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Wer findet die Sangha?

Ich kenne nicht viele buddh. Zentren, aber die – die ich kennengelernt habe – sehen oft schön aus, haben viel buddh. Krimskrams herumstehen und gute Programme. Aber eine Sangha haben sie keine.

Es mag wohl sein, dass die Organisatoren sehr wohl eine spirituelle Gemeinschaft bilden, aber dann hüten sie sich scheinbar vor Neuzugängen. Mir kommt es vor, dass in den Städten (Wien und Graz) die Zentren zu Vortrags- und Meditationsräumen verkommen sind und auf dem Land der Schreinraum schnell wieder versperrt werden muss.

Offensichtlich wollen die Besucher auch nur diese begrenzten gemeinsamen Zeitabschnitte, weil nach einer gemeinschaftlichen Vipassana Meditation am dienstfreundlichen Abend, der Raum innerhalb von Sekunden geleert ist.

Die Sangha hat in der persönlichen spirituellen Entwicklung eine besondere Bedeutung. Sie ermöglicht spirituelle Freundschaften. Und zwar nicht nur vertikale (Schüler – Lehrer/Vorbild) sondern auch horizontale Freundschaften (Schüler – Schüler oder Lehrer – Lehrer, also zwischen sich entwickelnden Individuen). Um gemeinsam zu Reflektieren, neue Aspekte auf zu decken aber sich auch heraus zu fordern, Salz in Wunden zu streuen, Trost zu spenden, usw. Jedenfalls nicht bloß Konsument im selben Seminarraum zu sein.

Die Grundregel einer Sangha ist es rein aus den 4 Unermesslichen zu handeln: liebevolle Freundlichkeit/Liebe (Metta), Mitgefühl (Karuna), Mitfreude (Mudita) und Gleichmut/Gelassenheit (Upeka). Ein Handeln im Machtmodus schließt einen selbst aus der spirituellen Gemeinschaft aus.

Buddha Shakyamuni sagte, spirituelle Freundschaft ist nicht der halbe Weg, sondern der ganze. Dass im traditionellem Buddhismus, wo das Mönchstum um die Gunst der Laien fürchten muss, die horizontale spirituelle Freundschaft unter Laien eigentlich nicht existent ist, ist verständlich. Es ist ja seit jeher leicht eine Kirche zu finanzieren, wenn nur die spirituelle Elite entscheiden darf, was Verdienste bringt.

So ist es von einem Weisen aber sicher nicht erdacht worden. Nach Buddhas Zeit gab es vier gleichberechtigte Arten den aufgezeigten Weg zu folgen: Wandernonne, weibliche Laie, Wandermönch, männlicher Laie. Und alle hatten sie denselben Dharma, der einem das Ziel noch in diesem Leben erreichen lassen kann.

Über die Jahrtausende haben sich leider nicht alle revolutionären Änderungen von Shakyamuni gehalten und die lokale Kultur hat ihre Spuren hinterlassen: Laien wurden degradiert zu Systemerhalter des Mönchswesen, Frauen wurden diskriminiert so stark es ging, in weiten Bereichen wird ihnen sogar die Möglichkeit der Erleuchtung in weiblicher Gestalt abgesprochen.

Sorry, aber das ist das dümmste, was ich je gehört/gelesen habe. Wir sind alle spirituelle Lebewesen, die – in unserem Fall – als Menschen in der Welt erscheinen. Als Teil der Tierwelt haben wir evolutionäre Instinkte und Triebe. Wie auch immer diese aussehen, sie zu unterdrücken ist langfristig genauso leidvoll, wie sie unreflektiert auszuleben. Stichwort: mittlerer Weg.

Meiner Einschätzung nach haben alle spirituellen Lebewesen das Potential zu erwachen, komplett unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder Kultur. Nicht einmal die Kenntnis des Dharma ist, meiner Meinung nach, ein verpflichtendes – oder seine Abwesenheit ein ausschließendes – Kriterium. Das einzig Wesentliche ist die persönliche Erfahrung. Und genau da kann der Dharma hilfreich zur Seite stehen, muss aber nicht.

Es gibt seit wenigen Jahren, sogar im traditionellen Buddhismus, eine Bewegung, Frauen wieder gleich zu berechtigen. Wer davon noch nichts gehört hat, dem lege ich folgende Webseite ans Herz: www.buddhistwomen.eu von der Sakyadhita-Bewegung. Es gibt auch im Deutschland und Österreich Bestrebungen lokale Instanzen zu gründen, von der Schweiz weiß ich leider nichts.

