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Weg zum Leben in Gemeinschaft -Schritt 4

Mit der Zeit stellt sich ein gewisses Maß an Ernüchterung ein. Die Häuser, die Ideal für eine Gemeinschaft wären, haben intolerante Vermieter. Und tolle Vermieter haben wenig geeignete Häuser. Irgendwie seltsam.

In so einer Lage darf man sich nicht in die Opferrolle drängen lassen. Alternativ, kann man gemeinschaftlich ein Haus kaufen. Entweder lassen sich die Beteiligten ins Grundbuch eintragen oder sie gründen einen Verein. Damit sind die Eigentumsrechte etwas dynamischer. 

Braucht man für die Anschaffung einen Kredit, wird sich die Bank ins Grundbuch schreiben lassen. Große Nachteile sind die Zinseszinsen und zusätzlichen Gebühren sowie, dass die Bank versuchen wird soviel es geht mitzureden. Größter Vorteil ist die Abwesenheit von saudummen Vermietern. Nebenbeimerkt, ich habe nichts gegen Schweine.

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Weg zum Leben in Gemeinschaft – Schritt 3

Wenn man sich also im Klaren ist, was man selbst will, und auch schon andere Personen gefunden hat mit passenden Vorstellungen, und sogar schon eine passende Unterkunft gefunden hat, wird es Zeit das geplante Gemeinschaftsleben konkret abzusprechen.

Gemeinschaftsrunde

Es kann ja leicht passieren, dass irgendetwas passiert, was im ersten Moment nicht schlimm wirkt, aber nach einiger Zeit im Hinterkopf manifestiert sich das kleine Irgendwas zu einem Problem. Jeder von uns trägt ein Ego mit sich, das sich allzugern in verschiedenen Rollen sieht, zB. der Opferrolle. Und wenn so ein Ego nicht mit Existenziellem beschäftigt ist, dann treibt es gerne Unfug, und mehrer Egos auf engem Raum umso mehr.

Deshalb, denke ich, dass für eine stabile Gemeinschaft, vorallem zu Beginn, regelmäßige Gesprächsrunden mit allen Beteiligten stattfinden müssen. Hier sollten sowohl die Dringlichkeiten des Alltags besprochen werden – damit jeder alles weiß (Transparenz) – als auch Raum für jeden vorhanden sein über die eigenen Gefühle zu sprechen. Damit nicht aus einer Mücke ein Elefant wird, sollen alle Mücken Beachtung finden.

Zu Beginn ist das sicher ungewohnt, weshalb es sehr häufig stattfinden sollte.   

Tagesablauf

Je nachdem, welche Interessen die Mitglieder der Gemeinschaft haben,  kann es bestimmte Ereignisse im Laufe eines Tages geben. Besonders in spirituellen Lebensgemeinschaften wird großer Wert auf Zeiten der Achtsamkeit gelegt. 

In buddhistischen Wohngemeinschaften gibt es meist fixierte Zeiten, an denen eine Puja und/oder gemeinsame Meditation durchgefürt wird.

In einer Gemeinschaft mit in verschiedenen Richtungen  Praktizierenden, empfiehlt es sich ein gemeinsames Ritual zu definieren.Ich denke, ein in der Gruppe entworfenes Ritual, das Elemente für alle Beteiligten beinhaltet, kräftigt den Zusammenhalt und trainiert das eigene Ego, einfach mal die Klappe zu halten und etwas Anderes zu machen.

Essen

Gemeinsames Essen – hat für mich – die stärkste Bedeutung. In Familien, wo nicht gemeinsam gegessen wird, lebt man sich leicht auseinander. Wenn alle Beteiligten ungefähr diesselben Essgewohnheiten haben oder sich zumindest nicht automatisch in die Quere kommen (Veganer vs. Spanferkelgriller) dann bietet das gemeinsame Essen die ideale Gelegenheit zusammen zu wachsen. 

Aufgrund von Erwerbstätigkeit ist es vielleicht nicht immer möglich, dass alle gemeinsam die drei wichtigen Mahlzeiten des Tages verbringen können. Aber wer darauf Wert legt, wird die anderen Gelegenheiten am Wochenende umso wichtiger finden.

Weg zum Leben in Gemeinschaft – Schritt 2

Wenn man vor hat, in eine Gemeinschaft zu ziehen, gibt es einige Punkte, die vorab geklärt werden sollten. Zu allererst sollte man sich natürlich im Klaren sein, ob man auch wirklich in eine Gemeinschaft will und das ‚alte‘ Leben dafür aufgeben kann, was toe schon hier beschrieben hat.

