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Ferien’17

Nach 10 Monaten harter Arbeit freue ich mich nun auf die Ferien. Gewiß, andere genießen 5 Wochen Urlaub, ich hab nur 2 Monate. Aber diese kurze lebenswerte Sommerzeit will genutzt werden – Carpe Diem, carpe vacatio!

Also beginnen meine Reisevorbereitungen wieder mal mit der Restaurantrecherche. Als Gebirgsdorfbewohner staune ich in jeder größeren Stadt über die kulinarische Auswahl und das schier endlose gastronomische Angebot. Das Problem besteht hier weniger im fehlenden Angebot, sondern ist ganz anderer Natur: die Größe der Stadt! Nur weil sich zwei Restaurants in Paris befinden, bedeutet das nicht, dass sie auch nur im Entferntesten nahe beisammen liegen müssen – nach einem Tag Paris-Sightseeing habe ich eine Strecke von 35km zurückgelegt. Glücklicherweise konnte ich die meisten davon am Einrad zurücklegen; so wurde der Weg zwar nicht kürzer, aber lustiger.
Auch Bilbao ist schön. Schön von der Art, wie Bad Gastein es ist. Beeindruckende Vertikalausdehnung, kompaktes Zentrum. Ein Restaurant bietet einen makrobiotischen Apfelstrudel an (must try). Guggenheim Museum. Baskenland. Und eine Liftruine…

Leichter fällt die Nahrungsaufnahme für vegane Gourmets natürlich in Barcelona. Für jeden, der sich an die eingeschränkten Öffnungszeiten des Petit Brot gewöhnt hat, bietet dieses Restaurant vitale Säfte und ausgezeichnete Menüs in allerhöchster Rohkostqualität …
In der Baskenmetropole können neben Rohköstlichkeiten auch vegane Pizzen gegessen werden, das Veggie Garden und natürlich die vielen Märkte und sogar Geschäfte besucht werden, die ausschließlich Obst anbieten (raw fast food) – (für carnophile Leser: das löst in mir ähnliche Glücksgefühle aus wie wenn ihr in einer Metzgerei steht. Also viel Auswahl dessen was man gerne mag, und nix das vom Wesentlichen ablenkt).

Doch das eigentliche Ziel meiner Reise liegt in Portugal. Inmitten des Alentejo, einer zur Wüste werdenden Landschaft, liegt eine Oase des Friedens – Tamera, Healing Biotope I – Friedensforschungszentrum.
Dank der nach Anleitung Sepp Holzers angelegten Wasserretentionslandschaften geht kein Tropfen des im Winter fallenden Regenwassers verloren und wird ganzjährig im Kreislauf gehalten. So gedeihen Obstbäume neben den vor einigen Jahren angelegten Seen, es wächst Gemüse und die Insekten, Vögel, Menschen und andere Tiere erfreuen sich reicher Futterquellen.
Tamera bietet neben diesem freien Nahrungsangebot auch vegane Vollverpflegung und führt eine Bar, die neben veganer Schokolade auch Bier für € 1,- anbietet! Weiters werden Besucher ersucht, tierleidfreie Seifen und Zahnpasten mitzubringen sowie darauf zu achten, dass dies alles biologisch abbaubar ist.
Doch leider ist der Aufenthalt an die Teilnahme an einen der Kurse oder der dreimonatigen season group gebunden. Jeder weitere Tag wird nur in Ausnahmefällen geduldet, man will ernsthaft Suchende Gäste, keine Touristen.

