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Praxis im Alltag mit Baby

Unser Hörnchen ist jetzt schon bald zwei Monate bei uns. Und wie man so schön sagt, es verändert sich fast alles. Viele der Veränderungen sind sehr positiv, ein paar auch eher negativ, aber das nimmt man als frischgebackene Mama gerne auf sich! Zumal ich mir im Vorhinein schon bewusst gemacht habe, was ungefähr auf mich zu kommen wird und wir diese Entscheidung auch bewusst getroffen haben.
Auch war mir klar, dass meine buddhistische Praxis möglicherweise nicht so weitergehen wird, wie bisher. Das heißt kein (fast) tägliches Meditieren in der Früh, keine wöchentlichen Meditationstreffen mit Freunden und auch kein monatliches Dharmastudium mit unserem Novizenmönch.

Diese Veränderungen nahm ich in Kauf, obwohl ich mich vor allem in letzter Zeit und besonders in der Schwangerschaft nur allzu gerne mit dem Buddhismus und meiner Praxis beschäftigt habe. Das Meditieren fiel mir wesentlich leichter und machte auch viel Freude, ich konnte schneller zur Ruhe kommen und das Dharmstudium bereicherte mich.

Mit einem kleinen Baby fallen die Prioritäten jedoch anders. Und hier möchte ich anknüpfen. Denn nur weil ich nicht mehr auf der Matte sitze, Vorträgen lausche und Bücher wälze, heißt das keinesfalls, dass ich nicht mehr praktiziere! Täglich stehe ich neuen kleinen Herausforderungen gegenüber. Ich habe in diesen zwei Monaten vor allem gelernt, meine eigenen Bedürfnisse hintan zu stellen und mich, ganz selbstlos, voll und ganz dem Wohlergehen eines anderen Lebewesens zu widmen. Das nenn ich mal Boddhicittagedanke!
Außerdem übe ich mich jeden Tag in Geduld und Achtsamkeit. Sei es beim allgemeimem Umgang mit dem Baby oder wenn eigentlich auch andere Dinge zu erledigen wären bzw. ich mir für den Tag etwas vorgenommem habe, ich dem aber jetzt nicht nachgehen kann.

Oft sind es die kleinen alltäglichen Dinge im Leben, die uns, mit Achtsamkeit ausgeführt, wachsen lassen und uns zu uns selbst führen!

Dharma im Alltag

Ich meine immer wieder zu hören/lesen, dass sowohl Buddhismus als auch echter Yoga realitätsfremd sei. Da ich in beiden Lehren sehr viele Gemeinsamkeiten finde – ja sogar behaupten würde, der historische Buddha sei ein Yogi gewesen – schreibe ich einen gemeinsamen Beitrag für beide diese Schwerpunkte. Sie sind ja auch in meinem Leben vereint. Ist ja nicht so, dass ich von 8 – 12 ein Yoga-Kapperl auf habe und nach dem Essen eine buddh. Robe anziehe. Nein, beides wird integriert gelebt.

Dem Buddhadharma wird oft vorgeworfen, er sei weltfremd und vorallem im Westen in der heutigen Zeit nicht praktizierbar, außer vielleicht in einem Kloster. Und Gemeinschaften die ihr Leben auf moderne Weise an den buddh. Idealen ausrichten und vielleicht sogar mit lokaler Kultur verbinden seien Sekten und sicher nicht authentisch.

Die yogische Praxis sei im Gegensatz dazu im Westen dem Fluch des Mainstreams erlegen. Als Begleiterscheinung von Fitnesszentren haben findige Lehrer alle möglichen Stile sektiert – vornämlich mit Übungen aus Hatha-Yoga und ein bisschen Pranayana, solo oder gemixt mit anderen Hilfsmitteln oder Akrobatik usw. – aber die Philosophie, der rote Faden dieser Lehre verstaube in den Büchern. Stattdessen dominiere Werbung mit den aktuellen Schönheitsidealen im Wettkampf um die extremsten Posen.

