Schlagwort-Archive: doku

Und wir laufen hinterher…

Eine Freundin erzählte uns vor kurzem, dass sie in einem Buch gelesen hat, dass wir Menschen im Westen die einzigen unter den Säugetieren sind, die ihren Kindern nachlaufen. Denn bei den Tieren ist es so, dass die Kinder ständig hinter den Eltern her sind, um nicht alleine gelassen oder gar verloren gegangen zu werden. Ebenso ist das (zumindest in Teilen von) Afrika und Asien so. Die Kinder erkunden selbstständig ihre Umgebung, kommen aber immer wieder in die sichere Nähe der Eltern oder anderer vertrauter Erwachsener.

Bei ‚uns‘ erlebe ich es vollkommen anders. Das Kind krabbelt oder läuft neugierig drauf los. Noch bevor es sein anvisiertes Ziel erreicht hat, ist meist schon ein Erwachsener hinterher. Oft in Kombination mit mahnenden Worten, dass dieses oder jenes nicht zum Spielen geeignet sei, man das nicht angreifen darf oder soll oder die Eltern es schlichtweg nicht wollen.

Ja, wir leben im Allgemeinen in einer eher kinderfeindlichen Umgebung. Stufen oder andere Stolpersteine hier, Messer, spitze Gegenstände aus ungeeignetem Material oder heiße Öfen dort, dazwischen eine Menge Autos und viel ‚Schmutz‘, der die Kinder bei Berührung scheinbar krank macht. Doch ist diese Umgebung wirklich so kinderfeindlich, dass sie mit speziellen Hilfsmitteln sicher gemacht werden muss oder vertrauen wir nur zu wenig auf die Fähigkeiten und Intelligenz unserer Kinder?
In der Doku Babies (den Trailer gibt’s hier) wird noch mal deutlich, was auch unsere Freundin gelesen hat. Kinder und Babies sind nicht dumm und wissen um Gefahren, sie lernen durchs Zuschauen und Nachmachen von den Erwachsenen. Und Kinder verletzen sich nicht zwangsläufig, wenn sie ein Messer in der Hand haben oder werden gebissen, wenn sie mit wilden Hunden spielen!

Das mag jetzt für unseren Kulturkreis ein wenig fahrlässig klingen, wachsen die Meisten doch wohl behütet in sicherer Umgebung auf. Doch wie soll ein kleines Kind lernen, mit Gegenständen des alltäglichen Lebens vorsichtig und verantwortungsvoll umzugehen, wenn man ihm nie die Möglichkeit dazu lässt und ihm stattdessen realitätsfernes Spielzeug aus Plastik in die Hände drückt? Wir handhaben das so, dass wir unser Hörnchen bei seinen Erkundungstouren stets beobachten und gegebenfalls begleiten. Ist dann mal etwas interessant, was kein offizielles Spielzeug ist – also ungefähr eh alles andere – dann darf unser Kind es untersuchen. Entweder gänzlich alleine, wenn es sowieso ungefährlich ist, wie beispielsweise ein Kochlöffel, Plastikschüsseln, Klopapierrollen etc. oder gemeinsam mit uns Eltern, zum Beispiel bei Dingen wie Teller, Gläser, Pflanzen, spitzere Gegenstände usw. Natürlich gibt es auch ein paar Tabus. Ich würde dem acht Monate alten Baby kein scharfes Messer geben oder es am heißen Ofen spielen lassen, weil es die Konsequenzen derzeit einfach noch nicht begreifen kann. Dennoch haben wir die Erfahrung gemacht, wenn Besuch mit Kindern da ist, dass der Großteil der Gegenstände, welche vom Hörnchen bespielt und erforscht werden, als potentiell gefährlich eingestuft und weggeräumt wird. Dabei hat sich unser Kind noch nie an etwas Derartigem verletzt…

sind vegane kinder ‚ungesünder‘ als omnivore kinder?

Vor ein paar Tagen haben wir uns wieder einmal eine Doku über vegane Ernährung angeschaut. Diese Doku zeigt Menschen aus der Schweiz, wie und warum sie zum Veganismus gekommen sind und wie es ihnen damit geht. Auch eine junge Familie mit einem kleinen Kind war dabei. Und natürlich, zu den üblichen Fragen an die Erwachsenen, was sie denn da überhaupt noch essen könnten, wie sie ihren Kalorien-, Eiweiß-, Eisen-, Vitamin- usw.  bedarf decken können und ob eine Avocado aus Peru nicht mindestens genauso schlecht für die Umwelt ist, wie die Fleischproduktion, stellte der Moderator auch speziell Fragen zur Ernährung des Kleinkindes.

Oft schon habe auch ich darüber nachgedacht und mich manchmal über das Klischeedenken mancher Menschen geärgert. Ich verstehe einfach nicht den unmittelbaren Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und Mangelernährung, der immer wieder großes Thema ist. Natürlich, es gibt VeganerInnen, die ernähren sich von Chips, Pudding und Cola und leben somit nicht ausgewogen und gesund. ABER es leben auch etliche ‚Fleischesser‘ auf genau diese Weise, nur dass ihre Chips vielleicht noch Speckaroma enthalten (Achtung, Vorurteil!). Da fragt sich allerdings kaum jemand, ob deren Kind genügend Vitamine bekommt, ob es eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung genießen darf, ob der viele Zucker aus den Limonaden es eventuell gesundheitlich beeinträchtigen könnte oder ob die viele Kuhmilch Auswirkungen auf sein Wachstum haben wird.

Gerade in der heutigen Zeit, wo immer mehr Stoffewechselkrankheit auftreten, sollte der Fokus nicht nur auf die mögliche Mangelernährung von Pflanzenessern, sonder eher auf das generelle Übermaß an Fett, Zucker, Fleisch, Konservierungsstoffen und dergleichen gerichtet werden. Außerdem sollten Maßnahmen um diesen Erkrankungen vorzubeugen, wie korrekte Information – nicht nur das, was uns die Werbung erzählt – ergriffen werden.
Und hier möchte ich noch betonen, dass es nicht nur darauf ankommt, welcher ‚Diät‘ oder welchem Ernährungstrend man folgt. Eine ausgwogene, abwechslungsreiche Ernährung hat für mich nicht zwangsläufig etwas mit Veganismus zu tun. Allerdings habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die sich bewusst mit den Lebensmitteln die sie essen, auseinandersetzen, weitaus besser über deren Inhaltsstoffe und Aufnahmefähigkeit sowie Wechselwirkungen mit anderen Lebensmitteln Bescheid wissen als solche, die einfach essen, was sie halt von klein auf gewohnt sind.

Wir haben noch keine Kinder, aber wenn es mal soweit ist, werden auch wir unsere Kinder vegan ernähren. Dabei geht es meiner Meinung nach nicht darum, dem Kind dogmatisch zu erklären, was es essen darf und was verboten ist. Und auch ist mir klar, dass es außer Haus z.B.: bei Freunden vielleicht nicht vegane Produkte konsumieren wird. Ich kann als Mutter meinem Kind nur meine persönlichen Werte mitgeben, so wie es jede Mutter automatisch tut. Ich kann ihm vorleben, wie und was ich für sinnvoll halte und das auch begründen. Aber ich kann nicht von ihm verlangen oder es gar zwingen, genauso zu handeln wie ich. Das muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden.