Schlagwort-Archive: Meditation

free buddhist audio

Eine wunderbare Resourcensammlung, die um den westlichen buddhistischen Orden Triratna entstanden ist, nennt sich www.freebuddhistaudio.com .

Es handelt sich dabei um ein Onlinearchiv von Tonaufnahmen und Texten zu buddhistischen Vorträgen, die in der buddhistischen Bewegung laufend entstehen. Die Inhalte sind nach verschiedenen Kriterien filterbar:

So gibt es beispielsweise vom Ordensgründer Sangharakshita alleine aktuell 320 Aufnahmen. Wieviele überhaupt zugänglich sind konnte ich nicht herausfinden.

Die Website ist komplett in Deutsch zugänglich, ein Großteil der Vorträge ist allerdings in Englisch. Aber glücklicherweise sind sie – soweit ich das beurteilen kann – sehr deutlich gesprochen. Manche Vorträge, ich habe schon zwei aus Essen erwischt, werden live übersetzt.

Vortragsbeispiel

So auch der Vortrag, den ich als Beispiel anführen will: Buddhismus, Natur und Umwelt von Vaddhaka übersetzt von Jnanacandra. Der Vortrag stellt dem heutigen Wertesystem des Neoliberalismus das buddhistische Mitgefühl gegenüber. Es kommen besorgniserregende Fakten aus der Wissenschaft zum Vorschein, die ein rechtes Licht auf die verschleierten Probleme unseres Kapitalismus werfen. Eine buddhistische Konsequenz, die man ziehen kann und meiner Meinung auch logischerweise ziehen muss, ist die Orientierung am Vegetarismus.

Ja da freut sich mein Ego in seiner Bestätigung. Aber ehrlich, darüber sollte man wirklich reflektieren und sein persönliches Handeln überdenken.

Zurück zu www.freebuddhistaudio.com, es gibt die Möglichkeit sich anzumelden, was ich aber noch nicht getan habe. Die Finanzierung scheint über freiwillige Spenden zu laufen und es gibt auch einen Blog, der aber auch mehrheitlich englischsprachig ist.

Fazit

Ich kann die Webseite wirklich jedem empfehlen, vorallem denen, die zu weit weg von buddhistischen Zentren leben. Die Tonqualität ist super und der Dharma ist rein. Wenn ich in meiner Arbeit langwierige technische Zeichnungen anfertige, dann gönne ich mir statt des nervigen Radios manchmal sinnreiche Lektionen von dieser wirklich tollen Seite. Schaut einfach mal rein.

Mit zuversichtlichen Grüßen
[toe]

5-min Anhaftung

Ist euch schon einmal aufgefallen, wie unglaublich strukturiert unser Denken ist?

Ich habe ungefähr vor einem Jahr zu meditieren begonnen. Und schon nach kurzem habe ich mir auf mein Handy eine Meditationsglocke geladen. Allerdings hat es bis vor einem Monat gedauert, bis ich die Glocke nicht mehr auf 5-min Einheiten eingestellt habe. Und es funktioniert trotzdem!

Ich vermute, dass es mir von den analogen Uhren nachhängt, dass ich Zeit in 15- bzw 5-min Blöcke einteile. Dabei ist der Medigong stufenlos – also auf ganze Minuten – einstellbar. Auch beim morgendlichen Wecker kann man beispielsweise 6:23 auswählen. Man muss sich die Gewohnheit nur bewusst machen, dann kann sie auch aufgelöst werden.

Seitdem fällt es mir leider besonders auf, wenn andere diese 5-min Einheiten für deren Meditationsglocken verwenden. Aber es wäre wohl etwas eitel, meinen persönlichen Erfolg jedem bei der ersten Gelegenheit unter die Nase zu reiben. Auch wenn mir das Ego das einzureden versucht.

Ein Duft von Freiheit

Auszüge aus gleichnamigem Interview mit dem Meditationslehrer und Psychotherapeut Richard Stiegler aus dem Magazin Yoga Aktuell N° 90, Februar/März, Seite 62-65:

Meditation ist etwas sehr Vielschichtiges. Von außen betrachtet ist sie eine Form, in die ich mich hineinbegebe, z.B. indem ich auf dem Kissen sitze oder Gehmeditation praktiziere. Dadurch, dass ich eine gewisse Zeit lang immer das Gleiche mache, wird mir bewusst, wie mein Geist gerade beschaffen ist. Die Form wird zum Spiegel meiner Emotionen und für das SEIN selbst … einfach sein, einfach da sein. Es geht also nicht wirklich um das Sitzen, sondern um das SEIN … zunächst geht es dabei ums Dasein und nicht ums Tun. Es geht um das schlichte Menschsein in diesem Augenblick. Wenn ich aber tiefer in den Augenblick eintauche, dann geht es um die Seinsnatur in uns. Das ist die Ebene des Gewahrseins. Ein Raum voller Freiheit und Frieden. Das Gewahrsein ist unsere innerste Identität … Meditation bedeutet also, uns an das zu erinnern, was wir im Inneren bereits sind.

