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Testament

Gestern hab ich ganz zufällig ein Lied von Sarah Lesch entdeckt, die damit den Protestsongkontest 2016 gewann. Es ist ein Song, der das Leben im derzeitgen System und daher die Zukunft unserer Kinder sehr kritisch betrachtet. Und weil mir das Lied und besonders der Text unter die Haut geht, mag ich es hier gerne verlinken und die Lyrics posten. Am besten kurz Zeit nehmen und selbst reinhören.

 

 

 

Auch du warst mal ein Kind und auch ich war mal klein
Und auch uns ham sie was erzählt
Und dann macht man das alles und versucht so zu sein
Und dann merkt man das einem was fehlt
Und dann verlernt man, sich richtig zu spüren
Oder man flüchtet sich in Kunst oder Konsum
Und während ihr fleißig Pläne macht
Lachen die Götter sich krumm
Lasst eure Kinder mal was dazu sagen
Hört ihnen richtig zu
Die spürn sich noch, die ham Feeling für die Welt
Die sind klüger als ich und du

Und denkt dran bevor ihr antwortet:
Ihr seid auch nur verletzte Kinder
Am Ende gibt’s wieder ganz neue Symptome, und ihr wart die Erfinder
Und dann sagt ihnen wieder, wie es richtig geht
„Werd erwachsen“ und „bist du naiv“
Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben
Die Götter lachen sich schief

Achtet auf Schönschrift und Lehrpläne
Und dass sie die Bleistifte spitzen
Zeigt ihnen Bilder von Eichenblättern
Während sie drinnen an Tischen sitzen
Und dann ackern und büffeln und wieder auskotzen
Und am Nachmittag RTL 2
Am Wochenende geht’s was Schönes kaufen, fertig ist der Einheitsbrei
Und jeder der sich nicht anpasst
Wird zum Problemkind erklärt
Und jede, die zu lebhaft ist
Kriegt ‘ne Pille damit sie nicht stört
Und damit betrügt ihr euch selber denn
Kein Kind ist ein Problem
Und all die Freigeister, all die Schulschwänzer
Nur Symptomträger im System

Doch bedenkt wenn ihr so hart urteilt:
Ihr seid auch nur gefangene Geister
Der Unmut wird immer lauter
Und die Lehrer schreien sich heiser
Empört euch, dass Hänschen nicht ist, was er sein soll
Sondern nur, wer er nunmal ist
Die Götter pullern sich ein vor Lachen
Und ihr denkt, dass ihr was wisst

Und wenn Hänschen dann Hans ist
Der eigene Kinder hat, denen er was erzählt
Dann merkt Hans und Kunz, und ihr vielleicht auch
Dass wieder irgendwas fehlt
Ihr habt Wünsche und Träume
Und rennt damit ständig an imaginäre Wände
Und jeder Wunsch den ihr euch erfüllt
Der ist dann halt auch zu Ende
Geht ihr nur malochen für erfundene Zahlen
Und wartet, bis die Burnouts kommen
Schmeißt euer Geld für Plastik raus
Um ein kleines Glück zu bekommen
Das Beste aus Cerealien und Milch
Noch ‘n Carport und noch ‘n Kredit
Und alle finden‘s scheiße aber alle machen sie mit

Ihr klugscheißert und kauft trotzdem
Und die Werbung verkauft euch für dumm
Und dann sitzt ihr vor neuen Flachbildfernsehern
Und meckert auf den Konsum
Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern weltfremd
Die Götter lachen sich krumm

Ihr Traumverkäufer, Symptomdesigner
Merkt ihr noch, was passiert?
Wer hat euch das Land und das Wasser geschenkt
Das ihr jetzt privatisiert
Ihr Heuchler, ihr Lügner, ihr Rattenfänger
Ihr Wertpapierverkäufer
Man hat euch Geist und Gefühl gegeben
Und doch seid ihr nur Mitläufer
Ihr großen, vernarbten, hilflosen Riesen
Ihr wart doch auch mal klein
Und jemand hat euch mit Schweigen gestraft
Und ließ euch darin allein
Und jetzt hört ihr nicht nur die Götter nicht lachen
Ihr hört auch ihr die Kinder nicht weinen
Und sagt ihnen weiter, es würde nicht wehtun
Ohne es so zu meinen
Macht ihr ruhig Pläne, ich steh am Rand
Ich sehe euch und ich bin nicht allein
Hinter mir stehen mehr und mehr Weltfremde
Die passen auch nicht hinein
Und jetzt wartet nicht auf ein versöhnliches Ende
Den Gefallen tu ich euch nicht
Kein Augenzwinkern, keine milde Pointe
Die das Unwohlsein wieder bricht
Irgendwann werden die Götter nicht mehr lachen
Und falls es mich dann nicht mehr gibt
Hinterlass ich ein Kind, das sich selbst gehört
Und dies unhandliche Lied

