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Mami, ich gehe

Eine kleine buddhistische Geschichte von Ajahn Brahm, aus dem Buch „Der Elefant, der das Glück vergaß – Buddhistische Geschichten, um Freude in jedem Moment zu finden“:

 

Wir fürchten oft, dass jemand nicht wiederkommt, wenn wir ihn loslassen würden. Dabei ist meistens genau das Gegenteil der Fall.
Wenn Sie einen Vogel im Käfig halten und eines Tages vergessen, die Tür zu schließen, wird er wegfliegen und nicht zurückkommen.
Wenn Sie dagegen die Käfigtür offen lassen, aber dafür sorgen, dass es dem Vogel gut geht und er genügend Futter hat, wird er zwar auch wegfliegen, aber er kommt immer wieder zurück.

Eine junge buddhistische Mutter hat mir einmal erzählt, dass ihr sechs Jahre alter Sohn eines Nachmittags so verärgert war, dass er allen Ernstes erklärte: „Mami, ich hab dich nicht mehr lieb und gehe jetzt von zu Hause weg!“
Woraufhin sie antwortete: „In Ordnung, Schätzchen, ich helfe dir beim Packen.“
Also begleitete sie ihren kleinen Jungen in sein Zimmer und half ihm, das Nötigste herauszusuchen und in sein Köfferchen zu legen: den Teddybären, seine beste Hose und das Spiderman-Kostüm. Anschließend ging sie in die Küche, um ihm seine Lieblingsbrote zu schmieren, packte sie in eine Tüte und gab sie dem Sechsjährigen mit. Schließlich sollte er auf seinem weiteren Lebensweg keinen Hunger leiden.
Als der Junge das Haus verlassen hatte, winkte sie ihm nach. „Machs gut, Schätzchen. Und meld dich mal!“
Mit dem Köfferchen in der einen und der Tüte mit den belegten Broten in der anderen Hand marschierte das Kind aufs Gartentor zu, öffnete es, ging hindurch, wendete sich nach links und strebte seiner Zukunft entgegen.
Nach nicht einmal fünfzig Metern wurde der Sechsjährige vom Heimweh ergriffen. Er drehte sich um, ging zum Gartentor zurück und rannte den kurzen Weg in die offenen Arme seiner Mutter, die sich nicht von der Stelle gerührt hatte.
Sie war eine sehr weise Mutter und wusste ganz genau, dass sich ihr kleiner Junge nicht allzu weit von seinem liebevollen Zuhause entfernen würde.

Wenn die Bande der Liebe nur stark genug sind, kann man die Leute auch gehen lassen, denn man weiß ja, dass sie mit Sicherheit wiederkommen.

Die Bedeutung des Geistes

Die eigene Geisteshaltung bestimmt das ganze Leben, wahrscheinlich auch den Tod bzw. die Wiedergeburt. Dazu zählt auf einer Seite die persönliche Einstellung zu bestimmten Dingen (z.B.: wie stehe ich stressigen oder negativen Situationen gegenüber und wie gehe ich damit um, wie geht es mir wenn ich etwas Wünschenswertes nicht bekomme, …), als auch das Zur-Ruhe-Kommen des Geistes durch Meditation und Innenschau.

Gedanken sind Dinge, die tatsächlich existieren, sich aber noch nicht in der physischen Welt manifestiert haben. Jeder Gedanke hat eine gewisse Energie und diese manifestiert sich in unserem Leben, je mehr Raum wir ihr geben. Gedanken existieren ununterbrochen, kaum ein Gedanke ist vom nächsten getrennt. Außerdem pflanzen sich Gedanken fort, sobald sie einmal „gedacht“ wurden. Sie haben sowohl eine Wirkung auf uns selbst, als auch auf unsere Mitmenschen, teilweise in der Gegenwart, teilweise erst in der Zukunft. Das Zusammenspiel ist sehr komplex und mit derzeitigem Bewusstsein noch nicht nachvollziehbar. Tatsache aber ist, dass Gedanken vom Geist bestimmt, gelenkt und geformt werden und das wiederum formt das gesamte Leben.

Der Alltag vieler Menschen ist oft stressig, unbewusst und unachtsam. Menschen stehen auf, fahren in die Arbeit, essen und schlafen. Bei vielen passiert dieser Tagesablauf quasi schon ganz von alleine. Viele empfinden dabei Stress oder sogar eine Leere und denken dabei pessimistisch, beispielsweise dass ihnen die Arbeit gar keine Freude macht, die Kinder nur anstrengend sind, das Kochen mühsam ist usw. Wenn man jeden Tag jedoch nur ein bisschen an seiner Geisteshaltung arbeitet, den Dingen im Leben etwas positiver gegenüber steht, so kann man das gesamte Leben verändern!

Wenn man mit sich selbst zufrieden ist, ist der Umgang mit den Mitmenschen auch ein besserer, man empfindet Sinnhaftigkeit in seinem Tun (dem Beruf, der Erziehung der Kinder, dem Leben und dem Sinn dahinter…). Man empfindet Freude und Dankbarkeit bei dem, was man macht. Hierbei spielt auch die Achtsamkeit eine bedeutsame Rolle. Denn nur durch achtsames Handeln kann man den wahren Wert jeder Handlung erkennen! Achtsamkeit bedeutet die Kontrolle des Geistes. Sie führt uns in die Gegenwart zurück und lässt unsere Gedanken nicht dauernd zwischen vergangenen und zukünftigen Ereignissen schwanken. Das Hier und Jetzt ist die einzige Zeit, in der wir leben. Vergangenheit und Zukunft existieren nur in unseren Gedanken.
Es liegt an uns selbst, ob wir Situationen, in denen wir uns gerade befinden, nutzen oder ob wir lieber in der Zukunft schwelgen, welche vielleicht gar nicht (zumindest nicht in der Form, in der wir sie uns erträumen) eintreten wird.
Der Geist ist es auch, der uns an vielen Dingen anhaften lässt. Daher sollte man Loslassen von Anhaftungen, Gier, Abneigungen, Wünschen, … Loslassen ermöglicht nicht nur ein äußeres Freiwerden (etwa durch das Loswerden von Gegenständen, die schon lange Zeit unbenutzt in der Wohnung stehen), sondern auch ein inneres Freiwerden durch das Loslassen wiederkehrender Gedanken, Anhaftungen und Einstellungen, die hauptsächlich das Ego befriedigen. Das Anhaften engt den Geist ein, durch das Loslassen werden wir frei.