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Ferien’17

Nach 10 Monaten harter Arbeit freue ich mich nun auf die Ferien. Gewiß, andere genießen 5 Wochen Urlaub, ich hab nur 2 Monate. Aber diese kurze lebenswerte Sommerzeit will genutzt werden – Carpe Diem, carpe vacatio!

Also beginnen meine Reisevorbereitungen wieder mal mit der Restaurantrecherche. Als Gebirgsdorfbewohner staune ich in jeder größeren Stadt über die kulinarische Auswahl und das schier endlose gastronomische Angebot. Das Problem besteht hier weniger im fehlenden Angebot, sondern ist ganz anderer Natur: die Größe der Stadt! Nur weil sich zwei Restaurants in Paris befinden, bedeutet das nicht, dass sie auch nur im Entferntesten nahe beisammen liegen müssen – nach einem Tag Paris-Sightseeing habe ich eine Strecke von 35km zurückgelegt. Glücklicherweise konnte ich die meisten davon am Einrad zurücklegen; so wurde der Weg zwar nicht kürzer, aber lustiger.
Auch Bilbao ist schön. Schön von der Art, wie Bad Gastein es ist. Beeindruckende Vertikalausdehnung, kompaktes Zentrum. Ein Restaurant bietet einen makrobiotischen Apfelstrudel an (must try). Guggenheim Museum. Baskenland. Und eine Liftruine…

Leichter fällt die Nahrungsaufnahme für vegane Gourmets natürlich in Barcelona. Für jeden, der sich an die eingeschränkten Öffnungszeiten des Petit Brot gewöhnt hat, bietet dieses Restaurant vitale Säfte und ausgezeichnete Menüs in allerhöchster Rohkostqualität …
In der Baskenmetropole können neben Rohköstlichkeiten auch vegane Pizzen gegessen werden, das Veggie Garden und natürlich die vielen Märkte und sogar Geschäfte besucht werden, die ausschließlich Obst anbieten (raw fast food) – (für carnophile Leser: das löst in mir ähnliche Glücksgefühle aus wie wenn ihr in einer Metzgerei steht. Also viel Auswahl dessen was man gerne mag, und nix das vom Wesentlichen ablenkt).

Doch das eigentliche Ziel meiner Reise liegt in Portugal. Inmitten des Alentejo, einer zur Wüste werdenden Landschaft, liegt eine Oase des Friedens – Tamera, Healing Biotope I – Friedensforschungszentrum.
Dank der nach Anleitung Sepp Holzers angelegten Wasserretentionslandschaften geht kein Tropfen des im Winter fallenden Regenwassers verloren und wird ganzjährig im Kreislauf gehalten. So gedeihen Obstbäume neben den vor einigen Jahren angelegten Seen, es wächst Gemüse und die Insekten, Vögel, Menschen und andere Tiere erfreuen sich reicher Futterquellen.
Tamera bietet neben diesem freien Nahrungsangebot auch vegane Vollverpflegung und führt eine Bar, die neben veganer Schokolade auch Bier für € 1,- anbietet! Weiters werden Besucher ersucht, tierleidfreie Seifen und Zahnpasten mitzubringen sowie darauf zu achten, dass dies alles biologisch abbaubar ist.
Doch leider ist der Aufenthalt an die Teilnahme an einen der Kurse oder der dreimonatigen season group gebunden. Jeder weitere Tag wird nur in Ausnahmefällen geduldet, man will ernsthaft Suchende Gäste, keine Touristen.