Reformpädagogik im Sonnenhaus

Am Wochenende war Tag der offenen Tür in der Privatschule Sonnenhaus in Leibnitz. Jetzt mag man meinen, dafür ist es noch viel zu früh, denn unser Hörnchen ist ja erst einige Monate alt. Doch erstens vergeht die Zeit mit Kind oft wie im Flug, zweitens gibt es Wartelisten und drittens hat uns das Konzept der Schule sowieso interessiert, unabhängig von unserem Kind.

Also fuhren wir hin, zu der kleinen Schule, die inmitten von Wohnhäusern steht. Eine kleine Schule, die dieses Jahr 51 SchülerInnen zählt. Schon beim Hineingehen fiel auf, dass eine nette Atmosphäre herrscht. Wir wurden sogar persönlich begrüßt und ans Buffet gebeten. Nach dem kleinen Eingangsbereich, wo auch die Garderobenhaken für die SchülerInnen angebracht sind, gehts in den größten Raum. Hier schaut es wie in einem gemütlichen Wohnzimmer aus. Neben einer tollen Bücherecke mit Sofas gibt es Spieleecken, ein paar selbstgemachte Kunstwerke und jede Menge Lernmaterialien in verschiedenen Regalen.

Wir nahmen an der Führung teil und ließen uns vom Sonnenhaus erzählen. Die Schule besuchen derzeit wie schon erwähnt 51 SchülerInnen im Alter von 6- bis 15 Jahren, also von der ersten bis zur achten Schulstufe. Ziel hier ist es, dass sich die Kinder frei entfalten und entwickeln können und ihre Stärken und Bedürfnisse kennenlernen. Es wird viel nach Montessoripädagogik gearbeitet, aber auch andere wie Rebeca und Mauricio Wild oder Emmi Pikler fließen mit ein. Der Schulalltag gliedert sich in gebundene und freie Arbeitsphasen. In ersteren werden Materialien vorgestellt und Lernstoff erarbeitet, in zweiteren können die SchülerInnen das Gelernte selbst nochmals erarbeiten und so weiter festigen. Zu den ‚typischen‘ Unterrichtsfächer wie Mathematik, Sprache und Sachunterricht gibt es viele kreative Angebote wie textiles und technisches Werken, bildnerisches Gestalten, Bewegung, Musik, Tanz, Natur, Rollenspiel, Wald uvm.

Die Schule ist privat und wird als Verein geführt. Sie legen Wert auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit und (gewaltfreie) Kommunikation untereinander. Daher gibt es weder Reinigungspersonal, noch Schulwarte oder Nachmittagsaufsicht, denn das wird alles von den Eltern selbst erledigt. Jedes Elternteil bringt sich 20 Stunden im Jahr (oder Semester?) ein, sei es beim Putzen, bei Reperaturarbeiten, Veranstaltungen oder dergleichen, so fallen Kosten für zusätzliches Personal weg. Außerdem gibt es eine Wunschliste auf der Homepage, anhand der man Sachen für die Schule spenden oder sie finanziell unterstützen kann.

Das Sonnenhaus hat weiters drei oder vier Klassenräume, einen Werkraum und eine Küche. Auch gibt es einen Bereich mit Computern. Das Außengelände haben wir nicht besichtigt, es scheint aber ein großer, gepflegter Garten zu sein, in dem auch ein großes Holzklettergerüst steht. Sehen konnte ich es, da jede Klasse neben den vielen Fenstern auch eine ‚Balkontür‘ hat.

Bei der Führung konnten wir einen Einblick in den täglichen „Unterricht“ gewinnen. Die SchülerInnen können ab 7:15, spätestens um 8:00 in die Klassenräume und fangen sogleich mit dem Erkunden, selbstständigen Erarbeiten und Spielen an. Schulglocke gibt es keine! Besonders fasziniert hat mich das Beispiel, wie Schreiben gelernt wird: die Kinder sagen sich das Wort vor und schreiben mithilfe einer Bildertafel oder der Pädagogin auf, was sie hören. Da kann schon mal aus „Feuerwehr“ das Wort „Foiawea“ werden. Dennoch wird es nicht mit Rotstift korrigiert oder als falsch gewertet, denn die Kinder lernen, immer genauer hinzuhören und kommen mit der Zeit selbst drauf, wie es richtig geschrieben wird. Außerdem schreibt die Pädagogin bei den Hausaufgaben, die es zwei Mal in der Woche gibt, das korrekte Wort oder den korrekten Satz daneben hin. Es werden zudem für jede/n SchülerIn individuelle Arbeitszettel vorbereitet. Ist ein Kind beispielsweise gerade beim 3er Einmaleins, bekommt es genau dazu Übungen. Macht das Kind aber gerade das Dividieren durch, enthält sein Übungsblatt die entsprechenden Aufgaben.

