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Lebensweisheiten

Ich habe es mir angewöhnt, fast jeden Tag unter der Woche einmal eine zufällige Seite aus dem Tao Te King für Eltern zu lesen. Dies ist ein kleines Büchlein, welches Weisheiten über die Urteilslosigkeit im Handeln, die Nachahmung natürlicher Prozesse und das Gleichgewicht zwischen Tun und Sein in recht kurzen Versen verpackt.

Als ich vor einigen Tagen wieder in Diskussion mit unserem Kind verstrickt war, las ich folgende passende Zeilen:

 

 

Deine Kinder sind nicht deine Feinde.

Du brauchst sie nicht zu fürchten.

Auseinandersetzungen mit ihnen sind keine Kämpfe, die du gewinnen oder verlieren musst.

Wenn du dich in einen scheinbaren Krieg verstricken lässt, gehen alle Perspektiven verloren.

Es fallen schreckliche und verletzende Worte.

Die ganze Familie leidet und die Wunden heilen langsam.

Gewinnen und verlieren sind Worte, die eine Familie nicht braucht.

 

Du musst deine Autorität nicht erstreiten.

Autorität ist etwas, das du in dir selbst trägst.

Wenn deine Kinder sie nicht wahrnehmen, ist das schade, aber du kannst sie nicht zwingen, sie zu sehen.

Wenn du dir das vor Augen führst, löst sich so mancher Kampf auf.

Es mag immer noch schwierige Zeiten geben, aber du hast es nicht mehr nötig, schwere Geschütze aufzufahren.

 

William Martin – Das Tao Te King für Eltern, 2018, Seite 51

Zufrieden sein mit der Unzufriedenheit

Heute fühle ich mich sehr geerdet, ruhig und ausgeglichen. Warum genau, weiß ich selbst nicht, denn dieser Tag verläuft eigentlich genauso, wie die meisten anderen Tage in der Woche, an denen ich mit unserem Kind bis zum späten Nachmittag alleine zu Hause bin. Aber irgendwie fühlt es sich so an, als hätte ich etwas verstanden, als wäre da eine Einsicht, die meine Sicht der Dinge in ein anderes Licht rückt. Es ist nur ein Gefühl, nichts, was man mit dem Verstand wirklich erfassen und in Worten erklären könnte. 

In den letzten Wochen spürte ich eine zunehmende Unzufriedenheit. Der Schlafmangel und die kaum vorhandene Freizeit sind daran nicht ganz unschuldig. Ja, es ist nicht immer leicht, fast den ganzen Tag alleine mit einem kleinem Kind zu verbringen, das viele Bedürfnisse hat, die es noch nicht selbst stillen kann und man somit die eigenen Bedürfnisse gänzlich hintan stellen muss. Dazu sitze ich hier quasi fest, denn Auto hab ich momentan keines, die öffentlichen Verkehrsmittel fahren unregelmäßig selten und wegen dem saukalten, winterlichen Wetter  bräuchte ich sowieso erstmals Stunden, um uns beide dick einzupacken. Toe erledigt außerhalb der Arbeitszeit auch die Einkäufe und unsere gemeinsame Zeit ist momentan somit eher spärlich. Ich war also mit der Allgemeinsituation unzufrieden, wie man so schön sagt.

Aber heute, heute ist das anders. Die alte Leier der Unzufriedenheit hängt mir selbst schon beim Hals raus. Heute kann ich mich an all den Dingen erfreuen, denen ich gerade in letzter Zeit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. 

Ich würde gerne wieder mehr und regelmäßiger meditieren und Yoga machen, auf der Gitarre klimpern, ein Buch ohne Unterbrechung lesen, meine Zeit ausfüllen mit Dingen, die mir Freude bereiten. Doch auch dann wäre ich wahrscheinlich nicht glücklicher oder unglücklicher als jetzt. Denn auch dann gäbe es Dinge, die mein Ego sich einbildet, um befriedigt zu werden, die meinen Geist weiterhin verwirren und verblenden. Ich würde Anderes finden, was ich gerade nicht habe oder nicht machen kann und es gerade deshalb unbedingt wollen!

Und genau deswegen bin ich heute einfach nur zufrieden mit meiner Unzufriedenheit…

Chandra Namaskar – Der Mondgruß

Der aktivierende Sonnengruß ist im Yoga sehr bekannt. Auch Leute, die die Abfolge des Sonnengrußes nicht kennen, haben zumindest schon mal vom Sonnengruß gehört.
Der Mondgruß ist allerdings, zumindest meinen Empfindungen nach, eher weniger bekannt. Er wird kaum in Yogakursen angeboten und über seine Wirkung erfährt man nur, wenn man aktiv danach in diversen Büchern sucht, denn auch im Internet lässt sich nicht allzu Detailiertes darüber finden.

Der Mondgruß ist eine Bewegungsabfolge von Asanas, die mit rhytmischer Atmung einhergeht. Er verkörpert, im Gegensatz zum Sonnengruß, Kühle und innere Ruhe. Deswegen ist es von Vorteil, den Mondgruß eher abends in seine Yogapraxis einzubeziehen. Ebenso hilft er, sich nach besonders stressigen Situationen wieder zu erden und körperliche und geistige Spannungen zu neutralisieren.
Außerdem ist er von den Bewegungen her ein optimaler Ausgleich zum Sonnengruß. Die Asanas, die im Sonnengruß vorkommen, beanspruchen völlig andere Körperpartien, Sehnen, Muskeln und geistige Anstrengung, als im Sonnengruß.

Für mich persönlich ist es ein sehr schöner Bewegungsablauf, der, mit ein bisschen Übung und Disziplin, zu einem perfekten Ausklang des Tages werden kann.