Für eine Auszeit vom babylonischen Alltagswahnsinn kann Tamera also nicht empfohlen werden. So erinnerte ich mich an Hesse, welcher sagt, es
„Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.“und da stets gilt,
‘Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen’, packe ich meinen Rucksack und setze meine Reise fort (klingt eigenartig, die Reise fortsetzen, als ob Die Reise jemals unterbrochen werden würde)

… und so zog ich weiter, zum Wandern, gen Italien.
Ich suchte die Ruhe, die Abgeschiedenheit. Nach einem Jahr im öffentlichen Schuldienst brauche ich mal Zeit in einer heilsamen Umgebung. Tamera war der perfekte Ort, in eine friedliche, inspirierende Gemeinschaft lieber Menschen einzutauchen. Doch war ich nur Gast, nicht Teil der Gemeinschaft. Also alles mal durchdenken, durchfühlen, wirken lassen. Der Sommer wird mich noch eine Weile begleiten und ich stehe jetzt mal alleine nahe dem Naturpark der Friauler Dolomiten im Wald und denke, dass es noch nicht nötig wäre, die Schuhe zu binden oder Socken zu tragen.
Ein paar Kilometer weiter erinnert mich eine große Blase an der Ferse, dass es schon nötig gewesen wäre und alleine bin ich auch nicht mehr.
Ich befinde mich im Rainbowland, einem gras- und buschbewachsenen Hochtal auf 1.200m, in welchem Menschen campen, singen, tanzen, Workshops halten, lieben, kochen, essen,… Keine elektrischen Geräte sind zu finden, kein Alkohol, keine Dixi-Klos und kein Geld (außer im Magic Hat um Reis, Kichererbsen, Kartoffel und Gemüse für Alle zu bezahlen); dafür ungefähr zweitausend Hippies jeden Alters und ca. ebensoviele Gitarren, ein Chello, Chai Tents, ein komplettes Kids Village mit eigener Kids Kitchen und als der Mond zunimmt, kommen immer mehr Menschen hinzu sodass am 6. August, einem Tag vor Vollmond, der Food Circle schon aus drei Reihen besteht als plötzlich der Regen sich mit Sturm und Hagel gepaart von seiner offensiven Seite zeigt.

Ein Fest der offenen Herzen

Brothers and Sisters (so die aus dem angloamerikanischen stammende Anrede unter Mitgliedern der Rainbow Family) begegnen sich in Offenheit. Niemand läuft mit Schutzschilden durch die Gegend. Abwehrhaltung ist nicht nötig, da niemand Hass, Neid, Gier, Ärger oder Frust mit sich herumträgt und aggressives Verhalten vermieden wird. So begegnen sich häufig brothers and sisters, die sich vorher noch nie gesehen haben, mit der Offenheit guter Freunde. Diese Offenheit bemerke ich am häufigsten in Gesprächen. Gespräche, die dadurch nach wenigen Sätzen eine Tiefe erreichen, die in der ‘outside world’ sehr selten vorkommt, welche aber auch größtes Vertrauen erfordert; auch viel Selbstvertrauen. Meist sind diese Gespräche sehr wertvoll.
Offenheit wird auch im Umgang mit Kleidungskonventionen demonstriert. Wer die Notwendigkeit verpürt, bekleidet oder bemalt herumzulaufen, kann dies tun, in welch Form auch immer es gewünscht ist. Es ist gar nicht mal so leicht: pure Selbstdarstellung – keine zur Schau Stellung des Egos.
Eine besonders schöne Seite zeigte sich in der emotionalen Offenheit im Umgang miteinander.

Ich traf kaum jemanden, der etwas widerwillig oder lustlos tat; schließlich gibt es hier einen freien Willen und niemand wird zu etwas gezwungen…
Dazu ist es aber auch wichtig, dass Sätze wie ‚Du das stört mich jetzt, wenn du das hier machst‘, hier findet gerade ein heiliges Ritual statt, bitte nicht durchgehen‘ ‚nein, ich mag nicht beim Servieren helfen‘ ganz offen kommuniziert werden dürfen.

Eigenverantwortung und gelebtes Mitgefühl
Wer sich in die Berge begibt, in die freie Natur; der setzt sich einem Risiko aus. Jeder sollte Risken kompetent abschätzen können und entsprechend Handeln. Hier gibt es keinen ‚Veranstalter‘, der etwaige Haftung übernehmen würde, nur gegenseitige Hilfe und Unterstützung. So gewährte ich im Hagel einer sister Unterschlupf unter meinem Regenponcho und konnte der an Wärme gewöhnten Inderin eine Intensivierung der Kälteerfahrung ersparen; später wurde ich in ein Zelt eingeladen und konnte so eine weitere Regenphase trocken überstehen.