Noten gibt es hier übrigens keine! Die Leistungen der SchülerInnen werden mündlich bzw. schriftlich definiert. Hier wird nicht nach einem Ziffernsystem bewertet, sonder Stärken und Schwächen direkt angesprochen, ohne zu werten. In der vierten und neunten Schulstufe gibt es allerdings auch ein Ziffernzeugnis um das Anmelden in weiterführenden Schulen, Lehren oder dergleichen zu vereinfachen.

Nach der Führung besuchten wir noch das schon angesprochene Buffet, das aus Kaffee, Getränken und von den Eltern selbstgemachten Kuchen, Keksen und Brot mit Aufstrichen bestand. Auf die Frage, ob etwas Veganes dabei sei, wurden wir gleich gut beraten! Auch die Sojamilch für den Kaffee war eine Selbstverständlichkeit.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass diese Art von Schule, speziell in dieser Größe, absolut meinen Vorstellungen entspricht. Ich wünsche mir für unser Hörnchen ein selbstbestimmtes Lernen ohne Druck durch LehrerInnen oder Gesellschaft. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen, wie schade es ist, wenn so überhaupt nicht auf Persönlichkeit, Interesse und Stärken eingegangen wird und dass das nicht gut tut. Weder für mich als Person, noch für den Lernerfolg, wenn man es so will. Denn zwar war ich in einer Schule, die sich gerne selbst als „die Elite“ bezeichnet hat, den Großteil meines Allgemeinwissens habe ich nach den Prüfungen jedoch schnell wieder vergessen…

Der einzige Nachteil ist eben der, dass diese Arten von Schulen privat und daher für den Einzelnen sehr teuer sind. Ob wir uns das in Zukunft leisten können/wollen, muss gut überlegt sein. Aber schließlich ist doch noch ein Weilchen Zeit und hier in Österreich haben wir ja immer noch die Möglichkeit des häuslichen Unterrichts!

Wieder eine Zertifizierung

In meinem Berufsfeld, IT, sind Zertifizierungen das Mittel der Wahl um sein Können kompakt gegenüber Arbeitgebern, Kollegen und Kunden zu benennen. Alle möglichen Hersteller (Microsoft, Dell, Cisco, HP, Riverbed, Barracuda, …) haben Zertifizierungsprogramme (MCSE, CCNA, RCSA, NGSE, …) um Dienstleistern die Möglichkeit zu bieten ihren Kunden ein Logo vor die Nase zu halten, das zeigen soll: Ich weiß was ich tu!

Das wäre gut gemeint, wenn die Zertifikate nicht auf wenige Jahre begrenzt wären und überdies ziemlich teuer sind. Insbesondere wenn man das dazu passende Training besucht. Dafür bieten die ebenfalls zertifizierten Trainingszentren aber eine Erfolgsgarantie. Also, würde man den ersten Antritt verhauen, ist der zweite kostenlos.

Da sie zeitlich begrenzt sind, stellt sich kurz vor Ablauf die Frage ob man für eine Rezertifizierung lernen soll oder vielleicht gleich das nächst höhere Level oder eine fachliche Spezialisierung anpeilen soll. Dann wiederholt man nicht nur sondern verbreitert oder vertieft man sein Wissen.

Die Bedingungen, unter denen man die Zertifzierungsprüfung ablegen kann, möchte ich euch weitestgehend ersparen – 2 Ausweise, Videoüberwachung, eine laminierte Seite Papier, … .Selbstverständlich muss ein Trainingszentrum nicht nur für das Training sondern auch extra für die Abnahme der Zertifizierungsprüfung zertifiziert sein. Ich denke, ihr merkt wohin sich die Sache entwickelt.

Ich werde mich morgen zur hoffentlich letzten Zertifizierung für diese Saison begeben, die dritte in ca. einem halben Jahr. Ich arbeite bei einem IT-Dienstleister, wo solche Zertifizierung akkumuliert werden und sich in bessere Rabatte niederschlagen. Denn wenn die Techniker, Verkäufer und Presales (keine Ahnung ob es dafür einen deutschen Begriff gäbe) sich bei dem selben Hersteller zertifizieren lassen, dann gibt es schon eine gewisse Kundenbindung (Partnerstatus).