Für eine Auszeit vom babylonischen Alltagswahnsinn kann Tamera also nicht empfohlen werden. So erinnerte ich mich an Hesse, welcher sagt, es
„Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.“und da stets gilt,
‘Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen’, packe ich meinen Rucksack und setze meine Reise fort (klingt eigenartig, die Reise fortsetzen, als ob Die Reise jemals unterbrochen werden würde)

… und so zog ich weiter, zum Wandern, gen Italien.
Ich suchte die Ruhe, die Abgeschiedenheit. Nach einem Jahr im öffentlichen Schuldienst brauche ich mal Zeit in einer heilsamen Umgebung. Tamera war der perfekte Ort, in eine friedliche, inspirierende Gemeinschaft lieber Menschen einzutauchen. Doch war ich nur Gast, nicht Teil der Gemeinschaft. Also alles mal durchdenken, durchfühlen, wirken lassen. Der Sommer wird mich noch eine Weile begleiten und ich stehe jetzt mal alleine nahe dem Naturpark der Friauler Dolomiten im Wald und denke, dass es noch nicht nötig wäre, die Schuhe zu binden oder Socken zu tragen.
Ein paar Kilometer weiter erinnert mich eine große Blase an der Ferse, dass es schon nötig gewesen wäre und alleine bin ich auch nicht mehr.
Ich befinde mich im Rainbowland, einem gras- und buschbewachsenen Hochtal auf 1.200m, in welchem Menschen campen, singen, tanzen, Workshops halten, lieben, kochen, essen,… Keine elektrischen Geräte sind zu finden, kein Alkohol, keine Dixi-Klos und kein Geld (außer im Magic Hat um Reis, Kichererbsen, Kartoffel und Gemüse für Alle zu bezahlen); dafür ungefähr zweitausend Hippies jeden Alters und ca. ebensoviele Gitarren, ein Chello, Chai Tents, ein komplettes Kids Village mit eigener Kids Kitchen und als der Mond zunimmt, kommen immer mehr Menschen hinzu sodass am 6. August, einem Tag vor Vollmond, der Food Circle schon aus drei Reihen besteht als plötzlich der Regen sich mit Sturm und Hagel gepaart von seiner offensiven Seite zeigt.

Ein Fest der offenen Herzen

Brothers and Sisters (so die aus dem angloamerikanischen stammende Anrede unter Mitgliedern der Rainbow Family) begegnen sich in Offenheit. Niemand läuft mit Schutzschilden durch die Gegend. Abwehrhaltung ist nicht nötig, da niemand Hass, Neid, Gier, Ärger oder Frust mit sich herumträgt und aggressives Verhalten vermieden wird. So begegnen sich häufig brothers and sisters, die sich vorher noch nie gesehen haben, mit der Offenheit guter Freunde. Diese Offenheit bemerke ich am häufigsten in Gesprächen. Gespräche, die dadurch nach wenigen Sätzen eine Tiefe erreichen, die in der ‘outside world’ sehr selten vorkommt, welche aber auch größtes Vertrauen erfordert; auch viel Selbstvertrauen. Meist sind diese Gespräche sehr wertvoll.
Offenheit wird auch im Umgang mit Kleidungskonventionen demonstriert. Wer die Notwendigkeit verpürt, bekleidet oder bemalt herumzulaufen, kann dies tun, in welch Form auch immer es gewünscht ist. Es ist gar nicht mal so leicht: pure Selbstdarstellung – keine zur Schau Stellung des Egos.
Eine besonders schöne Seite zeigte sich in der emotionalen Offenheit im Umgang miteinander.

Ich traf kaum jemanden, der etwas widerwillig oder lustlos tat; schließlich gibt es hier einen freien Willen und niemand wird zu etwas gezwungen…
Dazu ist es aber auch wichtig, dass Sätze wie ‚Du das stört mich jetzt, wenn du das hier machst‘, hier findet gerade ein heiliges Ritual statt, bitte nicht durchgehen‘ ‚nein, ich mag nicht beim Servieren helfen‘ ganz offen kommuniziert werden dürfen.

Eigenverantwortung und gelebtes Mitgefühl
Wer sich in die Berge begibt, in die freie Natur; der setzt sich einem Risiko aus. Jeder sollte Risken kompetent abschätzen können und entsprechend Handeln. Hier gibt es keinen ‚Veranstalter‘, der etwaige Haftung übernehmen würde, nur gegenseitige Hilfe und Unterstützung. So gewährte ich im Hagel einer sister Unterschlupf unter meinem Regenponcho und konnte der an Wärme gewöhnten Inderin eine Intensivierung der Kälteerfahrung ersparen; später wurde ich in ein Zelt eingeladen und konnte so eine weitere Regenphase trocken überstehen.

