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Lebensweisheiten

Ich habe es mir angewöhnt, fast jeden Tag unter der Woche einmal eine zufällige Seite aus dem Tao Te King für Eltern zu lesen. Dies ist ein kleines Büchlein, welches Weisheiten über die Urteilslosigkeit im Handeln, die Nachahmung natürlicher Prozesse und das Gleichgewicht zwischen Tun und Sein in recht kurzen Versen verpackt.

Als ich vor einigen Tagen wieder in Diskussion mit unserem Kind verstrickt war, las ich folgende passende Zeilen:

 

 

Deine Kinder sind nicht deine Feinde.

Du brauchst sie nicht zu fürchten.

Auseinandersetzungen mit ihnen sind keine Kämpfe, die du gewinnen oder verlieren musst.

Wenn du dich in einen scheinbaren Krieg verstricken lässt, gehen alle Perspektiven verloren.

Es fallen schreckliche und verletzende Worte.

Die ganze Familie leidet und die Wunden heilen langsam.

Gewinnen und verlieren sind Worte, die eine Familie nicht braucht.

 

Du musst deine Autorität nicht erstreiten.

Autorität ist etwas, das du in dir selbst trägst.

Wenn deine Kinder sie nicht wahrnehmen, ist das schade, aber du kannst sie nicht zwingen, sie zu sehen.

Wenn du dir das vor Augen führst, löst sich so mancher Kampf auf.

Es mag immer noch schwierige Zeiten geben, aber du hast es nicht mehr nötig, schwere Geschütze aufzufahren.

 

William Martin – Das Tao Te King für Eltern, 2018, Seite 51

Praxis im Alltag mit Baby

Unser Hörnchen ist jetzt schon bald zwei Monate bei uns. Und wie man so schön sagt, es verändert sich fast alles. Viele der Veränderungen sind sehr positiv, ein paar auch eher negativ, aber das nimmt man als frischgebackene Mama gerne auf sich! Zumal ich mir im Vorhinein schon bewusst gemacht habe, was ungefähr auf mich zu kommen wird und wir diese Entscheidung auch bewusst getroffen haben.
Auch war mir klar, dass meine buddhistische Praxis möglicherweise nicht so weitergehen wird, wie bisher. Das heißt kein (fast) tägliches Meditieren in der Früh, keine wöchentlichen Meditationstreffen mit Freunden und auch kein monatliches Dharmastudium mit unserem Novizenmönch.

Diese Veränderungen nahm ich in Kauf, obwohl ich mich vor allem in letzter Zeit und besonders in der Schwangerschaft nur allzu gerne mit dem Buddhismus und meiner Praxis beschäftigt habe. Das Meditieren fiel mir wesentlich leichter und machte auch viel Freude, ich konnte schneller zur Ruhe kommen und das Dharmstudium bereicherte mich.

Mit einem kleinen Baby fallen die Prioritäten jedoch anders. Und hier möchte ich anknüpfen. Denn nur weil ich nicht mehr auf der Matte sitze, Vorträgen lausche und Bücher wälze, heißt das keinesfalls, dass ich nicht mehr praktiziere! Täglich stehe ich neuen kleinen Herausforderungen gegenüber. Ich habe in diesen zwei Monaten vor allem gelernt, meine eigenen Bedürfnisse hintan zu stellen und mich, ganz selbstlos, voll und ganz dem Wohlergehen eines anderen Lebewesens zu widmen. Das nenn ich mal Boddhicittagedanke!
Außerdem übe ich mich jeden Tag in Geduld und Achtsamkeit. Sei es beim allgemeimem Umgang mit dem Baby oder wenn eigentlich auch andere Dinge zu erledigen wären bzw. ich mir für den Tag etwas vorgenommem habe, ich dem aber jetzt nicht nachgehen kann.

Oft sind es die kleinen alltäglichen Dinge im Leben, die uns, mit Achtsamkeit ausgeführt, wachsen lassen und uns zu uns selbst führen!