Aber es gibt die Lehren und es gibt die Menschen, die sich damit befassen und ihr Leben damit bereichern. Und zwar ohne unbedingt Geld dafür auszugeben, ganz im Stillen. In jeder Handlung findet sich die Gelegenheit, die Weisheiten dieser Lehren anzuwenden. Doch man muss sie halt nutzen. Und dafür müsste man die Lehren kennen. Und dafür müsste man sich damit befassen und sie verstanden haben.

Das kann man ganz allein, auch zuhause vorm eigenen Bücherregal oder hinter dem Computer. Sehr hilfreich ist es sich mit anderen Leuten die den Weg gehen auszutauschen. Aber anwenden muss man es dann immer noch selber.

Die veränderten Verhaltensweisen sind in unserer Gesellschaft leider nicht immer sehr hoch geschätzt, aber dafür umso heilsamer.

Auch mal seinen Feinden Zuneigung zeigen.

Moderner Theravada

Edit: Dieser Beitrag ist veraltet und meine Ansichten haben sich in der Zwischenzeit verändert: Triratna-der westliche Orden

Im Buddhismus gibt es heute 3 wesentliche Traditionen, die sich auf mehrere Schulen verteilen. Ich möchte heute über den modernen Theravada berichten, dem ich meine persönliche Praxis zuordnen würde, falls ich eine Schublade auswählen sollte.
Im mordenen Theravada findet sich der selbe Schwerpunkt wie in allen Theravada Schulen, nämlich dass die Inhalte der Lehrereden des historischen Buddha selbst als Basis für die eigene Praxis verwendet werden. Andere Schulen, die sich im Laufe der Zeit gebildet haben ergänzen diese Lehren mit eigenen Werken. Dabei wurden teilweise die Schwerpunkte in der Praxis sehr verändert. Zum Beispiel hatte Buddha schon immer von Mitgefühl erzählt. Bei oberflächlicher Betrachtung hört man allerdings immer wieder, dass ein theravadischer Mönch für sich selbst nach Befreiung strebt, während in anderen Schulen der Zustand des Bodhicitta angestrebt wird. Das ist der Erwachte, der die letzten Stufen der Befreiung erst betritt, wenn alle Lebewesen dahin geführt wurden. Die Motivation dafür liegt im unermesslichen Mitgefühl für alle Lebewesen.

Der größte Gegensatz vom modernen Theravada zu den übrigen Theravada Schulen ist wahrscheinlich, dass nur ein sehr geringer oder kein Wert auf traditionelle Rituale gelegt wird. Für mich bietet das den Freiraum die Werte der Lehre in mein eigenes kulturelles Leben zu integrieren. Fernöstliche Rituale, die ich persönlich oft nicht verstehe oder mir nichts bedeuten, brauchen nicht antrainiert zu werden. Außerdem bin ich im Flachland von Niederösterreich aufgewachsen. Im Gegensatz zu den bekannten steirischen, salzburger oder zum tiroler Kulturleben, ist mir mein kulturelles Erbe, falls überhaupt eines vorhanden sei, nicht als solches bewusst.

In der sprachlichen Praxis werden die Lehren oft in der Muttersprache des Praktizierenden studiert. Wobei die Übersetzungen doch manche Fachbegriffe unübersetzt lassen.
Außerdem nützt man gern die Möglichkeiten, Vorträgen aus allen buddhistischen Richtungen zu lauschen. Trotz einer schulischen Prägung, enthalten sie im Kern den wertvollen Inhalt der Lehre. Ich empfinde es als gute Übung, hinter die Äußerlichkeiten eines Vortrages oder eines Rituals zu blicken.

Außerdem kann bei jedem Gespräch – vorallem mit dem-Pfad-folgenden Lebewesen – ein unentdeckter Puzzlestein aufgedeckt werden.

Dhamma-Wiki > Mordern Theravada

Ein gutes Buch zu diesem Thema, dass ich gerne allen Interessierten empfehlen kann ist „Der Buddha sprach nicht für Mönche und Nonnen“ von Fritz Schäfer.

Mit zuversichtlichen Grüßen
[toe]