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Reformpädagogik im Sonnenhaus

Am Wochenende war Tag der offenen Tür in der Privatschule Sonnenhaus in Leibnitz. Jetzt mag man meinen, dafür ist es noch viel zu früh, denn unser Hörnchen ist ja erst einige Monate alt. Doch erstens vergeht die Zeit mit Kind oft wie im Flug, zweitens gibt es Wartelisten und drittens hat uns das Konzept der Schule sowieso interessiert, unabhängig von unserem Kind.

Also fuhren wir hin, zu der kleinen Schule, die inmitten von Wohnhäusern steht. Eine kleine Schule, die dieses Jahr 51 SchülerInnen zählt. Schon beim Hineingehen fiel auf, dass eine nette Atmosphäre herrscht. Wir wurden sogar persönlich begrüßt und ans Buffet gebeten. Nach dem kleinen Eingangsbereich, wo auch die Garderobenhaken für die SchülerInnen angebracht sind, gehts in den größten Raum. Hier schaut es wie in einem gemütlichen Wohnzimmer aus. Neben einer tollen Bücherecke mit Sofas gibt es Spieleecken, ein paar selbstgemachte Kunstwerke und jede Menge Lernmaterialien in verschiedenen Regalen.

Wir nahmen an der Führung teil und ließen uns vom Sonnenhaus erzählen. Die Schule besuchen derzeit wie schon erwähnt 51 SchülerInnen im Alter von 6- bis 15 Jahren, also von der ersten bis zur achten Schulstufe. Ziel hier ist es, dass sich die Kinder frei entfalten und entwickeln können und ihre Stärken und Bedürfnisse kennenlernen. Es wird viel nach Montessoripädagogik gearbeitet, aber auch andere wie Rebeca und Mauricio Wild oder Emmi Pikler fließen mit ein. Der Schulalltag gliedert sich in gebundene und freie Arbeitsphasen. In ersteren werden Materialien vorgestellt und Lernstoff erarbeitet, in zweiteren können die SchülerInnen das Gelernte selbst nochmals erarbeiten und so weiter festigen. Zu den ‚typischen‘ Unterrichtsfächer wie Mathematik, Sprache und Sachunterricht gibt es viele kreative Angebote wie textiles und technisches Werken, bildnerisches Gestalten, Bewegung, Musik, Tanz, Natur, Rollenspiel, Wald uvm.

Die Schule ist privat und wird als Verein geführt. Sie legen Wert auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit und (gewaltfreie) Kommunikation untereinander. Daher gibt es weder Reinigungspersonal, noch Schulwarte oder Nachmittagsaufsicht, denn das wird alles von den Eltern selbst erledigt. Jedes Elternteil bringt sich 20 Stunden im Jahr (oder Semester?) ein, sei es beim Putzen, bei Reperaturarbeiten, Veranstaltungen oder dergleichen, so fallen Kosten für zusätzliches Personal weg. Außerdem gibt es eine Wunschliste auf der Homepage, anhand der man Sachen für die Schule spenden oder sie finanziell unterstützen kann.

Das Sonnenhaus hat weiters drei oder vier Klassenräume, einen Werkraum und eine Küche. Auch gibt es einen Bereich mit Computern. Das Außengelände haben wir nicht besichtigt, es scheint aber ein großer, gepflegter Garten zu sein, in dem auch ein großes Holzklettergerüst steht. Sehen konnte ich es, da jede Klasse neben den vielen Fenstern auch eine ‚Balkontür‘ hat.

Bei der Führung konnten wir einen Einblick in den täglichen „Unterricht“ gewinnen. Die SchülerInnen können ab 7:15, spätestens um 8:00 in die Klassenräume und fangen sogleich mit dem Erkunden, selbstständigen Erarbeiten und Spielen an. Schulglocke gibt es keine! Besonders fasziniert hat mich das Beispiel, wie Schreiben gelernt wird: die Kinder sagen sich das Wort vor und schreiben mithilfe einer Bildertafel oder der Pädagogin auf, was sie hören. Da kann schon mal aus „Feuerwehr“ das Wort „Foiawea“ werden. Dennoch wird es nicht mit Rotstift korrigiert oder als falsch gewertet, denn die Kinder lernen, immer genauer hinzuhören und kommen mit der Zeit selbst drauf, wie es richtig geschrieben wird. Außerdem schreibt die Pädagogin bei den Hausaufgaben, die es zwei Mal in der Woche gibt, das korrekte Wort oder den korrekten Satz daneben hin. Es werden zudem für jede/n SchülerIn individuelle Arbeitszettel vorbereitet. Ist ein Kind beispielsweise gerade beim 3er Einmaleins, bekommt es genau dazu Übungen. Macht das Kind aber gerade das Dividieren durch, enthält sein Übungsblatt die entsprechenden Aufgaben.