Nachdem ich dies alles, und viele nackte Menschen(!) gesehen hatte, reiste ich natürlich unverzüglich ab und wendete mich wieder meinem bürgerlichen Leben in Babylon zu.

wanderlust

Nach 10 Monaten harter Arbeit freue ich mich nun auf die Ferien. Gewiß, andere genießen 5 Wochen Urlaub, ich hab nur 2 Monate. Aber diese kurze lebenswerte Sommerzeit will genutzt werden – Carpe Diem, carpe vacatio!

Also beginnen meine Reisevorbereitungen wieder mal mit der Restaurantrecherche. Als Gebirgsdorfbewohner staune ich in jeder größeren Stadt über die kulinarische Auswahl und das schier endlose gastronomische Angebot. Das Problem besteht hier weniger im fehlenden Angebot, sondern ist ganz anderer Natur: die Größe der Stadt! Nur weil sich zwei Restaurants in Paris befinden, bedeutet das nicht, dass sie auch nur im Entferntesten nahe beisammen liegen müssen – nach einem Tag Paris-Sightseeing habe ich eine Strecke von 35km zurückgelegt. Glücklicherweise konnte ich die meisten davon am Einrad zurücklegen; so wurde der Weg zwar nicht kürzer, aber lustiger.
Auch Bilbao ist schön. Schön von der Art, wie Bad Gastein es ist. Beeindruckende Vertikalausdehnung, kompaktes Zentrum. Ein

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Der Weg des geringsten Widerstandes

In unserem Privatleben gibt es derzeit ein paar Ungereimtheiten. Es geht um Themen, die für uns eigentlich selbstverständlich sind und wir daher auch angenommen haben, dass sie das für Andere ebenso sind, zumal es sich um Menschen handelt, die uns und unsere Einstellung eigentlich gut kennen.

Jedenfalls habe ich heute mit toe ein wenig über ein paar Situationen gesprochen und wir haben unsere Standpunkte abgeglichen und geklärt. Irgendwann kam dann mal der Satz:“Es wäre der Weg des geringsten Widerstandes“, allerdings mit der Bemerkung, dass dies kein Argument dafür sei!

Über diese Aussage musste ich erstmal nachdenken. Darüber, warum man diesen Weg nur allzu oft geht, obwohl es einem deutlich gegen den Strich geht? Darüber, warum man an manchen Dingen festhält oder sie macht, obwohl sie einem absolut nicht wichtig sind, es aber von der Gesellschaft so erwartet wird? Warum man nicht authentisch in jeder Situation reagiert, so wie man es in seinem tiefsten Inneren für richtig hält? Und wieso man am liebsten auf keinerlei Widerstände in seinem Leben stoßen möchte, ungeachtet dessen, dass man daran wachsen kann und sich dadurch möglicherweise weiterentwickelt.

Ganz ehrlich, ich habe keine befriedigende Antwort gefunden! Natürlich ist mir bewusst, dass sehr viel an unserem Ego liegt, dass sich quasi in den Vordergrund drängt, alles auf sich bezieht und so die objektive Sichtweise in den Hintergrund stellt. Außerdem spielt der Verstand eine große Rolle, der ständig und unaufhörlich abwiegen muss, ob und warum bestimmte Dinge gut oder schlecht sind, was passieren würde wenn … und blablabla … 

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der Großteil der Menschen aus einer tiefen, evolutionsbedingten Angst heraus, am Ende alleine zu sein, so handelt oder ob es einfach der Zeitgeist ist?

