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Erinnerungen und die Zeit dafür

Ich muss zum Flughafen und fahre mit dem Zug hin. Zum Bahnhof gehe ich nur 10 Minuten. Ich gehe aber schon eine halbe Stunde früher los.

Am Weg treffe ich andere Menschen, welche ich freundlich Grüße und freue mich, dass sie meinen Gruß erwidern. Ich spüre du kühle Luft und freue mich darüber, dass noch kein eisiger Wind – der typisch im Marchfelder Herbst wäre – weht. Ich komme zum Bahnhof und erinnere mich, wie viel Zeit ich hier schon verwartet habe, wie es beim Umbau ausgesehen hat, wie es vor dem Umbau ausgesehen hatte. Wie ich es nicht verstehen konnte, dass die unregelmäßigen Überschwemmungen – wenn es mal wieder ordentlich regnete – niemandem zum Handeln bewog, außer der Feuerwehr. Ich erinnere mich, dass ich mir keine Gratis-Zeitung nehme, weil ich mich über den Inhalt nur ärgern würde, das Sudoku entweder zu leicht oder zu schwer sein wird und es den Abfall nicht wert ist.

Es sammeln sich weitere Menschen auf den Bahnsteigen und ich höre 2 Einheimischen zu, die sich in meinem Dialekt Oberflächliches zurufen und sich im Wesentlichen nur versuchen sich möglichst geschickt zu beleidigen.

Die Durchsage kündigt einen durchfahrenden Zug nach dem anderen an. Ich unterbreche jedesmal mein getippe, halte mein Telefon fest und beobachte wie das tösende Stahlmonster 2 Meter vor mir vorbeiprescht als gäbe es kein Morgen. Ich genieße die Ruhe nach dem Sturm.

Ich ärgere mich über die Raucher und ihre Zigarettenstummel und beschließe wieder in Erinnerungen zu versinken.

Sich zu erinnern dauert Zeit, die kann man sich auch bewusst nehmen.

Wir fahren los

Jetzt bin ich schon zwei Monate in Vaterkarenz und wir fahren tatsächlich los. Nach dem obligatorischen Mittagessen in Graz sind wir in Richtung Schladming gefahren.

Dort gibt es ein Bio-Geschäft mit Bistro und Mittagsmenü, das wir bei unserem ersten Adventure-Urlaub im Ennstal entdeckt haben. Gabi und Johann mit ihrem Team vom BioChi sind immer einen Besuch wert und das Essen ist erste vegane ‚Sahne‘.

Das ist übrigens keine bezahlte Werbung, sondern eine Herzensempfehlung. Wir haben unsere Route extra angepasst um dort vorbei zu kommen.

Am Weg dorthin haben wir bei einer dringenden Stuhlpause festgestellt, dass nicht nur der Kühlschrank ein Problem hat, sondern die gesamte erweiterte Elektronik unseres Campingbusses. Schön, das eigentlich während der Reise zu erfahren, zwei Tage nachdem wir den Bus von der Werkstatt geholt haben.

Dank einer Reihe von extrem freundlichen Steirern, die in einer naheliegenden Werkstatt unmittelbar vor ihrem Feierabend noch ein offenes Herz für uns hatten, konnte die defekte Sicherung gefunden, getauscht und unsere Fahrt fortgesetzt werden. Auf den Kühlschrank hätten wir verzichten können, aber auf das Bett im Klappdach nicht.

Ich denke, solange alles gut geht sollte man bei so einer Reise nicht zuviel Energie in die überwundenen Hindernisse und alternativen Enden stecken. Das würde mich verrückt machen. Also, noch verrückt verrückter.

Vaterkarrenz

Soderla, in meiner Arbeit staunten sie nicht schlecht, als sich herumgesprochen hat, dass ich für ein halbes Jahr in Vaterkarenz gehe. Nun, bislang waren die längsten Abwesenheiten, die sich Kollegen getraut haben weg zu bleiben, 2 Monate Vaterkarenz bzw. 7 Monate Bildungskarenz. Wobei derjenige ein Monat nach der Bildungskarenz plötzlich gekündigt hat.

