Warum tun wir uns das an?

Die Frage hörte ich vor einer Weile im Radio und schwirrt mir seitdem im Kopf herum. Warum tue ich mir das an?

Wenn ich meine Gedanken einfach darüber ziehen lasse, kommen mir Zweifel an meiner Arbeit, an meiner Vaterschaft, an meiner Ehe, an meinem spirituellen Weg, an einfach allem.

Wenn ich aber bewusst über diese Frage nachdenke, wird mir klar, dass sie eine gewisses Bequemlichkeitsbedürfnis enthält, ein ziemlich egozentrisches sogar. Wenn ich mich selbst als Zentrum des Universums empfinde, dann passiert es leicht, dass ich meine Situationen mit den Selbstbildern aus Filmen, Büchern, Erzählungen oder anderen Fantasien abwäge, welchen sich mein Ego so gerne bedient. Klar entstehen dann vordergründige Zweifel. Nüchterner betrachtet, erkenne ich, dass ich genau da bin wo ich sein will.

Klar gibt es unnötig Problematisches in meiner Arbeit und die Fahrzeiten fühlen sich vermehrt als Zeitverschwendung an. Aber im wesentlichen kann ich mich dabei mit Dingen beschäftigen, die mich interessieren und faszinieren und bekomme auch noch gutes Geld für das bisserl Zeit, was ich dort verbringe.

Klar ist es manchmal kräftezehrend und deprimierend die Launen eines Kindes verständnisvoll zu begleiten und man fühlt sich manchmal einfach als der letzte Dreck. Aber das unbeschwerte Lachen in den guten Zeiten wiegt das Leiden großteils wieder auf und ob sich die Erwartung erfüllt, dass durch unserem zwanglosen Umgang eine „gute“ Beziehung zu dem selbstbewussten erwachsenen Kind erhalten bleibt, werden wir sehen.

Klar haben Cao und ich derzeit wenig Gelegenheit für uns zu sein und sehen die Belastungen des Anderen nicht immer auf Anhieb. Aber wir nehmen die Herausforderungen an ohne uns an Missverständnissen fest zu klammern oder kurfristigen emotionalen Erscheinungen mehr Wert bei zu messen als zielführend ist.

Klar kann ich im Moment wenig buddhistische Inhalte konsumieren und reflektieren oder mich in formaler Meditation üben. Aber mit den Entwicklungen, welche ich bereits hinter mir habe, kann ich auch an den Herausforderungen des Lebens achtsam wachsen, auch wenn ich es vielleicht oft nicht in Worte fassen kann.

Und das alte Haus ist alt, der große Garten ist groß und voller Zecken, das kaputte Auto lässt sich nicht profitabel verkaufen, altes Gewand bekommt Löcher, Socken halten kein halbes Jahr, wenn man Gebrauchtes ungeschaut im Internet kauft kann es reparaturbedürftig sein, die Politik adressiert Belanglosigkeiten statt Menschen- oder gar Tierrechte und Gerechtigkeit zu etablieren und die Wähler wählen aufgrund von Versprechungen anstatt aufgrund von Erfahrungen,…

Alles im allem, stecke ich mitten im Leben, das ich mir gewünscht habe, mit Risiken und Nebenwirkungen, die das echte Leben halt mit sich bringen.

Ich tue mir das an, weil sich das Leben auch nach Leben anfühlen soll!

2 Kommentare zu „Warum tun wir uns das an?“

  1. Immer mal wieder was von dieser buddhistischen Familie da unten zu lesen gefällt mir, Danke, dass ihr von Zeit zu Zeit sowas herausgebt. Es ist doch ziemlich komisch, so einen Blogbeitrag dann abzuschicken in die weite Welt, wo man nicht weiß, wer das liest und wie …

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