Nachdem ich dies alles, und viele nackte Menschen(!) gesehen hatte, reiste ich natürlich unverzüglich ab und wendete mich wieder meinem bürgerlichen Leben in Babylon zu.

wanderlust

Nach 10 Monaten harter Arbeit freue ich mich nun auf die Ferien. Gewiß, andere genießen 5 Wochen Urlaub, ich hab nur 2 Monate. Aber diese kurze lebenswerte Sommerzeit will genutzt werden – Carpe Diem, carpe vacatio!

Also beginnen meine Reisevorbereitungen wieder mal mit der Restaurantrecherche. Als Gebirgsdorfbewohner staune ich in jeder größeren Stadt über die kulinarische Auswahl und das schier endlose gastronomische Angebot. Das Problem besteht hier weniger im fehlenden Angebot, sondern ist ganz anderer Natur: die Größe der Stadt! Nur weil sich zwei Restaurants in Paris befinden, bedeutet das nicht, dass sie auch nur im Entferntesten nahe beisammen liegen müssen – nach einem Tag Paris-Sightseeing habe ich eine Strecke von 35km zurückgelegt. Glücklicherweise konnte ich die meisten davon am Einrad zurücklegen; so wurde der Weg zwar nicht kürzer, aber lustiger.
Auch Bilbao ist schön. Schön von der Art, wie Bad Gastein es ist. Beeindruckende Vertikalausdehnung, kompaktes Zentrum. Ein

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Meditate with your children

Upayavira von buddh. Orden Triratna gibt in diesem kurzen aber englischen Vortrag ein Idee weiter, wie man mit seinen Kindern meditieren könnte.

Im Wesentlichen geht es darum für eine meditative aber sichere Umgebung zu sorgen, das Kind spielen zu lassen und Achtsamkeitsmeditation durchzuführen. Dabei mit offenen Augen das Kind beobachten, aber grundsätzlich unbeteiligt bleiben, außer natürlich wenn physische oder psychische Gefahr in Verzug ist.

Mit der Zeit kann es sein, dass das Kind die entspannte Atmosphäre aufschnappt oder wenigsten den – in dieser Situation – wenig reagierenden Elternteil in Ruhe lässt. Wobei es eben eine eigene Situation sein soll und nicht zu einer ständigen Unbeteiligung führen soll.

... gähn ...
… gähn …

Könnte man ja mal eine Zeit lang testen.

Revoluzzer und Rabauken

Diesen Beitrag habe ich schon vor Wochen angefangen und jetzt aus dem Entwurf entstaubt:

Im Dharma Studium mit Suvanagharba vom Triratna Orden, ging es ‚damals‘ um Buddhas ‚unconditioned mind‘. 

Im diesen Zusammenhang habe ich mir Gedanken zu dem Begriff Revolution gemacht. Dabei geht es normalerweise darum, durch Veränderung einen nachhaltigen Wandel herbeizuführen. Jemand der also eine Revolution erlebt, hat sich in irgendeinem Ausmaß grundsätzlich verändert: Neolithische Rev., Industrielle Rev., Agrar-Rev., nicht zu vergessen die Digitale Revolution, uvm.

In unserer Gesellschaft ist Revolution grundsätzlich ein positiver Begriff, da die Revolutionen von damals uns heute großteils Wohlstand bescheren. Aber die Personen, die heute eine Revolution vorantreiben – in meinem früheren Umfeld verächtlich Revoluzzer genannt – sind keinesfalls positiv geachtet, sondern werden quasi als Querolanten abgestempelt. Oder Politiker nutzen die Revolutionsrhetorik um zu mehr Macht zu gelangen bzw. sie zu behalten. Von den in Aussicht gestellten Veränderungen merkt man dann freilich wenig.

Wäre unsere Gesellschaft nicht so träge und angstbesessen, könnten lange erwartete Revolutionen endlich stattfinden, stattdessen lässt man sich von den Politikern vertrösten und wartet und beobachtet. 