Bei Triratna ist das Thema übrigens schon kurz nach der Entstehung verarbeitet worden. Nicht nur, weil die überhaupt so super sind, sondern weil sie es als selbstverständlich erachten mit der eigenen Kultur und der buddh. Weisheit zu interagieren. Es gibt getrennte Institutionen für Frauen und Männer, die – soweit ich weiß – im engen Kontakt sind, aber autonom für sich selbst Entscheidungen treffen. So hat es sich als sinnvoll und beständig ergeben.

Findest du das in deinem buddh. Zentrum?

Wenn aus Unachtsamkeit Spontanität wird …

Wieder einmal stand ein Dharma Vortrag vor der Tür. Wir standen wie immer recht früh auf, machten in gewohnter Weise unsere Morgenpraxis und begannen dann, das Haus für den bevorstehenden Besuch vorzubereiten. Außerdem bauten wir auf der Terasse ein Sonnensegel auf, damit wir den Vortrag an diesem wunderschönen, sonnigen Tag im Freien genießen konnten. IMG_20150614_095609 Als es kurz vor 10 Uhr war wunderte ich mich ein wenig, dass noch niemand da war. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl. Als gerade der erste Gast vor unserem Haus parkte, ging ich entschlossen zum Terminkalender und musste mit Entsetzen feststellen: heute war gar kein Dharma-Vortrag bei uns! Dieses Wochenende war eine Meditation bei Sungrab Woeser, aber nicht der Vortrag bei uns. Wir mussten unserem Gast (den wir am Vortag extra noch an das Treffen bei uns erinnert hatten) daher erklären, dass wir uns im Datum vertan hatten. Irgendwie ärgerte ich mich über diese Unachtsamkeit und dass ich vorher nicht noch einmal das Datum geprüft hatte. Da unser Gast aber gleichzeitig ein Freund von uns ist, entschlossen wir kurzerhand, den Vormittag gemeinsam zu verbringen. Ohne groß darüber nachzudenken, stellte ich mir ein nettes Plauscherl bei Kaffee vor, dabei die Sonne und die leichte Brise genießend. [toe] schlug jedoch spontan vor, noch eine kurze Meditation mit Tönen zu praktizieren. Unser Gast, der Erfahrung in Zen-Meditation hat, hatte daraufhin den Vorschlag, 4 Einheiten zu meditieren und dazwischen Pausen einzulegen, in denen wir uns bewegten und durch den Garten wanderten. Alles sollte in Stille passieren und nur das Notwendigste geredet werden. So verbrachten wir ca. 2,5 Stunden mit meditieren und viel Stille. Danach bereiteten wir gemeinsam das Mittagessen zu und speisten. Das war keine Zeit der Stille mehr, jedoch redeten wir nicht nur über belanglosen „Klatsch und Tratsch“, sondern viel über den Buddhismus, Spiritualität und unsere eigenen Praktiken und Fortschritte. Anschließend wollten wir noch einen kurzen Verdauungsspaziergang machen, welcher als kleine Wanderung zu einem schönen Aussichtsplatzerl endete. Am späten Nachmittag kamen wir müde zurück und unser Gast verabschiedete sich von uns. Ich fühlte mich sehr zufrieden, mit dem Gefühl, den Tag genutzt und sinnvoll mit lieben Menschen verbracht zu haben. Was mit Unachtsamkeit und ein wenig Ärger über mich selbst anfing, entwickelte sich zu einem spontanten, wundervollen, gemeinsamen Erleben. Mir wurde wieder bewusst, wie wichtig regelmäßge Praxis mit einer Sangha ist und das dafür nicht notwendigerweise ein ‚Lehrer‘ oder jemand, der spiriutell mehr Erfahrung hat als man selbst, nötig ist. Es tut einfacht gut, zusammen mit Menschen, die auf dem selben Weg sind, Zeit zu verbringen, zusammen zu meditieren und alltägliche Dinge wie Kochen zu verrichten. Bei der Wanderung entschlossen wir uns daher, Treffen dieser Art, wo wir gemeinsam meditieren, tönen, Yogaübungen praktizieren, spazieren gehen usw. , regelmäßig einzuführen. Im Nachhinein bin ich natürlich froh darüber, dass wir uns im Datum geirrt haben, sonst hätten wir diesen Tag nicht in dieser Weise erleben können.