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Eine Reise-Mala muss her

Wir sind bei meiner Schwiegermutter zu Besuch, wo wir während meines Studiums wohnten. Weil meine tägliche Meditation merkbare Fortschritte macht, will ich sie an keinem Tag auslassen. Wir haben unsere Hochzeitsmalas mitgenommen, also sollte es kein Problem sein. Die Morgengrüße meiner morgendlichen Praxis ließ ich ausfallen, denn wir hatten die Matten nicht mit und auch schon gefrühstückt.

Jedenfalls setzte ich mich barfuß und mit nacktem Oberkörper auf einen Gartenstuhl. Der kalte, nasse Rasen unter meinen Füßen und die morgendlichen Sonnenstrahlen auf meiner Haut ergeben einen tollen Gefühls- oder Wahrnehmungskontrast.

Ich nehme die Mala in die Hand und bemerke, dass sie bis auf den Boden hängt. In diesem Moment wird mir klar, dass man auf Reisen, wenn man trotzdem täglich meditieren möchte, viel flexibler sein muss als zuhause im geschützten Umfeld. Die Rahmenbedingungen können sich in möglicherweise unvorhersehbarer Weise ändern.

Vielleicht möchte man sich nicht auf den Boden setzen, weil die Wiese noch nass ist, oder man ist mitten in einer Menschenmenge, zB. im Zug, oder man ist aufdringlichen Nachbarslärm ausgesetzt, usw. Deshalb, und weil ich gern wieder die Erfahrung eine Mala zu erstellen erleben möchte, habe ich mir vorgenommen, demnächst eine Reise-Mala mit ganz kleinen Perlen zu machen.

Durch die kleinen Perlen wird sie kürzer und ich möchte Rest- und gebrauchte Perlen verwenden. Daher werden sie auch nicht alle dieselbe Form und Größe haben und sie werden möglichst zufällig aufgefädelt. Damit eine zusätzliche Ablenkung in der unterschiedlichen Wahrnehmung der benachbarten Perlen entsteht. Das finde ich bei der Reise-Mala für sehr stimmig, weil es die Vielseitigkeit der möglichen Umstände auf Reisen symbolisiert, die man bei der Meditation hinter sich lässt.

Ein schöner Gegensatz zur Hochzeitsmala, die eine mathematische Struktur erhalten hat, dadurch eine spezielle Eleganz aufweist und schon in mehreren Ritualen verwendet wurde.

Was haltet ihr davon? Ist es unnötig mehrere Gebetsketten zu haben, weil es die Bindung an die einzelne Kette abflacht? Oder ist das egal, weil es darum geht regelmäßige Meditation zu kultivieren? Ich bin auf eure Sichtweisen gespannt.

Ich habe das Beitragsfoto dieses Beitrags ersetzt mit einem Vergleichsfoto.

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Morgenpraxis

Ich habe in letzter Zeit viele Blogs über Meditation gelesen und deshalb dachte ich mir, ich stelle mal meine tägliche Praxis vor:

Im Wald

Sobald ich morgens aus dem Bett komme und mir etwas Bequemes angezogen habe beginne ich mit drei Runden Sonnengrüße. Anfangs langsam, da der Körper noch nicht aufgewärmt ist.  Danach fühle ich mich munter und gedehnt.

Ich schnappe mir meine Hochzeitsmala und setze ich mich auf einen Polster. Als Wecker verwende ich die App Medigong, da man hier kein Profil anlegen braucht. Mir ist wichtig, dass ich nicht der 5-min Anhaftung unterliege, wenn ich die Zeit zwischen 5 und 25 Minuten eingebe.

Ich richte mich ein, sodass ich längere Zeit ohne Krämpfe sitzen kann und warte auf den Startton. Dann schiebe ich nach jedem Ein- und Ausatmen eine Perle weiter. Das ist für mich sinnvoller, als wenn ich im Geist versuche zu zählen. Denn sobald ich im Geist meine Stimme höre, beginnt diese auch gleich fleißig zu Tratschen.

Es dauert ungefähr zehn Minuten bis ich alle 108 Perlen der Mala weiter geschoben habe. Danach bilde ich das Dhiana Mudra und konzentriere mich nur mehr auf das Atmen, bis der Wecker mir das Ende der Meditation anzeigt.