Sei selbst der Wandel, den du in der Welt sehen möchtest. Irgendjemand muss ja anfangen, also beginne in deinem Bereich.

Dieser Beitrag bezieht sich übrigens nicht auf die Lächerlichkeit von zu-wiederholenden-Bundespräsidenten-Stichwahlen in Österreich. Die von einer Partei vom Zaun gebrochen wurde, deren Mitglieder in den Wahlkommissionen auch für die Richtigkeit des Wahlergebnisses unterschrieben hatten.

Zurück zum Thema, ein Buddha macht eine Perspektivenverändernde, zum Erwachen führende Erfahrung durch. Egal ob das nun im Bruchteil einer Sekunde oder als lange dauernder Prozess mit vielen Einsichten geschieht, es handelt sich um eine wahre Revolution und meiner Ansicht nach um ein erstrebenswertes Ziel. 

Und das schlägt sich nicht nur auf dem Sitzkissen nieder!

GeMMa – Gemeinschaftliche Meditation & Mantra

Hier ist wieder eine Idee, die nur noch auf ihre Umsetzung wartet.

Ich denke, die meisten Leser dieser Blogs werden mit mir übereinstimmen, dass Meditation in der heutigen Zeit, in unserem Kulturraum, der breiten Masse nicht in den Schoß fällt. Viele haben zwar ein Bild davon, das die Werbeindustrie schön bedarfsorientiert ausschmückt: man bräuchte eine bestimmte Matte und ein tolles Sitzkissen, eine Gebetskette muss um den Hals liegen und am besten Balihosen und blabla.

Weg davon, es geht um die Meditationspraxis. Und ich finde, die breite Masse sollte sich ein Bild von ‚angewandter‘ Meditation machen, indem es einfach mal ausprobiert wird und zwar vielleicht in strukturierter aber offener Weise.

Hier nun mein Vorschlag für die GeMMa:

  • Man trifft sich an einem halbwegs ruhigen, abgeschiedenen Ort und stellt sich vor.
  • Jeder erzählt kurz, wie er gerade zur Meditation steht und ob es ein akutes Bedürfnis gibt, eine bestimmte Meditationsart auszuführen.
  • Man einigt sich auf eine Art bzw. auf ein Mantra.
  • Man beginnt gemeinsam das Mantra zu singen und endet in stiller Meditation, bis jemand den Abschluss einleitet.
  • Jeder bedankt sich auf seine Weise.
  • Ende des formalen Teils.

Ich verzichte bewusst auf eine formale Feedbackrunde im Ablauf, weil ich denke, dass viele Zeit brauchen werden, um festzuellen, wie die Situation auf sie gewirkt hat.

Also konkret könnte es so aussehen: die Gruppe findet sich zusammen, stellt sich vor und einigt sich auf gemächliche Gehmeditation mit dem Padmasambhava Mantra. Sobald für jemanden die Meditation beendet ist, wird eine Klangschale angestoßen, damit sich alle wieder einfinden. Danach bedankt man sich durch eine Verbeugung oder eine Umarmung und verlässt die Örtlichkeit oder man bleibt noch zusammen.

Die Kosten belaufen sich nur auf die Unkosten, wie Raummiete, falls überhaupt erforderlich. Immerhin ist es kein geführter Kurs. Ich stelle mir vor, dass man das an verschiedenen Orten anbieten kann. Zum Beispiel könnte man das für Eltern mit Babies und Kindern anbieten. Die Babies sollten sich im Tragetuch beruhigen lassen, zumindest funktioniert das mit dem Hörnchen recht gut.

So eine GeMMa könnte man bei verschiedenen Veranstaltungen anbieten.: zum Beispiel letztens beim Maibaumaufstellen auf der KleinenFarm oder am Biohoffest im TamanGa im Gamlitz.

