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Politik der buddh. Schulen

Unter den im-Dharma-Interessierten, sind meiner Erfahrung nach die folgenden alten buddh. Schulen bekannt: Theravada, Zen/Chan, die 4 tibetisch buddh. Schulen und Tantra. Daneben gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Sekten (nicht negativ gemeint sondern im Sinne des Schisma).

Angeblich – immerhin lese ich das immer wieder – gibt es zwischen den Angehörigen dieser Schulen oft Schwierigkeiten, wenn es um die gegenseitige Anerkennung geht. Dafür gibt es leider mehrere Ursachen. Eine der wichtigeren ist, dass jede Schule ihr eigenes Set an Vorsätze hat zu denen man sich verpflichtet. Das betrifft in diesen Schulen eigentlich nur mehr Nonnen und Mönche bzw. die Vorstufen dazu.

  • Theravada: 227 für Mönche/311 für Nonnen
  • Zen/Chan: 250 für Mönche/348 für Nonnen
  • tibetische Schulen: 253 für Mönche/364 für Nonnen

Inhaltlich unterscheiden sich diese vermutlich nicht wesentlich. Aber scheinbar genug um darüber streiten zu können. Anhand dieser Zahlen kann man vermutlich von einer größeren Bürde für Frauen ausgehen, aber da ich diese Regeln selbst nicht geprüft habe, überlasse ich das eurer Interpretation ob das diskriminierend ist oder nicht.

Ein anderer Aspekt sind Feinheiten in der Darstellung des Dharmas. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der Buddha Dharma universell ist und von verschiedenen Kulturen einfach dementsprechend transportiert und entwickelt wurde, oder besser gesagt daran herum entwickelt wurde.

Ich stelle mir das so vor: immer wenn ein Buddhist – keine Einschränkung auf das Mönchstum oder Geschlecht – tiefe Erkenntnisse oder gar das Ende des Weges erlangt hat, wurde der Dharma um dessen eigene Erfahrung und Auslegung erweitert/angepasst/ergänzt. Je nach Kultur wurde das dann dem historischen Buddha oder einer bestimmten Manifestation eines Aspekts der Buddhaschaft zugeschrieben, damit folgende Generationen das nicht mehr in Frage zu stellen brauchen, oder weil sich der Autor nicht mit dem Ruhm belasten wollte. Jedenfalls ist durch die räumliche Distanz damals relativ wenig zwischen den Traditionen verglichen worden und so ging jede Schule im historischen Kontext von den Lehren aus, die bis dahin zur Verfügung standen.

Das führte auch letztendlich dazu, dass heutige Buddhisten zum Teil widersprüchliche Schriften und vielfältige Ausprägungen der Praxis zur Auswahl haben.

Früher, als ich diese Webseite ins Leben rief, dachte ich, dass ich mir nur sicher sein konnte, dass der historische Buddha Shakyamuni (vormals Siddharta Gautama) mit Sicherheit erwacht war und alle danach vielleicht auch, aber vielleicht auch nicht. Deshalb zählte ich mich ‚politisch‘ gesehen zum Theravada, weil man annimmt, dass der Palikanon hauptsächlich Lehrreden beinhaltet, die tatsächlich auf diesen Buddha zurückgehen. Und da ich mich nicht als reiner Mönchserhalter sehe – zudem die Laienbuddhisten in den Theravada-Ländern mehr oder weniger geworden sind – hatte ich mich für den Modernen Theravada entschieden.

Heute sehe ich das zum Glück anders. Nach Sangharakshitas Darlegungen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass alle ernsthaften buddh. Schulen mit all ihren überlieferten Lehren jeweils valide Wege zum selben Ziel anbieten. Je nach Mentalität und Temperament kann man heutzutage eine passende Schule für sich auswählen … hier im Westen.

Also wie das in den Ursprungsländern ist, weiß ich nicht, aber soviel ich weiß, akzeptieren sich noch immer nicht alle Schulen gegenseitig. Ist ja auch verständlich, wenn man bedenkt, dass Buddhisten per Definition noch nicht erwacht sind und alle Schulen aus lauter Buddhisten bestehen.

In der buddh. Gemeinschaft Triratna besinnt man sich zurück auf den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Buddhisten: die Zuflucht zu den drei Juwelen, Buddha, Dharma und Sangha. Alle Buddhisten nehmen dazu Zuflucht und das macht im Grunde einen echten Buddhisten aus. Vorausgesetzt man rezitiert die Zuflucht nicht nur aus Gruppenzwang, was in den „buddh. Ländern“ leider Alltag geworden ist. Bei Triratna sind alle Buddhisten Teil der Sangha. Das umfasst also auch alle Praktizierenden anderer Traditionen.

Möchte man die eigene spirituelle Entwicklung im Rahmen der Triratna Gemeinschaft intensivieren, kann man sich zuerst zum Mitra (Freund) verpflichten, wobei man die fünf Silas auf sich nimmt. Es folgen Jahre des Studiums und der Praxis. Beim Studium konzentriert man sich zunächst auf die Kernlehren. Soweit ich weiß und das ist nicht besonders handfest, gibt es keine Einschränkung auf einen bestimmten Kanon. Man soll zwar durchaus bestimmte Lehren kennenlernen, aber man ist auch aufgerufen weitere Lehren und Kommentare zu lesen und zu reflektieren.