Tja, hat alles Vor- und Nachteile, aber mir fällt es nun mal wieder auf, wie unser Bildungssystem sowas von falsch läuft. In der Schule ist es nicht wichtig (gewesen, die Neue Mittelschule könnte das Potenzial in sich tragen diese Perspektive zu ändern) für das Leben oder das Verständnis zu lernen, sondern man lernt um die subjektiven Erwartungen der jeweiligen Lehrer zu erfüllen.

Kenne deinen Feind und lass ihn glauben er sei dein Freund. Und dann noch eine geschickte Schummelzettelpolitik und das Zeugnis lacht vor Einsen. Wer dann ein Talent dafür hat merkt, dass man beim erstellen eines guten Schummelzettels bereits alles so oft wiederholt hat, dass es auswendig sitzt. Also das Zeugnis auch ohne Anwendung des Schummelzettels mit hauptsächlich Einsern lacht.

Bei den Zertifzierungsprüfungen ohne mitgebuchtem Training ist es eigentlich auch so. Man hat zwar keine Persönlichkeit, die man kennenlernen muss, dafür gibt es viele andere Leute, die gerne Fragenkataloge erstellen. Hat man ein grundlegendes Verständnis für die Materie und genügend Fragen, dann kann man sich sehr gezielt vorbereiten. Blöd nur, wenn man weiß, dass die meisten Fragen eigentlich nicht relevant sind für die Anwendung der Produkte. So wie in der Schule ist die technische Zertifizierung zum Großteil Auswendig-Lernerei, was nach ca. einem Tag wieder vergessen werden kann, da es nicht praktisch gebraucht wird.

Darauf sollte man sich wirklich nichts einbilden.

Zweck der Schule

„Es war etwas in ihm, etwas Wildes, Regelloses, das mußte erst gelöscht und ausgetreten werden. Der Mensch, wie ihn die Natur erschafft, ist etwas Unberechenbares, Undurchsichtiges, Gefährliches. Er ist ein von unbekanntem Berge brechender Strom und ist ein Urwald ohne Weg und Ordnung. Und wie ein Urwald gelichtet und gereinigt und gewaltsam eingeschränkt werden muß, so muß die Schule den natürlichen Menschen zerbrechen, besiegen und gewaltsam einschränken; ihre Aufgabe ist es, ihn nach obrigkeitlicherseits gebilligten Grundsätzen zu einem nützlichen Gliede der Gesellschaft zu machen und die Eigenschaften in ihm zu wecken, deren völlige Ausbildung alsdann die sorgfältige Zucht der Kaserne krönend beendigt.“

Hermann Hesse, Unterm Rad, Frankfurt am Main 1972, 51. Auflage 2012, S. 46ff Suhrkamp Verlag

Im ersten Moment fühlte ich mich sprachlos, als ich die Stelle in Hesse’s Unterm Rad las. Ich bin mir nicht sicher, ob es heute noch Menschen mit solcher Meinung gibt. Für mich zeigt es jedenfalls das Extrem, dem ich keinen kindlichen Geist aussetzen möchte.

Ganz im Gegenteil finde ich, dass durch solcherart Bildung man sich zusätzliche Hindernisse für das Leben und erst recht für den buddhistischen Weg der Befreiung aufbaut. Wenn ich an meine eigene Schulbildung denke, so wurde ich zwar nicht diesem Extrem gemäß unterrichtet, aber ich kann leider auch nicht behaupten, dass meine natürlichen Begabungen groß gefördert oder überhaupt gesucht worden wären.

Müsste ich meine gesamte Schulbildung also selbst zwischen den beiden Extremen einteilen, so würde sie doch näher an Hesses geschildertem Zweck liegen als an einer persönlichen Entfaltung. Das ist aber kein Grund in ein tiefes Loch zu fallen. Man kann sich weiter entwickeln. Glücklicherweise ist die Bildung nicht das Einzige, was einem Menschen im Leben hilft.

Wer sich aber doch Gedanken über alternative Schulen machen möchte, dem empfehle ich folgendes Video der Waldorfschule in Graz.

Kein Vergleich zu meinen Erfahrungen. Ich möchte aber keine Werbung für Rudolf Steiner oder seine fragwürdigen Lehren machen, sondern eher auf die alternative Methodik der Waldorfschulen hinweisen. Da hätten bei der Umsetzung des Bildungsvolksbegehren ruhig einige Maßhnahmen abgeleitet werden können.