Praxis im Alltag mit Baby

Unser Hörnchen ist jetzt schon bald zwei Monate bei uns. Und wie man so schön sagt, es verändert sich fast alles. Viele der Veränderungen sind sehr positiv, ein paar auch eher negativ, aber das nimmt man als frischgebackene Mama gerne auf sich! Zumal ich mir im Vorhinein schon bewusst gemacht habe, was ungefähr auf mich zu kommen wird und wir diese Entscheidung auch bewusst getroffen haben.
Auch war mir klar, dass meine buddhistische Praxis möglicherweise nicht so weitergehen wird, wie bisher. Das heißt kein (fast) tägliches Meditieren in der Früh, keine wöchentlichen Meditationstreffen mit Freunden und auch kein monatliches Dharmastudium mit unserem Novizenmönch.

Diese Veränderungen nahm ich in Kauf, obwohl ich mich vor allem in letzter Zeit und besonders in der Schwangerschaft nur allzu gerne mit dem Buddhismus und meiner Praxis beschäftigt habe. Das Meditieren fiel mir wesentlich leichter und machte auch viel Freude, ich konnte schneller zur Ruhe kommen und das Dharmstudium bereicherte mich.

Mit einem kleinen Baby fallen die Prioritäten jedoch anders. Und hier möchte ich anknüpfen. Denn nur weil ich nicht mehr auf der Matte sitze, Vorträgen lausche und Bücher wälze, heißt das keinesfalls, dass ich nicht mehr praktiziere! Täglich stehe ich neuen kleinen Herausforderungen gegenüber. Ich habe in diesen zwei Monaten vor allem gelernt, meine eigenen Bedürfnisse hintan zu stellen und mich, ganz selbstlos, voll und ganz dem Wohlergehen eines anderen Lebewesens zu widmen. Das nenn ich mal Boddhicittagedanke!
Außerdem übe ich mich jeden Tag in Geduld und Achtsamkeit. Sei es beim allgemeimem Umgang mit dem Baby oder wenn eigentlich auch andere Dinge zu erledigen wären bzw. ich mir für den Tag etwas vorgenommem habe, ich dem aber jetzt nicht nachgehen kann.

Oft sind es die kleinen alltäglichen Dinge im Leben, die uns, mit Achtsamkeit ausgeführt, wachsen lassen und uns zu uns selbst führen!

Wenn aus Unachtsamkeit Spontanität wird …

Wieder einmal stand ein Dharma Vortrag vor der Tür. Wir standen wie immer recht früh auf, machten in gewohnter Weise unsere Morgenpraxis und begannen dann, das Haus für den bevorstehenden Besuch vorzubereiten. Außerdem bauten wir auf der Terasse ein Sonnensegel auf, damit wir den Vortrag an diesem wunderschönen, sonnigen Tag im Freien genießen konnten. IMG_20150614_095609 Als es kurz vor 10 Uhr war wunderte ich mich ein wenig, dass noch niemand da war. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl. Als gerade der erste Gast vor unserem Haus parkte, ging ich entschlossen zum Terminkalender und musste mit Entsetzen feststellen: heute war gar kein Dharma-Vortrag bei uns! Dieses Wochenende war eine Meditation bei Sungrab Woeser, aber nicht der Vortrag bei uns. Wir mussten unserem Gast (den wir am Vortag extra noch an das Treffen bei uns erinnert hatten) daher erklären, dass wir uns im Datum vertan hatten. Irgendwie ärgerte ich mich über diese Unachtsamkeit und dass ich vorher nicht noch einmal das Datum geprüft hatte. Da unser Gast aber gleichzeitig ein Freund von uns ist, entschlossen wir kurzerhand, den Vormittag gemeinsam zu verbringen. Ohne groß darüber nachzudenken, stellte ich mir ein nettes Plauscherl bei Kaffee vor, dabei die Sonne und die leichte Brise genießend. [toe] schlug jedoch spontan vor, noch eine kurze Meditation mit Tönen zu praktizieren. Unser Gast, der Erfahrung in Zen-Meditation hat, hatte daraufhin den Vorschlag, 4 Einheiten zu meditieren und dazwischen Pausen einzulegen, in denen wir uns bewegten und durch den Garten wanderten. Alles sollte in Stille passieren und nur das Notwendigste geredet werden. So verbrachten wir ca. 2,5 Stunden mit meditieren und viel Stille. Danach bereiteten wir gemeinsam das Mittagessen zu und speisten. Das war keine Zeit der Stille mehr, jedoch redeten wir nicht nur über belanglosen „Klatsch und Tratsch“, sondern viel über den Buddhismus, Spiritualität und unsere eigenen Praktiken und Fortschritte. Anschließend wollten wir noch einen kurzen Verdauungsspaziergang machen, welcher als kleine Wanderung zu einem schönen Aussichtsplatzerl endete. Am späten Nachmittag kamen wir müde zurück und unser Gast verabschiedete sich von uns. Ich fühlte mich sehr zufrieden, mit dem Gefühl, den Tag genutzt und sinnvoll mit lieben Menschen verbracht zu haben. Was mit Unachtsamkeit und ein wenig Ärger über mich selbst anfing, entwickelte sich zu einem spontanten, wundervollen, gemeinsamen Erleben. Mir wurde wieder bewusst, wie wichtig regelmäßge Praxis mit einer Sangha ist und das dafür nicht notwendigerweise ein ‚Lehrer‘ oder jemand, der spiriutell mehr Erfahrung hat als man selbst, nötig ist. Es tut einfacht gut, zusammen mit Menschen, die auf dem selben Weg sind, Zeit zu verbringen, zusammen zu meditieren und alltägliche Dinge wie Kochen zu verrichten. Bei der Wanderung entschlossen wir uns daher, Treffen dieser Art, wo wir gemeinsam meditieren, tönen, Yogaübungen praktizieren, spazieren gehen usw. , regelmäßig einzuführen. Im Nachhinein bin ich natürlich froh darüber, dass wir uns im Datum geirrt haben, sonst hätten wir diesen Tag nicht in dieser Weise erleben können.