Wenn es dann mal etwas konkreter wird, ist es auch hier von Vorteil zu wissen, welche Vorstellungen man hat. Und schon kann man sich auf die Suche machen nach weiteren Menschen, mit denen man in einem dafür geeigneten Haus leben möchte. 

Das mag vielleicht nicht schwer sein, wenn man mit seinen FreundInnen zusammen zieht. Anders ist es aber, wenn man noch nicht alle passenden MitbewohnerInnen gefunden hat. Denn selbst wenn man jemanden schon flüchtig kennt, ist es nochmal was ganz anderes, wenn man dann wirklich zusammen wohnt und viele Räume wie Küche, Bad, WC, Wohnzimmer usw. miteinander benützt und teilt. Natürlich verhält man sich gegenüber Fremden oder wenig bekannten Menschen vorerst auch mal anders, als beispielsweise seinem Ehepartner, mit dem man schon eine tiefe und intime Beziehung hat. Außerdem sollte man ähnliche Interessen bzw. Lebensansichten haben, denn eine Gemeinschaft macht für mich nur Sinn, wenn sie aktiv gelebt wird. Das bedeutet ein Miteinander in mehr oder weniger allen Lebensbereichen, was bei gänzlich verschiedenen Einstellungen und Ansichten von vornherein ein zu hohes Konfliktpotential hätte. 

Dann muss da noch das passende Haus her. Obwohl ich es im Allgemeinen besser fände, ein Haus gemeinschaftlich zu erwerben und so umzubauen oder zu ändern, dass alle damit gut leben können, kann es in manchen Fällen, gerade bei einer neu entstandenen Gemeinschaft, auch von Vorteil sein, ein Haus vorerst zu mieten. Denn so hat man relativ leicht die Gelegenheit, sich mal zu beschnuppern und hineinzuspüren, wie die neue Wohnssituation für einen selbst ist. Im „Notfall“, also wenn es wirklich gar nicht das Richtige für jemanden ist, besteht die relativ rasche und komplikationslose Möglichkeit, die Gemeinschaft wieder zu verlassen. Außerdem muss man sich um viele Nebensächlichkeiten beim Haus nicht kümmern, da dies der Vermieter macht. Im Falle einer sehr gut laufenden Gemeinschaft hat man später immer noch die Wahl, ein Haus zu kaufen. Ich denke, wichtig ist bei der Wahl eines Hauses, dass es sowohl große Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer, Küche, Essbereich usw. als auch eine private Rückzugsmöglichkeit für jede/n bietet! 

So kommt man vom Großen ins Kleine. Denn hat man erst mal die inneren und äußeren Rahmenbedingungen geschaffen, erwarten einen noch sehr viele Herausforderungen, Themen und Problemchen, die durchdacht, besprochen und gelöst werden wollen…

Leben in Gemeinschaft

Oft wird das Leben in Gemeinschaft mit einem Leben in einer Kommune aus den 1968er Jahren mit allen Vorurteilen gleichgesetzt: es sind definitiv Aussteiger, Hippies, Esoteriker, Menschen, die sexuell sehr freizügig sind und keinem geregelten Leben nachgehen. Das sind wiegesagt nur Vorurteile, denn schon damals waren ökologische Themen und eine gemeinsame Ökonomie die Hauptaspekte der Kommune. Die Gründe, in einer Gemeinschaft zu leben, sind vielfältig und meiner Meinung nach durchaus nachvollziehbar. Gerade in einer Zeit des Überflusses haben viele Menschen das Bedürfnis, einfacher zu leben und Ressourcen zu teilen und so zu sparen. 

Eine Gemeinschaft bietet unter anderem folgende Vorteile:

  • Weniger Ausgaben für Haus/Miete/Auto…
  • Teilen von Werkzeug, Küchenutensilien, Alltagsgegenständen,…
  • Arbeit in Haus und Garten wird auf mehrere Personen aufgeteilt
  • Gegenseitige Bereicherung durch regen sozialen Austausch
  • Herausforderung durch tägliche Interaktion in einer Gruppe
  • Man ist kaum/nie alleine
  • Kinder wachsen in einem sozialen Umfeld auf
  • Mehr Hände können gemeinsam mehr bewirken

Womöglich gibt es noch mehrere und individuellere Gründe, nicht mehr alleine, sondern mit anderen Menschen oder Familien zusammen zu leben.

