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Das Pealfestival

Jedes Jahr Anfang September findet in der wunderschönen Südsteiermark, nur zwei Ortschaften von unserem Wahlheimatort entfernt, das Pealfestival statt.

Schon als wir noch sporadisch die Steiermark zwecks Sanierung unseres jetzigen Hauses besuchten, wurden wir auf dieses Festival aufmerksam. Das freute uns umso mehr, da wir in Niederösterreich das alternative und ökologisch ausgerichtete Partycipationfestival quasi zurücklassen mussten.

Das Pealfestival entstand, so weiß ich zumindest vom Hörensagen, schon vor vielen Jahren als privates, kleines Fest. Ob es schon damals am Gelände des Route 69, einem bekannten Bikerlokal in Leutschach, stattfand, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls dürften diese Feste immer sehr gemütlich gewesen sein, denn es entstand die Idee, ein Festival daraus zu machen. Wurde es in den ersten Jahren noch von den Betreibern, einer Gruppe junger, motivierter und engagierter Menschen, zur Gänze auf eingenes Risiko vorfinanziert, steht jetzt Crowdfunding im Mittelpunkt der Finanzierung. Die Betreiber verkaufen Eintrittskarten im Vorhinein übers Internet und rufen zu Spenden auf. Erst wenn ein gewisser Betrag an Geld erreicht wurde, kann das Festival stattfinden.

Das Pealfestival ist im Vergleich zu anderen Festivals eher klein. Sowohl die Fläche, auf der es stattfindet, als auch die Besucherzahl – laut einer Lokalzeitung waren es letztes Jahr um die 700 Besucher.
Ich finde das ist auch gut so, denn im Mittelpunkt des Festivals stehen nicht nur Spaß und gute Musik, sondern die Menschen und die Gemeinschaft. Es werden unter anderem verschieden Workshops, wie zum Beispiel Yoga, Schwitzhütte, Jonglierworkshop, Feuerspiele, Slackline, Kinderschminken usw. angeboten. Außerdem gibt es größtenteils vegetarisch/vegane Verköstigung, die teilweise auch biologisch und regional ist. Wer sich ein Andenken kaufen möchte, kann dies auf einem der vielen Stände mit alternativer Bekleidung, Schmuck, Tüchern, usw. machen.
Neben der Hauptbühne, die den ganzen Nachmittag bis in die Nacht bespielt wird, gibt es noch den „Kornspeicher“, wo es ab Mitternacht elektronische Musik von DJs zu hören gibt.
Zum Chillen zwischendurch kann man sich ins Chai-Zelt begeben, wo man neben köstlichen Heißgetränken eine gemütliche Pause auf selbstgebauten Sofas oder Decken einlegen kann. Außerdem hat man die Möglichkeit, wenn es abends schon etwas kälter wird, sich am schöne Lagerfeuer aufzuwärmen und neben netten Lagerfeuergesprächen kommt es schon mal vor, dass jemand die Gitarre auspackt und keine zehn Minuten später wird dazu auch schon wild getrommelt und laut gesungen.

Die Besucher des Festivals sind bunt gemischt, Jung und Alt tanzen nebeneinander, chillen oder spielen gemeinsam auf der Wiese. Es gibt viele kleine Kinder, die dem Nachmittag eine besondere Atmosphäre geben. Im Allgemeinen würde ich sagen, dass viele Leute, welche landläufig als „alternativ“ bezeichnet werden, das Festival besuchen.
Die Zielgruppe sind aber eigentlich alle, die gerne eine schöne Zeit mit anderen Menschen verbringen. Und genau das ist es auch, was diese Festival für mich so besonders macht. Es geht nicht nur ums Party machen, es geht um etwas Gemeinsames, um Partycipation und um ein schön gestaltetes Festival, das jenseits von Komasaufen und zurückgelassenen Müllbergen liegt.

Wer noch mehr Einblick in das Pealfestival haben möchte, hier die Impressionen vom Pealfestival 2014:

und vom Pealfestival 2013:

Schwitzhütte

Wie wir so über die Zeit bemerkt haben, tummeln sich in der Südsteiermark eine Menge interessanter Leute, die von den Eingeborenen liebevoll „Zuagroaste“ genannt werden. Also so wie auch wir von irgendwo her in die Südsteiermark gezogen sind, aus welchen Gründen auch immer. Damit sind interessante Einflüsse entstanden, die einem auf dem Weg der Selbstfindung weiterhelfen können.

Ich möchte vom Schamanismus erzählen. Ungefähr zu der Zeit als ich mir mit meiner Familie das erste Mal Gedanken gemacht hatte, den Lebensmittelpunkt in die Steiermark zu verlagern, ist ein Paar von Wien nach Arnfels – genauer am Remschnigg – gezogen. Mit ihren schamanischen Ritualen, wie der Schwitzhütte, haben sie sowohl Lob als auch Ablehnung erfahren. Jedenfalls hatten sie viel Einfluss auf manche Menschen hier. Obwohl sie heute keine Schwitzhütten mehr organisieren, werden diese noch immer angeboten.

Scarlett Sipek hat ein hübsches Anwesen bei Leutschach wo wir letztes Jahr eine Schwitzhütte besucht haben. Soviel ich weiß, hat sie keine eigene Webseite, aber man kann mit ihr über Momoland, wo sie öfter Schwitzhütten abhält, in Kontakt treten.

Kurz zum Ablauf

Zunächst trifft man sich und bespricht wie das Ritual abläuft, falls – wie in unserem Fall – jemand zum ersten Mal bei sowas dabei ist. Dann werden die Decken, Holz, Steine und solche Materialien zum Feuerplatz gebracht. Dann wird alles aufgebaut und verschiedene Rituale durchgeführt, wie Linien mit Maismehl ziehen, Steine widmen, räuchern, Schnupftabak, Feuer anzünden und dann geht es schon los.

Es gibt 4 Runden, zwischen denen wieder aufgehitzte Steine in die Hütte gebracht werden. Während der Runden gibt es schamanischen Gesang und Selbstreflektionen. Genaueres muss wohl jeder selbst erleben. Es muss aber erwähnt werden, dass eine Schwitzhütte kein Wellnessritual ist. Der enge Platz, die große Hitze und Feuchtigkeit sowie der enge Kontakt mit anderen Nackten soll vereinfacht ausgedrückt eine Wiedergeburt aus der Mutter Erde  symbolisieren.

Danach hängt man die Decken zum Trocknen auf und genießt eine gemeinsame Suppe und ggf. kann man am Ort übernachten. Scarlett ist sehr bemüht, dass man sich wohl fühlt. Also wenn man besondere Bedürfnisse wie vegane Ernährung oder körperliche Einschränkungen hat, kann man das vorab mit ihr abklären und sie sorgt dann dafür, dass alles so reibungslos als möglich funktioniert.

P.S.: Da ich mich im Schamanismus nicht annähernd auskenne, hoffe ich, Begriffe nicht in falscher Weise gebraucht zu haben. Falls doch, war es nicht böse gemeint.