Eine Reise-Mala muss her

Wir sind bei meiner Schwiegermutter zu Besuch, wo wir während meines Studiums wohnten. Weil meine tägliche Meditation merkbare Fortschritte macht, will ich sie an keinem Tag auslassen. Wir haben unsere Hochzeitsmalas mitgenommen, also sollte es kein Problem sein. Die Morgengrüße meiner morgendlichen Praxis ließ ich ausfallen, denn wir hatten die Matten nicht mit und auch schon gefrühstückt.

Jedenfalls setzte ich mich barfuß und mit nacktem Oberkörper auf einen Gartenstuhl. Der kalte, nasse Rasen unter meinen Füßen und die morgendlichen Sonnenstrahlen auf meiner Haut ergeben einen tollen Gefühls- oder Wahrnehmungskontrast.

Ich nehme die Mala in die Hand und bemerke, dass sie bis auf den Boden hängt. In diesem Moment wird mir klar, dass man auf Reisen, wenn man trotzdem täglich meditieren möchte, viel flexibler sein muss als zuhause im geschützten Umfeld. Die Rahmenbedingungen können sich in möglicherweise unvorhersehbarer Weise ändern.

Vielleicht möchte man sich nicht auf den Boden setzen, weil die Wiese noch nass ist, oder man ist mitten in einer Menschenmenge, zB. im Zug, oder man ist aufdringlichen Nachbarslärm ausgesetzt, usw. Deshalb, und weil ich gern wieder die Erfahrung eine Mala zu erstellen erleben möchte, habe ich mir vorgenommen, demnächst eine Reise-Mala mit ganz kleinen Perlen zu machen.

Durch die kleinen Perlen wird sie kürzer und ich möchte Rest- und gebrauchte Perlen verwenden. Daher werden sie auch nicht alle dieselbe Form und Größe haben und sie werden möglichst zufällig aufgefädelt. Damit eine zusätzliche Ablenkung in der unterschiedlichen Wahrnehmung der benachbarten Perlen entsteht. Das finde ich bei der Reise-Mala für sehr stimmig, weil es die Vielseitigkeit der möglichen Umstände auf Reisen symbolisiert, die man bei der Meditation hinter sich lässt.

Ein schöner Gegensatz zur Hochzeitsmala, die eine mathematische Struktur erhalten hat, dadurch eine spezielle Eleganz aufweist und schon in mehreren Ritualen verwendet wurde.

