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Triratna’s unbequeme Vergangenheit

In den vergangenen Tagen fand eine Zusammenkunft der EBU in Wien statt, was uns die Möglichkeit verschafft hat, eine internationale Vertreterin des buddh. Ordens Triratna zu treffen.

Das war schon seit längerem geplant, aber in der Woche davor kam plötzlich die Info, dass sie vielleicht doch nicht kommen würde, denn sie kümmert sich auch irgendwie um den öffentlichen Auftritt innerhalb Großbritanniens – wo diese moderne buddh. Bewegung gegründet wurde – und sie bereite sich quasi auf einen hereinbrechenden Shitstorm vor, denn BBC werde demnächst über die vom Gründer Sangharakshita … gebrochenen Herzen berichten.

Die möglicherweise relevanten Einflüsse aus dem gesamten Leben des mittlerweile 91-jährigen Buddhisten aufzudecken, möchte ich mir in diesem Beitrag nicht zumuten. Stattdessen ein paar Fakten, die wir in dem Gespräch mit der ordinierten Triratna Vertreterin – die glücklicherweise sowohl bei dem EBU Treffen war, als auch für uns Zeit hatte – erklärt bekommen haben. Sie betonte, dass dieses Thema mit allen an Triratna interessierten Personen besprochen wird, um nicht den Anschein zu erwecken, die vermeindlichen Fehltritte des Gründers verheimlichen zu wollen. Und innerhalb des Ordens und der gesammten Community gibt es verschiedene Meinungen dazu.

Also, was ist denn so schlimmes passiert?

Sex, natürlich! In den Jahren der sexuellen Befreiung hatte der vormals in der Theravada Tradition ordinierte Mönch auch offene sexuelle Beziehungen, also mit seinen Schülern. Und ungünstigerweise waren manche dieser Männer jünger als 21 Jahre, was zur damaligen Zeit in Großbritannien bei gleichgeschlechtlichen Partnern illegal war, wenn der Altersunterschied zu groß war. Er hat somit dieses mittlerweile überholte Gesetz gebrochen als es noch gültig war – wie viele andere auch – und wie das so ist mit sexuellen Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler auch Gefühle verletzt und Vorwürfe wurden laut, dass man ausgenützt oder dazu gedrängt worden sei.

Das sind ernste Vorwürfe, da jemand der über moralisches Leben lehrt schnell seine Authentizität verlieren kann.

Ein wesentlicher Aspekt scheint auch zu sein, dass Sangharakshita sich nicht persönlich bei den ehemaligen Liebeleien entschuldigt hat, da es für ihn „freundschaftliche Beziehungen“ waren und er sich keiner Schuld bewusst gewesen sei.

Also, es scheiden sich nun die Geister, denn nicht alle Betroffenen haben es als negative Erfahrungen empfunden.

Meine Meinung zu dem Thema ist:

  • dass ich nicht dabei war,
  • dass es – vor dem Auftauchen von HIV – eine wilde Zeit war,
  • dass jemand mit homosexueller Orientierung vor jener Zeit (hat jemand den Film über den Erfinder der Touring Maschine gesehen?) nach vielen Jahren keuschem Lebens in Indien – zurück in England womöglich einen etwas freizügigen Kulturschock erleidet haben könnte,
  • dass er möglicherweise das Asperger-Syndrom hat,
  • jedenfalls dass er kein manipulatives Ordenssystem erschaffen hat, sondern einen offenen und hilfreichen Raum für eine Erfahrungsreligion.
  • Und dass er um Verzeihung bitten hätten können, ohne eine Schuld oder böswillige Absicht einzugestehen.

Ich war nie in einer vergleichbaren Situation, aber es sollte allgemein bekannt sein, dass bei sexuellen Beziehungen zwischen Schülern und dessen Lehrer ein extrem hohes Gefahrenpotential für negative Erfahrungen herrscht, unabhängig von den geschlechtlichen Kombinationen. Ob das in der buddh. Geschichte öfter vorkommt oder weniger verschwiegen wird als in anderen Situationen, kann ich nicht einschätzen.

Ich muss auch sagen, dass ein leichter Schock für mich war, als ich von seinen sexuellen Aktivitäten erfuhr. Nicht wegen der homosexuellen Neigung, das ist mir komplett egal.

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Ich wusste, dass er als voll ordinierter Theravada-Mönch ein Keuschheitsgelübde abgelegt haben musste, woran sich aber auch nicht wirklich alle halten, und im höheren Alter er die goldene Kesa trägt, was innerhalb Triratnas ebenfalls das Keuschheitsgelübde kennzeichnet. Mir war nicht bewusst, dass es da eine unkeusche Experimentierphase geben konnte.

Weisheit erlangt man eben nicht durch Dogmen, sondern durch Erfahrung.