Wenn ich unter der Woche mit unserem Hörnchen alleine zu Hause bin, genieße ich auf der einen Seite die Ruhe. Wir können tun und lassen, worauf wir gerade Lust haben, sind umgeben von schöner Natur und ohne direkte Nachbarn. Eigentlich ein Paradies, auch für Kinder. Auf der anderen Seite haben sich seit einiger Zeit Bilder in meinen Kopf geschlichen. Bilder von einem Haus voller lieben Leute, die gemeimsam den Garten gestalten, andere kochen zusammen das Essen, dabei wird angeregt erzählt, während ein paar Kinder gemeinsam durch Haus und Garten zischen, und vielleicht in einem anderen Raum jemand in Stille meditiert oder ein Buch liest. Ja, mir ist klar, das ist ein Idealbild und in der Realität schaut nicht immer alles so friedlich aus. Dennoch haben sich diese Bilder festgesetzt und beschäftigen mich seit geraumer Zeit.

Ganz konkret gibt es mehrere Arten von gemeinschaftlichem Wohnen. Zum einen existieren bereits einige Co-Housing Projekte in Österreich, eines davon sogar in meiner alten Heimat, nämlich der Lebensraum. Das Prinzip ist einfach erklärt: jedeR hat seine eigene Wohnung, also einen privaten Bereich, und zusätzlich gibt es viele Gemeinschaftsräume, die von allen gleichermaßen benutzt werden dürfen und sollen. Hier werden vielfältige Aktivitäten von den Bewohnern angeboten, welche nicht nur Nachbarn sind, sondern eben eine Gemeinschaft bilden.

Dann gibt es noch sogenannte Kollektive, wie zum Beispiel das Hofkollektiv Wieserhoisl in Deutschlandsberg in der Weststeiermark. Hier leben derzeit 8 Erwachsene und 3 Kinder gemeinsam in einem alten Bauernhof. Es werden Projekte wie solidarische Landwirtschaft und zahlreiche kulturelle und politische Veranstaltungen realisiert.

Außerdem gibt es Gemeinschaften, die, ähnlich wie Studenten-WGs, aus ein paar wenigen Menschen bestehen, welche sich „nur“ Raum und eventuell Einrichtung, Geräte etc. teilen, jedoch keine solidarischen, ökonomischen oder ökologischen Ziele verfolgen.

Beim Schwelgen, wie es wohl wäre, in einer Gemeinschaft zu leben, sind mir konkret drei Arten eingefallen, die ich für umsetzbar halte:

  1. Teil einer bestehenden Gemeinschaft werden
  2. Ein Haus mieten/kaufen und dort eine Gemeinschaft gründen
  3. Ein Grundstück kaufen und dort mehrere ‚Modulhäuser‘ hinstellen und eine kleine Co-Housing Gemeinschaft gründen

ad 1) Das wäre wohl die einfachste Lösung, zumindest organisatorisch. Fraglich ist nur, ob man das bestehende Konzept der bereits existierenden Gruppe gut findet. Außerdem hat man kein Mitspracherecht mehr beim Aussuchen und Gestalten des Hauses.

ad2) wenn man ein paar Mitstreiter beisammen hat, bietet sich die Möglichkeit, gemeinsam ein Haus zu suchen und zu gestalten. ‚Regeln‘ werden von Anfang an gemeinschaftlich festgesetzt und man kann sich in allen Punkten einbringen. Hierbei wäre zu klären, wie lange ein mögliches Mietverhältnis aufrecht bleiben kann und bei Hauskauf, wer was zahlt und wem es dann gesetzlich gehört, bzw. was passiert, wenn jemand die Gemeinschaft verlässt.

ad3) diese Möglichkeit setzt eine Menge Geld vorraus. Ein Grundstück gemeinsam zu kaufen und dann kleine Modulhäuser darauf zu stellen, beispielsweise diese Ökohäuser, damit jedeR seinen/ihren eigenen privaten Bereich hat, finde ich ganz schön. Es müsste allerdings auch Gemeinschaftsräume geben und der Grund müsste sehr groß sein, was sich ohne einen großzügigen Sponsor schwer realisieren lässt. Das gute an den Modulhäusern ist, dass man sie ‚einfach‘ wieder abbauen und wo anders aufbauen kann.

Ja, das Thema beschäftigt mich derzeit wirklich. So sehr, dass wir über ein Leben in Gemeinschaft schon viel diskutiert, geredet, geplant, geträumt, gefachsimpelt haben. Wenn man uns kennt, könnte man meinen, dass wir sehr sprunghaft sind, da wir erst vor nicht ganz so langer Zeit unseren Traum verwirklicht haben indem wir ein altes Haus gekauft und in mühevoller Arbeit teilsaniert haben. Es wäre womöglich hirnrissig, das alles aufzugeben. Doch das Leben ist ständig im Wandel und manchmal ändern sich die Bedingungen. Wir ändern uns. Manchmal muss man auch loslassen können und sich dem Leben anpassen, nicht nur frei im Geiste, sondern auch frei in seinen Taten sein! Und außerdem ist ja noch nichts entschieden…

Wie ist eure Meinung dazu? Habt ihr Anregungen, Erfahrungen oder wohnt sogar in einer Gemeinschaft? Welche Vor- oder Nachteile könnte es geben?

