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Buddhismus im Alltag

Nachdem die letzten Monate das Lesen von Hebammenbücher mir das Thema Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett näher gebracht haben, habe ich mich in letzterer Zeit um buddhistische Texte im Zusammenhang zu Kinderbegleitung und Elternschaft bemüht.

Das Buch „Der buddhistische Erziehungsratgeber“ ist zwar gut zu lesen, aber der Titel ist einfach falsch übersetzt. Der Originaltitel „Buddhism for Mothers“ trifft eigentlich den Inhalt des Buches ganz gut. Also es geht darum, welche Erkenntnisse die Autorin aus der ‚Guten Lehre‘ für Mütter weiter zu geben hat. Das können Mütter und Väter für den Umgang mit den Kindern nutzen. Aber um Erziehung geht es nicht.

Auf freebuddhistaudio.com haben wir uns einen Vortrag von Jnanacandra angehört, der das selbe Thema behandelt. Allerdings finde ich ihre Ausführung als tolle Beschreibung für die Anwendung der buddhistischen Lehre im gesamten Alltag, konkret anhand des Beispiels Elternschaft.

Ich empfinde es genau so, wie sie es schildert, dass die buddh. Praxis nicht ausschließlich auf dem Sitzkissen stattfindet. Zeitmäßig ist das sogar nur der kleinste Teil, aber doch eine wichtige Basis.

Abschließend hat sie fünf konkrete Ratschläge formuliert, die ich – auch für jeden in unserer modernen Welt – für anwendbar halte. Egal ob man viel arbeitet, sich um jemanden zu kümmern hat, oder mit jemanden zusammen lebt, der einen nicht mehr versteht, … Jede und jeder kann diese Ratschläge in irgendeiner Form im täglichen Alltag beherzigen und daraus einen Nutzen ziehen.

  1. Mach dir klar, dass jede Situation das Potential hat, dich zum Erwachen zu führen, also zum Praktizieren.
  2. Schaff dir Freiräume.
  3. Erhalte ein realistisches Maß an formaler Praxis.
  4. Suche dir konkrete Übungsfelder im Alltag.
  5. Entwickle und pflege spirituelle Freundschaften.

Wenn dich mehr dazu interessiert, dann nimm dir einmal eine gute Stunde Zeit und höre dir ihren Vortrag an: Jonglieren Für Fortgeschrittene – Buddhistische Praxis im Familienleben

Wie siehst du das? Kann man den Weg nur zu Ende gehen, wenn man wie der historische Buddha sich von allem abwendet und sich letztendlich unter einem Baum niederlässt?

Dharma und vegane Lebensweise

Wenn ich so zurück denke, erinnere ich mich, dass zu meinen ersten relavanten Erfahrungen mit der buddh. Lehre der Dharmapada gehört. Damals war mir eigentlich schon klar, dass das Verursachen von Leid, das es zu vermeiden gilt, auch gegenüber Tieren gilt, steht ja auch so erklärt.

Als meine Freundin startete sich vegan zu ernähren, war das einzige Gegenargument für mich natürlich meine ach so liebe Bequemlichkeit. Ich hatte als Studienanfänger – so dachte ich – keine freie Kapzitäten meine tägliche Gewohnheiten zu ändern. Ich fuhr allerdings täglich mit dem Zug knapp 1h zur FH. Die Zeit nutzte ich zum Nachdenken, zum Wiederholen des interessanten Lehrstoffes, aber vorallem auch zum Lesen von buddh. Literatur.

Und im Gegensatz, zu dem Wellnesstrend – Buddhismus auf Sitzmeditation zu reduzieren – bedeutete der Dharma für mich im Wesentlichen ein ethisches Leben zu führen. Unter den vielen ökologischen und gesundheitlichen Gründen sich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden, empfand ich sie als selbstverständlich, um ein ethischeres Leben führen zu können.

Im letzten Newsletter des ÖBR, wurde die neue deutschsprachige Seite von Dharma Voices for Animals vorgestellt. Die Seite informiert wunderbar, dass es keine Ausreden im Bezug zur buddhistische Lehre und der veganen Lebensweise gibt.

Man kann sich kostenlos anmelden und wird damit quasi Mitglied, um der Organisation den dringend notwendigen Rückhalt in der buddhistischen Gesellschaft zu geben.

Übrigens im buddh. Orden Triratna wurde von Sangharakshita immer wieder klargestellt, dass sich Buddhisten, die es ernst meinen, zumindest in die vegetarische Richtung entwickeln werden.

Mein Schatz in der lokalen Bücherei

Viele, vorallem kleinere Ortschaften, machen sich die Mühe kleine öffentliche Büchereien zu halten. In Niederösterreich, wo ich aufgewachsen bin, wusste ich von der lokalen Bücherei, die im Erdgeschoß des Rathauses untergebracht war, aber soweit ich mich erinnere war ich bloß einmal dort um einen Blick hinein zu werfen. Der abgestandene Geruch von abgegriffenen Büchern passte gut in die möchte-gern-steril graue Stube.

Jetzt lebe ich in der Steiermark und in der sporadisch erscheinenden Ortszeitung wird immer ein kleiner unaufdringlicher Hinweis über die Neuanschaffungen in der öffentlichen Bücherei gegeben. Integrationswillig wie wir sind, machten wir uns eines schönen Sonntags auf um nun die angepriesene Bücherstelle zu besichtigen und seitdem haben wir uns schon einzelne Bücher und Magazine ausgeliehen.

Gestern war ich spontan alleine dort, da mein Herzblatt einen Frühdienst hatte. Beim oberflächlichen Blick-schweifen-lassen entdeckte ich ein Buch, dessen Titel mich daran erinnerte, dass ich ca. seit einem halben Jahr auf der Suche nach eben diesem Inhalt bin.

Rituale für das ganze Leben, Buddhistisch inspiriert“ von Ursula Lyon, erschienen imTheseus Verlag, 2004.

Ich hatte immer wieder in diese Richtung gestöbert, aber nie etwas Passendes im Internet oder den üblichen Buchhandlungen gefunden. Und plötzlich steht das Buch im südsteirischen, christlich geprägten Hinterland und wartet auf mich in den beiden kleinen Räumen neben der Volksschule. Ich bin wirklich begeistert.

Konkret bin ich auf der Suche nach der heidnischen Bedeutung der Rituale, die sich heute weitestgehend nur mehr im kirchlichen Kontext gehalten haben. Und dann würde ich versuchen die ursprünglichen Rituale im Zusammenspiel mit meinen – buddhistisch motivierten – Werten neu zu beleben. Seit ich den buddhistischen Weg als sinnvollen Weg für mich entdeckt habe, aber die Vermischung der asiatischen Kultur als hinderlich empfinde, ist mir diese Idee immer im Hinterkopf herum geschwirrt.

Außerdem habe ich noch so ein deutsches Lifestyle Magazin gefunden, das über sehr spannende Themen berichtet: Happinez.

Also, worauf ich hinaus will: Los, findet die Öffnungszeiten eurer lokalen Bücherei heraus und gebt den wahrscheinlich ehrenamtlich arbeitenden Menschen dort die Möglichkeit euch zu begeistern und womöglich schlummernden Ideen einen neuen Startpunkt.