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Besserwisserei

Ja klar, es gibt sie überall, diese Besserwisser. Seit wir allerdings ein Kind haben, werden wir bei fast jedem näheren Zusammentreffen mit anderen Menschen damit konfrontiert. Egal ob es sich um offensichtliche Tipps oder versteckte Ratschläge handelt, mir kommt vor, als würden andere immer besser wissen, was unser Baby braucht und wie man es richtig ‚erziehen‘ muss.
Schon bevor ich schwanger wurde, war toe und mir klar, dass wir kein Kind bekommen möchten, um es nach unseren oder den Vorstellungen der Gesellschaft zu erziehen und so zu formen, dass es in diese auch rein passt. Wir waren uns einig, uns zu hundert Prozent auf das kleine Lebewesen einzulassen und seinen Bedürfnissen nach zu gehen. Natürlich bringt das eine Menge Veränderung mit sich, man muss als Elternteil wahrlich selbstlos agieren, wenn man seine gesamte Aufmerksamkeit auf das Neugeborene lenkt.
Wir wollten von Anfang an unser Kind bedürfnisorientiert versorgen. Das es dafür auch einen eigenen Namen gibt, erfuhren wir erst später. Klar war uns aber, dass unsere Art, das Kind beim Aufwachsen zu begleiten, nicht mainstream ist, und schon gar nicht von den älteren Generationen verstanden wird.
Nicht nur einmal musste ich mir anhören, dass ich unser Hörnchen verwöhne, weil es AUF MIR eingeschlafen ist und nicht im Bett. Ich hätte ja dann gar keine Zeit für den Haushalt. Außerdem verwirrte Fragen, wie ich denn weiß, wann das Baby wieder gestillt gehört, wenn ich dabei doch gar nicht auf die Uhr schaue. Mehrmals höre ich unterschwellige Botschaften wie:“Jetzt trinkt das Baby schon wieder an der Brust?!“, natürlich von Frauen, die kaum bis keine Stillerfahrung haben und auch nicht wissen, ob unser Zwergerl vorhin eine volle Mahlzeit hatte oder doch nur zur Beruhigung ein bisschen an der Brust nuckelte. Auch toll fand ich die Aussage einer Verwandten, als ich mein Baby stillte, nachdem es etwas quengelig wurde: „ICH hab ja gesagt es hat Hunger“. Oder beim ins Auto setzen: „Schnallt das Kind gut an, nicht dass es raus fällt“. Bei jedem Unwohlsein wird mir und dem Baby versichert, dass es sicherlich Bauchweh hat und es bestimmt ‚etwas drückt‘. Jaja, alle kennen unser Hörnchen besser als wir, die Eltern, die 24 Stunden pro Tag mit ihm verbringen (zumindest ich als Mutter).

Abgesehen davon, dass diverse Ratschläge absurd sind und ich sie nie befolgen würde verstehe ich nicht, was die jeweiligen Personen damit bezwecken wollen. Ich meine, selbst wenn ich das Baby verwöhnen würde, was ja meiner Ansicht nach gar nicht geht, so ist es doch meine Sache! Dann bin doch ich es, die zeitlebens das Kind in den Schlaf tragen muss und niemand sonst.
Weiters kapier ich nicht, warum ich unser Kind auf das „harte Leben“ vorbereiten soll, indem ich ihm eine ‚harte Kindheit‘ beschere? Klar, ich wünsche, dass das Kind mal eigenständig und selbstbewusst wird und nicht gleich durch jede Herausforderung im Leben aus der Bahn geworfen wird. Aber erreicht man das, indem man das Baby zu fixen Zeiten stillt, sonst ablegt und auch mal schreien lässt (zu Stärkung der Lungen, haha), schließlich hat man ja auch noch ein eigenes Leben und keine Zeit für so ‚Unannehmlichkeiten‘?!

Eigentlich bin ich eine, die macht, was sie für das Richtige hält und ich lege eher weniger Wert auf die Meinung anderer, aber unterschwellig nerven mich solche Aussagen schon. Mir ist klar, wir sind zum ersten Mal Eltern geworden aber das heißt nicht, dass wir die Bedürfnisse unseres Kindes nicht kennen!