Tja, bei all den schiefen Kleinigkeiten in meiner Firma, wenn jemand begründet Zeit braucht, dann bekommt man sie. Ich konnte im Monat der Geburt des Hörnchens meine Arbeitszeit auf 8h pro Woche reduzieren und danach mit 30h pro Woche eine 4-Tage Woche halten. Und 3 Tage Wochenende bringt wirklich Lebensqualität. Während der Vaterkarenz kann ich noch immer 8h pro Woche dazu verdienen, sodass wir zwar als Armutsgefährdet gelten, aber ohne Schulden trotzdem gut Leben können.

Unser Plan ist eine Europareise. Wir haben unsere Caretta – den Miniwohnwagen – verkauft und stattdessen einen mit 2 Betten und Küche ausgebauten VW Bus gekauft. Wir wollen in den Sommermonaten durch Europa bis nach England – endlich zum Buddhafield-Festival – und vielleicht Irland fahren. Auf dem Weg besuchen wir wenn möglich Freunde, die es irgendwo ins europäische Ausland gezogen hat oder andere schöne Orte.

Eine Reise-Mala muss her

Wir sind bei meiner Schwiegermutter zu Besuch, wo wir während meines Studiums wohnten. Weil meine tägliche Meditation merkbare Fortschritte macht, will ich sie an keinem Tag auslassen. Wir haben unsere Hochzeitsmalas mitgenommen, also sollte es kein Problem sein. Die Morgengrüße meiner morgendlichen Praxis ließ ich ausfallen, denn wir hatten die Matten nicht mit und auch schon gefrühstückt.

Jedenfalls setzte ich mich barfuß und mit nacktem Oberkörper auf einen Gartenstuhl. Der kalte, nasse Rasen unter meinen Füßen und die morgendlichen Sonnenstrahlen auf meiner Haut ergeben einen tollen Gefühls- oder Wahrnehmungskontrast.

Ich nehme die Mala in die Hand und bemerke, dass sie bis auf den Boden hängt. In diesem Moment wird mir klar, dass man auf Reisen, wenn man trotzdem täglich meditieren möchte, viel flexibler sein muss als zuhause im geschützten Umfeld. Die Rahmenbedingungen können sich in möglicherweise unvorhersehbarer Weise ändern.

Vielleicht möchte man sich nicht auf den Boden setzen, weil die Wiese noch nass ist, oder man ist mitten in einer Menschenmenge, zB. im Zug, oder man ist aufdringlichen Nachbarslärm ausgesetzt, usw. Deshalb, und weil ich gern wieder die Erfahrung eine Mala zu erstellen erleben möchte, habe ich mir vorgenommen, demnächst eine Reise-Mala mit ganz kleinen Perlen zu machen.

Durch die kleinen Perlen wird sie kürzer und ich möchte Rest- und gebrauchte Perlen verwenden. Daher werden sie auch nicht alle dieselbe Form und Größe haben und sie werden möglichst zufällig aufgefädelt. Damit eine zusätzliche Ablenkung in der unterschiedlichen Wahrnehmung der benachbarten Perlen entsteht. Das finde ich bei der Reise-Mala für sehr stimmig, weil es die Vielseitigkeit der möglichen Umstände auf Reisen symbolisiert, die man bei der Meditation hinter sich lässt.

Ein schöner Gegensatz zur Hochzeitsmala, die eine mathematische Struktur erhalten hat, dadurch eine spezielle Eleganz aufweist und schon in mehreren Ritualen verwendet wurde.

Was haltet ihr davon? Ist es unnötig mehrere Gebetsketten zu haben, weil es die Bindung an die einzelne Kette abflacht? Oder ist das egal, weil es darum geht regelmäßige Meditation zu kultivieren? Ich bin auf eure Sichtweisen gespannt.

Ich habe das Beitragsfoto dieses Beitrags ersetzt mit einem Vergleichsfoto.