Wir gehen eigentlich schon lange unseren eigenen Weg, egal, was andere denken oder sagen. Vieles machen wir anders, als es heutzutage in unserer Gesellschaft üblich ist und wir geraten immer wieder auf Widerstand. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die wir eigentlich nur tun, um den besagten Weg des geringsten Widerstands zu gehen, weil es einfacher ist, weil man sich mit etwas bestimmten nicht auseinandersetzen muss oder man die Gefühle Anderer nicht verletzen will.

Was meint ihr dazu? Sollte man immer seinen Weg gehen und seinen Prinzipien folgen, auch wenn das bedeutet, dass man in manchen Bereichen nicht mehr Teil der Gesellschaft ist oder damit Andere eventuell verärgern bzw. verletzen könnte? Kann man überhaupt für die Gefühle Anderer verantwortlich sein?

Ein Experiment mit mir selbst

Man kann es jetzt Zufall nennen oder wie man sonst gerne mag, denn ich habe vor etwa zwei Wochen über ein Phänomen nachgedacht und zwei Tage später genau dieses erlebt. Es geht um etwas ganz Simples, was aber in meinem Kopf auf gewisse innere Widerstände a la „das passt so nicht“ stößt. Ich rede hier ganz einfach vom Tragen verschiedener Socken. Also genauergesagt Socken, die sich in Farbe oder Muster unterscheiden und daher kein ‚Paar‘ mehr bilden. Jahrzehntelang und schon von kleinauf darauf trainiert, ist es für mich nicht einfach, dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen. Denn mir wurde, wie wahrscheinlich den meisten von uns, gelernt, dass man Socken als Paar anzieht, das heißt, der auf dem rechten Fuß ist an jedem Tag ident mit dem am linken Fuß! Und auch wenn ich sonst recht unkonventionelle Kleidung trage und versuche, nicht in Schubladen zu denken, so gehören Socken doch irgendwie zu den Dingen, die ich ganz automatisch paarweise in den Sockenkorb gebe und auch anziehe.

Also habe ich mich dazu entschieden, meine Muster zu durchbrechen und eine zeitlang verschiedene Socken zu tragen. Ich habe das schon ab und zu bei anderen Leuten gesehen und immer irgendwie lustig gefunden. Zwei Tage nach diesem Entschluss haben wir uns mit lieben Menschen getroffen und einer hatte tatsächlich auch zwei verschiedene Socken an. Sie unterschieden sich ein wenig in der Farbe und total im Muster. „Ich greife jeden Tag in den Sockenkorb und nehme zwei davon heraus. Wenn ich mal zwei gleiche erwische, ist es ein besonders guter Tag!“ sagte unser Bekannter scherzhaft.

Ich startete mit dem Experiment. Zuerst fand ich es seltsam, denn wenn ich nach unten blickte, schauten mir da, so könnte man meinen, zwei verschiedene Füße entgegen. In meinem Kopf war immer noch diese Blockade, dieses Schubladendenken, dass nur gleich und gleich stimmig ist. Die meiste Zeit des Tages bemerkte ich es allerdings gar nicht, manchmal fiel es mir zwar auf, ich lenkte aber weiters keine Aufmerksamkeit darauf. Irgendwann, nach zwei oder drei Tagen, störte mich die Ungleichheit meiner Socken wieder etwas stärker und ich erwischte mich bei dem Gedanken:“Ist ja nur ein Versuch für eine gewisse Zeit lang.“ Genau da erkannte ich, dass es sehr einfach ist, aus seinen Gewohnheiten auszubrechen, wenn man weiß, und sei es nur unterbewusst, dass man am Ende wieder in diese zurückfallen kann oder auch wird. Also beschloss ich für mich, einfach mit den ungleichen Paaren an Socken weiter zu machen und zu schauen, wie es mir dabei geht, ob sich mein Denken ändert oder wo es mich hin führt. Denn momentan kommt mein Ego mit der Idee des ‚Andersseins‘ sehr gut zurecht und ich denke, das zu überwinden wird der nächste Schritt, den ich angehen werde!

Gibt es bei euch auch solche kleinen Dinge, die innere Widerstände auslösen und habt ihr sie schon mal versucht zu lösen?