Jäten auf der kleinen Farm

Seit mittlerweile 3 Jahren sind wir Ernteteiler der kleinen Farm, einer CSA (community supported aggriculture), zu deutsch GeLaWi (gemeinsamgetragene Landwirtschaft), in der wunderschönen Südsteiermark. Hier habe ich schon mal einen Beitrag darüber geschrieben, wer hinter der kleine Farm steht, wie sie organisiert ist und was sie ausmacht. Nur kurz gesagt, wir bekommen 36 Wochen im Jahr jede Woche ein Kistl – genauergesagt holen wir es uns persönlich vom Hof ab – vollgefüllt mit saisonalem Gemüse, Obst und Kräutern, 100% biologisch und aus samenfesten Sorten.

Da bei dieser Art von Landwirtschaft sehr großer Wert auf die Gemeinschaft gelegt wird, gibt es zahlreiche Gelegenheiten im Jahr, diese auch kennenzulernen. Neben den Hauptversammlungen, wo es eher um wirtschaftliche, finanzielle und logistische Themen geht, bietet die kleine Farm auch Kurse zu verschiedenen Umweltthemen an und veranstaltet mehrere kleine Feste, wie das Maibaumaufstellen, Sonnwend, Erntedank, Jungpflanzenmarkt usw. Hier hat man nochmal die Möglichkeit, sowohl die Menschen der kleinen Farm und den Hof selbst, als auch andere Ernteteiler näher kennzulernen.

Das klingt nach einer Menge Spaß. Wenn man allerdings den Hof und die Felder mit den unzähligen Arten an Gemüse, Obst und Kräutern sieht, erkennt man auch, dass unglaublich viel Arbeit dahinter steckt. Und auch wenn die Leute von der kleinen Farm diese Arbeit mit Leidenschaft machen, so bleibt es doch ein wenig Sisyphusarbeit, vor allem wenn man ans Jäten denkt. Denn die warme, starke Sonne lässt nicht nur das Gesähte sprießen, sondern auch jede Menge Beikraut!

Deshalb ist jeden Freitag jäten angesagt. Und weil viele Hände schneller sind als wenige Hände ist hier die Unterstützung der Ernteteiler gefragt. So kann man je nach Zeit und Laune am Freitag beim Jäten helfen.

Und letzten Freitag waren auch wir mit dabei! Pünktlich um 14 Uhr trafen wir uns bei strahlend heißem Sonnenschein mit anderen Ernteteilern beim Hof. Die PraktikantInnen gingen mit uns auf die Felder und erklärten uns kurz ein paar Punkte. Angefangen haben wir mit dem Jäten eines Maisfeldes. Im Grunde kam alles weg, was kein Mais war, wurde zwischen die Reihen ‚geschmissen‘ und anschließend mit dem Rechen vom Feld entfernt. Danach waren noch weitere zwei Felder dran, die von insgesamt 10 Leuten bearbeitet wurden. In nur drei Stunden wurde das Beikraut ratzfatz entfernt!
Da wir natürlich unser Hörnchen dabei hatten, kam ich nicht sonderlich viel zum Helfen. Eine zeitlang habe ich im Sitzen gejätet, das Baby dabei im Tragetuch an mich geschnallt.
Danach blieb mir viel Zeit, das ganze Geschehen zu beobachten. Ich war von Anfang an fasziniert. Es war sehr schön zu sehen, wie das Gemüse auf den Feldern wächst, immer mit dem Gedanken daran, dass das ja ‚unser‘ Gemüse ist. Eigenartiges Gefühl, wenn man so genau und direkt weiß, wo das Essen herkommt, das ist heutzutage ja leider nicht mehr so üblich. Außerdem herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre, alles wirkte so im Einklang und so logisch. Wir sind Teil von dieser Natur, Teil dieser Felder, Teil dieser Arbeit und Teil dieses Gemüses. Und dann die 10 Leute, die gemeinschaftlich und zusammen einen Teil der Arbeit verrichten, damit jeder Einzelne von uns gute Nahrungsmittel bekommt. Einfach ein wunderschönes Bild!

Um 17 Uhr war Feierabend, die Arbeit vollbracht und erschöpft aber zufrieden durften wir uns noch durchs Erdbeerbeet futtern. Einige hüpften anschließend zur Erfrischung noch in den hofeigenen Teich, ehe sich unsere Wege, zumindest bis zum nächsten Hoffest, wieder trennten.
Danke, dass wir hiervon ein Teil sein dürfen!