklären: sobald ‚Mensch‘ ein kleines Lebewesen mit großem Kopf, großen Augen, kleiner Nase, kleinem Kinn und dicken Bäckchen sieht, schaltet das Gehirn aus und evolutionsbiologische Aspekte wie Schutz, Fürsorge und geringeres Aggressionsverhalten treten zur Gänze zum Vorschein.

Wie seht ihr das Ganze? Habt ihr schon Ähnliches erlebt? Oder interpretiere ich hier einfach etwas hinein…

Privilegien

In letzter Zeit wurde ich mehrmals mit Situationen konfrontiert, die mich zu dem Entschluss kommen ließen, dass das Leben bzw. die Gesundheit eines Erwachsenen in der Gesellschaft absolut weniger Wert hat als jenes eines Babies oder Kleinkindes.

Angeregt wurden meine Gedanken dadurch, dass ich eine kleine Magenverstimmung hatte und mir aus diesem Grund zum Mittagessen nur einen Baby-Obstbrei einer bekannten Marke gekauft habe. Ihr wisst schon, diese Gläser mit Brei oder Mus, das beim ersten Mal öffnen so schön „Klack“ macht. Natürlich habe ich mir auch die Zutatenliste durchgelesen und siehe da, der Obstbrei bestand wirklich nur aus diesen Obstsorten, Saftkonzentrat und Reisgrieß und das alles in Bioqualität. Daneben war noch aufgelistet, was NICHT enthalten war, nämlich: Zuckerzusatz, Milchprodukte, Gluten, Säure, Aromen, Verdickungsmittel. Außerdem stand da noch: ohne Konservierungsstoffe und ohne Farbstoffe. Diese beiden Stoffe waren mit einem hochgestellten 1er markiert, wo kleingedruckt dabei stand: lt.Gesetz.

Alles schön und gut, denn schließlich sind diese Speisen ja für junge, kleine Menschen gedacht, die sich noch in der Entwicklung befinden und vermeintlich schädlichen Substanzen nicht ausgesetzt werden sollen. Diese Meinung unterstütze ich absolut!
Wenn ich mir aber die Zutatenlisten von gängigen Produkten im Supermarkt anschaue, kommt mir das Grauen. Alles voll von eben diesen genannten Aromen, Zucker, Verdickungsmittel, Farb- und Konservierungsstoffen usw. Den Erwachsenen und teilweise auch Kleinkindern – diese essen ja ab einem bestimmten Alter mit den Erwachsenen mit – wird all das reingestopft und zugemutet, was für die Babies lt. Gesetz verboten ist!

Jetzt kann man natürlich sagen, Erwachsene sind alt und hoffentlich auch intelligent genug, um selbst zu entscheiden, ob sie diese Stoffe zu sich nehmen wollen oder nicht. Für ein Baby jedoch muss jemand die Verantwortung übernehmen, für es Entscheidungen treffen und dafür sorgen, dass es eine so sichere und gesunde Lebensumgebung und Umwelt hat, wie nur möglich.
Dennoch fühle ich mich enttäuscht und betrogen. Und irgendwie auch eifersüchtig. Ich möchte auch dieses Privileg haben, einkaufen zu gehen mit dem Wissen, dass eventuell schädliche Stoffe in meiner Nahrung gesetzlich nicht erlaubt und daher nicht enthalten sind.

Ebenso erlebt habe ich diesen ‚Privilegiertenstatus‘ in anderen Situationen. Beispielsweise wenn man als Schwangere in einer größeren Gruppe ist. Man wird automatisch bevorzugt. Es wird einem der weiche Sitzplatz auf der Couch angeboten – auch wenn man es auf dem Boden weitaus bequemer findet. Es werden einem vermehrt Getränke angeboten oder Essen bereitgestellt. Oder es wird nur mehr im Nebenzimmer geraucht.
Das sind lauter Kleinigkeiten, die ich eigentlich sehr nett und aufmerksam finde. Gleichzeitig frage ich mich aber, warum Menschen im Allgemeinen so rücksichtsvoll sein können, wenn sie wissen, dass es um ein Baby geht und gleichzeitig so rücksichtslos, wenn es „nur“ um einen Erwachsenen geht? Habe ich als Erwachsener nicht das Recht auf eine gesunde Lebensumgebung?

Ich meine, extra für mich als Nichtraucherin hat noch nie jemand ein Rauchverbot ausgeprochen oder mich im Restaurant darauf aufmerksam gemacht, dass Aromen in meiner Speise enthalten sind. Scheinbar gehöre ich mit meinen fast 30 Jahren schon lange nicht mehr zu der Gruppe Menschen, deren gesundheitliche, ökologische und ethische Entwicklung es wert ist, gefördert und unterstützt zu werden!