Noten gibt es hier übrigens keine! Die Leistungen der SchülerInnen werden mündlich bzw. schriftlich definiert. Hier wird nicht nach einem Ziffernsystem bewertet, sonder Stärken und Schwächen direkt angesprochen, ohne zu werten. In der vierten und neunten Schulstufe gibt es allerdings auch ein Ziffernzeugnis um das Anmelden in weiterführenden Schulen, Lehren oder dergleichen zu vereinfachen.

Nach der Führung besuchten wir noch das schon angesprochene Buffet, das aus Kaffee, Getränken und von den Eltern selbstgemachten Kuchen, Keksen und Brot mit Aufstrichen bestand. Auf die Frage, ob etwas Veganes dabei sei, wurden wir gleich gut beraten! Auch die Sojamilch für den Kaffee war eine Selbstverständlichkeit.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass diese Art von Schule, speziell in dieser Größe, absolut meinen Vorstellungen entspricht. Ich wünsche mir für unser Hörnchen ein selbstbestimmtes Lernen ohne Druck durch LehrerInnen oder Gesellschaft. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen, wie schade es ist, wenn so überhaupt nicht auf Persönlichkeit, Interesse und Stärken eingegangen wird und dass das nicht gut tut. Weder für mich als Person, noch für den Lernerfolg, wenn man es so will. Denn zwar war ich in einer Schule, die sich gerne selbst als „die Elite“ bezeichnet hat, den Großteil meines Allgemeinwissens habe ich nach den Prüfungen jedoch schnell wieder vergessen…

Der einzige Nachteil ist eben der, dass diese Arten von Schulen privat und daher für den Einzelnen sehr teuer sind. Ob wir uns das in Zukunft leisten können/wollen, muss gut überlegt sein. Aber schließlich ist doch noch ein Weilchen Zeit und hier in Österreich haben wir ja immer noch die Möglichkeit des häuslichen Unterrichts!

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Frischehof – Einkaufen in familiärer Atmosphäre

Als wir vor einigen Jahren beschlossen unseren Traum, in die Steiermark aufs Land zu ziehen, jetzt wirklich durch zu ziehen, stellten wir nicht viele Anforderungen. Wir suchten nach einem gemütlichen und ruhigen Plätzchen umgeben von viel Natur. Natürlich sollte es auch leistbar sein und, wiegesagt, in der Steiermark.

Das einzig wirklich Wichtige war für uns, dass es in nicht allzu weiter Entfernung einen Bio-Supermarkt gibt. Das kannten wir schon aus Niederösterreich, wo wir unsere Einkäufe zum Großteil beim Biohof Adamah tätigten. Anfangs wohnten wir nur ein paar Kilometer vom Adamah entfernt und konnten mit dem Fahrrad einkaufen fahren, danach ließen wir uns das wöchentliche Gemüse- und Obstkistl liefern.

Schnell mal das Internet befragt, wurden wir auch direkt fündig. Das war zu einer Zeit, wo wir schon ungefähr wussten, wo unser zukünftiges Zuhause sein wird. Wir entdeckten den Frischehof in Leibnitz und waren vor allem von dem Restaurant bzw. Café, welches dirket an den Shop anschließt, begeistert. Natürlich besuchten wir den Frischehof gleich bei einer unserer ersten Fahrten zum neuen Haus, welches wir noch einige Zeit zu sanieren hatten.