Was haltet ihr davon? Ist es unnötig mehrere Gebetsketten zu haben, weil es die Bindung an die einzelne Kette abflacht? Oder ist das egal, weil es darum geht regelmäßige Meditation zu kultivieren? Ich bin auf eure Sichtweisen gespannt.

Ich habe das Beitragsfoto dieses Beitrags ersetzt mit einem Vergleichsfoto.

Dharma Vortrag 11.07.

Sutra Studium und Vipassana Meditation von Sungrab Woeser am 11.07.2015 in St. Johann iS. Anschließend praktizieren wir die Vipassana Meditation der vier Elemente im Körper: Erde, Wasser, Wind, Feuer; gemäß der Abhidharma Meditations Tradition.

Thema:

Satipatthāna-Sutta – mehr infos …

„Der einzige Weg ist dies, o Mönche, zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Kummer und Klage, zum Schwinden von Schmerz und Trübsal, zur Gewinnung der rechten Methode, zur Verwirklichung des Nibbāna, nämlich die vier Grundlagen der Achtsamkeit. Welche vier? Die Körperbetrachtung. Die Gefühlsbetrachtung. Die Geistbetrachtung. Die Geistobjektbetrachtung.“

Programm:

ab 9:45 Uhr Empfang
10 – 12:30 lesen wir nur den ersten Teil über die Körperbetrachtung. Anschließend praktizieren wir die Meditation der vier Elemente im Körper: Erde, Wasser, Wind, Feuer.

Der Ablauf ist nicht sehr strikt, aber um 10 Uhr sollten alle, die teilnehmen möchten, bereits da sein. Nach dem Vortrag werden wir gemeinsam essen und Tee trinken. Wie immer freut es mich, wenn jeder eine Kleinigkeit zu essen mitbringt.

Falls es bereits Detailfragen gibt, können diese auch schon vorab Sungrab bekannt gegeben werden, damit diese an geeigneter Stelle im Vortrag beantwortet werden können.

Anmeldung:

Eine Anmeldung ist nicht verpflichtend aber erwünscht. Um die ungfähre Gruppengröße einzuschätzen, freue ich mich, wenn ihr euch hier anmeldet.

Mit zuversichtlichen Grüßen
[toe]

Morgenpraxis

Ich habe in letzter Zeit viele Blogs über Meditation gelesen und deshalb dachte ich mir, ich stelle mal meine tägliche Praxis vor:

Im Wald

Sobald ich morgens aus dem Bett komme und mir etwas Bequemes angezogen habe beginne ich mit drei Runden Sonnengrüße. Anfangs langsam, da der Körper noch nicht aufgewärmt ist.  Danach fühle ich mich munter und gedehnt.

Ich schnappe mir meine Hochzeitsmala und setze ich mich auf einen Polster. Als Wecker verwende ich die App Medigong, da man hier kein Profil anlegen braucht. Mir ist wichtig, dass ich nicht der 5-min Anhaftung unterliege, wenn ich die Zeit zwischen 5 und 25 Minuten eingebe.

Ich richte mich ein, sodass ich längere Zeit ohne Krämpfe sitzen kann und warte auf den Startton. Dann schiebe ich nach jedem Ein- und Ausatmen eine Perle weiter. Das ist für mich sinnvoller, als wenn ich im Geist versuche zu zählen. Denn sobald ich im Geist meine Stimme höre, beginnt diese auch gleich fleißig zu Tratschen.

Es dauert ungefähr zehn Minuten bis ich alle 108 Perlen der Mala weiter geschoben habe. Danach bilde ich das Dhiana Mudra und konzentriere mich nur mehr auf das Atmen, bis der Wecker mir das Ende der Meditation anzeigt.

Beim Hochstand

Ich falte die Hände und verbeuge mich während ich in Gedanken das Mantra „Lokah Samstah Sukhino Bhavantu“ rezitiere, manchmal auch auf Deutsch, wie es mir gerade kommt.

Hier noch ein Link zu Meditationen von freebuddhistaudio, wo ich mir öfter mal Vorträge anhöre.