Meditation ist ein Spiegel von dir selbst, und wenn du unruhig bist, dann wirst du auch in der Meditation unruhig sein. Das ist kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch machst, sondern ein Zeichen, dass du es richtig machst. Du bist bewusster und wacher als in deinem normalen Alltag, und dadurch bemerkst du, wie dein Geist gerade beschaffen ist. Deswegen: setz dich möglichst offen und unvoreingenommen auf das Kissen. Dann merkst du, wie dein innerer Zustand gerade wirklich ist. Er darf sein, wie er ist! Der gegenwärtige Moment, so wie er sich jetzt gerade zeigt, von Moment zu Moment, ist der eigentliche Lehrer. Meditation ist immer wieder die bedingungslose Hingabe an die jetzige Erfahrung. Es gibt nur das, was gerade da ist.

Das Grundlegenste, was man über die Meditation sagen kann, ist, dass sie ein Raum ist, in dem es um Bewusstheit und um das Bewusstsein geht. Es geht nicht um Wellness und nicht um gute Gefühle. Es geht auch nicht um etwas Heiliges. Es geht um Authentizität und, wie gesagt, um Bewusstheit.

Das Gewahrsein selbst ist keine Erfahrung, sondern pures SEIN. Wir sind zuinnerst pures SEIN, doch wir haben gleichzeitig eine Seele, die Erfahrungen macht. In dem Moment, in dem wir in direkten Kontakt mit dieser puren Präsenz kommen, färbt sich unser seelisches Erleben ein, und es tauchen ganz typische Erfahrungen auf: zum Beispiel eine unbedingte Freude ohne Grund, oder eine innere Freiheit oder tiefer Frieden … diese oder ähnliche Erfahrungen, die aus dem Kontakt mit dem Gewahrsein heraus aufsteigen, sind die wirklichen Ressourcen unseres Lebens …  Aber: um das Gewahrsein selbst zu verwirklichen, muss man auch diese Erfahrungen loslassen und übersteigen. Das Innerste ist nämlich SEIN, und keine Erfahrung. Letztendlich ist es ein freier, losgelöster Raum der Bewusstheit, in dem alles miteinander verbunden ist und nichts unabhängig existiert.

Die meisten Menschen strengen sich zu sehr an. Es wird oft gesagt: Meditation ist eine Übung. Doch mit dem Wort „üben“ verbinden wir Tun und Anstrengung. Üben muss man, was man noch nicht kann. So denken wir, dass wir uns in der Meditation ganz viel bemühen müssen. Unser Ego denkt sowieso immer: „Ich bin nicht gut genug. Ich muss besser werden, muss spiritueller werden und mich dafür anstrengen.“ Wenn wir so an die Meditation herangehen, bestätigen wir nur die Sichtweise unseres Egos. Deswegen sollte man sich zu Beginn der Meditation immer sagen: „Dieses Kissen hier ist ein Platz der bedingungslosen Annahme. Egal, ob ich gedankenverloren bin oder ob ich mich anstrenge, egal, ob ich gerade Liebe im Herzen trage oder Hass: es darf sein! Ich bin in meiner Ganzheit angenommen.“

Die Bedeutung von Meditation

Es gibt viele Gedanken, Erwartungen, Hoffnungen und Meinungen darüber, was Meditation bedeuten müsste. In Buddhas Zeit, etwa 350 vor Christi, war es hauptsächlich samatha Meditation: innere Ruhe, entstanden durch ein nie abgelenktes Bewusstsein. Diese Achtsamkeit hat noch eine tiefere Bedeutung, nämlich: Unabhängigkeit. Und zwar: der eigene Geist ist Meister über alle Sinneswahrnehmungen:  Auge, Ohr, Haut, Nase, Mund. Und wenn wir unsere Sinneswahrnehmungen meistern, bewältigen wir auch unsere Emotionen, Gedanken und Sprache. Das gibt enorm viel innere Ruhe, Frieden. Und innerer Frieden gibt enorm viel Innenraum für bedingungsloses Mitempfinden für Andere. Das ist der echte Buddha: die innere Natur des eigenen Geistes.

Übung:

mehrere Male pro Tag einige Minuten den eigenen Geist in Ruhe verweilen lassen, das heißt: alle Gedanken, Spannungen, Emotionen nicht fest halten. In diesem Moment sein, ohne gestern oder morgen. Und angenehm ein- und ausatmen.

Einen friedvollen Tag wünsche ich euch.

Sungrab Woeser

Buddhistischer Mönch