Beim Hochstand

Ich falte die Hände und verbeuge mich während ich in Gedanken das Mantra „Lokah Samstah Sukhino Bhavantu“ rezitiere, manchmal auch auf Deutsch, wie es mir gerade kommt.

Hier noch ein Link zu Meditationen von freebuddhistaudio, wo ich mir öfter mal Vorträge anhöre.

Mantrarezitation und ihre Bedeutung

Wer schon einmal eine Yogastunde besucht hat, ist ziemlich sicher mit dem Rezitieren von Mantras oder dem Kirtan singen in Berührung gekommen.
Das Wort Mantra setzt sich aus den zwei Sanskrit-Wörtern MANas (geistige Wiederholung) und TRAyate (Befreiung) zusammen. Mantra heißt also Befreiung erlangen durch geistige Wiederholung. Ein Mantra ist ein Wort oder eine Silbe, welche große Kraft in sich trägt und durch das Rezitieren kann sich diese Kraft manifestieren. Das ganze Universum ist in einem Zustand der Vibration. Durch das geistige oder gesprochene Wiederholen eines Mantras kann man sich mit diesen Schwingungen mit der tieferen Wirklichlichkeit des Universums verbinden.

Das wohl bekannteste Mantra ist das OM.

om
Om ist der kosmische Klang, der Ursprung allen Seins, der Urklang, aus dem das ganze Universum entstand. Es setzt sich aus A, U und M zusammen. A steht hier für das Bewsusstsein, für unendliche Weite, das über das U zum M, also zu absoluter Beschränkung führt. Es ist ein Prozess von größter Dichte zu unendlicher Weite. Man könnte das auch mit den drei Gunas vergleichen: das M ist das Träge (tamas), die Materie, unbewusst und beschränkt, welche sich allmählich ausbreiten möchte. Das U steht für Leben, Bewegung (rajas) und mündet schließlich in höchste Bewusstheit, Reinheit und Klarheit (sattva), dem A.

Die meisten Mantras werden in Sanskrit rezitiert. Zum einen deshalb, weil Sanskrit eine klangenergetisch sehr klare und strukturierte Sprache ist und ihre fünfzig Buchstaben energetisch mit den sechs Hauptchakras verbunden sind. Zum anderen, weil die Klangvibration jedes Sanskrit-Mantras mit der Eigenschwingung dessen, was sie bezeichnen, die direkteste Beziehung hat.

Oft geht die Rezitation der Mantras mit der Verwendung von Gebetsketten, sogenannten Malas, einher. Diese, aus 108 Perlen bestehende Kette wird verwendet, um bei jeder Rezitation eine Perle weiter zu schieben. So kommt zur geistigen Konzentration und Klangenergie des Mantras die physische Bewegung dazu. Das Mantra wird 108 Mal rezitiert.

Und zum Abschluss noch ein für mich sehr bewegendes Mantra:

Asato Ma Sat Gamaya
Tamaso Ma Jyotir Gamaya
Mrityor Ma Amritam Gamaya

Führe uns vom Unwirklichen zum Wirklichen,
von der Dunkelheit zum Licht
und von der Sterblichkeit zu Unsterblichkeit.

Hochzeitsmala

Die Herstellung einer buddhistischen Gebetskette „Mala“ anlässlich useres  Hochzeitsrituals. In einer Zeit des materiellen Überflusses ist es ein Prioritätswechsel von „Teuer und Fremdgemacht“ zu „Achtsam und Selbstgemacht“.

Cao und ich werden nächstes Jahr im April heiraten. Traditionell werden in Österreich bei der Trauung Ringe ausgetauscht. Bei der standesamtlichen ist das allerdings nicht gesetzlich notwendig. Für uns bot das den Freiraum, uns einen passenderen Gegenstand für den zeremoniellen Austausch zu suchen. Ich trage keine Ringe. Nicht nur aus dem Grund, dass ich herkömmliche Schmuckstücke nicht besonders ansprechend finde, sondern auch weil ich Ringe als störend und unangenehm empfinde. Cao hat bereits einen Ring von mir – den zum Verlobungsring beförderten, mit bunten Kreisen verzierten Holzring – und hat auch kein Bedürfnis danach sich einen weiteren Ring zu zulegen.