Der Frischehof ist ein, im Vergleich zu den gängigen Supermarktketten, kleiner Shop, der aber wie ein Supermarkt aufgebaut ist. Also es gibt mehr oder weniger alles, nur halt in 100% Bioqualität, mit großem Wert auf Nachhaltigkeit, Regionalität, Saisonalität, oftmals Fairtrade und auch viele vegane Produkte bzw. Produktalternativen. Dafür gibt es keine Möglichkeit, mit der Bankomatkarte zu bezahlen, da die Besitzer die Banken diesbezüglich nicht unterstützen bzw. sich von den Banken abhängig machen wollen.
Der Grundsatz vom Frischehof (Quelle: frischehof.at) lautet:

Für uns ist Bio mehr als nur die Einhaltung der Bio-Richtlinien.Für uns ist es selbstverständlich höchste Qualität im schonenden Umgang zwischen Mensch, Tier und Natur schaffen zu können.
Für uns steht Bio für das Leben selbst, für eine Lebensweise die mit Körper, Geist und Seele im Einklang steht.

Was ich besonders toll finde ist, dass man Gemüse und Obst einzeln kaufen kann. Man ist also nicht verpflichtet, wenn man beispielsweise eine Zitrone oder eine Knoblauchzehe benötigt,  wie in anderen Geschäften meist üblich, einen ganzen Sack davon zu kaufen.

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der Frischehof Shop

Uns hat diese Art einzukaufen, von Anfang an angesprochen, auch wenn es nicht mehr der kleine Bauernladen aus dem Niederösterreich war.
Wenn wir wieder mal, erschöpft von den Sanierungsarbeiten im Haus, zum Frischehof fuhren, uns beim kantineartigen Restauranttresen anstellten und ganz lieb nach einer veganen Speise fragten, wurden wir kein einziges Mal enttäuscht. Es war nie ein Problem, die Mittagsmenüs zu veganisieren. Und schon bald konnten wir zu unserer Freude feststellen, dass täglich ein veganes Menü angeboten wurde – ob das wohl an unserer ständigen Nachfrage lag?

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Frischehof Restaurant

Es dauerte nicht lange und wir waren bekannte Kunden im Frischehof. Erstens, weil der Frischehof ein recht kleines Geschäft ist und man mit den wenigen Mitarbeiter_Innen sehr oft in persönlichen Kontakt gerät. Außerdem fragten wir wiegesagt sehr oft nach veganen Speisen und entwickelten eine Vorliebe für die veganen Kuchen.
Der Frischehof bietet sowohl Frühstücksvariationen als auch Mittagsmenüs mit Salatbuffet und Kaffee und Kuchen an. Dazu gibt es Biosäfte und auch Alkohol, vermehrt aus der Region.

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Frischehof Wintergarten

Außerdem haben wir die Tochter der Besitzer mal privat auf dem Pealfestival getroffen. Es ergaben sich nette uns interessante Gespräche und wir wurden tatsächlich gefragt, ob wir Wünsche, Verbesserungvorschläge oder Ähnliches hätten. Wir hatten da schon ein, zwei Ideen und Produktvorschläge, welche wir nur kurze Zeit später tatsächlich im Shop vorfanden. Na das nenn ich mal kundenorientiert!

Wenn wir unser Obst und Gemüse von Frühling bis Herbst nicht gerade von der KLEINenFARM beziehen, kaufen wir fast ausschließlich beim Frischehof ein. Mittlerweile kenne wir die Menschen dort und so ergeben sich bei fast jedem Einkauf auch persönliche Gespräche.
Natürlich kommt es auch vor, dass wir etwas brauchen/wollen, was es dort nicht gibt und wir dann zu einem normalen Supermarkt fahren. Das ist meistens eine Herausforderung, betrachtet man die großen Menschenmengen, die wie wild durch die Regalreihen laufen, nur um die größtmögliche Menge an Produkten um das kleinstmögliche Geld in ihren riesigen Einkaufswagen zu verstauen, immer unter Stress, um ja nicht ein Angebot zu übersehen.

Nebenbei gesagt, es gibt für jeden Einkauf ab 20€ einen Stempel. Hat man den Stempelpass mit 10 dieser Stempel voll, erhält man ein Mittagsmenü gratis.
Und im ‚Vorraum‘ des Shops werden zusätzlich noch kleine Kunstwerke von Menschen aus der Umgebung verkauft, beispielsweise Selbstgenähtes, Seifen oder Tonschalen usw.
Außerdem gibt es einen Raum, der viel Platz für Kurse und Workshops anbietet. Hier werden oft Yogastunden oder Ähnliches gehalten und man kann den Raum auch privat mieten.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass der Frischehof alles verkörpert und genau das lebt und nach außen trägt, was mein veganes Ökoherz begehrt!