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Bist du ein Krishna?

Letztens war ich in einem Drogeriemarkt. Ich hatte meine übliche Kleidung an – eine Aladinhose und eine bunte, „esoterische“ dicke Weste, da es gerade erst viele, viele Zentimeter geschneit hatte. Vor dem Geschäft stand eine kleine Gruppe Menschen, die sich unterhielten, dem Anschein nach zwei oder drei Familien mit jugendlichen Kindern.

Als ich ganz vertieft zwischen den Regalen stand, um die Fülle an Produkten kognitiv verarbeiten zu können, bemerkte ich im Augenwinkel, dass ein paar Leute aus dieser Gruppe unfern von mir verblüfft stehen blieben. Ich wurde angestarrt, richtete den Blick immer noch auf die Produktpalette, als ich die laute und erstaunte Stimme eines älteren Mannes hörte:“Schauts, ein Krishna!“

Meine Aufmerksamkeit wendete sich nun der mich begaffenden Gruppe zu, alle immer noch die Augen auf mich gerichtet, und der Mann fragte:“Bist du ein Krishna?“

Perplex wie ich war, antwortete ich nur mit einem kurzen:“nein“, worauf der Mann noch hinterherschob:“du schaust aber aus wir einer…“

Ich weiß ja nicht genau was sich dieser Mann unter einem Krishna vorstellt. Es ist scheinbar nur dieses Halbwissen, denn ich hatte nicht mal etwas Orangenes an, noch sonst ein Merkmal, dass man als Laie bei einem Krishna-Anhänger vermutet.
Jedenfalls kam ich mir ziemlich stigmatisiert vor. Ich habe nichts mit Krishna zu tun und wurde einfach in eine Schublade gesteckt. Es fühlte sich fast so an, als würde ich politisch verfolgt, denn diese Gruppe Menschen war weder freundlich, noch wirklich interessiert an mir. Ich wurde begafft, mehr nicht. Und obwohl ich mir meine Kleidung selbst aussuche und weiß, dass sie in der Masse heraus sticht, verstehe ich nicht, wie man nur aufgrund einer Äußerlichkeit so abwertend reagieren kann?!

Wenn Vorurteile sich bestätigen…

Jede/r hat Vorurteile. Ich denke, das ist oder war auch von Natur aus in gewisser Weise notwendig für unser Überleben. Hat man früher zum Beispiel einen Bären gesehen, der einem plötzlich mit Fleischeslust hinterher gejagt ist, war man beim nächsten Bären schon vorsichtiger. Wenn dann noch weitere zwei, drei, zehn Bären auf dieselbe Weise reagiert haben, nahm man – aus guten und vernünftigen Gründen – an, dass ALLE Bären einem nachjagen würden und mied sie. Und das war gut so.

Auch heute noch beurteilt man gewisse Personen oder Situationen intuitiv nach dem ersten Eindruck. Wahrscheinlich nicht immer ganz „objektiv“ (wobei man als Person ja immer subjektiv urteilt), da man von Erziehung, Medien, Erzählungen usw. bereits geprägt wurde und daher vielleicht nicht ganz unvoreingenommen an gewisse Dinge herantritt.
Ich denke, dass an einem Urteil, bei einer ersten Begegnung beispielsweise, grundsätzlich nichts Schlechtes liegt. Unser Gehirn ist nun mal so aufgebaut, dass es alles ordnen und einteilen will. Es analysiert und steckt Menschen, Situationen, Dinge in bestimmte Schubladen. Das Gefährliche daran ist nur, wenn man darüber nicht aktiv reflektiert und  sich gegebenfalls eine neue Meinung bildet bzw. überhaupt eine andere Meinung in seinem Kopf zulässt. Hierbei gilt wieder, mit größter Achtsamkeit zu handeln, um seine eigenen Denkmuster zu durchbrechen und nicht alle und alles über einen Kamm zu scheren. Das ist natürlich nicht leicht und fordert uns in jeder Situation neu heraus. Ich finde wir sind dazu verpflichtet, ganz vorurteilsfrei der Situation gegenüber zu treten,  die aktuellen Eigenschaften der Situation, Person usw. neu zu überprüfen und, wenn das Gehirn schon BEurteilt, nicht zu VERurteilen!

Es gibt allerdings Situationen, da bestätigen sich meine Vorurteile, welche nur Vorurteile geworden sind aufgrund der hohen Wiederholungsrate, immer wieder aufs Neue. Ganz konkret möchte ich hierbei auf die Umweltverschmutzung gewisser Menschen anspielen, die sich von einer sehr bekannten Fastfood-Kette ernähren. Ja klar, mir ist durchaus bewusst, dass nicht alle, die in diesem Fastfood Lokal essen, Umweltverschmutzer sind. Aber subjektiv nehme ich es so wahr. Denn wenn ich bei uns am Land unterwegs bin und schon von Weitem Abfall am Straßenrand oder im Straßengraben liegen sehe, denke ich insgeheim: „sicher Müll von McDo…“. Und siehe da, es bestätigt sich immer wieder. Ebenfalls häufig sind Bierdosen oder Dosen von Energydrinks, sowie Zigarettenschachteln. Komischerweise habe ich noch nie Müll oder Verpackungsreste von z.B.: Sojakakao, Bioschokolade, veganen Würstchen oder diesen kompostierbaren Plastiksackerl gesehen.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie ist eure Meinung dazu?