Also überlegten wir ein paar Tage, was ein passender Gegenstand für uns sein könnte. Eine Idee war zum Beispiel, weiße Schale auszutauschen. Das ist in Tibet  eine glückbringende Geste. Ich trage zwar gerne einen Schal, vorallem in den windigeren Jahreszeiten. Allerdings wird ein weißer Schal wahrscheinlich nicht ein Leben lang  schön sein. Ein andere Idee war eine gemeinsame Tätowierung. Wir kennen ein Paar, die das anlässlich ihrer Hochzeit gemacht haben. Allerdings haben wir schon einen nahezu gleichen Körperschmuck und meine dünnen Finger mit einer Nadel zu quälen, stelle ich mir nicht sehr romantisch vor.

Letztendlich haben wir die Idee geboren Malas auszutauschen. Die buddhistische Gebetskette mit 108 Perlen und einem Endstück gefällt mir vom optischen her, kann als Hochzeitsschmuck getragen werden und ist als einfaches Zählwerk ein praktisches Werkzeug für die meditative Praxis. Nachdem wir von einem befreundeten Paar erfahren haben, dass sie bei ihrer Trauung gar nichts ausgetauscht hatten, wurde es für uns noch klarer, dass wir keine Ringe brauchen und uns auf das spirituelle Werkzeug konzentrieren werden.

Für die konkrete Umsetzung haben wir uns vorgenommen, dass jeder die Kette des anderen, nach dessen optischen Vorlieben, herstellt und bis zur Trauung quasi positiv aufladet. Die Malas, die ich bereits gesehen habe, sind meist aus Pflanzensamen oder Schmucksteinen hergestellt. Wir haben uns lackierte Holzkugeln besorgt und einen rohen Hanfgarn hatten wir noch zuhause. Damit die Kette nicht nur um den Hals sondern auch geschmeidig ums Handgelenk getragen werden kann, wird zwischen jeder Kugel ein Knoten gemacht. Ansonsten spannt es wenn die Mala sechsmal um den Unterarm gewickelt wird.  Um der Kette eine gewisse Bedeutung zu verleihen, haben wir uns vorgenommen jede Perle mit einem Mantra auf den Faden zu stecken. Und für den Knoten wurde ein zweites Mantra ausgewählt. Heute morgen war dann die Zeit reif für die Herstellung.

Ungefähr zwei mal zweieinhalb Meter lange Hanfschnüre wurden zugeschnitten. Die Enden mit Klebeband stabilisiert, denn sonst würden sich die Spitzen schnell auftrennen, wenn die Schnur durch die rauen Holzlöcher gefädelt wird. Die Holzperlen wurden bereit gelegt. Die Zahl 108 lässt sich durch 3 teilen. Somit kann man mancherlei mathematische Spielerein anwenden. Die Mala für Cao ist in 9 Segmente zu je 12 Perlen eingeteilt, die für mich hingegen in 12 Segmente mit je 9 Perlen. Für die jeweils letzte Perle des Segments haben wir dickere Kugeln verwendet, meine großteils in schwarz, die von Cao in den 7 Chackrafarben, sowie 2 schwarze. Nach dieser Einteilung ging es auch schon los.

Knoten – Mantra – Perle – Mantra – Knoten …

Das bewusste Vorsagen der Mantren half ablenkende Gedanken fern zu halten. Nach einer Weile bemerkte ich, dass der Hanfgarn langsam rauer wurde. Also legte ich noch mehr Achtsamkeit darauf die Kugeln mit dem geringsten Widerstand über die Schnur zu fädeln. Zunächst hatte ich bei jedem Knoten die bereits aufgesteckten Perlen durch den Knoten geführt. Ab der Hälfte ungefähr hat es allerdings nicht mehr funktioniert. Ich hatte es mehrfach versucht wieder wie zuvor zu knoten aber eigenartigerweise war es mir beim Legen des Knotens nicht mehr möglich. Ich musste die bisherige Praxis ändern, wobei nur mehr der mittlerweile kürzere Faden durch den Knoten geführt wurde. Das könnte man irgendwie als Metapher zum „Leben im Jetzt“ oder „Loslassen von allem Vergangenen“ auffassen.

Zum Abschluss haben wir eine längliche Holzperle verwendet, die wir noch aus Zeiten haben, als wir eine Wohnung in Leopoldsdorf im Marchfeld bewohnten. Und nach dem letzten Knoten sind unsere zukünftigen Hochzeitsgeschenke fertig.

Mit zuversichtlichen Grüßen
[toe]