Wie ich das verstanden habe, geht es darum hinter den Wortlaut der Lehren zu blicken, die Essenz heraus zu filtern und diese auf das eigene Leben anzuwenden. Ganz egal ob man an einem Tag eine Lehre aus dem Palikanon und am nächsten Tag das Herzsutra analysiert. Mehr oder weniger ergibt sich so ein individueller Weg zu Weisheit und Mitgefühl.

Danach kann man um Aufnahme in den Orden ansuchen (wird zum Dharmachara) und nimmt dabei die zehn ethischen Prinzipien auf sich. Mit diesem Schritt setzt man seinem spirituellen Weg die höchste Priorität im Leben. Da sollte man sich also sicher sein, dass man das wirklich will und kann. Also, dass man aus sich heraus eine Notwendigkeit dazu verspürt und einen Lebensstil pflegt, der einem das auch ermöglicht. Wobei kein striktes monastisches Leben vorausgesetzt wird. Wenn man will, kann man ein Keuschheitsgelübde ablegen, aber auch das ist keine Regel, die von außen herangetragen wird, sondern aus der inneren Entwicklung passieren kann.

  • Triratna: 10 Prinzipien für Frauen und Männer

Als angehender Vater finde ich es für mich noch nicht sinnvoll in den Orden einzutreten, da ich mich jetzt mal auf die Begleitung meines Kindes konzentrieren möchte. Aber früher oder später wird es dann wahrscheinlich darauf hinaus laufen.

Fühlst du dich einer buddhistischen Schule zugehörig? Welche ist es und wusstest du von der modernen buddhistischen Bewegung Triratna? Was hälst du von den Zwistigkeiten zwischen den verschiedenen Schulen?

Wie in einem Traum

Ich habe vor kurzem einen buddhistischen Roman gelesen. Nach der Lektüre einer Reihe Hebammen-Bücher, brauchte ich etwas Einfaches, ohne aktiver Sorgenbereitung, was alles bei einer Geburt schief gehen kann. Aber bitte nicht falsch verstehen, die Bücher geben immens viel Vertrauen in den weiblichen Körper. Trotzdem werden auch die möglichen Probleme – die herbei geredet oder von selbst entstehen können – thematisiert. Was natürlich auch wieder unangenehme Hintergrundgedanken erzeugt.

Also nach dem dritten oder vierten Buch musste Abwechslung her. Im Buchladen angekommen ließ ich den Blick über die buddh. Ecke wandern und tatsächlich sind hier neben Lehrtexten und Ratgebern auch Romane untergemischt. Ohne lang zu überlegen griff ich zu „Wie in einem Traum“ von Ully Olvedi. Zusammengefasst, meine Erwartungen wurden weit übertroffen.

Die Geschichte dreht sich um ein Mädchen, das irgendwo am Fuße des Himalaya aufgewachsen ist. Als ihre Eltern bei einem Raubüberfall starben und sich der Mann, den sie später heiraten sollte, als ungestümer Arsch entpuppte beschloss sie ins Kloster zu gehen um die Lehren Buddhas zu lernen und zu erfahren wie man glücklich wird.

Ihrer Pilgerreise endet in der Nähe von Kathmandu in einem Arya Tara Nonnenkloster. Ich musste ständig an die Fotos von Nadines Blog: TaraNuns denken. Jedenfalls kommt aus dem Roman sehr deutlich die Situation für die Nonnen der tibetischen Tradition heraus, wie unbefriedigend es ist, als Nonne nicht studieren zu dürfen. Quasi wie im einem Klub der toten Dichter werden diese Themen von der frechen Gruppe um der Protagonistin deutlich angesprochen.

Natürlich fehlt die obligatorische Liebesgeschichte nicht und die Meditationserfahrung sind sehr lebendig formuliert. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, wenn ich auch betonen muss, dass der Buddha nicht nur zu Mönchen und Nonnen sprach. Außerdem findet ja gerade ein Umbruch im tibetischen Buddhismus statt, der endlich den Nonnen die volle Ordination ermöglichen soll. Worüber auch Nadine in ihrem Blog berichtet.

Auf globaler buddhistischer Ebene kümmert sich die Organisation Sakyadhita um den Bewusstseinswandel voran zu treiben. In Deutschland gibt es bereits einen Ausläufer, in Österreich versucht Inge Brenner vom Sakyaling Zentrum in Bad Gams eine Gruppe aufzubauen. In der Triratna Gemeinschaft, die ja erst vor knapp 50 Jahren in England gegründet wurde, gibt es halt keine tradierte Diskriminierung, die erst langwierig ausgemerzt werden müsste.

Zurück zum Buch, es war so toll zu lesen, dass ich mir bereits die Fortsetzung zugelegt habe: „Die Stimme des Zwielichts„.