Ein Experiment mit mir selbst

Man kann es jetzt Zufall nennen oder wie man sonst gerne mag, denn ich habe vor etwa zwei Wochen über ein Phänomen nachgedacht und zwei Tage später genau dieses erlebt. Es geht um etwas ganz Simples, was aber in meinem Kopf auf gewisse innere Widerstände a la „das passt so nicht“ stößt. Ich rede hier ganz einfach vom Tragen verschiedener Socken. Also genauergesagt Socken, die sich in Farbe oder Muster unterscheiden und daher kein ‚Paar‘ mehr bilden. Jahrzehntelang und schon von kleinauf darauf trainiert, ist es für mich nicht einfach, dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen. Denn mir wurde, wie wahrscheinlich den meisten von uns, gelernt, dass man Socken als Paar anzieht, das heißt, der auf dem rechten Fuß ist an jedem Tag ident mit dem am linken Fuß! Und auch wenn ich sonst recht unkonventionelle Kleidung trage und versuche, nicht in Schubladen zu denken, so gehören Socken doch irgendwie zu den Dingen, die ich ganz automatisch paarweise in den Sockenkorb gebe und auch anziehe.

Also habe ich mich dazu entschieden, meine Muster zu durchbrechen und eine zeitlang verschiedene Socken zu tragen. Ich habe das schon ab und zu bei anderen Leuten gesehen und immer irgendwie lustig gefunden. Zwei Tage nach diesem Entschluss haben wir uns mit lieben Menschen getroffen und einer hatte tatsächlich auch zwei verschiedene Socken an. Sie unterschieden sich ein wenig in der Farbe und total im Muster. „Ich greife jeden Tag in den Sockenkorb und nehme zwei davon heraus. Wenn ich mal zwei gleiche erwische, ist es ein besonders guter Tag!“ sagte unser Bekannter scherzhaft.

Ich startete mit dem Experiment. Zuerst fand ich es seltsam, denn wenn ich nach unten blickte, schauten mir da, so könnte man meinen, zwei verschiedene Füße entgegen. In meinem Kopf war immer noch diese Blockade, dieses Schubladendenken, dass nur gleich und gleich stimmig ist. Die meiste Zeit des Tages bemerkte ich es allerdings gar nicht, manchmal fiel es mir zwar auf, ich lenkte aber weiters keine Aufmerksamkeit darauf. Irgendwann, nach zwei oder drei Tagen, störte mich die Ungleichheit meiner Socken wieder etwas stärker und ich erwischte mich bei dem Gedanken:“Ist ja nur ein Versuch für eine gewisse Zeit lang.“ Genau da erkannte ich, dass es sehr einfach ist, aus seinen Gewohnheiten auszubrechen, wenn man weiß, und sei es nur unterbewusst, dass man am Ende wieder in diese zurückfallen kann oder auch wird. Also beschloss ich für mich, einfach mit den ungleichen Paaren an Socken weiter zu machen und zu schauen, wie es mir dabei geht, ob sich mein Denken ändert oder wo es mich hin führt. Denn momentan kommt mein Ego mit der Idee des ‚Andersseins‘ sehr gut zurecht und ich denke, das zu überwinden wird der nächste Schritt, den ich angehen werde!

Gibt es bei euch auch solche kleinen Dinge, die innere Widerstände auslösen und habt ihr sie schon mal versucht zu lösen?

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9 Kommentare zu “Ein Experiment mit mir selbst”

  1. Derzeit hab ich damit aufgehört und trage wieder Sockenpaare. Mein Ego hat sich an der Tatsache, jetzt ganz besonders und anders als die anderen zu sein, ziemlich aufgeblasen. Das Thema hat zu viel Raum bekommen und genau das wollte ich ja nicht. Ich werde es in einiger Zeit aber wieder versuchen und schauen, ob ich dann gelassener und gleichgültiger damit umgehen kann. Aber zumindest das Schubladendenken, dass nur zwei gleiche Socken zusammen gehören, habe ich ein Stück weit aufgeben können 😉
    Socken als Kissenfüllung ist auch eine interessante Idee 🙂
    Greets cao

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  2. Super Experiment. Und, wie läuft es jetzt? Ich bin schon so lange Mutter und habe viele Probleme in den Jahren gut gelöst, aber das Rätsel, wohin die zweite Socke verschwindet, habe ich noch nicht lösen können. Meine Tochter hat eine zeitlang einzelne Socken zu Kissenfüllungen verarbeitet, womit auch meine Hoffnung schwand, sie je wieder mit ihrem Partner vereinen zu können. Lockerheit tut gut. Habe ich noch nicht geschafft.

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  3. Da ich nur schwarze Socken habe, habe ich das Problem nicht.. aber ich Wette ich würde auch irgendwann einfach anfangen, zwei verschiedene anzuziehen bzw hab das als Teenager immer gemacht. War für mich eine Art Revolution und Widerstand gegen den „Konformitäts-Druck“.. Ich finde dein Experiment jedenfalls erfrischend 🙂

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  4. Ja, Kindern scheint das noch eher egal zu sein oder sogar witzig, mein Neffe trägt auch oft verschiedene Socken und dann teilweise auch noch verkehrt, also mit der Naht nach außen…
    Beim Wäschewaschen hab ich mich auch schon ertappt, dass ich den dazugehörigen zweiten Socken suche, damit ich sie schön nebeneinander hängen kann 😁
    Greets cao

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  5. Der Vater meiner Tochter verbaselt andauernd ihre Socken, so dass sie eigentlich fast immer mit zwei verschiedenen an den Füßen von ihm zu mir kommt. Sie mag das („Ich bin PipilottaViktualia Rollgardina …!“) und ich finde es, so lange sie sie trägt auch nicht schlimm. Nur dann, wenn es auch zwei total unterschiedlich dicke Socken sind – da erscheint mir der Papa dann irgendwie fahrlässig. Und spätestens wenn ich die Socken bei mir aus der Waschmaschine hole bin ich doch genervt. Ich möchte sie bitte paarweise einsortieren können! 😀

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